Finnland/Sowjetunion im November 1939

Alles was das Militär betrifft, Armeen, Technik u.s.w. und militärgeschichtliche Themen

Finnland/Sowjetunion im November 1939

Beitragvon Edelknabe » 20. November 2010, 13:01

Hallo zusammen, im Fred " Wer war die militarisiertere Gesellschaft" wurde der Krieg zwischen der SU und Finnland von Zicke angesprochen. Ich dachte, such doch mal in deinen Büchern und fand ersteinmal das: Textauszug aus Enzyklopädie der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken/Verlag Kultur und Fortschritt Berlin 1950.
Hier also die sowjetische Sichtweise/Erklärung/Geschichtsschreibung zum Krieg der beiden Länder.

Das faschistische Deutschland unternahm auch den Versuch, die Sowjetunion an ihrer Nordwestgrenze zu bedrohen. Geführt von deutschen Offiziere, bereitete die finnische Armee den Überfall auf die UdSSR vor.Die Regierungen Englands, Frankreichs und der USA stellten Finnland bereitwillig die hierzu erforderlichen Mittel zur Verfügung. Finnland bedrohte Leningrad( die Grenze verlief 30km vor Leningrad). Das große, von vielen Millionen Menschen besiedelte Industrie-und Kulturzentrum der Sowjetunion lag im Wirkungsbereich der finnischen Geschütze. Nur 2-3 Flugminuten trennten es von den finnischen Flugplätzen.An ihrer gesamten Grenze trafen die Finnen Kriegsvorbereitungen.
Die Sowjetunion sah sich daher gezungen, Leningrad und die nordwestlichen Grenzen zu sichern.Der Vorschlag der Sowjetunion zum Abschluss eines gegenseitigen Beistandspaktes wurde von Finnland abgelehnt.Der Ablehnung verfiel auch ihr weiterer Vorschlag, die Grenze auf der Karelischen Landenge einige Dutzend Kilometer zu verlegen und der Sowjetunion die Halbinsel Hangö zwecks Anlegung von zur Verteidigung Leningrads erforderlichen militärischen Stützpunkten gegen eine Überlassung beträchtlicher anderer Grenzgebiete zu verpachten. Die Regierung Finnlands erklärte die allgemeine Mobilmachung.Am 30.November 1939 verübten finnische Truppen eine Reihe von provokatorischen Übergriffen an der sowjetischen Grenze. Die Rote Armee ging daraufhin zur Offensive über. Sie hatte den Krieg gegen eine gut ausgerüstete Armee und unter den äußerst schwierigen Verhältnissen eines nordischen Winters zu führen.
Unter Mitwirkung ausländischer Spezialisten war an der Grenze von Finnland die stark befestigte" Mannerheim-Linie" angelegt worden, die als uneinnehmbar galt. Der Roten Armee gelang jedoch der Durchbruch wie auch die Überschreitung der nicht zufrierenden Sümpfe.Im Verlauf von drei Monaten wurde die finnische Armee geschlagen. Als die Sowjettruppen nunmehr auf die finnische Hauptstadt vorrückten, erklärten sich die Finnen zum Frieden bereit. Am 12.März 1940 wurde der Friedensvertrag unterzeichnet. Die Sowjetunion erhielt die Karelische Landenge mit der Stadt Wyborg sowie das westliche und nördliche Ufer des Ladoga-Sees. Auch an einigen anderen Stellen wurde die sowjetisch-finnische Grenze verlegt.. Finnland erklärte sich bereit, der Sowjetunion die Halbinsel Hangö pachtweise zu überlassen.Das Gebiet und der eisfreie Hafen von Petsamo, die im Jahre 1918 von Sowjetrussland freiwillig an Finnland abgetreten und während des Krieges besetzt worden waren, wurden von der Sowjetunion wiederum an Finnland zurückgegeben.
Am 31.März 1940 wurde die Karelische ASSR unter Einbeziehung der durch den Friedensvertrag mit Finnland an die UdSSR gefallenen Gebiete in die Karelo-Finnische Unionsrepublik umgewandelt.

