Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Wie entwickelte sich die Wirtschaft der DDR, wie die der Bundesrepublik während der Teilung Deutschlands. Welche Anzeichen gab es für die Entwicklung? Was waren die Ursachen?
Hier der Bereich für alle wirtschaftlichen Themen.

Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Edelknabe » 20. Juni 2014, 17:48

Der Rainer hat einmal einen Extrafred eröffnet. Gerade weil mir in einem anderen Fred die Sache mit den frischen Broten nicht nur etwas aufstieß sondern mächtig. Und das deswegen, weil die unsinnige Behauptung im Raum steht, damals wäre DDR-Normalobürger am Wochentag in den Laden(Bäcker, HO oder Konsum ob Land oder Stadt) marschiert und hätte dort Unmengenweise die frischen Brote aufgekauft, den Anderen weggekauft? Und das Alles, weil das Brot mehr wie billig war, eben gestützt im Preis durch die soz. Fonds.

Um es dann an die Tiere im Haushalt (so Schweine auf dem Dorf) zu verfüttern?

Schade, wir haben keinen Bäcker hier im Forum, keinen alten gestandenen Bäckermeister der uns da einmal berichten könnte aber ich sage schon mal, das ist Mist, ist Unsinn und ja, ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.Gerade auf den Dörfern, da kannte Jeder Jeden, da ging unter Garantie keiner zum Bäcker Müller(fiktiver Name und Bäckerladen) und kaufte dessen (sinngemäß) gesamte Nachtproduktion weg.

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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon pentium » 20. Juni 2014, 17:56

Kein Mist, auch kein Unsinn Rainer-Maria.
Nun weiß ich ja nicht, wie du dir das vorstellst mit dem Brot kaufen und dann verfüttern? Aber es gab ja das Brot auch in der Kaufhalle im Konsum oder in der HO. Meinst du das ist groß aufgefallen, wenn da einer drei Brote gekauft hat um sie dann an sein Hausschwein zu verfüttern?

Aus einem Artikel in der Jungen Welt von Dr. Wilfried Maier. Er hat bis 1990 im DDR-Amt für Preise gearbeitet.

Zitat:
Ein dritter Punkt betrifft den unrationellen Umgang mit Rohstoffen, Energie, Wasser, Lebensmitteln und Wohnraum. Gängige Beispiele waren das Verfüttern von Brot und Haferflocken. Dorfbewohner, die ein, zwei, drei Schweine oder Hühner hielten, kauften die Nahrungsmittel zu niedrigen Preisen im Konsum und verkauften ihre Produkte – Eier, Schlachtgeflügel, Schlachtschweine – mit hohem Gewinn an die staatlichen Aufkäufer. Nach Schätzungen wurden Ende der 80er Jahre von den 840000 Tonnen produzierten Brotes 250000 Tonnen verfüttert, oder sie wanderten in die Mülltonne. Es wurde angenommen, daß von den im Laden verkauften Haferflocken 70 Prozent an Haustiere verfüttert wurden...]
...
Brot zum Beispiel. Daran erinnert sich Edith Hager (74) gut. Mehr als 30 Jahre arbeitete sie in Leipzig als kaufmännische Angestellte einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG). "Manchmal", erzählt sie, "hat die Bäckerei uns angerufen und gesagt, wir sollten Brot abholen. Die Regale waren voll damit." Das war vor allem in den 1980er-Jahren der Fall. "Wir haben es dann an die Schweine verfüttert...

http://www.fluter.de/de/DDR/thema/7556/

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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Spartacus » 20. Juni 2014, 18:06

Mal von dem Brot abgesehen, ist meine gute Erinnerung an den Bäcker von nebenan, die Weihnachtszeit,
da dann in der Gegend alle Frauen ihren Stollenteig zusammenrührten und wir Jungs den dann zum Bäcker
brachten. Schön in feuchte Tücher eingeschlagen und fein säuberlich mit dem Namens - Zettelchen versehen,
wurde er am nächsten Tag fertig gebacken wieder abgeholt.

Auch so eine Tradition - die mangels Bäckerladen - auszusterben droht.

Ein paar soll es ja noch geben, im Erzgebirge.

LG

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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon karnak » 20. Juni 2014, 18:10

