Königreich Preußen und die Hohenzollern...

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Königreich Preußen und die Hohenzollern...

Beitragvon pentium » 23. März 2024, 21:07

Geschichte Preußens:

Die Grundlage der preußischen Monarchie bildet die Mark Brandenburg, die Friedrich I. aus dem Hause Hohenzollern 1415 zugleich mit der Kurwürde zu Lehn erhielt. Er erwarb die Uckermark, sein Nachfolger, Kurfürst Friedrich II. (1440-70), die Neumark, Cottbus und Lübben. Ihm folgte Albrecht Achilles (1470-86); Johann Cicero (1486-99) erwarb Crossen und Züllichau sowie Sommerfeld, kaufte die Herrschaft Zossen. Joachim I. (1499-1535) gründete 1506 die Universität Frankfurt. Joachim II. (1535-71) führte 1539 die Reformation ein und erwarb 1537 das Anrecht auf Liegnitz, Brieg und Wohlau. Johann Georg (1571-98) zog die Bistümer Brandenburg, Havelberg und Lebus ein und vereinigte die Neumark wieder mit den Kurlanden.

Sein auf die Erwerbung des Herzogtums Preußen vom Deutschen Ritterorden sowie der Jülichschen Lande gerichteter Plan wurde durch seinen Sohn, Joachim Friedrich (1598-1608), weiter verfolgt und durch dessen Sohn Johann Sigismund (1608-19), größtenteils erreicht. Aus der jülichschen Erbschaft fiel diesem 1614 Cleve, Mark und Ravensberg zu. 1618 vereinigte er das Herzogtum Preußen mit Brandenburg. Unter Georg Wilhelm (1619-40) litt das Land durch den Dreißigjährigen Krieg. Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst (1640-88), schuf eine große Armee, erhielt im Westfälischen Frieden Hinterpommern, die Bistümer Halberstadt, Minden, Cammin und das Erzstift Magdeburg, beteiligte sich am Schwedisch-Polnischen Krieg (1655-60), erlangte 1660 die Souveränität im Herzogtum Preußen, siegte über die Schweden bei Fehrbellin (1675), unterdrücke die Opposition der Landstände und wurde der eigentliche Begründer des preußischen Staates.

Friedrich III. (1688-1713) erklärte sich als Friedrich I. (1701) zum König von Preußen, förderte die geistige Bildung, stürzte aber den Staat in finanzielle Schwierigkeiten und vergrößerte Preußen durch einige kleinere Erwerbungen. Friedrich Wilhelm I. (1713-40) richtete die Verwaltung musterhaft ein, erwarb 1713 Obergeldern, 1720 Vorpommern bis zur Peene, Stettin, die Inseln Usedom und Wollin, hinterließ bedeutende Finanzmittel und ein schlagkräftiges Heer. Friedrich II. (1740-86) erhob Preußen zur europäischen Großmacht. Er gewann durch den Schlesischen Krieg und den Siebenjährigen Krieg fast ganz Schlesien, 1772 bei der ersten Teilung Polens fast ganz Westpreußen und den Netzedistrikt, 1774 Ostfriesland und 1780 einen Teil von Mansfeld, gründete 1785 den Fürstenbund und förderte das Wohl des Landes durch eine gerechte und weise Regierung. Bei seinem Tod umfasste Preußen 198.000 km² mit 5,5 Millionen Einwohner. Friedrich Wilhelm II. (1786-97) erwarb 1791 die fränkischen Markgrafentümer Ansbach und Bayreuth und durch die zweite und dritte Teilung Polens Südpreußen, Neuostpreußen und Neuschlesien. Dagegen schwächte er Preußen durch seine haltlose Politik Österreich gegenüber und in den französischen Revolutionskriegen und erschöpfte so die Staatsfinanzen. Friedrich Wilhelms III. (1797-1840) schwächliche Neutralitätspolitik gegenüber Napoleon führte zur Niederlage Preußens und durch die Schlachten bei Jena und Auerstädt (1806) erfolgte die Zerschlagung des preußischen Staates. Er verlor 1807 im Frieden von Tilsit die Hälfte seiner Länder, die er jedoch nach dem Sieg über Napoleon durch den Wiener Kongress großenteils zurückerhielt, dazu die Hälfte des Königreichs Sachsen und andere Gebiete. Er organisierte darauf die Verwaltung, förderte Handel und Gewerbe, besonders auch die Bildung. Friedrich Wilhelm IV. (1840-61) gab, durch die Ereignisse von 1848 gedrängt, Preußen eine Verfassung, wies die ihm vom Frankfurter Parlament angetragene deutsche Kaiserkrone aber zurück und unterwarf sich Österreich durch die Olmützer Konvention (29. November 1850). 1857 ging Neuenburg für Preußen verloren, doch erwarb es Hohenzollern und vom Großherzogtum Oldenburg durch Kauf das Jadegebiet.

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Re: Königreich Preußen und die Hohenzollern...

