Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung

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Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung

Beitragvon pentium » 1. April 2014, 20:36

In der Namenkunde wird der Begriff Ortsname (auch "Toponym") zunächst in zweierlei Hinsicht verstanden.
Im engeren Sinne sind Ortsnamen die Namen von Siedlungen (Dörfer, Städte, Stadtteile). Hierfür ist auch der Begriff "Siedlungsnamen" gängig.
In einem weiter gefassten Verständnis umschließen Ortsnamen alle geografischen Namen.
Für diese Betrachtungen soll ein eng gefaßter Begriff gelten, wenn dabei auch anzumerken ist, dass eine Vielzahl von Ortsnamen aus geografischen Namen heraus entstanden.

Das Alter unserer Ortsnamen reicht oft einige Jahrhunderte, manchmal sogar Jahrtausende zurück. Sehr alt z.B. ist der Name Trier, der über 2000 Jahre zurückreicht.

Andererseit gibt es auch sehr junge Ortsnamen. So wurde Fürstenberg/Oder erst am 13. November 1961 mit Stalinstadt zusammengelegt und bekam den neuen Namen Eisenhüttenstadt. Die allerjüngsten Namen (oft Zusammensetzungen) wie z.B. Kirchfeld-Nord sind z.T. erst im 21. Jahrhundert entstanden.

Die Mehrzahl der Ortsnamen in unseren Breiten hat eine "natürlichere" Herkunft. Die Namen wurden nicht spontan gegeben, sondern sie bildeten sich über einen langen Zeitraum hinweg aus alltäglichem Wortmaterial heraus. Diese Ortsnamen erwuchsen aus der gesprochenen Sprache.

Oft wurden Stellenbeschreibungen zum Ortsnamen.
Stellen Sie sich vor, in einer Zeit, als es noch keine Ortsnamen (in unserem heutigen Verständnis) gab, wurden jemand nach seiner Herkunft gefragt. Die beste Ortsangabe war eine Beschreibung des Areals, z.B. "ich komme aus dem neuen Dorf" oder "ich wohne am hohen Ufer". Der Ortsname Hannover (mundartlich) entstand z.B. so.
Ein anderer beschrieb seine Herkunft mit "ich komme aus dem Steintal". So wurde der Ortsname Stendal herausgeformt (aus altsächsisch sten und dal).

Für derartige Ortsangaben wurde oft eine Präpositionalphrase (im, an, bei, auf...) bemüht. Deswegen finden sich in Ortsnamen sehr häufig erstarrte Dative wieder. Orte heißen Bergen und nicht "Berge" (ich wohne in den Bergen); Tiefenbach und nicht "Tiefebach" (vom tiefen Bach); Blankenburg und nicht "Blankeburg" (von der blanken [hellen] Burg).

quelle:
http://www.onomastik.com/on_ortsnamen.php

So jetzt für den Edelknaben. Dresden!

"Dresden ist ein slawischer, genauer gesagt altsorbischer Name, der im Laufe der Zeit eingedeutscht und dabei umgeformt wurde. Dem Namen liegt eine entnasalierte Form des slawischen Worts *drezga, das auf urslawisch *dr¸ezga "Wald, Dickicht" zurückgeht, zugrunde. Dieses Wort wurde mit einem Suffix -jane erweitert, mit dem sog. Bewohnernamen gebildet werden. Wird haben also von einer Grundform altsorbisch *Drežd’ane bzw. *Drežd’ene auszugehen, so dass der Ortsname "(Siedlung der Leute) am/im Wald" bedeutet."

Und Leipzig?

"Da die Siedlung in ehemalig slawischem Siedlungsgebiet liegt und wir in den älteren Sprachstufen des Deutschen keinen Anschluss an ein passendes Wort finden, ist der Name aus dem Slawischen zu erklären.
Doch geht die in der Forschung vertretenen Meinungen weiterhin von einer Deutung aus dem Altsorbischen aus, die auf dem Wort lipa "Linde" beruht und so den "Ort, an dem Linden wachsen; Lindenbestandener Ort" bezeichnen. Diese Deutung ist insofern stimmig, als dass ein Stadtteil Leipzigs Lindenau heißt und somit die deutsche Entsprechung des Wortes lipa widerspiegelt.

