Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Alles was das Militär betrifft, Armeen, Technik u.s.w. und militärgeschichtliche Themen

Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Dille » 9. Oktober 2011, 21:22

Hallo Uwe,

für mich sind gefallene Soldaten die armen Schweine, die die Machtpolitik ihrer (zumeist verbrecherischen) Oberen auszubaden hatten, und zwar alle, von allen Seiten !
Insofern bleibe ich immer an Kriegsdenkmälern stehen, ob mit rotem Stern oder mit eisernem Kreuz (in Dünkirchen etc. war ich noch nicht) und lese aufmerksam die Geburtsdaten und denke an die armen Schweine (die zumeist noch nicht einmal richtig gelebt hatten), denke auch an Mütter, Väter, Geschwister und Freunde/ Freundinnen, an zusammengeschossene Lebensträume......

Ich mache keinerlei Unterschied (hoffe ich mal..) zwischen Nationalitäten, allesamt waren'se verraten und verkauft......

Aus DDR- Zeiten habe ich eigentlich nur Gedenktafeln für die jeweils gefallenen Soldaten in den Kirchen in Erinnerung, mich hat es oft gestört, daß man nicht aller Kriegstoten gedachte (nicht etwa der Schuldigen, sondern aller wehrlosen Opfer) -- nein, die konnten sich ja auch nicht wehren, wenn sie in ein Abwehrfeuer rennen mußten...

Nachdenklichen Abendgruß, Dille
Dille
 

Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Zicke » 9. Oktober 2011, 21:45

der ganze Wahnsinn steht in diesem Text:
18. April 1945: An diesem Tag "purzeln" die Orte in Leipzigs Umgebung. Die Amerikaner kassieren Schkeuditz und Lützschena, Knautnaundorf und Bösdorf, Eythra und Zwenkau, Gaschwitz und Großpösna, Liebertwolkwitz, Holzhausen und Baalsdorf, Mölkau und Engelsdorf. Taucha wird den US-Truppen kampflos übergeben, aber sie marschieren vorerst nicht ein. Leipzig ist wichtiger.


Die große Stadt wird jetzt von drei Seiten aufgerollt. Die geschlagenen deutschen Truppen können nur noch nach Norden flüchten. Am frühen Morgen flaggt Leutzsch mit weißen Bettlaken. Sie sind endlich da: Nach allen Seiten sichernd laufen die Amerikaner durch die Straßen. Mit Megaphonen waren NKFD-Mitarbeiter vorher durch die Straßen gelaufen und hatten die Bewohner aufgefordert, weiß zu flaggen. Auch Lindenau wird noch am Morgen - kampflos - besetzt. Nur am Felsenkeller eröffnen zwei Hitlerjungen mit Panzerfäusten das Feuer auf einen amerikanischen Sherman-Panzer, schießen ihn in Brand. Einer der Hitlerjungen wird darauf kurzerhand standrechtlich erschossen und zur Abschreckung an den Panzer gelehnt.

aus
http://www.l-iz.de/Bildung/Zeitreise/20 ... 80000.html

über diese Kinderopfer wurde auch nie ein wort verloren.
z

Doch wenn ich all jene, die mir nicht in den Kram passen, deren Ansichten vielleicht irgendwie rechts sind, weiterhin Nazis nenne, dann ist das nicht nur faktisch falsch. Ich schmälere damit letztendlich auch das Andenken an die Opfer des NS-Regimes.

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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon vs1400 » 9. Oktober 2011, 21:52

hallo Uwe,

zu ddr zeiten, im geschichtsunterricht, gab es relativ wenig aufmerksamkeit für deutsche gefallene soldaten.
doch selbst bei "treffen" an russischen soldatengräbern, gedachte man immer auch den gefallenen deutschen soldaten.
nur meine meinung.

klasse aber das du dich mit diesen thema beschäftigst, respekt!

meine schwester wohnt in einem kleinen dorf, in dem es so eine stehle gibt ... für gefallene des ortes.
... wir hatten viel glück!

gruß vs
vs1400
 

Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Edelknabe » 10. Oktober 2011, 05:28

Erinnere ich mich an die DDR-Zeit war da nichts mit gefallenen Soldaten der Wehrmacht oder Totenehrung oder sonstiges. Da taucht bei mir garnichts auf außer die Erzählungen meines Vaters und des Onkels über ihre Zeit an der Ostfront und in Kriegsgefangenschaft.
Also du DDR da, das war aber schwach....mal so im Nachhinein gesagt, aber damals wurde sowas auch nicht hinterfragt, es gab einfach eine ganze Reihe wichtigere Probleme im täglichen Leben des ganz normalen Bürgers, so meine ich doch, als sich nun ausgerechnet mit toten Wehrmachtssoldaten zu beschäftigen.
Denn deren Zutun kostete meinen Opas in Folge das Leben, das müsste natürlich dann auch mit in deren Bewertung einfliesen, bzw. ob man deren Gedenken nun dadurch irgenwie anders sieht?

Rainer-Maria der das aber sonst so wie Dille sieht, denn das hieß auch damals schon Wehrpflicht, der man wohl sehr schlecht entkam und die, die es sind waren bis heute in der Bundesrepublik Verräter an Deutschland...stimmt doch oder?
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Merkur » 10. Oktober 2011, 09:20

ABV hat geschrieben: Für nicht wenige Menschen stellt der Umgang mit den eigenen Kriegstoten heute ein schändliches Kapitel in der DDR-Geschichte dar.
Wie seht ihr die Sache?
Viele Grüße aus dem Oderbruch
euer Uwe


Hallo Uwe,

da man vermutlich nur noch hier einigermaßen vernünftig diskutieren kann, möchte ich mal meinen Senf dazugeben. Das Thema ist sehr vielschichtig und muss von mehreren Seiten betrachtet werden.
Der Umgang mit den gefallenen Soldaten der Wehrmacht war in der DDR natürlich ideologisch geprägt. Wieviel Spielraum hatte die DDR eigentlich in dieser Frage ?
Ich kenne einen alten Soldatenfriedhof, auf dem deutsche und sowjetische Soldaten begraben sind. Diesen Soldatenfriedhof zierte bis 1945 ein Monument (ein deutscher Soldat und die Inschrift "Sie starben, damit Deutschland lebe"). Ich habe Verständnis dafür, dass dieses Monument 1945 verschwand. In der DDR wurden natürlich die gefallenen Angehörigen der Roten Armee geehrt. Heute ist es z. T. auf diesem Friedhof umgekehrt. Eine Partei weigerte sich, die gefallenen Sowjetsoldaten neben den Deutschen ebenfalls zu ehren. Also auch eine ideologisch geprägte Sichtweise.
Ich kann verstehen, dass man in der DDR zuerst die gefallenen Angehörigen der Roten Armee entsprechend ehrte. Sie waren es, die die Hauptlast des Krieges trugen, um das Hitlerregime zu beseitigen. Und sie waren es auch, die 1941 überfallen wurden und in einen Krieg ziehen mussten, den sie nicht wollten. Ich persönlich bin ihnen dafür dankbar. Das ist meine Überzeugung, weil ohne sie der Nationalsozialismus nicht beseitigt worden wäre. Das sollten wir ihnen nie vergessen.
Die andere Seite der Medaille ist der gefallene Wehrmachtssoldat. Er spielte in der DDR-Sichtweise eine absolut untergeordnete Rolle. Das Thema ist ambivalent. Einerseits die überzeugten Soldaten, die im festen Glauben an die germanische Weltherrschaft und den Führer in den Krieg zogen, andererseits der normale Soldat, der eigentlich gar keiner sein wollte und in den Krieg ziehen musste. Da in unserer Familie mehrere Gefallene zu beklagen waren, habe ich es einfach menschlich betrachtet.
Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
Merkur
 