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Re: Finnland/Sowjetunion im November 1939

Beitragvon Transitfahrer » 20. November 2010, 13:21

Moin,

hier mal ein Wiki Artikel darüber. http://de.wikipedia.org/wiki/Winterkrieg

Gruß
Peter
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Re: Finnland/Sowjetunion im November 1939

Beitragvon S51 » 21. November 2010, 02:43

Na ja, das riesige Finnland betrieb also Kriegsvorbereitungen gegen die kleine Sowjetunion...
Es ist aber schon richtig, dass Finnland in der Zeit des Bürgerkrieges die Sowjetunion auch angegriffen hat und von einem "Großfinnland" träumte. Es ist auch so, dass sowohl Deutschland wie auch England und Frankreich die Finnen gegen die Sowjetunion unterstützt haben. Mit "Freiwilligen", Technik und Geld. Eine gewisse latente Feindschaft zwischen gerade England und der UdSSR resultierte selbst während des späteren WK II nicht unwesentlich daraus. Massives Mißtrauen sowieso. Am Anfang ging es der Sowjetunion als Lehre aus aus dem vorangegangen Konflikt darum, den Raum zwischen Leningrad und der Grenze zu vergößern. Nicht unwesentlich auf Kosten des Nachbarn. Es ist auch richtig, dass zumindest am Anfang der Krieg für die Sowjetarmee alles andere als erfolgreich verlief. Das Verhältnis an Toten und Verwundeten war etwa 1:100. Das hieß, dass auf einen toten Finnen 100 tote Sowjetsoldaten kamen. Eine ungeheure Zahl und damals Ursache für Hitlers Glauben, mit der Sowjetunion ganz leicht fertig werden zu können. Sie sind in Eis und Schnee ähnlich untergegangen wie später die deutsche Armee in der UdSSR aber sie haben rechtzeitig daraus gelernt.
Es ist auch richtig, dass Finnland dann fast den gesamten zweiten WK an der Seite Deutschlands gekämpft hat und zum Ende äußerst brutal im sogenannten Lapplandkrieg auf die ehemaligen Verbündeten losgegangen ist. So brutal, dass selbst die Russen erstaunt waren. Aber auch unseren Vorvätern wird vorgeworfen, dort in dieser Zeit die Taktik der verbrannten Erde angewandt zu haben.
Siehe auch hier:
http://www.welt.de/kultur/article458394 ... dacht.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Finnlands

http://de.wikipedia.org/wiki/Fortsetzungskrieg

http://de.wikipedia.org/wiki/Lapplandkrieg
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Re: Finnland/Sowjetunion im November 1939

Beitragvon Thomas 1948 » 21. November 2010, 19:01

In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg musste mein Vater, Hans Lindner, alle paar Monaten einen Fragebogen mit allen Dienstgraden, Schlachten, Orden usw.
ausfüllen. Hat er immer mit guten Gewissen ausgefüllt, nur daß er in Finnland Adjutant vom General M. und einen Finnischen Orden erhielt, hat er immer
vergessen.
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Re: Finnland/Sowjetunion im November 1939

Beitragvon Edelknabe » 21. November 2010, 19:20

Thomas, dann war dein Vater ein kluger Mann, er dachte bestimmt so bei sich: " Was die Genossen nicht wissen, bereitet mir keine Probleme", dann strich er dir als Junge übers Haar und meinte: "Es ist auch mal gut, etwas für sich zu behalten, Junge, merke dir das gut, denn du weißt es, nur du allein und das genügt".
Du, mit Blick auf Walter Ulbricht an der Wand nahmst ein Buch zur Hand, es könnte" Die Stunde der toten Augen" von H.Thürk gewesen sein und fragtest: "Warst du auch so wie der Zado und sein Freund Bindig damals...Vater?
Da lachte dein Vater und meinte."später Junge, später erzähle ich dir von Finnland".
Mein Vater, Thomas, auf den traf das in Etwa zu, was ich gerade über deinen Vater dichtete.Und ich hoffe, du nimmst mir das nicht krumm.

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Re: Finnland/Sowjetunion im November 1939

Beitragvon Thomas 1948 » 21. November 2010, 20:31

schön geschrieben, ich finde es immer schön wie du immer so lange Geschichten schreibst, vieles kapier ich nicht alles in Rätsel aber trotzdem toll. [super]
aber bei uns war es doch anders, mein Vater war 1945 in der SPD dann SED kam ganz plötzlich 1953 aus Halle nach Immelborn ein Dorf bei Bad Salzungen,
war Jurist und bis 1977 Wohnbezirkssekretär der SED, ich war ca 1962-1973 Mitglied der JG, 1968 etwas Ärger mit einer mächtigen Behörde, 1968 Eintritt
in die CDU, seit 1967 weiß ich etwas über Buchenwald ll.
1972 hörte ich in Burgscheidungen etwas über ,, toten Augen,, , das dieses Buch verboten ist oder war.
,,,,,,,,,,,,
Mein Vater hat nie etwas über den Krieg erzählt, ich habe als Jugendlicher etwas über Adam und Steidle gelesen, tolle Bücher, mein Vater sah sich die an und meinte
es gibt da viele Fragen.
Er war noch in Frankreich und auf Sizilien! Ich habe von ihm die Orden, fotos,Militärpass und einige karten geerbt.
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Re: Finnland/Sowjetunion im November 1939