Beitragvon pentium » 23. März 2024, 21:11

Wegen dauernder Krankheit des Königs erhielt sein Bruder, Prinz Wilhelm am 23. Oktober 1857 die Regentschaft, die er am 7. Oktober 1858 definitiv antrat. Dieser entließ das reaktionäre Ministerium Manteuffel, berief ein liberales Ministerium („Ministerium der neuen Ära“) unter dem Fürsten Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen und nahm vor allem die Reorganisation des Militärwesens durch Roon (1859) als Kriegsminister in Angriff, geriet aber darüber bald mit dem Abgeordnetenhaus in Konflikt. Nach Friedrich Wilhelms IV. Tod am 2. Januar 1861 wurde er als Wilhelm I. am 18. Oktober zu Königsberg gekrönt. 1862 berief er Bismarck an die Spitze eines konservativen Ministeriums. Der Streit über die Budgetfrage, insbesondere die Wiederherstellung des durch das Abgeordnetenhaus verworfenen Regierungsetats, verschärften den Konflikt aufs äußerste, doch wurden die inneren Probleme durch die Krise um Schleswig einstweilen zurückgedrängt.

Preußen führte 1864 zusammen mit Österreich einen Krieg gegen Dänemark (Deutsch-Dänischer Krieg von 1864) und veranlasste den Frieden zu Wien (30. Oktober 1864). Da sich aber die beiden deutschen Großmächte über das Schicksal Schleswig-Holsteins nicht verständigen konnten, brach 1866 der Deutsche Krieg aus, durch den Preußen infolge der Annexion von Hannover, Kurhessen, Nassau, Frankfurt a. M. und Schleswig-Holstein sein Staatsgebiet bedeutend erweitern konnte und nun an die Spitze des Norddeutschen Bundes trat. Nun erfolgte auch die Lösung des inneren Konfliktes durch Bewilligung der Indemnität seitens des Abgeordnetenhauses (3. September 1866). Der Machtzuwachs Preußens brachte Frankreich auf den Plan. Weite Kreise der französischen Gesellschaft verlangten „Revanche für Sadowa“ (Bataille de Sadowa = Schlacht bei Königgrätz) und beschuldigten Kaiser Napoleon III., der nicht einmal Luxemburg als Kompensation zu gewinnen wusste, des Verrates an Frankreichs Macht und Ehre. Die französische Regierung sah sich unter diesen Umständen zur Behauptung ihrer Popularität und Macht zu einem Krieg gegen Preußen gedrängt.

Der Deutsch-Französischen Krieg von 1870-71 führte zu Frankreich Niederlage und stellte Preußen als Präsidialmacht an die Spitze ganz Deutschlands. Am 18. Januar 1871 erfolgte die Proklamierung Königs Wilhelm von Preußen als Deutscher Kaiser. Durch die Berufung des Kultusministers Falk (22. Januar 1872) trat eine freisinnige Richtung ins Leben, welche in der Ausweisung der Jesuiten aus Deutschland und den neuen Kirchengesetzen (Maigesetzen) ihren Ausdruck fand, womit der sogenannte Kulturkampf begann. Die Attentate auf Kaiser Wilhelm I. vom 11. Mai und 2. Juni 1878 führten zu den Sozialistengesetzen, die ein Verbot der Sozialdemokraten zur Folge hatten. Infolge der nachgiebigen Haltung Bismarcks der Kurie gegenüber, gab Falk 1879 seine Entlassung. Die eine Schutzzollpolitik einleitenden wirtschaftlichen Gesetze veranlassten 1878 auch den Rücktritt anderer liberaler Minister. In den Jahren 1880-85 wurden sämtliche wichtige Privatbahnen Preußens verstaatlicht, am 17. September 1880 der Volkswirtschaftsrat errichtet und am 30. April 1884 der Staatsrat wieder ins Leben gerufen. Der fortschreitenden Polonisierung der östlichsten Provinzen trat die Regierung 1886 durch das Ansiedelungsgesetz entgegen. Nachdem schon durch selbständiges Vorgehen der Regierung die Maigesetze in wesentlichen Teilen abgemildert waren, wurde infolge direkter Verhandlungen mit der Kurie durch die kirchenpolitischen Gesetze vom 21. Mai 1886 und 29. April 1887 der Kulturkampf beigelegt.