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Nostalgiker » 10. Oktober 2011, 12:01

Der Umgang mit den Gefallenen des Zweiten Weltkrieges war auf dem Territorium der DDR wirklich sehr stark ideologisch behaftet.
Das die Siegermacht UdSSR mit der Errichtung dreier Gedenkstätten in Berlin ihrer Toten in der Schlacht um Berlin gedachte halte ich für legitim und richtig. Auch das diese Stätten Heute weiterhin gepflegt werden.

Was mich damals bereit mehr unbewußt störte war die Vereinnahmung der Toten Sowjetsoldaten als Helden und Befreier. In fast jedem Ort entstand ein Ehrenhain um der gefallenen Sowjetsoldaten zu gedenken.
In jährlich stattfindenden offiziellen Ritualen wurde nur dieser Toten gedacht, Deutsche Soldaten sind offensichtlich in der Endphase des Krieges nicht gefallen.

Von der Existenz des Waldfriedhofes in Halbe auf dem die Opfer der Kesselschlacht welche in diesem Gebiet im April 1945 stattfand bestattet sind wurde von offizieller Seite nichts berichtet.

In den Jahren 1958 bis 1965 war ich in dieser Gegend öfters im Ferienlager. In den Wäldern fanden wir damals fast täglich Hinterlassenschaften dieser Schlacht in Form von Ausrüstungsgegenständen, Uniformteilen und vielem mehr.
Es war uns Kindern damals durchaus bewußt das in dieser Gegend schreckliches passiert ist, nur darüber gesprochen wurde kaum und wenn kamen die damals üblichen stereotypen Antworten; gut/böse.

Nach 1989 war es erst möglich das wir den Soldatenfriedhof der Gefallenen der Ardennenschlacht besuchen konnten. Die Familie wußte seit Anfang der Sechziger das ein 18jähriges Familienmitglied auf dem Friedhof Sandweiler seine letzte Ruhe gefunden hat. Bis dahin galt er offiziell als vermisst.
So traurig die Gewissheit auch war, nun war da ein Ort zur Trauer.
Ich denke es muß für die Angehörigen der in der Endphase des Krieges gefallenen deutschen Soldaten sehr schwer gewesen sein wenn sie nicht wußten wo die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen bestattet sind.

Wie ich vor einiger Zeit gelesen habe werden auch in den damals umkämpften Gebieten Russlands, Weißrußlands und der Ukraine Soldatenfriedhöfe für deutsche Soldaten errichtet und gepflegt.

Die teilweise Vernachlässigung sowjetischer Soldatenfriedhöfe im östlichen Teil Deutschlands in der Jetztzeit kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen.

Gruß
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Affi976 » 10. Oktober 2011, 16:02

@Uwe,
ich hatte 1981 zu einem Ehrentag mit dem Stabsmusikkorps Berlin, in Seelow gespiet. Ich weiß nicht mehr um welchen Ehrentag es sich handelte, ist jetzt auch egal.
Bis dato hätte ich nichts über diesen Ort, geschweige über die gefallenen sowj. und deutschen Soldaten sagen können. Natürlich hatte ich mich im Vorfeld dieses Auftritts über Seelow und der Schlacht dort informiert und Kollegen des SMK`s befragt, die dort schon desöfteren gespielt hatten. Je mehr ich hörte, um so schwerere wurde jeder Schritt und jeder Ton dort. Ich war dann später nochmal mit der Familie dort, man kann es einfach nicht begreifen. Mit jedem Schritt, tritt man auf toten Soldaten herum. Es war wohl eine der verheerendsten Schlachten, noch kurz vor Ende des 2.WK. In der Nähe von Seelow muß aus einem Teich einmal ein deutscher Flieger samt Pilot geborgen worden sein. Er saß sogar noch in der Kanzel, man hatte seine "Hundemarke" gefunden und konnte so, nach Jahrzehnten sein Schicksal aufklären.
Eine andere Geschichte: Einer meiner Kollegen hier, kommt aus dem Thür. Wald. Er war 4 Jahre alt, als sein Vater im Krieg als verschollen gemeldet wurde. Im Zuge der Sicherung des Erbes ( Haus ) mußte der Vater dann für TOT erklärt werden. Mir hats fast den Boden unter den Füßen weggezogen, stell Dir mal vor, Du mußt Deinen Vater für TOT erklären!!!!
Ein anderer Kollege hatte seinen Vater nie kennengelernt. Er hatte nicht nur jede unserer Reisen zur Suche über`s DRK genutzt, sondern auch in der DDR alle möglichen Leute mobilisiert, seinen Vater zu suchen. Ich glaube 1987 wurde er gefunden, auf einem Soldatenfriedhof in Frankreich. Eine Reise dorthin wurde ihm, obwohl Reisekader und schon x-Mal wiedergekommen, nicht ermöglicht. Als die Mauer fiel, war der erste Weg nach Frankreich zum Grab seines Vaters. Seitdem ist er schon mehrmals dort gewesen und Mitglied der Kriegsgräberfürsorge und hält Kontakte zu Mitgliedern mit ähnlichem Schicksal. Sie kümmern sich um die Pflege der Soldatenfriedhöfe und spenden Geld für solche Exhumierungen, die Du gerade fotografiert hast.
Ganz klar wird jede Soldatenehrung ideologisch bestellt sein. Finde ich persönlich nicht in Ordnung.
Wir hatten in unserer Familie keinen gefallenen Soldaten zu beklagen. Mehrere Familienmitglieder, u.a. Opa, wurden in der Prinz-Albrecht-Strasse 8 gefangen gehalten und einige sogar umgebracht. Eine Ehrung dieser Toten, meist Kommunisten, begann auch erst Ende der 80-er Jahre, als man in Westberlin die Gemäuer und die Folterkeller der Gestapohauptzentrale freilegte. Eine entsprechende Ausstellung wurde sogar 1988 im KZ Buchenwald gezeigt. Eine Information darüber gabs nicht offiziell von DDR Seite und das Begleitbuch gabs ebenfalls nicht wirklich, nur wieder durch Beziehungen. Also selbst diese Seite war im DDR-Alltag nicht wirklich vorhanden, warum auch immer.
Die Ausstellung im ehemaligen Hauptquartier der Gestapo in der Niederkirchnerstrasse ( früher Prinz-Albrecht-Strasse 8 )in Berlin kann ich nur jedem empfehlen. Ich kenne sie seit Anfang 1989 und konnte zusehen, wie sie immer weiter wuchs und das Interesse immer größer wurde.
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon vs1400 » 10. Oktober 2011, 22:53