[flash] Mit 3 Broten ein Schwein zu füttern, ob das damit zufrieden ist?
Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen.Sicher wird der Eine oder Andere Karnickelzüchter oder Hühnerhalter mal ein paar Brote gekauft haben, damit waren die zufrieden zu stellen und das hat sich auch gerechnet und ist in dem Laden nicht aufgefallen. Für den Rest dürfte das Unsinn sein, größere Tiere hätte man damit nicht zufrieden stellen können, man hätte die Mengen an Brot gar nicht verkauft bekommen,außer es gab eine Form von krimineller Kungelei, aber das ist ein anderes Thema.
Mein Vater hat in der LPG jahrelang die Schweinezucht betrieben.Wir sind mit dem Trecker ab und an zur zentralen Bäckerei des Ortes gefahren und haben dort nicht verkäufliches,überlagertes Backwerk abgeholt,teilweise war auch Kuchen und Torte dabei, bzw.die Ränder von den Blechkuchen. Ich habe als Kind immer noch davon gegessen. Jedenfalls hatte mein Vater immer strenge Auflage den Hänger mit einer Plane abzudecken, man wollte das Ganze nicht so öffentlich machen, war der Meinung, dass sieht irgendwie komisch aus, obwohl es überlagerte Ware war. Ich bin mir sicher, es wird genug clevere DDR-Bürger mit entsprechenden Beziehungen in diese Großbäckerei gegeben haben, die für ihre individuelle Tierzucht dort Nahrung abgezweigt haben.Das Selbe trifft auf das Abzweigen von kostenloser Nahrung aus Beständen der LPG zu.Wir wollen uns doch nun als gelernte DDR -Bürger nicht die Hosen mit der Kneifzange anziehen, es gab genug Möglichkeiten an kostenloses Tierfutter ranzukommen, da musste man nicht das Brotregal im HO leerkaufen,es hätte so gar nicht funktioniert, ist eine der vielen Legenden mit dem Ziel die DDR noch einen Zacken extra dämlich dastehen zu lassen.
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon pentium » 20. Juni 2014, 18:17

Sparta, schreibe deinen Beitrag mit dem Weihnachtsstollen bitte so Ende November noch einmal!
Dann passt es besser.

Karnak
Gut, dann eben ein Hausschwein und vom Regal leerkaufen wollen wir mal nicht schreiben, natürlich ist das Unsinn. Eher so wie du es beschreibst.

Hier mal noch ein Beispiel aus der Richtung.

Zitat:
Zu DDR-Zeiten produzierte Bako täglich 5,4 Tonnen Brot in 18 Sorten, 300 000 Schrippen und 44 000 Toastbrote. "Brot war ein Politikum", sagt Klaus Meyer. Nie durfte welches fehlen. An jedem Wochenende mussten 15 000 frische Brote bereitliegen, ständig 20 000 Toastbrote eingefroren sein. Falls der Krieg beginnt. "Weil das nicht passierte, wurde am Montag ein Großteil der Brote an Schweine verfüttert", sagt Meyer.

http://www.berliner-zeitung.de/archiv/t ... 90986.html

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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Nostalgiker » 20. Juni 2014, 18:19

Die Kooperation LPG und der volkseigenen Bäckerei war bestimmt nicht gemeint, sondern ausschließlich der private Kauf von Lebensmitteln, hier Brot, um es ganz bewusst und zielgerichtet zu verfüttern.
Es ist auch nicht die Rede davon gewesen das auf einen Bauernhof "übrig gebliebenes" an Lebensmitteln im Schweinetrog landete, nein der Bauer/die Bäuerin oder der Kleinstadtbewohner mit Kleintierhaltung auf dem Grundstück kaufte zielgerichtet den Laden leer um das erworbene zu verfüttern ......

Heutzutage ist diese "Geiz ist geil" Mentalität ein gängiger Werbeslogan und man "ist doch nicht blöd", höchsten wenn man nicht mitmacht.

In der Stadt, also Großstadt, hat nun nicht jeder sein Schwein zum füttern auf dem Balkon oder im Keller gehabt welches eine Brotknappheit gegen Feierabend beim Bäcker erklären würde. Auch das am Sonnabend die Backwaren, wie Brötchen und Brot, in der Regel kurz nach 9 Uhr beim Bäcker ausverkauft waren lag bestimmt nicht daran das sich die Menschen früh um sieben beim Bäcker anstellten um Brot für die lieben kleinen Schweine zu kaufen .....

Interessant am Rande ist für mich das die Zeugin, offensichtlich auf dem Dorf wohnend und mit der Hausschlachterei vertraut in diesem Zusammenhang von Büchsen mit Wurst spricht machte mich stutzig. Wer hatte, der zu Hause schlachtete denn die Möglichkeit die Wurst in Büchsen(Weißblech) zu konservieren? Bei uns und allen Anderen die ich kannte kam die Wurst in Gläser und wurde eingeweckt.
Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.

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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Edelknabe » 20. Juni 2014, 18:22

Komisch Pentium, wenn der Konsum auf dem Dorf Abends gähnende Leere aufwies, gerade was das frische Brot betraf (und da ging noch mancher Werktätige einkaufen) verkaufte doch die Konsumangestellte Frau Krause(fiktiver Name) im Laufe des Tages mit vollen Händen und im Dutzend die vorhanden Brote???? Wie lange meinst du hätte die Frau das wohl gemacht? Eventuell bis zum heißen Tipp vom Bürger Müller ....und zwar an das MfS?

Wird doch immer behauptet, das die Unmengen IM um und in jeder Ecke saßen, auch die Mängel in der Volkswirtschaft beobachten sollten? Hoheneck lässt schon mal grüßen.Und ja, ich habe deinen Vortext gelesen.

Rainer-Maria verdammt, kein uralter Bäcker im Forum...auch keine Frau Krause.Aber halt, da fällt mir etwas ein, im Dorf wohnt noch ne alte Dame vom ehemals Konsum. Ich werde Sie somit einmal befragen.