Beitragvon Edelknabe » 21. November 2010, 20:53

Thomas, danke für deine Beurteilung meiner Geschichten, ich schreib da mal morgen was dazu, auch zu deinem Text...muss ins Bett, meine Nachtschicht fängt früh an.
Eine gute Nacht ins Forum.

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Re: Finnland/Sowjetunion im November 1939

Beitragvon manudave » 22. November 2010, 12:27

Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein!
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Re: Finnland/Sowjetunion im November 1939

Beitragvon CaptnDelta » 23. November 2010, 10:41

Edelknabe hat geschrieben:Ich dachte, such doch mal in deinen Büchern und fand ersteinmal das: Textauszug aus Enzyklopädie der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken/Verlag Kultur und Fortschritt Berlin 1950.


Junge, Junge, fuer das Buch wuerde ich dir einiges geben. Also, lass es mal nicht wegkommen. Ich versuch hier mal, im Forum 'ne Sammlung fuer 'nen Scanner zu starten, damit Du das nicht alles abtippen musst. Die zitierten Buecher von Dir haben teilweise echt was anarcho-historisches [flash]

Hier mal kurz ein Abriss, wie man das ganze auch lernen konnte:

Nach dem der Ribbtentropp-Molotov-Pakt und sein geheimes Zusatzprotokoll im August 1939 unterzeichnte waren, machten sich sowohl Hitler-Deutschland als auch Stalin-Russland daran, dies in die Tat umzusetzen. Hitler ueberfiel Polen im September 1939, Stalin tat das gleiche von der anderen Seite kurze Zeit spaeter. Man beachtete die im Protokoll ausgehandelten Grenzen.
Nachdem sich Hitlerdeutschland fuer die naechste Zeit vor allem seiner Westfront widmen musste - nachdem England und Frankreich den Krieg erklaerten, konnte Stalin relativ unbehelligt seinen im Protokoll zugestandenen Bereich ausbauen: Zuerst wurden die baltischen Staaten gleichgeschaltet: Ultimaten wurden an Estland, Lettland, Litauen und Finnland geschickt, um dort russische Armeebasen und Truppen zu akzeptieren. Estland akzeptierte dies (angesichts der russischen Uebermacht, und des gerade demonstrierten Beispiels an Polen) noch im September, Lettland und Litauen im Oktober. Finnland versuchte eine Hinhalte-Taktik, um moegliche Truppen zu mobilisieren.
Verschiedene Verhandlungen begannen, die Sowjets wollten einen 2:1 Gebietstausch zu ihren Vorteil, Finnland war nur zu geringeren Zugestaendnissen bereit. Die Verhandlungen scheiterten.

Ende November wurde von Sowjet-Russland ein aehnliches Manoever wie das der Deutschen am Sender Gleiwitz inszeniert: Eine russische Grenzstation war beschossen worden, welches von Russland den Finnen zugeschoben wurde. Die tatsaechlichen Urheber waren jedoch das NKWD, Vorlaeufer des KGB. Am 30ten November ueberfiel Russland mit 21 Divisionen Finnland. Die Truppenueberlegenheit war 3:1, die Luftueberlegenheit fast 30:1, die Zahl der Panzer ueber 100:1.