Chemnitz

Der Name „Chemnitz“ leitet sich vom Fluss gleichen Namens her, der durch die Stadt fließt. Dessen Name wiederum geht auf die obersorbische Bezeichnung Kamjenica (Steinbach; von kamjeń – der Stein; vgl. Kamenz) zurück.

Sorbisch und slwaische Ursprünge Rainer-Maria!

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Re: Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung

Beitragvon Volker Zottmann » 1. April 2014, 20:54

Deine Abhandlug gefällt mir, Pentium.

Ich bestätige schon mal Stendal. Als Dorf “Steinedal” wurde Stendal selbst erstmals 101 Jahre später im Jahr 1022, also nach Brunkau, als Besitzung des Michaelisklosters im Bistum Hildesheim genannt. Die Freiherren von Brunkau, denen auch Stendal unterstand, waren Ritter, Ratsherren, Vögte, Großgrundbesitzer und sogar, wie die Ursel, Edle von Brunkau, in Klöstern wie Hadmersleben, als Äbtissin tätig.

Namen wie Brunkau waren auch nur Ortsbeschreibungen. Heißt nichts weiter als Berg und Feld. Hätte sich ebenso ein Feldberg daraus entwickeln können.

Gruß Volker
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Re: Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung

Beitragvon pentium » 1. April 2014, 21:23

Ist ja nicht nur von mir, Volker.

Hier mal Freiberg

Das Gebiet von Freiberg lag in einem Urwald, der sich über große Teile Sachsens (vor allem über seine südlichen Grenzregionen) erstreckte. Zwischen 1156 und 1162 wurde unter Markgraf Otto dem Reichen mit der Rodung des Waldes begonnen und Waldhufendörfer angelegt.

Dazu gehörte auch Christiansdorf mit der Pfarrkirche St. Donati. Als um 1168/70 ungemein reiche silberhaltige Bleierze entdeckt wurden, entstand außerordentlich schnell die Stadt Freiberg, die bereits Ende des 12. Jahrhunderts mit 46,4 ha das wesentlich ältere Leipzig größenmäßig eingeholt hatte. Bei der Erzlagerstätte - dem später so bezeichneten Freiberger Zentralrevier - handelt es sich um die berühmte, ca. 35 x 40 Kilometer große Ganglagerstätte von Edel- und Buntmetallen.[1] Entsprechend einer Sage zogen nach Entdeckung der Erzlagerstätte Bergleute aus Goslar nach Christiansdorf und siedelten sich in der nach ihrer Herkunft benannten, zweiten Siedlung an dieser Stelle, der 1241 bezeugten civitas saxonum, zu Deutsch: Sächsstadt, an und gründeten eine eigenständige Pfarrkirche - die Jakobikirche. Die Gründung dieser Siedlung zog die Kunde an, dass der „Berg frei“ sei. Die in der Literatur immer wieder angegebene Stadtgründung 1186 beruht auf mehreren Irrtümern, vielmehr müssen die Stadtanfänge deutlich früher – kurz nach 1168/70 – angesetzt werden. In diesem Zuge entstanden das sogenannte Burglehnviertel um die Pfarrkirche Unser Lieben Frauen (dem späteren Dom) und das Nikolaiviertel um die Nikolaikirche, bei der es sich nicht um eine Kaufleutekirche handelte. Um 1170/80 wurde außerdem der markgräfliche Herrenhof als Burg errichtet, die Markgraf Otto der Reiche von Meißen erbauen ließ (seit dem 16. Jahrhundert Schloss Freudenstein). Wie archäologische Ausgrabungen und die dendrochronologische Bestimmung mehrere Holzstraßen belegen, war die plan- und regelmäßig angelegte Oberstadt um Obermarkt und Petrikirche seit den 1180er Jahren in Bau.

1180 bis 1185 wurde die Marienkirche begründet. Um 1220/40 (Dendrodatum 3. Turmgeschoss 1224/25) entstanden die Türme der Nikolaikirche als letzter oberirdisch erhaltener Rest der zweiten romanischen steinernen Nikolaikirche, die nach Abbruch der ersten, wohl um 1170 entstandenen ersten Steinkirche (Saalbau) seit dem ausgehenden 12. Jh. erbaut wurde. Die ältesten Reste der Petrikirche rühren hingegen erst aus dem frühen 13. Jh. her.