Kaiser Wilhelm I. starb am 9. März 1888, ihm folgte sein Sohn Friedrich für 99 Tage als Kaiser Friedrich III., diesem folgte am 15. Juni 1888 sein Sohn als Kaiser Wilhelm II. (Dreikaiserjahr). Wilhelm II. entließ am 20. März 1890 Bismarck und ernannte den General Graf Caprivi zu dessen Nachfolger. Der 1890 berufene Finanzminister Miquel führte die Steuerreform durch (progressive Einkommensteuer, Vermögenssteuer, Verzicht auf die Grund-, Gebäude-, Gewerbe- und Bergwerksteuer), dem Minister des Innern Herrfurth gelang das Gesetz der Landgemeindeordnung für die östlichen Provinzen, dagegen scheiterte der vom Kultusminister Graf Zedlitz-Trützschler 1892 vorgelegte Volksschulgesetzentwurf und führte zur Entlassung Caprivis als preußischer Ministerpräsident. Ihm folgte Graf Eulenburg, der aber 1894 zurücktrat. Nunmehr wurde Fürst Chlodwig von Hohenlohe-Schillingsfürst Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident. Die Vorlage über einen Mittellandkanal wurde vom Landtag zweimal abgelehnt und gelangte erst 1905 in stark veränderter Form zur Annahme. 1900 trat Fürst Hohenlohe zurück und ihm folgte Graf Bülow. 1900 folgte Theobald von Bethmann Hollweg, 1917, für wenige Wochen Georg Michaelis. Ihm folgten bis 30. September 1918 Georg Friedrich Graf von Hertling. Letzter Ministerpräsident des Königreich Preußens war bis 9. November 1918 Max Prinz von Baden.

Preußen wurde nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) im November 1918 ein Freistaat (Republik) innerhalb der Weimarer Republik und im Versailler Vertrag drastisch beschnitten. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945), zuvor von den Nationalsozialisten schon zerlegt und 1945 de facto völlig erledigt, noch einmal formell durch das alliierte Kontrollratsgesetz Nr. 46 vom 25. Februar 1947 von den Siegermächten (USA, Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien) für aufgelöst erklärt.

quelle: deutsche schutzgebiete de
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Re: Königreich Preußen und die Hohenzollern ...

Beitragvon Gerd Böhmer » 24. März 2024, 11:35

Mahlzeit,

Alles klar - Danke, wie schon in einem anderen Zusammenhang von mir geschrieben wurde die Geschichte ab 1701 für mich richtig interessant. Das entwickelte sich schon in meiner Schulzeit und wurde später durch die Veranstaltungen rund um das Jubiläum 750 Jahre Berlin im Jahr 1987 beeinflusst. Hatte sich doch auch in der DDR in der zweiten Hälfte der 1980-er Jahre das Verhältnis zu Preussen und den Hohenzollern geändert ...
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Re: Königreich Preußen und die Hohenzollern...

Beitragvon pentium » 24. März 2024, 11:49

Vom Kurfürsten zum König

1688 wurde ein kränklicher, leicht buckeliger und oft verspotteter Mann Kurfürst von Brandenburg. Doch er wollte unbedingt König werden und erreichte dieses Ziel auch: Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg starb als König Friedrich I. in Preußen.

„Königsberg sieht Friedrichs Geburt? Was bedeutet dieses Zeichen?
Musen, ihr weissagt mir: König wird er einst sein!“

Mit diesem Distichon soll Pfarrer Johann Bödeker die Geburt des brandenburgischen Prinzen Friedrich am 11. Juli 1657 begrüßt haben. Aber dieser Spruch kann nur eine nachträgliche Erfindung preußenfreundlicher Hofberichterstatter sein, denn bei der Geburt war der Knabe so schwächlich, dass man ernsthaft um sein Leben bangen musste und ziemlich rasch eine Nottaufe vollzog. Ehrlicher verhielt sich der Vater des Kindes, Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der eine Erinnerungsmedaille zur Taufe drucken und mit der Inschrift versehen ließ:

„Amara miscet dulcibus – Gott mischt Bitteres mit Süßem.“

Das Bittere war: Es gab bereits einen älteren Bruder, Karl Emil, ein kräftiges Kind mit hellem Geist und scharfem Verstand. Der würde einst die Herrschaft aus der Hand des Vaters nehmen und dann unter anderem die wohlklingenden Titel tragen:

„Kurfürstliche Durchlaucht von Brandenburg, des Heiligen Römischen Reiches Erz-Kämmerer, Herzog in Preußen, Fürst zu Halberstadt, Minden und Camin, Burggraf zu Nürnberg, Graf zu Hohenzollern.“

Der Nachgeborene Friedrich sollte leer ausgehen. So war es Gesetz. Überdies bestätigte sich hier das Sprichwort: Ein Unglück kommt selten allein. Denn der Säugling fiel eines Tages zu Boden und verletzte sich derart, dass seine Wirbelsäule dauerhaft verkrümmt blieb.

„Seitdem hieß der Knabe das bucklicht Kind, und in die Jahre gekommen dann fer schiefe Fritz.“

Natürlich hatte Friedrich nun erst recht keine Chance auf eine Karriere. Die Eltern vernachlässigten seine Bildung und widmeten sich ausschließlich Karl Emil, dem Thronfolger. Aber das Schicksal entschied anders:

„Im blühenden Alter von neunzehn Jahren erlag der lebensfrohe und tatkräftige Kurprinz plötzlich einem hitzigen Fieber und verschied.“

Nun änderte sich alles: Der bisher vernachlässigte Friedrich wurde von seinem Vater, dem Großen Kurfürsten, in die Kunst des Regierens eingewiesen. Der Sohn erwies sich als ehrgeizig und konnte es kaum erwarten, an die Macht zu kommen. 1688 war es endlich so weit. Der „schiefe Fritz“ bestieg als Friedrich III. den Kurfüstenstuhl von Brandenburg.