... Es gab ja vor einiger Zeit die Diskussion, ob ermordeten Grenzsoldaten ein Denkmal gesetzt werden darf. ...

hallo Uwe,

ich finde dazu leider nichts, kannst mir mal nen tipp geben?

gruß vs ... und thx vorab! [rose]
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon SkinnyTrucky » 11. Oktober 2011, 08:29

In dem Dorf wo ich herkomme, gab es ein Kriegsdenkmal für die Gefallenen Deutschen Soldaten aus dem Dorf....ich weiß nur nich mehr ob's nur der erste Krieg oder auch der zweite Weltkrieg war.....

groetjes

Mara
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Edelknabe » 11. Oktober 2011, 18:09

Das Schöne im schönen Deutschland ist so auf Maras Text hin, die alten Kriegerdenkmale stehen in fast jedem Dorf und werden eventuell mit Fördergeldern saniert und für den toten Grenzsoldaten ist dummerweise kein Geld da, der hat auch keine Lobby, dabei konnte der garnichts dafür, das er da an diese Grenze musste, so gehe ich einmal von mir persönlich aus?
Zumal, das hieß im ersten Weltkrieg Wehrpflicht und bei den Grenztruppen der DDR ebenfalls Wehrpflicht.
Oder war ich naiver Jüngling irgendwie selber schuld, weil ich nicht ein aufrechter Bausoldat wurde und damit dann heute ein Held geworden wäre?

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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon SkinnyTrucky » 11. Oktober 2011, 19:10

Rainer Maria, dieses Kriegsdenkmal hatte oben drauf das Eiserne Kreuz und eine angeschlagene Tafel mit den Namen der Gefallenen(unter anderen stand da auch ein Name zusammen mit meinem Achternamen drauf)....ich denk mal, das es nur für die aus dem Ersten Weltkrieg noch da stand....

groetjes

Mara
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Wosch » 11. Oktober 2011, 20:08

Ein Grund dafür daß in der DDR die toten deutschen Soldaten kein offizielles Thema sein durften hing auch damit zusammen daß man dann auch über die Toten sprechen mußte, die in sowjetischer Kriegsgefangenschaft bis in die 50er Jahre ums Leben gekommen sind. Das hätte der "Deutsch-Sowjetischen Freundschaft" keinen Dienst erwiesen. Eine Frage diesbezüglich: Wieviele Deutsche Stalingrad-Soldaten überlebten ihre Gefangenschaft, und wie sah es mit den Anderen aus die dorthin verschleppt wurden? Bitte nicht falsch verstehen, ich denke daß diese Frage im Kontex gesehen werden muß. Meine persönliche Einstellung: Bis auf einige Wenige in Ost und West, denen ich nicht nachtrauern werde (und Die sind mit Sicherheit nicht in den kleinen Diensträngen ohne Verantwortung zu finden) sollte man allen toten Soldaten, egal welcher Armeen, ein ehrendes Andenken erhalten, ohne Ausnahme, man sollte dann aber auch nicht dazu übergehen, sie zu glorifizieren. Das trifft auch ganz besonders auf die Soldaten zu die an der innerdeutschen Grenze ihr Leben ließen. Die persönliche Trauer von Angehörigen und Hinterbliebenen sollte man achten und respektieren, ihr Schicksal ideologisch auszunutzen und damit polemisieren sollte man nicht!
Daß ich als Schande ansehe daß ein Land seinen eigenen Millionen Kriegstoten nicht den nötigen Respekt entgegen bringen durfte, konnte oder wollte ist eine andere Sache. Da lob ich mir die Japaner!!
Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Sirius » 11. Oktober 2011, 20:22

Edelknabe hat geschrieben:Das Schöne im schönen Deutschland ist so auf Maras Text hin, die alten Kriegerdenkmale stehen in fast jedem Dorf und werden eventuell mit Fördergeldern saniert und für den toten Grenzsoldaten ist dummerweise kein Geld da, der hat auch keine Lobby, dabei konnte der garnichts dafür, das er da an diese Grenze musste, so gehe ich einmal von mir persönlich aus?
Zumal, das hieß im ersten Weltkrieg Wehrpflicht und bei den Grenztruppen der DDR ebenfalls Wehrpflicht.
Oder war ich naiver Jüngling irgendwie selber schuld, weil ich nicht ein aufrechter Bausoldat wurde und damit dann heute ein Held geworden wäre?

Rainer-Maria


Das liegt vermutlich auch an der Dimension der Zahl der Gefallenen. Im ersten Weltkrieg gab es 2 Millionen gefallene deutsche Soldaten, im zweiten Weltkrieg 3 bis 5 Millonen. Wieviele getötete Grenzsoldaten gab es? 50? Das würde in etwa der Zahl der in Afghanistan getöteten deutschen Soldaten entsprechen, für die man wohl auch nicht zahlreiche Denkmäler errichten wird. Es gibt, was die Weltkriege betraf, eben viel mehr betroffene Familien. Ich denke nicht, das die fehlenden Mittel etwas mit Geringschätzung der Getöteten zu tun haben, sondern das man beim Einsatz der finanziellen Mittel Prioritäten setzen will um der Dimension der Ereignisse gerecht zu werden.
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Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon vs1400 » 11. Oktober 2011, 22:28