Und siehe Karnak mit:

"Wir sind mit dem Trecker ab und an zur zentralen Bäckerei des Ortes gefahren und haben dort nicht verkäufliches,überlagertes Backwerk abgeholt..."

Na, das gefällt dem Rainer doch schon besser, von der damaligen Realität her....
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon karnak » 20. Juni 2014, 18:23

pentium hat geschrieben:Sparta, schreibe deinen Beitrag mit dem Weihnachtsstollen bitte so Ende November noch einmal!
Dann passt es besser.

Karnak
Gut, dann eben ein Hausschwein und vom Regal leerkaufen wollen wir mal nicht schreiben, natürlich ist das Unsinn. Eher so wie du es beschreibst.

Hier mal noch ein Beispiel aus der Richtung.

Zitat:
Zu DDR-Zeiten produzierte Bako täglich 5,4 Tonnen Brot in 18 Sorten, 300 000 Schrippen und 44 000 Toastbrote. "Brot war ein Politikum", sagt Klaus Meyer. Nie durfte welches fehlen. An jedem Wochenende mussten 15 000 frische Brote bereitliegen, ständig 20 000 Toastbrote eingefroren sein. Falls der Krieg beginnt. "Weil das nicht passierte, wurde am Montag ein Großteil der Brote an Schweine verfüttert", sagt Meyer.

http://www.berliner-zeitung.de/archiv/t ... 90986.html

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[flash] Wir backen heute auch manchmal Brot und haben uns vertan in der Menge,keiner will es haben, dann geht es direkt aus dem Ofen in den Müll. Und was wird man im Westen mit der Staatsreserve gemacht haben die man für den Ernstfall eingelagert hat und der nicht kam und die Ware überlagert war? Es ist einfach nicht machbar so ein System ohne Schwund zu organisieren, dazu sind die Unwägbarkeiten viel zu hoch.
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Edelknabe » 20. Juni 2014, 18:34

Na da erweitern wir doch gleich einmal den schönen Fred..."und zwar auf Damals Drüben Westdeutschland vor 1989." Wie war das denn dort, gab es da schon Tafeln die das viele nicht gekaufte Brot von Gestern abgeholt haben, um es dann zum Beispiel an Bedürftige zu verteilen?

Rainer-Maria schon gespannt....
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon icke46 » 20. Juni 2014, 18:37

Nun muss ich doch mal fragen: Geht das Brot tatsächlich in den Müll oder wirds anderweitig weiterverwertet? Ich weiss nur, dass die Essensreste aus der Mensa bei uns von der Firma Refood abgeholt werden, die diese organischen Abfälle soweit weiterverarbeitet, dass sie von Biodieselherstellern genutzt werden können (habe ich mir gerade auf der Webseite angelesen).

Und was die ehemaligen eisernen Reserveb angeht: Ich weiss zumindest von den haltbaren Verpflegungsrationen der Bundeswehr, dass die (auch bei uns in der Mensa) in den Verkauf gelangten, das Paket kostete seinerzeit wohl eine Mark oder so. War als Überraschungspaket durchaus ganz lustig, geschmacklich allerdings hin und wieder gewöhnungsbedürftig [grins] .

Da es diese Verkäufe nicht mehr gibt, gehe ich davon aus, dass sich für die paar Hanseln von der Bundeswehr so eine Lagerhaltung nicht mehr lohnt. Vermutlich werden die im E-Fall heute mit Gutscheinen von McDonalds ausgestattet [laugh] .

Gruss

icke

PS: Zu der Frage von Rainer: Tafeln gibts in Deutschland erst seit 1993, davor musste man wohl die Sachen aus den Entsorgungstonnen hinter den Läden fischen - durfte sich aber nicht erwischen lassen. Übrigens auch eine etwas paradoxe Kalkulation: Das Wegwerfen war in die Preise einkalkuliert, dass Verschenken nicht.
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Spartacus » 20. Juni 2014, 18:38

Edelknabe hat geschrieben:Na da erweitern wir doch gleich einmal den schönen Fred..."und zwar auf Damals Drüben Westdeutschland vor 1989." Wie war das denn dort, gab es da schon Tafeln die das viele nicht gekaufte Brot von Gestern abgeholt haben, um es dann zum Beispiel an Bedürftige zu verteilen?

Rainer-Maria schon gespannt....


Seit 20 Jahren gibt es in Deutschland Lebensmittel-Tafeln für Bedürftige - und jedes Jahr werden es mehr. Jetzt machen die Kritiker der modernen Armenspeisung mobil. Sie fragen: Was tut eigentlich der Sozialstaat?


http://www.sueddeutsche.de/geld/jahre-t ... -1.1656264

[hallo]

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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon karnak » 20. Juni 2014, 18:40

Natürlich nicht in den Müll in dem Sinne von wegwerfen, es gibt eine Firma die produziert Pellets zur Tiernahrung die kauft das auf, dreht das gleich mit Plastetüte durch den Wolf. [flash]
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon pentium » 20. Juni 2014, 18:43

Wiki hat dazu was geschrieben, zum Altbrot.