Nun hatte er alle Hände voll zu tun, seine persönliche Herrschaft zu festigen. Der Vater hatte in seinem Testament verfügt, das Land zu teilen, um auch seinen Söhnen aus zweiter Ehe zu ermöglichen, fürstlich zu leben. Friedrich III. annullierte das Testament kurzentschlossen und verhandelte so lange, bis sie statt Besitz und Titel jährlich zu zahlende Abfindungen annahmen. Nun konnte er sich dem Aufbau seines Landes widmen.

Er förderte Gewerbe und Manufakturen, gründete die Universität Halle, die Societät der Wissenschaften und die Akademie der Künste. Zahlreiche Berliner Großbauten wie das Zeughaus und das Charlottenburger Schloss entstanden unter seiner Ägide. Er förderte bedeutende Wissenschaftler und Künstler, führte endlich den Gregorianischen Kalender ein, der in den katholisch regierten Teilen des Reiches schon seit über 120 Jahren galt, und hatte nur noch ein Ziel:

„Wenn ich alles habe, was zu königlicher Würde gehört – nämlich: genügend Land, genügend Geld, genügend Soldaten –, warum soll ich da nicht auch trachten, den Namen eines Königs zu erlangen?“

Der Wunsch, um jeden Preis König zu werden, zielte vor allem auf die Demonstration der eigenen Macht innerhalb einer stark hierarchisch gegliederten Gesellschaft. Doch Kaiser Leopold in Wien wies das Ansinnen des Herzogs zunächst ab:

„Wir brauchen keinen neuen König der Vandalen an den Gestaden der Ostsee.“

Weil er aber einen militärisch starken Verbündeten im bevorstehenden spanischen Erbfolgekrieg brauchte, besann er sich eines Besseren. Friedrich hatte, was Leopold fehlte: ein schlagkräftiges Heer. So konnte sich der Kurfürst von Brandenburg 1701 schließlich doch zum „König in Preußen“ krönen und bis zu seinem Tode am 25. Januar 1713 als Friedrich I. über das den östlichen Teil Preußens regieren.

Sein Enkel Friedrich II. wird ihn mit den Worten charakterisieren:

„Er war klein und verwachsen, seine Miene war stolz, seine Physiognomie gewöhnlich. Er verwechselte Eitelkeiten mit echter Größ. Alles in allem: Er war groß im Kleinen und klein im Großen.“

DLF
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Re: Königreich Preußen und die Hohenzollern...

Beitragvon Gerd Böhmer » 24. März 2024, 12:51

Mal als Ergänzung vor meiner Mittagspause - mir hat sich die Geschichte um den Leutnant Hans-Hermann von Katte als Freund von Friedrich II eingeprägt,
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Hermann_von_Katte.
Dann die Geschichte mit der Eroberung Schlesiens und der Spruch von Friedrich II mit den Erzhuren Europas ... und dem dann später mehrfach kolportierten Spruch "wie bei ... unterm Sofa",
https://www.welt.de/print/wams/kultur/article106212199/Wie-bei-Friedrichs-unterm-Sofa.html.

In diesem Sinne,
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Re: Königreich Preußen und die Hohenzollern...

Beitragvon pentium » 24. März 2024, 16:20

Hans Hermann von Katte

geboren28.2.1704 in Berlin

gestorben6.11.1730 in Küstrin

Offizier

Der aus einem altmärkischen Adelsgeschlecht stammende Hans Hermann von Katte wird am 21.2.1704 in Berlin geboren. Sein Vater Hans Heinrich von Katte ist Kürassieroberst und gehört zu den Lieblingen von König Friedrich I. Die Mutter des Knaben ist eine geborene von Wartensleben, Tochter des vom König hochdekorierten Generalfeldmarschalls Alexander Graf von Wartensleben. Sie stirbt 1707. Hans Hermann verbringt seine Schulzeit in Königsberg, wohin sein Vater, ein preußischer Offizier, der es bis zum Generalleutnant bringt, versetzt wird. Hans Hermann gilt als begabt und soll deshalb eine zivile Laufbahn einschlagen. Er besucht das den Franckeschen Stiftungen zugehörende Paedagogium und studiert anschließend Rechtswissenschaften in Königsberg und Utrecht. Längere Reisen vervollständigen seine Bildung.
Wohl auf Drängen des Soldatenkönigs tritt er gegen seinen Willen in das Kürrassierregiment Gens d’armes ein, in dem auch der Prinz von Preußen und nachmaliger König Friedrich II. dient. Friedrich sucht die Freundschaft des musischen und gebildeten Katte, der am Unterricht des Kronprinzen teilnimmt. Katte wird Freund und Vertrauter Friedrichs. Katte, als eitel und unbesonnen beschrieben, protzt überall mit seiner engen Beziehung zum Kronprinzen. 1730 weiht Friedrich Katte in seine Pläne über eine Flucht Hof seines Vaters, der ihn einengt und züchtigt, ein. Friedrich wird gestellt und Katte am 16.8.1730 in Berlin verhaftet. Ein Kriegsgericht verurteilt Leutnant von Katte zu lebenslänglichem Gefängnis. Der tobende König Friedrich Wilhelm wandelt das Urteil eigenmächtig um. Er sieht in Katte nur ein weiteres Beispiel für den seiner Meinung nach ständig frondierenden Adel der Altmark. Die Bitte des hochverdienten Großvaters, seinem Enkel das Leben zu schenken, wird vom Soldatenkönig abgelehnt.
Das Urteil wird im Beisein des zum Zusehen gezwungenen Prinzen am 6. November 1730 in der Festung Küstrin vollstreckt. Viele Zeitgenossen und Historiker haben in diesem traumatischen Erlebnissen einen Grund für die spätere Unzugänglichkeit König Friedrichs des Großen gesehen. Katte wird in seinem Heimatdorf Wust begraben. Die Familiengruft existiert noch heute.