Wosch hat geschrieben:Ein Grund dafür daß in der DDR die toten deutschen Soldaten kein offizielles Thema sein durften hing auch damit zusammen daß man dann auch über die Toten sprechen mußte, die in sowjetischer Kriegsgefangenschaft bis in die 50er Jahre ums Leben gekommen sind. Das hätte der "Deutsch-Sowjetischen Freundschaft" keinen Dienst erwiesen. Eine Frage diesbezüglich: Wieviele Deutsche Stalingrad-Soldaten überlebten ihre Gefangenschaft, und wie sah es mit den Anderen aus die dorthin verschleppt wurden? Bitte nicht falsch verstehen, ich denke daß diese Frage im Kontex gesehen werden muß. Meine persönliche Einstellung: Bis auf einige Wenige in Ost und West, denen ich nicht nachtrauern werde (und Die sind mit Sicherheit nicht in den kleinen Diensträngen ohne Verantwortung zu finden) sollte man allen toten Soldaten, egal welcher Armeen, ein ehrendes Andenken erhalten, ohne Ausnahme, man sollte dann aber auch nicht dazu übergehen, sie zu glorifizieren. Das trifft auch ganz besonders auf die Soldaten zu die an der innerdeutschen Grenze ihr Leben ließen. Die persönliche Trauer von Angehörigen und Hinterbliebenen sollte man achten und respektieren, ihr Schicksal ideologisch auszunutzen und damit polemisieren sollte man nicht!
Daß ich als Schande ansehe daß ein Land seinen eigenen Millionen Kriegstoten nicht den nötigen Respekt entgegen bringen durfte, konnte oder wollte ist eine andere Sache. Da lob ich mir die Japaner!!

Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]


ich denke "wir" haben dafür einfach noch nicht den genügenden abstand, denke aber ... oder hoffe ... es wird mal so kommen.

gruß vs
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Edelknabe » 12. Oktober 2011, 05:12

Nein nein Sirius, das mit den toten Grenzsoldaten und ihrem Nichtbeachten ist in diesem Staat hier so gewollt. Selbst wenn der Soldat durch eindeutigen Mord ums Leben kam und sein Mörder nach Westdeutschland flüchtete und dort logischerweise eine Pillipallestrafe erhielt, selbst dann stand der Soldat fürs System, siehe den Sozialismus, nennen wir es auch die Diktatur des Proletariats.
Also kann ich ihm an der Stelle, wo er ums Leben kam keine simple kleine Gedenktafel errichten ähnlich der Kriegstoten. Denn andererseits gehört ja sein Tod mit zur Geschichte der Grenze siehe der tote Soldat sollte neben dem toten Grenzbrecher(das war Staatsicherheitsdeutsch)ebenfalls eine Stelle zum Gedenken bekommen.
Das macht man schon mit Absicht nicht....weil, es könnte ja einer auf den Gedanken kommen, das der Soldat garnichts dafür konnte, er nur der Dumme war, der dummerweise seine Wehrpflicht da am Kanten ableisten musste.
Aber eigentlich ist das ein Extrathema wert.
Die Jungs sind gestorben für den Sozialismus und die Jungs heute sterben eben für die Demokratie und allen sollte gedacht werden und nicht siehe meine Zeilen vorher.

Rainer-Maria und einen guten Tag ins Forum allen
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon SCORN » 12. Oktober 2011, 06:14

Wosch hat geschrieben:Ein Grund dafür daß in der DDR die toten deutschen Soldaten kein offizielles Thema sein durften hing auch damit zusammen daß man dann auch über die Toten sprechen mußte, die in sowjetischer Kriegsgefangenschaft bis in die 50er Jahre ums Leben gekommen sind. Das hätte der "Deutsch-Sowjetischen Freundschaft" keinen Dienst erwiesen. Eine Frage diesbezüglich: Wieviele Deutsche Stalingrad-Soldaten überlebten ihre Gefangenschaft,..... ich denke daß diese Frage im Kontex gesehen werden muß.


hallo wosch,
ich stimmer dir dahingehend zu daß man diese fragen im kontex sehen muss. deine theorie dass die deutschen kriegsgefangenen einer der gründe für mangelndes gedenken sein sollten sehe ich nicht. die antwort ist einfacher, eine ehrung der deutschen toten war politisch nicht gewollt. nach einem halben jahrhundert und ohne direkte persönliche erfahrungen kann man natürlich entrüstet darüber sein. mit sicherheit war es ungerecht dem einfachen deutschen landser gegenüber, aber es war nun mals so, auch ein tragisches ergebniss des größten massenschlachtens der menschheitsgeschichte......und die deutschen waren nun mal auf der seite der verlierer......!

zu stalingrad: ca.6000 ehemalige der 6. armee sowie der 4. panzerarmee kehrten heim(bei 90 000 in gefangenschaft geratenen. tragisch! es hatte aber auch ursachen, ich möchte hier auf den schriftsteller t. plevier verweisen, dessen buch "stalingrad" gehört zum besten was zum thema geschrieben wurde. kennst du es?

gruss
SCORN
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Merkur » 12. Oktober 2011, 08:06

Wosch hat geschrieben: Meine persönliche Einstellung: Bis auf einige Wenige in Ost und West, denen ich nicht nachtrauern werde (und Die sind mit Sicherheit nicht in den kleinen Diensträngen ohne Verantwortung zu finden) sollte man allen toten Soldaten, egal welcher Armeen, ein ehrendes Andenken erhalten, ohne Ausnahme,


Beziehst Du damit auch die Soldaten der Waffen SS ein ?
Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Nostalgiker » 12. Oktober 2011, 08:57

Es handelt sich jetzt nicht direkt um gefallene deutsche Soldaten aber auch um zu Tode gekommene soldaten.

Irgendwo erwähnte ich das ich angefangen habe das Buch "Bloodlands" von Th. Snyder zu lesen.
Bisher bin ich bis zum Kapitel 5 'Ökonomie der Apokalypse' gekommen in dem die deutsche Planung der Vorgehensweise in den besetzten Gebieten Russlands beschrieben wird, unter aktiver Teilnahme der Wehrmacht übrigens. Der "Plan" konnte aus den verschiedensten Ursachen nicht umgesetzt werden.

Im Verlaufe des Jahres 1941, wurden von den sowjetischen Kriegsgefangenen nach Schätzungen eine halbe Million sofort erschossen (durch Angehörige der Wehrmacht) und rund 2,6 Millionen ließ man unter "Aufsicht" der Wehrmacht und anderer Verbände (Polizei, Schutzstaffel) in "Gefangenenlagern" schlichtweg verhungern.
Im weiteren Gesamtverlauf des Krieges kamen ca. 2% der Gefangenen der Westalliierten in Lagern zu Tode (meist Krankheit), während zwischen 80% und 90% aller Sowjetsoldaten in deutschen Lagern starben.

Der "Plan", welcher davon ausging das der Krieg im Osten spätestens im Oktober 1941 siegreich beendet sei, sah für den Winter 1941/42 ca. 30 Millionen Hungertote im besetzten Gebiet vor.

