DDR-Design Entworfen - verworfen

Wie entwickelte sich die Wirtschaft der DDR, wie die der Bundesrepublik während der Teilung Deutschlands. Welche Anzeichen gab es für die Entwicklung? Was waren die Ursachen?
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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon Volker Zottmann » 24. August 2017, 19:04

Solchen Sternrecorder hatten auch wir. Unkaputtbar. Läuft heute noch, wenn er mal an ist. In dem Qualitätspunkt der langlebigkeit und Umweltschonung waren wir wesentlich weiter. Heute sind extra Sollbruchstellen, damit neues Gelumpe gekauft wird.

Gruß Volker
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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon steffen52 » 24. August 2017, 21:05

Volker Zottmann hat geschrieben:Solchen Sternrecorder hatten auch wir. Unkaputtbar. Läuft heute noch, wenn er mal an ist. In dem Qualitätspunkt der langlebigkeit und Umweltschonung waren wir wesentlich weiter. Heute sind extra Sollbruchstellen, damit neues Gelumpe gekauft wird.

Gruß Volker

Aber Volker Du kennst doch den Spruch: Was lange hält, bringt kein Geld! Habe doch mal etwas Mitleid mit den armen Produzenten, die müssen doch
auch leben!!! [laugh]
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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon Interessierter » 25. August 2017, 09:29

Die größte DDR-Design Sammlung der Welt

Es scheint, als ob die Welt diese Hallen vergessen hat und mit ihr den Schatz, der hier eingelagert ist. Im westlichsten Bezirk am Rande von Berlin in Spandau liegt das Gewerbegebiet, in dem die geschätzt 80.000 Alltagsgegenstände und Designobjekte aus der DDR gelagert werden. Einem Museum ähneln die Hallen keinesfalls, sind sie ja auch nicht, sondern eine wissenschaftliche Sammlung von einzigartigen Entwürfen und Objekten aus der DDR.

Bild

Der Anfang

Die Sammlung der DDR Gegenstände geht auf das Amt für industrielle Formgestaltung (AiF) zurück, das diese Sammlung gezielt von 1953 bis zur Wiedervereinigung aufbaute. Ziel war es eine Mustersammlung von Industriedesigns und -produkten anzulegen. Über die Jahre wurden Designprodukte aus der ganzen Republik und auch aus dem westlichen Ausland angehäuft. Viele Produkte in der Sammlung sind Träger der 1978 eingeführten Auszeichnung „Gutes Design DDR“.

Was es alles zu finden gibt

Dieses Archiv hat eigentlich alles was einmal in der DDR entworfen oder produziert wurde. Von Industriegegenständen wie Rechen- und Informationsgeräten hin zu Messgeräten, Werkzeugen und Maschinen befindet sich fast alles in der Sammlung. Die berühmten Autoklassiker Wartburg 353 von Clauss Dietel und der Trabi fehlen natürlich genauso wenig wie andere Alltagsgegenstände aus der DDR Zeit wie Möbel, Spielzeug und Haushaltsgeräte.

Bild

http://www.centralberlin.de/blog/wp-con ... -Sport.jpg
Wartburg 313 Sport – Der sportliche Wartburg

Auch aus anderen Bereichen finden sich Reliquien des DDR Designs. So befinden sich etwas 7.500 Plakate zu Kulturleben, Alltag, Wirtschaft, politischer Propaganda und Produktwerbung in der Sammlung. Viele davon sind Unikate und existieren nur noch einmal.

Bild
DDR - Plakat " Das schaffen wir "

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VEB Stern Radio

Warum stehen die Objekte nicht im Museum?

Seit dem Mauerfall und der Schließung des Amtes für industrielle Formgestaltung wurde die Sammlung von einem Berliner Museum zum anderen geschoben. Jedoch wollte keines sich mit dem überwältigenden Bestand beschäftigen oder konnte sich den Unterhalt nicht leisten. Erst 2005 wurde der Bestand an den heutigen Eigentümer, die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, übertragen.

http://www.centralberlin.de/blog/die-gr ... t/?lang=de
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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon karnak » 25. August 2017, 11:52

Volker Zottmann hat geschrieben:Solchen Sternrecorder hatten auch wir. Unkaputtbar. Läuft heute noch, wenn er mal an ist. In dem Qualitätspunkt der langlebigkeit und Umweltschonung waren wir wesentlich weiter. Heute sind extra Sollbruchstellen, damit neues Gelumpe gekauft wird.

Gruß Volker

Zum Einen gebe ich Dir recht, zum Anderen aber, Du hättest dann auch irgendwann sinnlos veraltete Technologie im Einsatz. Wenn es rechtzeitig kaputt geht fühlst Du Dich dann wenigstens besser wenn Du was Neues kaufen "musst" [flash] und bleibst dadurch gleichzeitig auf dem neuesten Stand. Vom Sinn und Bedürfnis einer Marktwirtschaft will ich erst gar nicht reden. Hättest Du denn heute noch gerne einen Fernseher aus den 80 igern mit den entsprechenden Qualitätsmerkmalen?
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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon Volker Zottmann » 25. August 2017, 16:54

Ach karnak...
Gegen die Telefone aus der Kaiserzeit, nahm sich doch der Radiorecorder eine Spitzenposition.
Und simpel Radio kann ich da heute noch mit. Will ich aber nicht.