rbb Preußen-Chronik
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Re: Königreich Preußen und die Hohenzollern...

Beitragvon Gerd Böhmer » 24. März 2024, 16:24

Hallo,

Alles klar, wie war das mit dem Spruch jeder soll nach seiner Facon selig werden ? Wobei sich die Geschichte der letzten etwa mehr als 300 Jahre auch auf den Stammbaum meiner Familie ausgewirkt hat.
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Re: Königreich Preußen und die Hohenzollern...

Beitragvon pentium » 15. April 2024, 17:10

adolph-von-menzel-flo_tenkonzert-friedrichs-des-gro_en-in-sanssouci.jpg


Menzel malte das Bild in den Jahren 1850 bis 1852. Friedrich der Große, der selbst Flötensonaten komponierte und für sein hervorragendes Querflötenspiel bekannt war,[1] brachte seine Kompositionen öfter in der Stunde vor dem Abendessen seinen Verwandten, Freunden und Bediensteten zu Gehör. Menzel stellt eine solche fiktive Szene dar, in der der Monarch im vom Kerzenschein vieler Leuchter erhellten Musikzimmer Flöte spielend vor seinen rechts sitzenden Musikern am Notenpult steht, während links und hinter ihm festlich gekleidete Gäste zuhören.[2] Menzel deutet aber auch den unterschiedlichen Grad von Aufmerksamkeit der einzelnen Zuhörer an.

Für sein Gemälde fertigte der Künstler zahlreiche Studien an, sowohl zu den Möbeln, zum Notenständer und zur Architektur als auch zur Kleidung und zu den Stellungen der Figuren.[3] Der Raum, der noch heute in Sanssouci so zu besichtigen ist, wie Menzel ihn malte, erscheint auf dem Bild jedoch größer als in der Realität. Menzel bemühte sich als Realist, durch die Kerzenbeleuchtung, die stilechte Möblierung und die verwendete Kostümierung die Rokoko-Atmosphäre des Ambientes darzustellen; bei der Darstellung der Hauptfigur orientierte er sich an Bildnissen des 18. Jahrhunderts, die den jüngeren Preußenkönig in idealisierter Weise darstellten.[4] Nach seinen eigenen Worten war Menzel bei seinem Gemälde aber gar nicht so sehr an der Darstellung der genannten Personen interessiert, sondern vorrangig an der Darstellung der Beleuchtungssituation mit den vielen Kerzen. Einem Besucher soll er gestanden haben, dass er „das Bild eigentlich nur des Kronleuchters wegen“ gemalt habe.[5]

An zentraler Stelle des Gemäldes steht Friedrich der Große, die Querflöte im Ansatz, das Notenpult vor ihm von zwei Kerzen beleuchtet. Er trägt eine Zopfperücke, einen langen, geöffneten, preußisch-blauen und rot gefütterten Rock sowie soldatische Stulpenstiefel. Er wird von einem Mann am Cembalo und einer Streichinstrumentengruppe begleitet. Mit Ausnahme des Cembalisten und des Cellisten verharren alle männlichen Anwesenden, auch die Männer im Publikum, stehend, um dem König ihre Reverenz zu erweisen.

Das Gemälde wird durch Friedrichs Notenständer, der in der Bildmitte platziert ist, in zwei unterschiedliche Hälften geteilt. In jeder der beiden Hälfte befinden sich acht Personen, von denen jeweils fünf stehen und drei sitzen.

Rechts im Bild steht ein älterer Zuhörer, den Blick nicht dem König zugewandt, sondern auf den Boden gerichtet. Es ist der Flötenlehrer Friedrichs des Großen, Johann Joachim Quantz, der seine ganze Konzentration den Klängen der Musik zu widmen scheint. Seine Haltung ist väterlich, er zollt dem König allerdings nicht seinen ganzen Respekt, denn er lehnt sich gedankenverloren an ein größeres Gemälde, das rechts an der Wand hängt. Der Musiker mit der Violine rechts außen ist der Konzertmeister Franz Benda.