In Deutschland darf Rückbrot bis 6 Prozent mit überwiegendem Weizenanteil und bis zu 20 Prozent mit überwiegendem Roggenanteil, auf Frischbrot berechnet, dem Brotteig zugeben werden. Im Endprodukt darf dieses Brot nicht mehr erkennbar sein.[2] Die erlaubten Höchstmengen werden in der Praxis nicht erreicht, da die Backfähigkeit bei hohem Anteil nachlässt. Die Zugabe von Rückbrot wird wegen der mangelnden Akzeptanz gewöhnlich nicht angegeben. Der Verbraucher verbindet damit ein minderwertiges Produkt, welches „gepanscht“ ist. Rückbrot besteht zu einem hohen Anteil aus verkleisterter Stärke. Diese kann schnell große Mengen Flüssigkeit binden. Ebenso sind im Rückbrot Aromastoffe (beispielsweise Dextrine) enthalten. Die Zugabe verbessert Frischhaltung und sensorische Eigenschaften durchweg positiv.

Rückbrot ist ein hochwertiges Produkt mit wertvollen Inhaltsstoffen.

Viele Bäcker verkaufen Brot vom Vortag preiswerter als „Brot zum Anschneiden“.

Es wird teilweise als Tierfutter verwendet oder durch alkoholische Gärung zu Biotreibstoff verarbeitet. Geringe Mengen gelangen in karitative Einrichtungen, wie Tafel (Organisation), oder in die private Tiermast.[3]

Im Handwerk werden Weißbrot und Brötchen, welche keine Saaten, Gewürzen oder Trockenfrüchte enthalten, trocken und warm gelagert und zu Paniermehl verarbeitet.

Bei der Herstellung von Vollkornbroten werden Brotabschnitte und Rückbrot zu Brühstück oder Quellstück verarbeitet, welche die Funktion von Quellmehl erfüllen. Das Produkt wird saftiger und die Bröckeligkeit bei Produkten aus ganzen Körnern nimmt ab.

In der Industrie und Handwerk ist die Zugabe von Rückbrot bei Mischbroten durchaus üblich, um die Qualität des Produktes und die Kostensituation zu verbessern.

Die Verarbeitung zu Futtermehl ist verbreitet. In Holland ist dazu eine Systemlogistik entwickelt worden.[3]

Seit Ende 2006 ist auch in Deutschland die Verfütterung von Küchen- und Speiseresten an Nutztiere verboten (EU-Richtlinie 1774/2002). Dieses Verbot gilt nicht für Rückbrot und Teigwaren.[4] Im Wuppertaler Zoo werden wöchentlich 350 kg Rückbrot verfüttert.[5]

Die TU Berlin hat mit verschiedenen Unternehmen ein Verfahren entwickelt, mit dem aus Rückbrot Hefe produziert wird.[6]

Altbrot wird auch als Brennstoff verwendet.[7]

http://de.wikipedia.org/wiki/Altbrot

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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon karnak » 20. Juni 2014, 18:43

icke46 hat geschrieben:Nun muss ich doch mal fragen: Geht das Brot tatsächlich in den Müll oder wirds anderweitig weiterverwertet? Ich weiss nur, dass die Essensreste aus der Mensa bei uns von der Firma Refood abgeholt werden, die diese organischen Abfälle soweit weiterverarbeitet, dass sie von Biodieselherstellern genutzt werden können (habe ich mir gerade auf der Webseite angelesen).

Und was die ehemaligen eisernen Reserveb angeht: Ich weiss zumindest von den haltbaren Verpflegungsrationen der Bundeswehr, dass die (auch bei uns in der Mensa) in den Verkauf gelangten, das Paket kostete seinerzeit wohl eine Mark oder so. War als Überraschungspaket durchaus ganz lustig, geschmacklich allerdings hin und wieder gewöhnungsbedürftig [grins] .

Da es diese Verkäufe nicht mehr gibt, gehe ich davon aus, dass sich für die paar Hanseln von der Bundeswehr so eine Lagerhaltung nicht mehr lohnt. Vermutlich werden die im E-Fall heute mit Gutscheinen von McDonalds ausgestattet [laugh] .

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PS: Zu der Frage von Rainer: Tafeln gibts in Deutschland erst seit 1993, davor musste man wohl die Sachen aus den Entsorgungstonnen hinter den Läden fischen - durfte sich aber nicht erwischen lassen. Übrigens auch eine etwas paradoxe Kalkulation: Das Wegwerfen war in die Preise einkalkuliert, dass Verschenken nicht.

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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Spartacus » 20. Juni 2014, 18:46

Man sollte vielleicht mal erwähnen, das es mittlerweile auch Bäcker gibt, die Ware vom Vortag zu einem
kleinem Preis am nächsten Tag verkaufen. Eine Initiative die ich sehr lobenswert finde.