So tragisch auch der Tod eines Großteils der Gefangenen der 6. Armee ist; das von SCORN genannte Buch gehört wirklich zum besten was je über Stalingrad geschrieben wurde; es sollte nie vergessen werden wie die Deutschen in den besetzten Gebieten und an der Front gewütet haben.
Es war kein Krieg, es war ein erklärter Vernichtungsfeldzug.

Wie SCORN schrieb, dieses "nicht ehren" der Gefallenen Deutschen auf deutschem Territorium (Ost) passte nicht in den politischen Kontext.
Denn wie hätte man diese paradoxe Situation auch erklären sollen. Schließlich kam die Sowjetarmee als Befreier des deutschen Volkes, das dabei auch noch eine Armee besiegt wurde, fiel irgendwann unter den politischen Tisch. Wie kann ich nun, aus Sicht der Herrschenden in der DDR, jemanden gedenken der sich bis zu seinem eigenen Tod der "Befreiung" widersetzt hat?


Gruß
Nostalgiker

PS.: Waffen SS; ein ganz ganz heikles Thema. Ich bin mir da nicht sicher aber wurden ab 1944 auch ganz "normale" Wehrpflichtige zur Waffen SS gezogen?
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon icke46 » 12. Oktober 2011, 10:47

Kleine Anmerkung: Über das Buch "Stalingrad" von Theodor Plivier scheint es schon zu Vorwendezeiten eine systemübergreifende Einigkeit gegeben
zu haben - dass es zum Besten gehört, was über das Thema geschrieben worden ist. So etwas gab es meines Wissens auch nicht so oft.

Das Leben des Autors war auch mehr als wildbewegt:

http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Plivier

Es gehört zwar nicht unbedingt zum Thread-Thema, ich wollte es aber der Vollständigkeit halber erwähnen.

Gruss

icke
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon vs1400 » 12. Oktober 2011, 11:07

Nostalgiker hat geschrieben:
PS.: Waffen SS; ein ganz ganz heikles Thema. Ich bin mir da nicht sicher aber wurden ab 1944 auch ganz "normale" Wehrpflichtige zur Waffen SS gezogen?


hi Nostalgiker,

nur ein beispiel dafür ... klickmich.

gruß vs
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Wosch » 12. Oktober 2011, 13:42

Merkur hat geschrieben:
Wosch hat geschrieben: Meine persönliche Einstellung: Bis auf einige Wenige in Ost und West, denen ich nicht nachtrauern werde (und Die sind mit Sicherheit nicht in den kleinen Diensträngen ohne Verantwortung zu finden) sollte man allen toten Soldaten, egal welcher Armeen, ein ehrendes Andenken erhalten, ohne Ausnahme,


Beziehst Du damit auch die Soldaten der Waffen SS ein ?


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Merkur, ich dachte daß ich mich klar ausgedrückt hätte, ja ich beziehe mich da auch auf diese Angehörigen und vergesse dabei nicht daß man kurz vor Kriegsende noch Tausende von Minderjährigen (nicht Minderwertigen) zu dieser Truppe eingezogen hatte. Merkur, Du wirst mich mit Deiner polemisierende Frage nicht in die Nähe der Verherrlicher von Mord und Totschlag stellen können, auch wenn ich jetzt klar und deutlich sage, daß gerade der bolschewistische Gegner seine Mordbanden hatte, die nur unter einem anderen Namen ihre "Arbeit" verrichteten. Auch deren Toten zolle ich meinen Respekt, ihren Auftraggegnern allerdings weniger.
Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Wosch » 12. Oktober 2011, 14:21

[quote="Nostalgiker"]

...................Wie SCORN schrieb, dieses "nicht ehren" der Gefallenen Deutschen auf deutschem Territorium (Ost) passte nicht in den politischen Kontext.
Denn wie hätte man diese paradoxe Situation auch erklären sollen. Schließlich kam die Sowjetarmee als Befreier des deutschen Volkes, das dabei auch noch eine Armee besiegt wurde, fiel irgendwann unter den politischen Tisch. Wie kann ich nun, aus Sicht der Herrschenden in der DDR, jemanden gedenken der sich bis zu seinem eigenen Tod der "Befreiung" widersetzt hat?


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Eine "schöne " Logik hast Du da zurechtgelegt, Dieselben Herrschenden haben dann wahrscheinlich auch mit Recht all Die, die sich erlaubt hatten nach ihren in der sowjetischen Gefangenschaft befindlichen Angehörigen zu fragen, so zu maßregeln daß sie es sich nicht noch einmal erlaubten. Bis auf Ausnahmen ist Keiner freiwillig in den Krieg gezogen, sie wurden, bis auf Ausnahmen, Alle von ihren "Herrschenden" auf Grund der von ihnen errichteten Gesetze ins Feuer geschickt und das gilt für alle Kontrahenten, egal welche politische Ausrichtung sie inne hatten. Dem deutschen Kriegsgefangenen in der SU ging es nicht besser als den sowjetischen in Deutschland, und den hinterbliebenen Angehörigen ist es kein Trost dabei zu wissen, wer denn nun den Krieg angefangen hatte und wer nicht. Ja ich weiß, daß man den russischen Kriegsgefangenen übel mitgespielt hatte. Wollen wir aber aufrechnen so trifft das für die Deutschen in russischer Gefangenschaft genau so zu, die Zahlen von dort können sich auch sehen lassen.
Nun leben wir hier Gott sei Dank zeitlich und regional auf einem Fleckchen Land, auf dem das Thema "Opfer des WKII" ohne Angst vor Repressalien zur Sprache kommen kann und wo Jedermann Denjenigen gedenken darf für Die er es für nötig hält und das ist auch gut so.
Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]
Ich bin stolz darauf, noch nie den "Melde-Button" benutzt zu haben!
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon augenzeuge » 12. Oktober 2011, 16:17

Danke, vs, da zu der Waffen SS auch beispielsweise Franzosen und andere Wehrpflichtige eingezogen wurden, was mir bisher nicht bekannt war, sollte vor einer pauschalen Verurteilung dieser Organisation eine deutliche Differenzierung erfolgen.
AZ
Freiheit ist ein Gut, das durch Gebrauch wächst und durch Nichtgebrauch dahinschwindet. Keiner darf für sich den Besitz der Wahrheit beanspruchen, sonst wäre er unfähig zu Kompromiß und überhaupt zu Zusammenleben.
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Nostalgiker » 12. Oktober 2011, 17:04

@wosch ich habe mir kein Logik zurechtgelegt um irgendetwas zu rechtfertigen wie du mal wieder wie üblich mit traumwandlerischer Sicherheit "erkennst", sondern ich habe mit diesem Gedanken versucht das "denken" einer bestimmten Personengruppe nachzuvollziehen.
Diesmal hast Du den Bretterstapel vereinnahmt [hallo]

Woher weißt Du so genau das es dem Deutschen Krigsgefangenen in der SU nicht besser ging wie den sowjetischen Kriegsgefangenen in deutscher Hand? Wurden gefangene Deutsche Soldaten Hunderttausendfach erschossen? Wurden Millionen Deutscher Gefangene bewußt und zielgerichtet dem Hungertod ausgeliefert indem sie überhaupt keine Nahrung bekamen?
Nenn mir bitte ein Beispiel, welches dokumentiert ist, wo dies vorsätzlich geschah.
Bevor jetzt wieder einer Deiner berühmten Einwände kommt welche mit "ja aber" beginnen, lies einfach das bereits erwähnte Buch "Stalingrad" und dann kannst Du vielleicht erahnen in welch körperlich desolatem Zustand sich ein Großteil der deutschen Soldaten bereits zum Zeitpunkt der Kapitulation befunden hat. Zum großen Teil krank, halb verhungert und warm war es im Februar in der Gegend auch nicht gerade.