Auch die Zuhörer auf der linken Seite des Bildes sind eindeutig zu identifizieren. Menzel hat in einer seiner Vorstudien zum Bild deren Namen preisgegeben.[6] Der ins Auge stechende Dicke mit der altmodischen Perücke ist Graf Gustav Adolf von Gotter, ein Lebemann, von Zeitgenossen als nervtötend beschrieben, gleichwohl ein Günstling des Königs, der stets seinen Vorteil zu nutzen wusste. Leicht versetzt hinter ihm steht mit verzücktem Gesichtsausdruck Jakob Friedrich Freiherr von Bielfeld. Er gehörte zu den Bewunderern Friedrichs des Großen, die tatsächlich wegen der Musik (und nicht nur wegen der Ehre, eingeladen zu werden) an dessen Konzerten teilnahmen. Der Mathematiker und Geograf Pierre-Louis Moreau de Maupertuis hingegen schaut gelangweilt zur Decke. Er gehört zu denjenigen unter den geladenen Gästen, die an der Musik weniger interessiert zu sein scheinen. Im hinteren Teil des Gemäldes sitzt die Lieblingsschwester Friedrichs des Großen, Wilhelmine von Bayreuth, auf einem rot gepolsterten Sofa.

Auch am Cembalo sitzt kein Unbekannter: Es ist Carl Philipp Emanuel Bach, der Sohn Johann Sebastian Bachs. 28 Jahre stand er im Dienst des Königs. Auf dem Bild sieht man allerdings, dass er von den musikalischen Künsten seines Arbeitgebers nicht so viel hält. Zwar wendet er dem Flötenspieler das Gesicht zu und scheint auf seinen Einsatz zu warten, doch die genauere Betrachtung lässt erkennen, dass seine Augenlider halb geschlossen sind und sein Gesichtsausdruck blasiert und fast abweisend wirkt.

Die alte Dame, die hinter dem Notenständer in der Bildmitte sitzt, ist die Gräfin Camas. Zur Rechten von Wilhelmine und direkt hinter dem musizierenden Preußenkönig sitzen im Publikum die jüngste Schwester Friedrichs, Amalie von Preußen, die wie der Monarch Musikstücke komponierte, und eine Hofdame. Hinter den Prinzessinnen steht der Hofkapellmeister Carl Heinrich Graun. Der Mann im Hintergrund ist Friedrichs Freund Chasôt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%B6t ... _Sanssouci
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Re: Königreich Preußen und die Hohenzollern...

Beitragvon Gerd Böhmer » 16. April 2024, 14:46

@ pentium » 15. April 2024, 17:10 Uhr,

Der Flötenspieler von Sanssouci - mir auch als Film bekannt - danke.
Weiteres Bild von Adolph Menzel aus dem Jahr 1848 - https://de.wikipedia.org/wiki/Aufbahrung_der_M%C3%A4rzgefallenen - durch die Märzrevolution von 1848 auch sehr bekannt - das Gemälde ist wohl unvollendet geblieben. Dabei spielte wohl auch Friedrich-Wilhelm IV, später Kaiser Willy 1 als Kartätschenprinz eine unrühmliche Rolle.
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Re: Königreich Preußen und die Hohenzollern...

Beitragvon pentium » 16. April 2024, 19:08

Das Flötenkonzert von Sans-souci ist ein deutscher, in Schwarz-Weiß gedrehter Historienfilm der Ufa aus dem Jahr 1930. Er war der erste Tonfilm der zwischen 1920 und 1942 sehr populären Fridericus-Rex-Filme, die sich mit der Geschichte Friedrichs des Großen befassen.

Themen

Jugend Friedrichs In den ersten beiden Filme der Fridericus-Rex-Reihe von 1922, in Der alte und der junge König von 1935 und in dem Fernsehspiel Der Thronfolger von 1979 ist die Jugend Friedrichs und der Konflikt mit dem Vater das Hauptthema. In der Verfilmung von 1935 übernahmen Emil Jannings und Werner Hinz die Rollen von Friedrich Wilhelm I. und seinem Sohn, in der Produktion von 1979 Günter Strack (der die Rolle auch in anderen Fernsehproduktionen spielte) und Jan Kollwitz. Auch die verfilmte Theateraufführung Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen widmet sich diesem Thema. Andeutungen finden sich ebenfalls in Sachsens Glanz und Preußens Gloria und Friedrich – Ein deutscher König.

Siebenjähriger Krieg (1756–1763) Besonders während der Zeit des Nationalsozialismus war der Siebenjährige Krieg das Hauptthema der Friedrich-Filme, so in Der Choral von Leuthen, Fridericus und Der große König. Preußen und Friedrich werden in diesen Filmen meist so verfälscht und glorifizierend dargestellt, dass die Filme nur noch wenig mit den historischen Tatsachen gemein haben. Sie weisen alle das gleiche Handlungsmuster auf: Zu Beginn verliert Friedrich eine Schlacht, es besteht keine Hoffnung mehr, eine weitere Schlacht folgt, Friedrich siegt und rettet Preußen. Hervorzuheben sind die aufwendigen, monumentalen Schlachtszenen. Zudem ist der Siebenjährige Krieg ein Thema in der DEFA Produktion Sachsens Glanz und Preußens Gloria. Komödiantisch setzt sich der Film Die gestohlene Schlacht mit dem Siebenjährigen Krieg auseinander.