In meiner "reichen" Stadt gibt es da schon einige und die Kunden nehmen das Angebot gerne an. [hallo]

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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon pentium » 20. Juni 2014, 18:49

Ja so einen Laden gibt es bei mir in der Straße. Dort werden Backwaren dieser Kette am nächsten Tag billiger verkauft, mit großem Erfolg, sieht man an der Schlange, ja gibt es dort!

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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon augenzeuge » 20. Juni 2014, 18:55

Thoth hat geschrieben: In der Stadt, also Großstadt, hat nun nicht jeder sein Schwein zum füttern auf dem Balkon oder im Keller gehabt welches eine Brotknappheit gegen Feierabend beim Bäcker erklären würde.


Mensch Thoth, du kannst ja richtig Spaß machen.... [flash]
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon icke46 » 20. Juni 2014, 18:58

pentium hat geschrieben:Ja so einen Laden gibt es bei mir in der Straße. Dort werden Backwaren dieser Kette am nächsten Tag billiger verkauft, mit großem Erfolg, sieht man an der Schlange, ja gibt es dort!

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Das macht der Lidl hier im Dorf auch, seit sie ihre Backautomaten haben - Backwaren vom Vortag mit 50 % Rabatt [wink] . Allerdings, entweder bleibt nie was übrig - oder, wenn ich abends komme, ist schon alles weg. Mehr wie das Rabattschild habe ich da noch nie gesehen [grins] .

Gruss

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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Spartacus » 20. Juni 2014, 19:02

icke46 hat geschrieben:
pentium hat geschrieben:Ja so einen Laden gibt es bei mir in der Straße. Dort werden Backwaren dieser Kette am nächsten Tag billiger verkauft, mit großem Erfolg, sieht man an der Schlange, ja gibt es dort!

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Das macht der Lidl hier im Dorf auch, seit sie ihre Backautomaten haben - Backwaren vom Vortag mit 50 % Rabatt [wink] . Allerdings, entweder bleibt nie was übrig - oder, wenn ich abends komme, ist schon alles weg. Mehr wie das Rabattschild habe ich da noch nie gesehen [grins] .

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Mein armer Icke, aber es stimmt schon, den letzten beißen die Hunde. [flash]

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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Wosch » 20. Juni 2014, 20:25

Eine wahre "Bäcker-Geschichte" aus den frühen 50er DDR-Jahren:
"Es war einmal ein Ludwigsluster Bäckermeister der auch für die russische Besatzungs-Garnision zweierlei Sorten Brot backen mußte. Zum Einen handelte es sich um das sogenannte dunkele Komissbrot (für´s gemeine Volk), zum Anderen um das Weißbrot, welches damals den Herren Offizieren vorbehalten war.
Daß ein Bäcker in den 50er Jahren sehr gefährlich leben konnte wenn er nicht bereit war sein privat geführtes Unternehmen in eine PGH einzubringen mußte unser Ludwigsluster am eigenen Leibe schmerzlichst erfahren.
Da die staatlichen Versuche des Überreden´s bei ihm nicht fruchten wollten konstruierte man eine Legende mit der man der Ludwigsluster Bevölkerung sein plötzliches Verschwinden (er bekam damals 6 Jahre aufgebrummt) indem man kund tat, daß er ab und zu mal eine Backofenladung Brot absichtlich zu lange (bis es für den Menschen ungenießbar wurde) brutzeln ließ, um es dann an die 40 Schweine (die er angeblich im Nachbardorf, versteckt, sein Eigen nannte) zu verfüttern. Es wurde noch schlimmer, denn außerdem warf man ihm vor daß er aus Profitgier und als Angriff auf die Gesundheit der Sowjetsoldaten, die Komißbrot-Formen mit minderwertigem (nämlich mit gebrauchtem Maschinenöl) statt mit dem dafür vorgesehenen Speisefett eingefettet haben sollte.
Das Urteil im Namen des Volkes lautete dann glatte 6 Jahre und die mußte er dann auch absitzen.
Die Bäckerei aber bestand weiter, allerdings dann als HO-Bäckerei und Alle waren`s angeblich zufrieden. Wirklich Alle? Natürlich nicht, aber damals in den 50ern mußte man zumindesten so tun um nicht selbst hinterher zu fahren.
Alles war Lug und Trug, das mit den Schweinen und das mit dem Altöl.
Wenn die Russen damals ihr Brot holten, standen wir Kinder an der Rolle und ab und zu ließ ein Muschik mal eins runterfallen, ein "spassiwo" und weg war´n wir.
Auch wenn´s OT sein sollte, aber wahr war´s!!
Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]
Ich bin stolz darauf, noch nie den "Melde-Button" benutzt zu haben!
Mecklenburger sind nicht nachtragend, aber vergessen tun sie auch nicht!
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Volker Zottmann » 20. Juni 2014, 20:49

augenzeuge hat geschrieben:
Thoth hat geschrieben: In der Stadt, also Großstadt, hat nun nicht jeder sein Schwein zum füttern auf dem Balkon oder im Keller gehabt welches eine Brotknappheit gegen Feierabend beim Bäcker erklären würde.