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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon Spartacus » 25. August 2017, 17:31

Na bevor ich mir heute so ein Plastedingens für 30 Euro kaufe, dass nach exakt 23 Monaten kaputt geht, schaue ich doch lieber mal bei Ebay nach. [hallo]

https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-ste ... er-r160/k0

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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon pentium » 25. August 2017, 17:36

Spartacus hat geschrieben:Na bevor ich mir heute so ein Plastedingens für 30 Euro kaufe, dass nach exakt 23 Monaten kaputt geht, schaue ich doch lieber mal bei Ebay nach. [hallo]

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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon Spartacus » 25. August 2017, 17:40

pentium hat geschrieben:
Spartacus hat geschrieben:Na bevor ich mir heute so ein Plastedingens für 30 Euro kaufe, dass nach exakt 23 Monaten kaputt geht, schaue ich doch lieber mal bei Ebay nach. [hallo]

https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-ste ... er-r160/k0

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Gibt ja auch noch KW und MW und ganz wichtig, das Batteriefach. Wenn ich mich recht entsinne gehen da 6 große Batterien rein, also lange unabhängig von einer
Steckdose. Daher war der ja auch immer mit beim Campen.

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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon pentium » 25. August 2017, 17:43

Spartacus hat geschrieben:
Gibt ja auch noch KW und MW und ganz wichtig, das Batteriefach. Wenn ich mich recht entsinne gehen da 6 große Batterien rein, also lange unabhängig von einer
Steckdose. Daher war der ja auch immer mit beim Campen.

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Und was willst du auf KW und MW empfangen? Die glorreichen Zeiten sind doch selbst in diesen Frequenzen längst vorbei, was Europa betrifft.
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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon Spartacus » 25. August 2017, 17:48

Aber zurück zum "schönen" Thema.

Für mich mit eines der schönsten Designs der DDR, dass Stern Radio " Sternchen". [hallo]

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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon karnak » 25. August 2017, 17:56

So ein Ding hatte ich auch. Habe mich immer gewundert was dort für Zahlenfolgen von einer Frauenstimme durchgesagt wurden, von einer HVA wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nichts. [flash] Kurz und Mittelwelle glaube ich war zu empfangen. Die Qualität des Empfangs heute nicht mehr vorstellbar.
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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon pentium » 25. August 2017, 18:03

karnak hat geschrieben:So ein Ding hatte ich auch. Habe mich immer gewundert was dort für Zahlenfolgen von einer Frauenstimme durchgesagt wurden, von einer HVA wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nichts. [flash] Kurz und Mittelwelle glaube ich war zu empfangen. Die Qualität des Empfangs heute nicht mehr vorstellbar.


Nur MW und deine Zahlenfolgen hast du bestimmt mit einem anderem Gerät gehört....
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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon Spartacus » 25. August 2017, 18:05

Und die kann man sogar noch heute kaufen.

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Eierträger 2fach mit Salzstreuer + Löffel, absolut praktisch und ein muss, für die Schule.

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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon Volker Zottmann » 25. August 2017, 21:41

Spartacus hat geschrieben:Und die kann man sogar noch heute kaufen.

Bild

Eierträger 2fach mit Salzstreuer + Löffel, absolut praktisch und ein muss, für die Schule.

Sparta


Ich kenne keinen, der 2 Eier an einem Tag in die Schule schleppte. (Schon unter Ulbricht hieß es: "Iss ein Ei mehr!") Von zweien war nie die Rede. Das hätte ja die ganze Planwirtschaft aus den Angeln gehoben....

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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon karnak » 26. August 2017, 05:30

Ist leider ein Denkfehler bei," iss ein Ei MEHR" bedeutet logisch MINDESTENS 2 [grin]
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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon SkinnyTrucky » 26. August 2017, 07:51

Ha, an genau so ein Teil kann ich mich auch erinnern....hatte ich auch.... [super]


groetjes

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Re: DDR-Design Entworfen - verworfen

Beitragvon Interessierter » 26. August 2017, 08:25

Beliebt wie ein Trabi: Kultmöbel der Deutschen Werkstätten Hellerau

Jedem, der Architektur studiert hat, ist Hellerau ein Begriff. Von Karl Schmidt-Hellerau zum Werksstandort bestimmt, wurde der Stadtteil Dresdens 1909 als erste Gartenstadt Deutschlands gegründet und nach Plänen des Architekten Richard Riemerschmid gebaut. Doch noch vor dem Städte- kam der Möbelbau: Als Gründungsmitglied des Deutschen Werkbundes standen Schmidt-Helleraus 1898 gegründeten Werkstätten für hochwertige Produkte aus maschineller Fertigung und boten eine echte Alternative zum damaligen Industrieramsch, der nur allzu gerne historische Formen kopierte.