Friedrich Freiherr von der Trenck Das Leben des Friedrich Freiherrn von der Trenck wurde bisher drei Mal verfilmt. In diesen Filmen spielt Friedrich II. ebenfalls eine tragende Rolle. Zu Beginn der Gönner Trencks, im Mittelteil ein Freund und zum Ende hin sein erbitterter Feind, der ihn in Ketten an seinen eigenen Grabstein fesseln lässt. Sämtliche Verfilmungen basieren auf den Memoiren Trencks Des Friedrich Freiherrn von der Trenck merkwürdige Lebensgeschichte, die historisch nicht vollständig belegt sind. In der ersten Verfilmung Trenck von 1932 spielt Hans Stüwe den Trenck, Theodor Loos Friedrich II. Die Fernsehproduktion Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck von 1973 zeigt das Leben Trencks bis zum Tod. Trenck wird hier von Matthias Habich und Friedrich II. von Rolf Becker gespielt. Rolf Beckers Sohn Ben Becker spielt in der Fernsehproduktion Trenck – Zwei Herzen gegen die Krone von 2001 den Trenck, während August Zirner Friedrich II. gibt.

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Re: Königreich Preußen und die Hohenzollern...

Beitragvon pentium » 14. Mai 2024, 16:28

Hans Joachim von Zieten
„Ahnherr aller Husaren“

Der legendäre Kavalleriegeneral Friedrichs des Großen wurde vor 325 Jahren in Wustrau geboren

Wolfgang Reith
14.05.2024

Er gilt als einer der bedeutendsten Feldherren seiner Zeit und neben Friedrich Wilhelm von Seydlitz als der wichtigste Reitergeneral der preußischen Armee. Seinem König Friedrich dem Großen sicherte er in dessen Kriegen zahlreiche Siege. Seine Taktik bestand dabei häufig in Überraschungsangriffen, in denen kleine Einheiten den Feind plötzlich aus Verstecken heraus attackierten. Das brachte ihm bald den Beinamen „Zieten aus dem Busch“ ein, ein Ausdruck, den auch Theodor Fontane in einem Gedicht zu Ehren des Generals benutzte.

Geboren wurde Hans Joachim von Zieten vor 325 Jahren, am 14. Mai 1699, in Wustrau im Ruppiner Land. Er war das dritte von insgesamt sieben Kindern des Landadligen Joachim Matthias von Zieten und dessen Ehefrau Ilsabe Catharina geborene von Jürgas auf Gantzer (Herrschaft Ruppin). Schon im Alter von neun Jahren interessierte sich der Junge für das in Neuruppin stationierte Militär, und 1715 trat er als Freikorporal in das dortige Regiment der Gelben Kürassiere ein. Sieben Jahre später erfolgte die Beförderung zum Fähnrich, doch schon 1724 wurde er aufgrund von Disziplinlosigkeiten aus der Armee entlassen.

Zieten zog sich auf sein Gut in Wustrau zurück, das er nach dem Tod des Vaters 1720 zusammen mit drei Schwestern geerbt hatte. Als 1725 das Dragonerregiment „von Wuthenow“ in Insterburg aufgestellt wurde, bewarb sich Zieten dafür und wurde tatsächlich als Oberleutnant angestellt. Doch schon ein Jahr darauf fiel er erneut durch Ungehorsam auf und wurde zu einer einjährigen Festungsstrafe verurteilt. Nach deren Verbüßung war es dann ein weiteres Mal, dass er wegen Disziplinlosigkeit aus dem Militärdienst entlassen wurde.

Reorganisator der Kavallerie
Aber Zieten gab nicht auf und bewarb sich 1730 um Eintritt in eine neu aufgestellte Ehreneskorte des Königs. Auf Empfehlung eines Generals, der Zieten kannte und dessen Königstreue schätzte, wurde er schließlich bei den Husaren in Potsdam angestellt und schon im folgenden Jahr zum Rittmeister befördert. 1735 erfolgte die Ernennung zum Chef einer eigenen Eskadron und im Jahr darauf die Beförderung zum Major.

Als solcher zog er in den Ersten Schlesischen Krieg, in dem er 1741 wegen einer besonderen Heldentat die höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung, den Orden Pour le Mérite, verliehen bekam. Außerdem wurde er zum Oberstleutnant im Leibhusarenregiment befördert. Noch im selben Jahr erhielt er sein eigenes Husarenregiment Nr. 2 und dazu sogar die nächste Beförderung als Oberst.