Mensch Thoth, du kannst ja richtig Spaß machen.... [flash]
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Thoth kann sich aber auch irren!
So wie er schreibt haben auch mein Nachbar mit uns gemeinsam bis 1989 jährlich ein Schwein geschlachtet. Wir machten Wurst unter Zukauf von Rindfleisch direkt im Schlachthaus des Fleischers und der Rest kam in Gläser.
Bei meinem Kollegen, der in Braunschwende wohnt war es anders. Der schlachtete jedes Jahr und alles Eingeweckte kam in Weißblechdosen. Ich habe selbst seine Bördelmaschine bewundert. Büchsen wurden immer in der DDR leer vertrieben und zwar in der BHG. Da es hier aber nie genügend gab, bekamen die wieder nur Menschen, die was bieten konnten. Er verhökerte beispielsweise Kleinkläranlagen die aus Kunstharz und Glasseide hergestellt wurden.

In einem Gartenfilm sagte mal der Walter Richter-Reineck: " In der DDR geht alles zum Teufel!". Als man ihn anscheißen wollte erklärte der, dass man nur ein Komma setzen muss, und auch so gemeint war: "In der DDR geht alles, zum Teufel!

Und so war es ja wirklich. Es gab stets alles. Nur nie dann und dort, wo es gebraucht wurde.
Selbst Eberhard Cohrs sagte: "Wir haben genug Butter, nur keen Papier um se einzuwickeln." [wink]

Also Thoth, nun mach mal meine erlebte DDR nicht noch schlechter. Es gab immer Weißblechbüchsen - und das sagt Dir ein Zeitzeuge!

Gruß Volker
http://baupionier.zottmann.org/
http://Mein-DDR-Leben.de/

Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Sirius » 20. Juni 2014, 23:22

karnak hat geschrieben:Und was wird man im Westen mit der Staatsreserve gemacht haben die man für den Ernstfall eingelagert hat und der nicht kam und die Ware überlagert war?


Wie lange halten sich die Lebensmittel, bevor sie ausgetauscht werden?

Die Bestände an Getreide, Reis und Hülsenfrüchten werden nach ungefähr 10 Jahren Lager­dauer durch neue Ware ersetzt. Bei Kondensmilch werden stattdessen Verträge mit Milch verarbeitenden Betrieben abgeschlossen, die sich verpflichten, ständig die vertraglich verein­barten Mengen an diesen Produkten für den Bund vorzuhalten. Somit entfällt für die BLE die Anmietung von Lagerraum und die Wälzung dieser Produkte, da dies direkt durch diese Be­triebe erfolgt.

Was geschieht mit den ausgetauschten Lebensmitteln?

Die zu wälzende Ware wird im Rahmen einer beschränkten Ausschreibung verkauft. Die Nahrungsmittel erfüllen nach Ablauf der Lagerzeit grundsätzlich die lebensmittelrechtlichen Anforderungen und werden deshalb auch als solche vermarktet. So gelangt die Ware durch den Verkauf wieder in den Markt.
http://www.ernaehrungsvorsorge.de/de/st ... ragen-faq/


Es gibt grundsätzlich zwei Reserven:

Zivile Notfallreserve

Die Zivile Notfallreserve der Bundesrepublik Deutschland dient der Versorgung der Bevölkerung im Krisenfall. Diese Notvorräte an Grundnahrungsmitteln sollen in Krisensituationen der Versorgung der Bevölkerung mit einer täglichen Mahlzeit dienen. Die Ernährungsindustrie hat in der Regel keine großen Vorräte, zum anderen können landwirtschaftliche Produkte „nicht aus dem Stand heraus“ produziert werden. Die Zivile Notfallreserve umfasst Einlagerungen von Lang- und Rundkornreis sowie Erbsen und Linsen. Außerdem stehen Kondensmilch und Vollmilchpulver bereit. Zum Schutz vor Plünderungen im Krisenfall sind die Standorte in Deutschland geheim. Verantwortlich für Einlagerung und Gesunderhaltung der Vorräte ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).[1]

Die BLE unterhält auch die Bundesreserve Getreide, die aus Weizen, Hafer und Roggen besteht, und im Notfall die Versorgung mit Mehl und Brot aufrechterhalten soll.[2] Im Bundeshaushaltsplan für das Jahr 2013 sind die voraussichtlichen Kosten der Zivilen Notfallreserve und der Bundesreserve Getreide mit insgesamt 15,45 Millionen Euro – zwei Drittel hiervon für die Lagerhaltung – ausgewiesen.[3] In beiden Reserven werden zusammen etwa 800.000 Tonnen Lebensmittel an etwa 150 Standorten gelagert. Die Lebensmittel haben zusammen einen Wert von etwa 200 Millionen Euro. Vergleichbare Staatsreserven gibt es in der EU nur in zwei weiteren Ländern, nämlich in Ungarn und Tschechien.[4]
http://de.wikipedia.org/wiki/Zivile_Notfallreserve
http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesreserve_Getreide




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http://www.faz.net/aktuell/politik/gehe ... 93771.html
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Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Batrachos » 21. Juni 2014, 02:02

Hallo,
das sollte man heute mal wieder einführen nicht verkaufte Backwaren aus Industriebäckereien den Schweinen zu verfüttern.
vielleicht wird die Qualität des Schweinefleisches aus Großschlachthöfen und Industriefleischbetrieben dann auch wieder besser.
So haben die Backwaren auch etwas gutes an sich und werden nicht einfach entsorgt.
Und wenn früher ein Schweinehalter 10 Brote im Konsum gekauft hat und sie seinen Schweinen verfüttert hat, was ist schon dabei? Er hat sie ja auch schließlich bezahlt und kann damit machen was er will.

