Zeitgeschichte-Gefährlicher Ballast

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Zeitgeschichte-Gefährlicher Ballast

Beitragvon Werner Thal » 10. August 2020, 11:03

DER SPIEGEL 6/1991 - Zeitgeschichte Gefährlicher Ballast

Stalin lieferte Hunderte von deutschen Kommunisten an die Gestapo aus, dokumentiert die Studie eines
österreichischen Historikers.

Zwei Frauen und 28 Männer bestiegen am 4. Februar 1940 in Moskau einen Zug mit unbekanntem Ziel.
Es waren die deutschen Antifaschisten und Kommunisten, die vor Hitler in die Sowjetunion geflohen
waren. In den fensterlosen Abteilen machten sie sich Mut: "Wir Kameraden der Berge", sangen sie,
"sind gegen alles gefeit."
Drei Tage später, als der Zug in der Nähe einer Brücke hielt, schlug die Stimmung jäh um. "Fertigmachen
mit Sachen", trieb ein sowjetischer Wachsoldat die Gruppe an.
Mit dabei war Margarete Buber-Neumann, Witwe des 1937 während der stalinistischen Säuberungen
erschossenen KPD-Spitzenfunktionärs Heinz Neumann. Ein Bahnhofsschild verriet ihr, wo sie und die
Leidensgefährten gelandet waren - in Brest-Litowsk, da, wo Stalins Machtbereich damals endete und
Hitlers begann. "Über die Brücke kam ein Soldat langsam auf uns zu", erinnerte sich Margarete Buber-Neumann
später - in ihrem Buch "Als Gefangene bei Stalin und Hitler": "Als er sich näherte, erkannte ich die Soldatenmütze
der SS. Der NKWD-Offizier und der von der SS hoben grüßend die Hand an die Mütze." Entsetzt hörten die
Gefangenen, wie der sowjetische Geheimpolizist die Namensliste verlas, dann übergab er die Männer und
Frauen den SS-Posten. Einige, die sich weigerten, wurden mit Gewalt über die Brücke gejagt.
Was in Brest-Litowsk geschah, war kein Einzelfall. Insgesamt über 400 Flüchtlinge, die meisten deutsche
Antifaschisten, lieferten die Sowjets zwischen 1937 und 1941 an das nationalsozialistische Deutschlandaus -
und schickten damit viele in den sicheren Tod.
Der österreichische Historiker Hans Schafranek hat die rot-braune Kumpanei jetzt in vollem Umfang
aufgedeckt und dokumentiert (1991). Als erster wertete er die einschlägigen Akten aus, die seit Jahren
im Politischen Archiv des Bonner Auswärtigen Amtes unbeachtet vergilbten. Die Dokumente offenbarten,
so Schafranek, "daß der stalinistische Apparat nicht die geringsten Skrupel hatte, auch politisch besonders
gefährdete Häftlinge den Nazis in den Rachen zu werfen".
Hunderte linientreue Kommunisten aus Deutschland kamen in Stalins Gefängnissen ums Leben. Seit Beginn
der Schauprozesse in den dreißiger Jahren waren sie scharenweise verhaftet worden - wegen "faschistischer
Verschwörung", "Trotzkismus" und "Spionage".
Wer die Gulags überlebte, dem drohte die Ausweisung nach Deutschland. Zwischen 1939 und 1941, der Zeit des
Hitler-Stalin-Pakts, arbeiteten Moskau und Berlin Hand In Hand. 250 Häftlinge gerieten so in die Fänge der
Gestapo, wurden Opfer eines engen Zusammenspiels des Auswärtigen Amtes in Berlin, der deutschen
Botschaft in Moskau und des Volkskommissariats für Auswärtige Angelegenheiten in Moskau. Tatsächlich, so
vermutet Schafranek, dürften es weit mehr gewesen sein, denn viele seien einfach ohne Papiere abgeschoben worden.

....und hier geht es weiter:

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W. T.
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Werner Thal
 
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Re: Zeitgeschichte-Gefährlicher Ballast

Beitragvon AkkuGK1 » 10. August 2020, 11:56

Bei Stalin hat nur ein einziges Leben gezählt, sein eigenes. Das er elendig verreckt ist, Karma. Leider 30 Jahre zu spät.
I don´t believe
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AkkuGK1
 
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