Der Name „Freiberg“ lässt sich erstmals 1201 belegen. Stadt- und Bergverfassung, das „ius Freibergensis“, das in der Kulmer Handfeste 1233 erwähnt wurde, stellte eine Einheit dar und die bürgerliche Autonomie hatte einen hohen Stand. In den 1220er Jahren entstand die Ratsverfassung in Freiberg, bei der es sich um die früheste in einer markmeißnischen Stadt handelt. Ab 1227 wurde das romanische Stadtsiegel, das älteste der Mark Meißen, verwendet.

quelle: Tante Wiki

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Re: Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung

Beitragvon augenzeuge » 1. April 2014, 21:25

Dresden und Leipzig sind also slawische Namen....also "nix deutsch"? [shocked]

Oh, wenn das der Edelknabe liest.... [angst]

AZ
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Re: Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung

Beitragvon pentium » 1. April 2014, 21:32

Stimmt AZ und ich habe noch etwas für den Edelknaben.

Wurzen

Auf der Wurzener Stadtflur (Crostigall) konnte durch jüngere archäologische Grabungen eine Siedlungskontinuität von etwa 6000 Jahren nachgewiesen werden. Die ältesten Siedlungszellen der heutigen Stadt sind – wie der Ortsname – slawischen Ursprungs. Wurzen wird erstmals 961 in einer Urkunde Ottos I. als Vurcine und Civitas erwähnt.

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Re: Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung

Beitragvon Nostalgiker » 1. April 2014, 22:48

augenzeuge hat geschrieben:Dresden und Leipzig sind also slawische Namen....also "nix deutsch"? [shocked]

Oh, wenn das der Edelknabe liest.... [angst]

AZ


Ach das wußtest Du nicht?
Das haben wir in der Schule bereits in Heimatkunde gelernt, also so in der 3.Klasse etwa.

Thoth
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Re: Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung

Beitragvon augenzeuge » 2. April 2014, 07:29

Thoth hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:Dresden und Leipzig sind also slawische Namen....also "nix deutsch"? [shocked]

Oh, wenn das der Edelknabe liest.... [angst]

AZ


Ach das wußtest Du nicht?
Das haben wir in der Schule bereits in Heimatkunde gelernt, also so in der 3.Klasse etwa.

Thoth


Sorry, Thoth, in der 3. Klasse war ich unfallbedingt ein halbes Jahr ausgefallen....das muss damit zusammenhängen. Und später war mir das wohl nicht wichtig genug.... [denken]
AZ
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Re: Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung

Beitragvon Nostalgiker » 2. April 2014, 08:06

Warum sollte sich der Heimatkundeunterricht im Bezirk Halle um die Herkunft und dem Ursprung der Städtenamen im Bezirk Leipzig kümmern?
Leider habe ich diese Schulbücher zu diesem Fach nicht mehr aber meiner Erinnerung nach waren sie sehr Territorial aufgebaut, also nicht 'Heimat' = DDR sondern das unmittelbare Lebensumfeld des Kindes.
Das Fach war so eine Art Mischmasch aus Regionalkunde, inklusive etwas Erdkunde/Geographie, Biologie, Geschichte .....

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Re: Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung

Beitragvon pentium » 2. April 2014, 21:00

Stimmt, darum auch Heimatkunde.
Und weil wir schon einmal bei Heimatkunde sind, hier die obererzgebirgischen Ortsnamen.
Aus
Max Grohmann "Das Obererzgebirge und seine Städte in Sage und Geschichte".

Zitat:
Zwei bekannte Bergnamen, Auersberg und Rammelsberg, haben insofern noch eine besondere Bedeutung, als sie auf die Frage nach der Besiedelung unseres Gebirges führen. Wie die in andere Erdteile Ausgewanderten ihre neuen Ansiedelungen mit Vorliebe nach heimatlichen Orten benennen, so haben auch die durch Krieg und Hungersnot leidenden Harzer Bergleute, die einst massenhaft in die silberhegenden Berge unseres Vaterlandes einwanderten, Namen aus ihrer alten Heimat auf Wohnsitze und Örtlichkeiten übertragen. Noch heute finden sich im Harze nicht nur die erwähnten beiden Bergnamen, sondern auch zahlreiche Ortsnamen des Gebirges wie Hohenstein, Kirchberg, Stollberg und der bekannte Name Quedlinburg, den einmal unser Elterlein geführt haben soll. Ein anderer heute noch im Harze vorkommender Bergname, der Eibenberg, läßt es kaum zweifelhaft erscheinen, daß auch die Stadt Eibenstock als eine Niederlassung jener Harzer Bergleute zu gelten habe und daß der Name derselben wie der jenes Eibenberges auf die in Norddeutschland und auch im Harze heimische Eibe oder den Taxusbaum zurückzuführen sei...