MFG Batrachos
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Edelknabe » 21. Juni 2014, 06:09

Mal ne schöne Geschichte.... zu unseren mittlerweile entwickelten Befindlichkeiten.Passt auch ganz gut zum Thema.

"Einmal in der Woche kaufe ich ein...und zwar für meine Schwiegermutter...im Leipziger Seniorenheim.Der Werdegang, ich komme, da liegt schon ein Zettel von Muttern, der Rainer also ohne groß zu quatschen wieder rein ins Auto, dann dreimal um die Ecke gedüst und da ist er, der Netto-Discounter. Wagen geschnappt und rein, Zettel und Stift raus und los geht es.

Vor mir, im Obst/Gemüseabschnitt wühlt schon Alles, befühlt, drückt drauf herum, beschnuppert, legt weg, nimmt neu, befühlt wieder, schnuppert mit dem jungen, alten...mittelalten Riechkolben, legt wieder weg...ich bekomme langsam das Kribbeln im Hinterkopp und mir liegt schon ne dumme Bemerkung auf der Zunge, ich schlucke sie herunter und greife nach den grünen Gurken....ratz batz geht das fast ohne hinzuschauen.

Die ißt Muttern am liebsten und ja, in den anderen Abteilungen/Regalabschnitten gibts zwar nichts drauf herumzudrücken aber ehe sich die Leutchen so entschließen, mal ne Auswahl zu treffen,es jammert den Hund, also da ist der Rainer schon wieder draußen. Und ordentlich eingekauft habe ich auch. Zurück bei Muttern befühlt die als erstes die Gurken.

"Sind bissel weich Rainer"
"Was?"....dabei mein Restgeld zählend.
"Die sind bissel weich, die Gurken!"
Also ne Mutter, hättest du das zu DDR-Zeiten auch gemeint, dich über grüne Gurken gemosert die irgend wie bissel zu weich sein könnten????
Mutter sprachlos(weil, schon älter, muss erst überlegen) dann" naja, ist schon gut Rainer" und streichelt mich versöhnlich am Arm.
"Mensch Mutter, da wärst du froh gewesen überhaupt drei grüne Gurken im Gemüseladen bekommen zu haben"

Und so geht das jede Woche.Mal ist es die falsche Marmelade, mal der Käse, ich werde noch verrückt...hahahahuhi

Rainer-Maria also wir sind doch mittlerweile bekloppt Leute,(so seit 89 im Osten) wir spreizen uns wie Konsumpfauen weil,es gibt ja Alles und das im Überfluss vom Überfluss vom Überfluss.

Einen guten Sonnabend allen ins Forum
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Interessierter » 21. Juni 2014, 07:02

Zitat Edelknabe:
Rainer-Maria also wir sind doch mittlerweile bekloppt Leute


Früher regelmäßig bei bestimmten Produkten in der Schlange stehen müssen - aber sich jetzt aufregen wenn ein Kunde vor ihm, etwas länger benötigt ein Produkt auszuwählen.

Früher hat man mit dem Mangel gelebt, der in der Planwirtschaft herrschte und nun beklagt man den Überfluss.

Das ist doch absurd, um nicht das Wort bekloppt zu gebrauchen. [flash]

Es gibt im heutigen Deutschland bestimmt gravierendere Dinge, die zu kritisieren sind.

" Der Interessierte "
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Janko » 21. Juni 2014, 07:30

Nicht nur Bäcker lebten "gefährlich"...und Legenden beinhalten immer Teile, die wahr und nachprüfbar sind....