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Helleraumöbel seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts bis 1946

Um 1900 herum waren im Möbelbau der Deutschen Werkstätten Hellerau noch klare Jugendstileinflüsse und die Nähe zum englischen Arts-and-Crafts-Movement erkennbar. Doch schon 1903 entstanden die ersten sogenannten „Maschinenmöbel“ – funktionale Entwürfe, die industriell gefertigt, in Serie produziert und zerlegt in die Wohnung transportiert werden konnten. Sie entwickelten sich zu begehrten, weil erschwinglichen und dabei hochwertigen, Produkten und wurden bis in die Zwanzigerjahre hinein in verschiedenen Serien hergestellt.

Im Zweiten Weltkrieg begann ein dunkles Kapitel der Firmengeschichte. Durch den Krieg entstandene Lücken in der Belegschaft wurden mit französischen und sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern gefüllt, immer weniger Möbel und immer mehr Gewehrschäfte und Flugzeugteile für die Heinkel He 162 S, auch Volksjäger genannt, gingen vom Band. Deshalb wurde der Betrieb schon 1946 von der Sowjetischen Besatzungsbehörde unter staatliche Verwaltung gestellt und 1951 schließlich ganz enteignet.

Die Deutschen Werkstätten Hellerau in der DDRAls „Volkseigener Betrieb Deutsche Werkstätten Hellerau“ ging die Geschichte in Dresden mit Möbeln weiter, die auf das Wesentliche reduziert waren: 1957 begann die Herstellung der berühmten „Anbaumöbel Typensatz 602“. Deren Schränke, Sideboards und Schreibtische in skandinavisch freundlichen Holztönen mit typischen Fünfzigerjahre-Elementen wie geschwungenen Schubladengriffen und spitz zulaufenden, schlanken Füßen begründeten den Ruhm der Werkstätten zu DDR-Zeiten und darüber hinaus. Für Eleganz sorgten allein gute Proportion und eine subtile Gliederung. Schöpfer der Möbel, die in der DDR ähnlich begehrt gewesen sein sollen wie ein neuer Trabi, war der Architekt, Designer und Bauhausschüler Franz Ehrlich, der als Kommunist ins KZ Buchenwald deportiert und nach dem Krieg zum Leiter des Referats für Wiederaufbau in Dresden ernannt worden war.

1967 ging dann das sogenannte „MDW-Programm“ des Entwurfskollektiv um Rudolf Horn in Produktion und wurde für satte 24 Jahre hergestellt, und das, obwohl Walter Ulbricht beim Anblick der Schaumöbel auf der Leipziger Messe den berühmten Satz gesagt haben soll, es handele sich dabei doch bloß um „Bretter“. Das „MDW-Programm“ war, den Vorlieben der Zeit entsprechend, viel massiver als Ehrlichs frei kombinierbare Einzelmöbel, im Rastersystem aufgebaut und wandfüllend, wie man es von der Schrankwand der Siebzigerjahre kennt.

Doch nicht nur für die stilvolle Verschönerung von Privatwohnungen zeichnete der VEB verantwortlich, ebenso nahm man hier in industrieller Großfertigung die Holzauskleidung und Innenausstattung ganzer Hotels, Hochschulen und Theater in die Hand – zum Beispiel an der Dresdner Semperoper oder dem Leipziger Gewandhaus.

1970 wurde aus den „Werkstätten“ das „VEB Möbelkombinat Hellerau“, mit 625 Mitarbeitern um 1990. 1992 reprivatisiert, zogen die „Deutschen Werkstätten Hellerau“ im Jahr 2000 in einen Neubau gegenüber dem alten Firmenstandort um. Heute stellen sie projektbezogen Inneneinrichtungen für Unternehmen, Schiffe oder Privatbauherren her, anknüpfend an die lange Tradition des Unternehmens und ganz im Sinne der Moderne.

Vintage-Möbel des VEB Deutsche Werkstätten Hellerau heute


Nach der Wende ereilte viele Helleraumöbel dasselbe Schicksal wie alles, was damals als alt und verstaubt galt: Sie landeten auf dem Sperrmüll. Doch längst haben sich vor allem Franz Ehrlichs Entwürfe zu begehrten Vintage-Objekten entwickelt, die heute als Beispiel für Fiftiesdesign in Höchstform gelten. Sie lassen sich an ausgewählten Fachadressen wie der Gallery Central Berlin am Straußberger Platz 16 bewundern.

http://www.centralberlin.de/blog/belieb ... u/?lang=de

Vielleicht hatten ja auch User die erwähnten Möbelstücke in ihren Wohnungen?
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