Nun ist noch auf die äußeren Gründe einzugehen, von welchen sich die einstigen Ansiedler bei der Benennung ihrer Wohnplätze haben leiten lassen. Als natürlichster Ausgangspunkt erscheint zunächst die Bodenerhebung, das heißt, ob ein Ort auf oder an dem Berge, im Thale oder in der Ebene angelegt wurde. Zahlreich sind die Zusammensetzungen, wie die Städtenamen: Schneeberg, Schwarzenberg, Freiberg, und die Dorfnamen: Grünthal, Blauenthal, Rothenthal. Auf die Höhenlage weisen hin: Steinhübel, Berggießhübel, Scharfenstein, Wolkenstein. Höhen- und Thallage zugleich deuten an Ober- und Unterwiesenthal. Nach der Bodenbeschaffenheit ist benannt der Ort Sand bei Freiberg. Auch die beiden Dörfer Grießbach bei Wolkenstein und Schneeberg haben ihren Namen von dem Sande erhalten, den die hier fließenden Bäche an ihren Ufern absetzen; denn der Ausdruck Grieß (mhd. griez) bedeutet den Sand am Ufer oder Grunde des Wassers. Bei den mit Haide gebildeten Namen müssen wir an Orte denken, die im Heidelande gegründet wurden. Kühnhaide oder Kienhain heißt eigentlich Fichtenheide.

Namengebend dient auch der Wald. Bildungen wie in Königswalde, Fürstenwalde u. a. lassen sich schon seit dem 8. Jahrhundert nachweisen. Ein Wäldchen nenne wir jetzt Hain; früher bedeutete das aus hagen zusammengezogene Wort einen Dornbusch. Hierher gehören Namen wie Grünhain, Altenhain, Pfaffenhain. Eine weitere Gruppe lehnt sich an Tier- und Pflanzennamen an. Dem Worte Gablenz liegt zu Grunde das Wort jablu, der Apfelbaum, Geyer stammt von jawor, der Ahorn, Gelenau von jeleni, der Hirsch. Zahlreiche Orte verdanken dem Wasser ihre Namen. Flußnamen kehren als Ortsnamen wieder: Sehma, Pöhla, Preßnitz. Dorfschaften wie Krumbach, Steinbach, Lauterbach sind nach dem Laufe oder der besondern Eigentümlichkeit des sie berührenden Gewässers benannt. Benennungen wie Furth bei Chemnitz weisen auf Übergangstellen über die Gewässer hin.

Auch auf Personennamen sind Ortsnamen zurückzuführen. So ist es bei den vier Städten, die nach der heiligen Familie genannt sind: Annaberg, Marienberg, Jöhstadt, Joachimsthal; Johanngeorgenstadt, Ober- und Niederneuschönberg sind in Anknüpfung an Johann Georg I. und Caspar von Schönberg auf Pfaffroda benannt. Ohne weiteres verständlich sind: Hermannsdorf, Erdmannsdorf. Cunersdorf weist auf Cunradisdorf und dies auf einen Konrad. Leukersdorf bei Zwönitz wird noch 1306 als Leutgersdorf genannt. Leutger ist der alte Name Liutger. Seifersdorf bei Dippoldiswalde, 1312 Syvirdisdorf, führt auf Siegfried, Röhrsdorf bei Chemnitz, urkundlich Rudigersdorf auf Rüdiger, Hilbersdorf, um 1290 Hillebrandisdorf auf Hildebrand und Dittersbach bei Frankenberg, ehemals Dyterychsbach, auf den vielberühmten Namen Dietrich.

http://www.alterzgebirge.de/grohmann-ortsnamen.html

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Re: Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung

Beitragvon Volker Zottmann » 2. April 2014, 21:40

Nicht nur Bergleute kamen vom Harz her ins Erzgebirge...
Mein Buchverweis passt zumindest ansatzweise, wird aber wohl interessieren.