...wahr ist, das es im Dorf 3 (in Worten drei) selbständige Bäcker gab. Heute nur noch einer und der hat 5 Filialen. Wie es war (wahr) auf dem Dorf...als erstes hatte schon mal der Bäcker Schweine, Bullen und anderes Kleingetier. Zum anderen holtest du dein Brot für den Eigenbedarf und wenn notwendig auch für , falls vorhanden, deine Tiere. Das letztere waren aber überschaubare Größen.
Hattest du selber drei Schweine konntest du die nicht nur mit Bäckerbrot füttern. In der Regel war es Schwarzbrot für 0,50 Pf. Allen lag ja auch eine Kalkulation des Bäckers zu Grunde und der backte nicht für die Tiere. Auf alle Fälle kam "nichts um" oder wurde weggeschmissen. Aus trockenen Semmeln wurde Semmelmehl gemacht, "Kuchenrändel" konntest du die Tüte für 20 Pf. kaufen.
Bestellen...?...natürlich musste zum Wochenende bestellt werden, was ja heute teilweise noch genauso üblich ist. Damals gabst du deinen "Dederonbeutel" mit einem Zettel ab und holtest ihn irgendwann gefüllt ab. Warum...? der Bäcker konnte besser kalkulieren und deine Ware war für´s Wochenende gesichert.
Im Rückblick ist mir auch aus meiner weiteren Umgebung nicht erinnerlich, das Bäcker bzw. Fleischer in PGH`s zusammengefasst wurden. Hier gab es aber eine die Konsumfleischerei und eine Konsumbäckerei die ihre Läden versorgten.
Für den Einkauf nutzten die Bäcker die ELG (Einkaufs-und Liefergenossenschaft) und deren "überschaubares" Angebot
Irgendwo kommen ja nun auch die Fleischer ins Spiel..Wurst in Gläser oder Büchsen ...ja wie es jeder gerne hätte. Meist war es ja notwendig bei der Hausschlachtung. Und die war (und ist) auf dem Dorf ausgeprägt. Wer die Voraussetzungen hatte, hat geschlachtet. Hattest du mehr Gläser, kam die Wurst in die Gläser. Hattest du Büchsen, kams in die Büchse. Hier war die Besonderheit, dass diese nach Benutzung nicht "entsorgt" wurden, sondern bis zu einer vertretbaren Größe beim Schmied "beschnitten" und später auch wieder die gefüllten Büchsen "zu deckelte".
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Danny_1000 » 21. Juni 2014, 07:44

Sirius hat geschrieben:Es gibt grundsätzlich zwei Reserven:
Zivile Notfallreserve

Die Zivile Notfallreserve der Bundesrepublik Deutschland dient der Versorgung der Bevölkerung im Krisenfall. ......[1]

Die BLE unterhält auch die Bundesreserve Getreide, die aus Weizen, Hafer und Roggen besteht, und im Notfall die Versorgung mit Mehl und Brot aufrechterhalten soll.[2] .....
http://de.wikipedia.org/wiki/Zivile_Notfallreserve
http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesreserve_Getreide

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...wieder was dazu gelernt. DANKE für's Einstellen !

Danny
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dafür einsetzen, dass du es sagen darfst !
(Evelyn Beatrice Hall 1868; † nach 1939)
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon karnak » 21. Juni 2014, 09:06

Spartacus hat geschrieben:Man sollte vielleicht mal erwähnen, das es mittlerweile auch Bäcker gibt, die Ware vom Vortag zu einem
kleinem Preis am nächsten Tag verkaufen. Eine Initiative die ich sehr lobenswert finde.

In meiner "reichen" Stadt gibt es da schon einige und die Kunden nehmen das Angebot gerne an. [hallo]

LG

Sparta

Klingt natürlich gut und ist es sicher auch.Aber in einem marktwirtschaftlichen System ist das nur eine "Notbremse", widerspricht eigentlich dem Prinzip dieses ökonomischen Systems.Beliebt ist das beim Handel und bei uns, den Produzenten, nicht.Die Leute sollen nämlich die teuren Produkte kaufen, nicht die Billigen.Die Gewinnspannen sind sowieso schon erbärmlich genug, hart an der Grenze des Machbaren.Wir produzieren das Brot nicht um es Euch möglich billig zu verkaufen, wir produzieren es um es Euch möglichst teuer zu verkaufen. [grin] Gelingt uns das nicht in einem entsprechenden Anteil ist unser Untergang vorprogrammiert. Mittlerweile gibt es schon viele Kunden die erst 21.30 Uhr einkaufen gehen um entsprechende Schnäppchen zu machen.Ich kann die auch verstehen, viele werden dazu gezwungen sein, aber wie gesagt, auch für den Handel und die Produzenten gilt,"entscheidend ist was hinten raus kommt".Unser Brot bekommt man jedenfalls nicht billiger,so was wollen wir gar nicht erst einreisen lassen [flash] ,wir sind eine Markenfirma.Dem Handel ist das in unserem Fall auch egal, sie bezahlen uns nur das was sie verkauft haben.Der Rest ist unser Problem, besser meines.Nicht verkauftes Brot schmälert meine Provision und kürzt meine Retoureprämie.Also nichts ist, bei mir gibt es kein billiges Brot. [flash]
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon Janko » 21. Juni 2014, 09:16

...und da schrieb doch wirklich jemand, man sollte sich nun endlich mal den "Kapitalisten" abgewöhnen...das ist natürlich äußerst "gewöhnungsbedürftig"
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Re: Der Bäcker, die DDR und das frische/altbackene Brot

Beitragvon karnak » 21. Juni 2014, 09:21

Janko hat geschrieben:...und da schrieb doch wirklich jemand, man sollte sich nun endlich mal den "Kapitalisten" abgewöhnen...das ist natürlich äußerst "gewöhnungsbedürftig"

[flash] Kennst Du die Puppenshow "Lern Marktwirtschaft mit Helmut" noch?Ich habe gelernt,blieb mir nichts anders übrig"bei Strafe meines Unterganges" [grin]
Die Mehrheit des Volkes wollte Kapitalismus, also nun meckert nicht.
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