Die Russen hatten auch kaum was zu essen und das haben sie noch geteilt.
Im Gegensatz zu Deutschland hat sich die SU nämlich an die Haager Landkriegsordnung gehalten, welche im Artikel 7 besagt:
Die Regierung, in deren Gewalt sich die Kriegsgefangenen befinden, hat für ihren Unterhalt zu sorgen. In Ermanglung einer besonderen Verständigung zwischen den Kriegsführenden sind die Kriegsgefangenen in Beziehung auf Nahrung, Unterkunft und Kleidung auf demselben Fusse zu behandlen wie die Truppen der Regierung, die sie gefangen genommen hat.

Da die russischen Soldaten, wie allgemein bekannt, nicht gerade in Saus und Braus lebten was Nahrung, Kleidung und Unterkunft betraf, ging es den Deutschen genauso gut oder besser genauso schlecht wie ihren ehemaligen Gegnern.

Auch wenn es wieder mal als Rechtfertigung und Verklärung gesehen wird, der Krieg im Osten war von deutscher Seite ein Vernichtungsfeldzug dessen erklärtes Ziel es war eine Bevölkerung auszulöschen und den Rest zu versklaven. Das sich dieses Volk nun nicht gerade in vornehmer Zurückhaltung übte nachdem sich die Sache wendete ist rein menschlich zu verstehen.
Wobei ich mir gewiss bin das ich mit dieser aussage nicht auf ungeteilte Zustimmung treffe.

Ein interessanter Aspekt aus dem von mir genannten Buch.
Nach dem Fastkollaps der Roten Armee im Sommer/Herbst 1941 kämpften die russischen Soldaten unter der Entscheidung; entweder die Stellung bis zum Tod halten oder in deutscher Gefangenschaft elendig krepieren.
Auch unter Deutschen Soldaten hatte sich im Verlauf des Krieges herumgesprochen wie ihr Land mit den Gefangenen Russen verfuhr, sie mußten also befürchten das sie das gleiche Schicksal erleiden werden wie die gefangenen Russen.

Und die Russen gingen wirklich nicht zimperlich mit den Gefangenen um.
Nur was soll ich von einer Macht erwarten die ihre eigene Bevölkerung zu Hunderttausende in Lager steckte?
Die Deutschen erlitten das gleiche Schicksal wie die Bevölkerung in diesem Land.

Wenn ich diese ganzen einzelnen Teile zusammensetze beantwortet sich auch die Frage warum wurde in der DDR nicht von offizieller Seite der Gefallenen und der in Kriegsgefangenschaft zu Tode gekommen deutschen Soldaten gedacht.
Ein Gedenken hätte wieder Fragen nach sich gezogen, vielleicht unangenehme Fragen. Das wußte man, nicht nur auf diesem Gebiet, sehr gut zu vermeiden.

Gruß
Nostalgiker

Für Diejenigen welche sich dafür Interessieren:

Hier zwei Links welche oben geschriebenes vertiefen:
Verbrechen der Wehrmacht - Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941 - 1945
und
Haager Landkriegsordnung
Nostalgiker
 

Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Edelknabe » 12. Oktober 2011, 17:43

Hallo zusammen, passend zum Fred habe ich einmal Texte aus dem Stalingradfred im Offtopicbereich herübergeholt. Sie sprechen sehr gut für sich, so meine ich.

Textauszug aus dem Buch „ Namen für Rossoschka“, Schicksale aus Stalingrad, so das des Albrecht Appelt (Überlebender)

Und niemand weinte!

Die ersten Tage in Gefangenschaft
Wer die Angriffs- und Häuserkämpfe, die Durchbruchsversuche zur Wolga, wer die Kesselfront bis zum 10.Januar 1943, danach die Verzweiflungskämpfe gegen die Rote Armee und die misslungenen Ausbruchsversuche überlebt hatte, der fiel nun bis auf wenige Ausnahmen dem Tod mühelos in die Hände. Von den über 100000 in Gefangenschaft geratenen Soldaten der 6. Armee sollten nur fünf, allerhöchstens sechs Prozent überleben, vereinfacht und noch gut vorstellbar: Von 20 Mann starben 19, nur einer überlebte. Sie starben auf irrsinnigen Märschen, weil die Rote Armee gerade für die später Gefangenen keine Unterkünfte mehr fand; sie starben an Hungerfolgen, völliger Entkräftung, an schweren Erfrierungen und Verwundungen. Ohne Widerstandskraft machten sich Seuchen breit, allen voran das Fleckfieber.

Während ich am 29. Januar noch eine gute Grützesuppe empfing, war es am nächsten Tag nur noch ein Süppchen, denn immer wieder strömten Gefangene in das Sammellager Krasnoarmejsk. Die erste Nacht hatte ich noch in einem festen Haus mit ganzen Fensterscheiben zugebracht, ein wahres Gottesgeschenk! Am nächsten Morgen hieß es: „Alle Leutnante heraus!“ Man steckte uns in einen Rohbau ohne Fenster und Türen. Nun verbringe mal nur eine einzige lange Winternacht stehend in dieser Zugluft bei mindestens 30 Grad Kälte! Als am nächsten Tag im Strom neuer Gefangener ein mir Bekannter ankam, winkte ich ihn zu mir. Er schlotterte vor Kälte, weil sein linker Arm von sieben Geschossen einer Maschinenpistole durchlöchert war und er daher seine Uniformjacke und seinen Anorak nur lose über der Schulter hängen hatte. „Du wirst auch in diesen Bau müssen, das ist Dein Tod“, sagte ich zu ihm. Es kam zum Glück anders, denn man steckte uns in eine der benachbarten Baracken. Dort organisierte ich für Stempel einen Pritschenplatz, auf dem er sich für die nächste Zeit etwas erholen konnte. Ich wollte wenigstens in seiner Nähe bleiben und fand direkt über einen Gang im Dachstuhl einen äußerst engen aber zumindest ungestörten Verschlag. In diesem Unterschlupf unter der Decke – einer Art hölzernem Schwalbennest- konnte ich zwar nur liegen, sparte dadurch jedoch meine Kräfte für den nun folgenden Hungermonat.