Gruß Volker

Harz
Die frühen Gangster rund um Quedlinburg
27.04.2011 18:01 Uhr | Aktualisiert 27.04.2011 21:09 Uhr
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VON UWE KRAUS
Bernd Stephan schreibt beim Verlag Bussert & Stadeler über Räuberbanden zwischen Harz und Erzgebirge.
QUEDLINBURG/MZ.
Eine Quedlinburger Dirne gab den Tipp: Die Gartbrüder, herrenlose Landsknechte, überfielen dann 1559 die Bodemühle. Matz Nothart führte die Räuberbande an und verbreitete am Bodefluss mit seiner wilden Horde Angst und Schrecken. Als besonders brutal galt dabei das hünenhafte Jüngelchen Pausback aus Halberstadt. Nach dem Massaker in der Mühle blieben acht Tote zurück. Der Autor Bernd Stephan lässt in seinem neuen Buch "Geld oder Leben! Räuberbanden zwischen Harz, Oberlausitz und Erzgebirge" fast nichts aus, um Gewalt, Mord und Raub zu beschreiben, die einem wüsten Alptraum gleichen.

Er hat genau in mitteldeutschen Archiven recherchiert und ein opulent gestaltetes und sauber verarbeitetes Buch vorgelegt, das über die ersten Räuberbanden berichtet, die in Mitteldeutschland Angst und Schrecken verbreiteten. Da waren die Schandtaten von Anton Birnstiels Horde im Erzgebirge nur der Anfang einer grausamen Geschichte krimineller Gruppierungen, die in dieser Region ihr Unwesen trieben. Vor skrupellosen Überfällen, Einbrüchen und Brandstiftungen mussten sich die Menschen im mitteldeutschen Raum zwischen Harz, Oberlausitz und dem Erzgebirge noch lange fürchten.
Matz Nothart und seine Gesellen versetzten ab etwa 1550 die Harzer in Angst und Schrecken. Von einer Lösegelderpressung in Stecklenberg ist die Rede, von andauernden Pferdediebstählen und anderen Übeltaten. Nach dem Coup in der Bodemühle wirkten die Quedlinburger Ratsherren wie paralysiert. Wortreichen Ankündigungen, die Meuchelmörder aufzutreiben, folgten keine Taten. Gerade am Ramberg taten sich die Räuber der Nothart-Bande immer wieder gütlich.
Doch um Söldner zu werben, die die Räuber aufspüren, fehlte 1560 das Geld. So formulierten sich schließlich 600 Quedlinburger Wehrbürger und zogen in Richtung Appenrode, wo sich die Rotte verschanzt hatte. Der Anführer wurde gefasst, drei seiner Räuber flohen. Zwischen Thale und Blankenburg wurden sie schließlich gestellt und enthauptet. Nothart und seine Kumpane kamen später in Stolberg, nicht in Quedlinburg vor Gericht und landeten beim Scharfrichter.

Bernd Stephan spürt in seinem im Verlag Bussert & Stadler verlegten Buch auch den sozialen Wurzeln der Straftaten nach. Teils aus existentieller Not heraus, teils aus reiner Habgier und Mordlust begingen Räuberbanden lukrative, brutale und blutrünstige Verbrechen. Nicht selten gelang es den Banditen, Dieben und Mordbrennern, durch Gerissenheit und Glück ihren Häschern zu entkommen. Letzten Endes entging jedoch kaum ein Halunke seiner gerechten Strafe.

Sachkundig und detailreich beleuchtet das Buch ein eher selten bearbeitetes Kapitel mitteldeutscher Historie. Im Anhang werden den sieben ausführlichen Darstellungen noch kurze biografische Daten zu weiteren mitteldeutschen Schurken des 16. bis 19. Jahrhunderts angefügt.

Bernd Stephan: "Geld oder Leben! Räuberbanden zwischen Harz, Oberlausitz und Erzgebirge", 140 Seiten, Bussert & Stadeler, ISBN-13: 978-3942115063

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Re: Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung

Beitragvon Spartacus » 3. April 2014, 16:47

"Geld oder Leben! Räuberbanden zwischen Harz, Oberlausitz und Erzgebirge"


Schöner Titel, ließe sich auch auf die heutigen Parteien dort anwenden. [flash]

LG

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Nichts gelernt und dumm wie Brot, doch man leidet keine Not,
denn es gibt ja noch zum Glück, als Beruf die Politik.
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Re: Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung

Beitragvon pentium » 3. April 2014, 21:05

Ortswechsel
Vogtland

Marieney ist ein Ortsteil der am 1. Januar 1994 gebildeten Gemeinde Mühlental im Vogtlandkreis in Sachsen.
Marieney wurde um 1200 gegründet und erstmals 1279 mit Luther de Marchenia (Lothar von Marchney) erwähnt.
Der vermutlich noch zum Geschlecht der Ortsgründer gehörte. (Bedeutung dieses einzigartigen vogtländischen Ortsnamens bis heute umstritten, möglich ist z.B. eine Namensübertragung aus dem Herkunftsgebiet der ersten Siedler, Marcheney in der Oberpfalz.

http://www.gemeinde-muehlental.de/gemei ... rieney.htm

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Re: Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung

Beitragvon pentium » 16. Juni 2014, 13:02

Wir bleiben mal im Vogtland!