In der Folge betätigte er sich als „Zuchtmeister“ der oft als disziplinlos geltenden Husarentruppe, wobei die Soldaten seine strenge, aber auch gerechte Führung würdigten. Eine Besonderheit spielte dabei, dass er die damals allgemein übliche Prügelstrafe grundsätzlich ablehnte. So wurde Zieten später als „Ahnherr aller Husaren“ gefeiert. Über die Husaren hinaus machte sich Zieten um die Reorganisation der Kavallerie insgesamt verdient, die unter Friedrich Wilhelm I. eine eher untergeordnete Rolle gespielt hatte.

1737 hatte Zieten Leopoldine Judith von Jürgaß geheiratet. Der Ehe entstammten der Sohn Friedrich Carl, der allerdings schon im Kindesalter starb, sowie die Tochter Johanna.

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Re: Königreich Preußen und die Hohenzollern...

Beitragvon pentium » 14. Mai 2024, 16:29

Vertrauter Friedrichs des Großen
Auch am Zweiten Schlesischen Krieg nahm Zieten teil. In ihm wurde er 1744 aufgrund mehrerer erfolgreicher Operationen zum Generalmajor befördert. Nach dem Ende des Krieges zog er sich auf sein Gut in Wustrau zurück, das er mit Hilfe von Geldern, die ihm der König zur Verfügung stellte, ausbauen ließ.

Bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 war Zieten zwar schon 57 Jahre alt, doch Friedrich der Große wurde persönlich bei seinem „väterlichen Freund“ in Wustrau vorstellig, um ihn zu bitten, erneut ein Kommando zu übernehmen. Zieten sagte zu, denn wenige Wochen zuvor war seine Ehefrau nach langer schwerer Krankheit gestorben, und so gab es für ihn keinen Grund mehr zu zögern, zumal das Gut verwaltet wurde. Mit der Beförderung zum Generalleutnant trat er wieder in die Armee ein und zeichnete sich in etlichen Schlachten aus. 1757 wurde ihm dafür der höchste Orden der Krone Preußens, der Schwarze Adlerorden, verliehen. 1760 erfolgte die Beförderung zum General der Kavallerie. Mehrfach führte Zieten während des Krieges den Oberbefehl über die gesamten preußischen Streitkräfte, wenn der Monarch gerade abwesend war, was wiederum die persönlichen Bande zwischen beiden stärkte.

Nach dem Krieg fungierte der General noch einige Jahre als Inspekteur der Kavallerie und widmete sich besonders der Ausbildung seines Husarenregiments. 1764 ging er mit der 39 Jahre jüngeren Hedwig Albertine von Platen, einer Nichte seiner verstorbenen ersten Frau, eine zweite Ehe ein, der drei Kinder entsprossen, wobei das jüngste schon acht Wochen nach der Geburt starb. Zieten lebte nun mit seiner Familie abwechselnd auf seinem Gut in Wustrau und einem 1763 erworbenen Haus in Berlin, Kochstraße 61, Ecke Friedrichstraße. Das Vertrauensverhältnis des legendären Generals zum König festigte sich im Laufe dieser Jahre immer mehr, sodass Letzterer „seinen alten Vater Zieten“, der 13 Jahre älter war als Friedrich der Große, oft besuchte. Am 27. Januar 1786 starb Zieten in seinem Haus in Berlin. Vier Tage später wurde er auf dem Erbbegräbnisplatz neben der Dorfkirche in Wustrau beigesetzt, in deren Innenraum sich sein Grabdenkmal befindet.

Ein erstes Denkmal für den populären Reiterführer ließ Friedrichs Bruder Prinz Heinrich von Preußen 1790 in Rheinsberg errichten. Außerdem ist ihm auf der Vorderseite des dortigen Obelisken eine Gedenktafel gewidmet. Friedrich Wilhelm II. ließ 1794 auf dem Wilhelmplatz in Berlin zwischen den Denkmälern für General Friedrich Wilhelm von Seydlitz und Generalfeldmarschall Jakob von Keith eine Zieten-Statue aufstellen. Ursprünglich ein marmornes Standbild, wurde es 1857 durch eines aus Bronze ersetzt. Im Zweiten Weltkrieg eingelagert, stellte man das Denkmal 1987 zur 750-Jahr-Feier der Stadt im Lustgarten auf, ehe 2003 die Wiedererrichtung am historischen Ort erfolgte.

Eine Kopie der Statue steht seit dem 300. Geburtstag des Generals 1999 auf dem Gelände des Brandenburg-Preußen Museums in Wustrau. Am Haus Kochstraße Nr. 62 in Berlin erinnert eine Gedenktafel an Zieten, denn das Haus Nr. 61 wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Außerdem tragen in vielen deutschen Städten Straßen seinen Namen, und schließlich sind in Beelitz und Göttingen Kasernen nach ihm benannt. Im einstigen Herrenhaus in Wustrau („Zietenschloss“) ist seit 1993 die Deutsche Richterakademie untergebracht.
Dieser Artikel ist ein Beitrag aus der aktuellen PAZ.
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