Im Untergeschoss lagen zahlreiche Gefangene mit schweren Erfrierungen. Leider hatte man unseren Ärzten sämtliche Medikamente, Sanitätsmaterialien und Operationsbestecke abgenommen. Vor allem wären Amputationen notwendig gewesen, die auch von deutschen Ärzten hätten durchgeführt werden können. So aber faulten die erfrorenen Glieder dahin, bis es zu spät war.

Jeden Morgen wurden die Toten der Nacht aus den Unterkünften von eingeteilten Männern nicht heraus getragen, sondern herausgeschleift. Ein Mann einen Toten. Ich sehe es heute noch: Mit den Händen an den nackten Füßen ziehen sie den Toten wie einen Schlitten hinter sich her über den hart getrampelten Schnee des Hofes zu einer Sammelstelle. Und niemand weinte! Als die noch „Gesunden“ Anfang März in entfernte „normale“ Gefangenenlager transportiert wurden, fuhr der Tod mit ihnen weiter.


Auszüge aus Feldpostbriefen von Heinz Becker, geboren am 5. Mai 1910 in Essen -Borbeck, Angehöriger der Luftnachrichten-Betriebskompanie der Nahaufklärungsgruppe 16 an seine Ehefrau. Seit dem 20. Januar 1943 ist der Familienvater, er hat drei Kinder, vermisst in Stalingrad

23. April 1942: Deine Befürchtungen betreffend Meckerei lassen mich kalt, denn wenn man alle die Personen einsperren wollte die schimpfen, und zwar in den drastischen Tönen, dann bliebe kein Soldat mehr hier, sondern alle würden eingesperrt. Also keine Angst, und wenn der Krieg mal vorüber ist, dann räumen wir sowieso mit den Herren auf, die jetzt Zuhause sitzen und deren einzige Aufgabe darin besteht, den Angehörigen daheim wegen alles Sachen zu drohen und sie im Auge zu behalten.

21. Juli 1942: Man jagte sogar die Hühner in die Ställe und schlachtete sie ab und das keineswegs für die Truppe, nein, die einzelnen Leute für sich….Wenn ich Russe wäre und man verführe so mit mir, ich wäre auch Partisan oder - auf Deutsch – Freiheitskämpfer.

1. August 1942: Da soll Adolf seine Bonzen aus der Heimat hierhin schicken, uns ablösen, denn wir haben die Nase gestrichen voll.

9. August 1942: Adolf hat sich einen Krieg vom Zaun gebrochen, der uns viel zu schaffen macht.

13. August 1942: Man schimpft jeden Tag mehr über den Krieg und die Regierung, die diesen systematisch vorbereitet und uns endlich hineingetrieben hat…Der Feind hat starke Kräfte zusammengezogen und kämpft zäh. Stalingrad hat starke Befestigungen.

16. August 1942. Im vorigen Jahr hieß es, die letzten voll kampfkräftigen Truppen sind in den Kesseln von Brjansk und Wjasma eingeschlossen (gemeint sind sowjetische Truppen, so der Einsteller) Ich möchte nur wissen, was das für Truppen sind, die sich hier so zäh verteidigen und uns nicht weiter voran lassen. Wir haben hier in Stalingrad sicher noch 14 Tage Arbeit, und dabei stehen wir schon 14 Tage davor.

30. August 1942: Wir haben einen großen Fehler gemacht, indem man – besonders die SS – im vergangenen Jahr keine Gefangenen gemacht hat. So sagt sich der Russe, vor mir ist der Tod, und kämpft verzweifelt bis zum Letzten.

18. Oktober 1942: Ich hatte heute mit dem Fall der Stadt gerechnet.

Quelle, aus dem Buch „Namen für Rossoschka“, Schicksale aus Stalingrad

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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Merkur » 12. Oktober 2011, 19:24

Wosch hat geschrieben: Merkur, ich dachte daß ich mich klar ausgedrückt hätte, ja ich beziehe mich da auch auf diese Angehörigen und vergesse dabei nicht daß man kurz vor Kriegsende noch Tausende von Minderjährigen (nicht Minderwertigen) zu dieser Truppe eingezogen hatte. Merkur, Du wirst mich mit Deiner polemisierende Frage nicht in die Nähe der Verherrlicher von Mord und Totschlag stellen können,


Deine Sichtweise ist für mich sehr aufschlussreich @Wosch. Immerhin reden wir hier über ein Instrument des Dritten Reichs, welches in Nürnberg zur verbrecherischen Organisation erklärt wurde. Ohne Grund ?
Alles ehrbare Soldaten oder "Soldaten wie andere auch" ? wie der SS-Oberstgruppenführer Paul Hausser die Frage stellte. Glaube ich kaum. Die Argumentation auf der Basis der in den letzten zwei Kriegsjahren "Eingezogenen" und der in diesem Zusammenhang aufgestellten Divisionen ist mir zu naiv. Wie steht es denn mit dem Kern der Waffen-SS, also dem Vorläufer, der sog. SS-Verfügungstruppe ? Gab es beim Kern der Truppe, also der 1.SS-Panzerdivision "LAH", der 2. SS-Panzerdivision "Das Reich" oder der 3. SS-Panzerdivision "Totenkopf", Wehrpflichtige ? Wie war das mit Mindestgröße, Ariernachweis usw. ?
Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon SCORN » 12. Oktober 2011, 19:39

Wosch hat geschrieben:.... Dem deutschen Kriegsgefangenen in der SU ging es nicht besser als den sowjetischen in Deutschland,.....
Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]


diese aussage ist grundfalsch, sie verharmlost und setzt gleich und wird so noch nicht mal von militärhistorikern des rechten spektrums gebracht. wie nostalgiker schon schrieb, der grösste teil der in russischer gefangenschaft gestorbenen starb an krankheiten und schwäche. die ernährung war nicht besonders aber das war kein konzept sondern den kriegsereignissen geschuldet, in welchen gerade die wehrmacht und ss die taktik der verbranden erde anwendete! fakt ist das es den russischen soldaten und der russischen zivilbevölkerung ernährungstechnisch nicht wesentlich besser ging als den deutschen kriegsgefangen! wosch, du solltest mal die frage stellen wieviele russische zivilisten in den kriegsjahren verhungerten, erst dann sollte man schwadronieren. allein in der belagerten stadt leningrad lag die zahl der verhungerten zivilisten bei mehreren hunderttausend.