Markneukirchen
Das im 13. Jahrhundert gegründete Siedlerdorf Nothaft erhielt zunächst seinen Namen nach einem egerländischen Rittergeschlecht – Albertus Nothaft de Wildstein führte als Lokator bayerische/oberpfälzische Siedler in dieses Gebiet. Und auch in einer Urkunde aus dem Jahre 1378 wurde dieser Name erwähnt (Nuwenkirchen dictum Nothaft). Um 1274 erschien erstmals der Ortsname Neukirchen, zurückgehend auf die Gründung einer Kirche, in einer Urkunde des Klosters Waldsassen, in der ein Chunradus de Newenkirchen erwähnt wurde, wahrscheinlich der Inhaber des örtlichen Rittersitzes.

1357 (Nuenkirchin) und 1360 (stat) erschien der Ort bereits als Markt mit den gleichen Rechten wie die wohl älteren Nachbarstädte Adorf und Oelsnitz. Gründer des Marktes waren die Vögte von Plauen, die durch eine planmäßige Städtepolitik eine Festigung ihrer Macht gegenüber den Wettinern erreichen wollten.
Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte!
Die heutige Schreibweise des Ortes geht auf das Jahr 1858 zurück, in dem die gängige Bezeichnung Markt Neukirchen unter Weglassung des t im Ortsnamen durch königlichen Beschluss aus Dresden auf Markneukirchen geändert wurde, um Verwechslungen mit anderen Neukirchen zu verhindern...

So, so auf königlichen Beschluss! Um was sich so ein König alles gekümmert hat! Na gut gab es wenigstens keine ewige Diskussion, seine Majestät erledigt das mit einem Federstrich!


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Re: Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung

Beitragvon pentium » 15. Dezember 2014, 16:34

Plauen im Land der Vögte

Der Name der Stadt Plauen ist slawischen Ursprungs. Er kommt von plavna, was so viel wie Schwemmplatz, Flößplatz bedeutet und sich wahrscheinlich von der Lage im Überschwemmungsgebiet der Elsteraue ableitet.
Die Stadt wurde 1122 erstmals als Vicus Plawe in der Weiheurkunde der Johanniskirche urkundlich erwähnt. In der Urkunde bestätigte Bischof Dietrich I. von Naumburg die Kirche, die von Graf Adalbert von Everstein (in anderen Quellen auch Eberstein) erbaut und mit einer Hufe Land im Dorf Chrieschwitz, einem Stück Wald und dem halben Ertrag der Elstermühle ausgestattet wurde. Der Bischof setzte den Priester Thomas als Pfarrer ein und übertrug der Kirche den bis dahin ihm zustehenden Zehnt des etwa 20 Quadratmeilen großen Dobnagaus. Die Stadt gehörte zum Bistum Naumburg-Zeitz und war Sitz eines Archidiakonats.

1214 gründete der Deutsche Orden eine Niederlassung in Plauen, das Deutsche Haus, dem im Jahr 1224 Vogt Heinrich der Mittlere von Weida die Johanniskirche schenkte. In dieser Schenkungsurkunde wird als Zeuge „de Plawe: Conradus urbanus“ (urbanus = Stadtbewohner) genannt, der früheste Hinweis, dass Plauen das Stadtrecht erhalten hatte. Eine besondere Urkunde über die Verleihung des Stadtrechtes ist nicht erhalten. Am 29. Mai 1244 ist erstmals ein eigener Vogt von Plauen bezeugt, Heinrich II. von Plauen. In dieser Urkunde werden sowohl die steinerne Brücke als auch einige Höfe auf dem linken Ufer der Syra (Anfänge der Neustadt) erwähnt. 1263 folgte die erste Erwähnung der Neustadt...

quelle: Wiki

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