und wie war die situation der russischen kriegsgefangen in deutscher gefangenschaft? etwa 1941/42 als sich deutschland auf dem höhepunkt der macht befand und über die resourcen ganz europas verfügte? als in deutschland keiner hunger leiden musst! wieviel lies man da absichtlich vor hunger verrrecken?! von der industriellen tötung von zigtausend russischen kriegsgefangenen durch die perfide deutsche erfindung von "genickschussanlagen" mal ganz abgesehen! im übrigen in der gedenkstätte buchenwald im original zu sehen, vorausgesetzt man besucht nicht nur die lageraustellung welche sich mit den ereignissen nach 1945 beschäftig.

zum thema ss, wie schon richtig angedeutet sehr umfangreich und wirklich nicht einfach. es wäre ein eigenes thema wert, birgt aber immer die gefahr sich des vorwurfs der verharmlosung oder gar verherrlichung aus zu setzen. dieses thema umfasst schrecklichste verbrechen genau so wie militärische inovationen und hohen kampfgeist.
ich möchte AZ korrigieren, ausländer wurden nicht zur SS gezogen sondern dienten freiwillig dort. die liste umfasst fast alle europäischen nationen. richtig ist dass seit 1943 zur ss gezogen wurde und auch versetzungen aus anderen wehrmachtsteilen,soger der marine, wurden mit dem kriegsverlauf 1944/45 imm häufiger. ende 44 standen ca.600 000 mann der waffen ss unter waffen. nicht alle waren verbrecher aber auf das konto der ss gehen nachweislich einige der schlimmsten kriegsverbrechen. nur wurde auch zu lange der nymbus der "sauberern" wehrmacht geschmiedet. diese war nicht minder in schlimmste verbrechen verwickelt.
bemerkenswert ist dass fast alle "verbrechen" auf die ersten drei divisionen der waffen ss schlachtordnung fallen, eben den von merkur genannten. nicht unerwähnt bleiben sollte auch dass gerade ukrainische, und russische ss verbände schrecklichste verbrechen, vor allem im hinterland der ostfront begangen haben. ein besonders grausames beispiel sind wohl die horden kaminskis während des warschauer aufstandes.

zum thema, auch in der DDR wurde durchaus würdig deutschen gefallenen auf dem gebiet der DDR gedacht und gräber gepflegt. diese befinden sich aber überwiegend in jenen gebieten in denen gegen die westlichen allierten gekämpft und gestorben wurde. evtl. liegt es einfach an der anfallenden masse von toten während der mörderischen schlachten an oder, neiße und spree zum kriegsende!

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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon Nostalgiker » 12. Oktober 2011, 20:31

@SCORN,

im von mir bereits erwähnten Buch "Bloodlands" benennt der Autor ca. 1 Mio. Hungertote während der Belagerung Leningrads. Wobei die genaue Anzahl der Opfer wohl nie bekannt werden wird.

In den Achtzigern erschienen in der DDR von Ales Adamowitsch und Daniel Granin die zwei Bände "Das Blockadebuch" welches sich Tagebücher, Briefe, Augenzeugenberichte über jene Zeit zusammenfasst sind.
Das geht alles sehr hart an die Grenze des erträglichen.

In der Stadt gibt es das Blokademuseum und einen großen Friedhof für die Opfer.
Auch zu DDR Zeiten war es nicht üblich das Reisegruppen dort hinfuhren.
Ich habe mir dieses Museum an einem freien Nachmittag angesehen und ich kann auch heute noch sagen das all das was ich dort gesehen habe dazu geführt hat das ich mich schämte Deutscher zu sein.
Mag vielleicht etwas pathetisch klingen und wenn Dich dann noch eine alte Frau auf dem Friedhof anspricht und nachdem sie mitbekommen hat das ich Deutscher bin mich gefragt hat warum haben deine Väter uns das angetan???? In ihren Worten war weder Hass noch Abscheu sondern nur grenzenloses Unverständnis darüber wozu Menschen fähig sind anderen soetwas anzutun.
Das gibt einem wirklich zu denken.

Ich empfinde es auch als Ausdruck sehr großer geistiger Armut wenn hier solche Äußerungen fallen, na das "Zeitzeugenproblem" ist ja sowieso bald biologisch gelöst; bloß weil einiges was diese Menschen berichten nicht in ihr vernageltes Denkschema passt.

Gruß
Nostalgiker
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon vs1400 » 12. Oktober 2011, 21:00

Nostalgiker hat geschrieben: ...
Ich empfinde es auch als Ausdruck sehr großer geistiger Armut wenn hier solche Äußerungen fallen, na das "Zeitzeugenproblem" ist ja sowieso bald biologisch gelöst; bloß weil einiges was diese Menschen berichten nicht in ihr vernageltes Denkschema passt.

Gruß
Nostalgiker


hallo Nostalgiker,

es ist nun mal eine tatsache das zeitzeugen nicht das ewige leben haben.
zeitzeugen jeder (jüngeren) epoche werden jedoch oft einfach nicht beachtet, weil ... .

merkst du was?

gruß vs
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Re: Vom Umgang der DDR mit gefallenen deutschen Soldaten

Beitragvon augenzeuge » 12. Oktober 2011, 21:23

Nostalgiker hat geschrieben:Mag vielleicht etwas pathetisch klingen und wenn Dich dann noch eine alte Frau auf dem Friedhof anspricht und nachdem sie mitbekommen hat das ich Deutscher bin mich gefragt hat warum haben deine Väter uns das angetan???? In ihren Worten war weder Hass noch Abscheu sondern nur grenzenloses Unverständnis darüber wozu Menschen fähig sind anderen soetwas anzutun.
Das gibt einem wirklich zu denken.
Gruß
Nostalgiker


Ich habe andere Erlebnisse aus Leningrad. Sie basieren auf Kontakten zu einer russ. Familie, die ich dort einmal besuchte. Natürlich haben wir uns über dieses Thema dort auch unterhalten, immerhin hatten sie alle ihre Verwandten im Krieg verloren. Trotzdem wurden mir nie solche Fragen gestellt, warum auch, weil ich zufällig Deutscher war? Im Gegenteil, ich hatte fast das Gefühl, das sie froh waren sich mit mir auch über diese Zeit austauschen zu können. Es gab keine Vorwürfe die bei mir Fragen zu meinen Großeltern aufwerfen konnten. Ich finde es falsch, anderen Menschen ein Gefühl von Unverständnis für Dinge vermitteln zu wollen, welche sich zu völlig anderen Zeiten ereignet haben. Letztlich hilft das keinen. Es schürt nur die pauschalen Vorurteile, die die nachfolgende Generation nicht gebrauchen kann.
AZ
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