Der sich daraus ergebende Zusammenhalt der Bevoelkerung Finnlands, um die russischen Agressoren abzuschuetteln, wird noch heute als der "Geist des Winterkrieges" ("Talvisodan henki") genannt. Die durch den Buergerkrieg 1918 eher zerissene Bevoelkerung fand durch allen Schichten zusammen, um gegen die Eindringlinge zu kaempfen, und den bei weiten ueberlegenen Agressoren entscheidende Niederlagen beizubringen. Gleichzeitig wurde Sowjet-Russland aus der League of Nations (dem Vorlauefer der UNO) ausgeschlossen, und man erklaerte sich solidarisch mit Finnland. Die von den Sowjets auf gewonnenen Grenzgebieten installierte Marionettenregierung fand keinen Zulauf. Da Sowjet-Russland Finnland ohne Kriegserklaerung ueberfiel, wurden ingesamt 3 voelkerrechtliche Vertraege verletzt: Der Vertrag von Tartu 1920, der Nichtangriffs-Vertrag von 1932 und 1934, und den Voelkerbund, dem Russland 1934 beigetreten war. Die direkte Hilfe durch England oder Frankreich gabs in Wirklichkeit nie, man war nur bereit Truppen zu entsenden, als sich Waffenstillstandsverhandlungen abzeichneten. Dabei hatte man vor allem die schwedischen Eisenerzgebiete im Blick, und die Moeglichkeit, den deutschen Zugriff darauf abzuschneiden. Man muss sich auch im klaren darueber sein, das zum Kriegszeitpunkt Hitler und Stalin alliiert waren. Uebrigens, die durch Sowjet-Propaganda komplett uebertriebene "Mannerheim-Linie" (welche es doch immerhin schaffte, die fast komplett fuehrungslosen Sowjets fuer fast 2 Monate aufzuhalten) hatte weniger Beton als das Opernhaus in Helsinki.

Es ergaben sich folgende Einschaetzungen aus dem Verlauf des Krieges:
* Hitler sah seine Ansicht bestaerkt, das die Sowjet-Russische Armee schwach war, und das deswegen Russland einnehmbar waere. Ein Fehlschluss wie sich spaeter zeigen sollte.
* Stalin sah das sein paranoides Dezimieren des Offizierskorps der sowjet-russischen Armee ihn in grosse Schwierigkeiten gebracht hatte. Daraufhin aenderte er sein Verhalten. Diese Aenderung trug mit grosser Warscheinlichkeit dazu bei, das die obigen Ansichten von Hitler sich als falsch erweisen sollten.
* Es war das erste mal, das das gesamte Land, Buergerliche, Banker, Arbeiter, Kommunisten, etc. zusammenstand um ihr Land zu gegen die stalinschen Aggressoren verteidigen. Nachdem sich auch die Arbeiterschaft, inkl. Kommunisten, gegen die Sowjets stellte, war die Idee einer von der Sowjetunion ausgehenden "Weltrevolution" hinfaellig.

So haette man's auch lernen koennen, wenn man auch andere Buecher zugelassen haette....

-Th
..Totalitarianism does not mean that such regimes in fact exercise total control over their people, it means rather that such control is in their aspiration.
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Re: Finnland/Sowjetunion im November 1939

Beitragvon Transitfahrer » 23. November 2010, 11:51

Laut RMR kann es aber nicht sein, das ein sozialistisches Land ein Krieg beginnt. Oder war die Sowjetunion zur damaligen Zeit nicht sozialistischt?

Gruß
Peter, der jetzt aber verwirrt ist [grin]
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Re: Finnland/Sowjetunion im November 1939

Beitragvon pentium » 7. Juli 2013, 11:42

Noch ein sehr verstaubtes Thema. Eigentlich schade um das interessante Thema, gerade mal 10 Beiträge und Ruhe im Schacht.
Ich habe mich mal in die Tiefen des Internets begeben und folgendes gefunden.

Eine interessante Einschätzung des damaligen NVA-Militärattaché in Finnland, Oberst Leh-
mann, vom Dezember 1989

Zitat:

Ausgangspunkt meiner Untersuchung war eine Aussage über den Winterkrieg, die ich im Militärlexikon der DDR fand.
Dort konnte man folgendes lesen:
"Mit Hilfe des Weltimperialismus provozierten militante finnische Reaktionäre einen Krieg gegen die Sowjetunion (30.11.39 - 12.03.40), den Frankreich, Großbritannien und andere kapitalistische Länder mit Waffenlieferungen und durch Entsendung von Freiwilligen unterstützten. Die anglo-französischen Generalstäbe bereiteten den Einsatz regulärer Verbände und eine Landung in Norwegen vor. Der Krieg endete im März 1940 mit einem Friedensvertrag, der die Sicherheit von Leningrad und Murmansk gewährleistete."
Dies ist eine offensichtliche Geschichtsfälschung und fordert von jedem interessierten Betrachter eine Hinterfragung zur Ergründung der Wahrheit. Wie sich mir der Winterkrieg darstellte und wie er zu bewerten ist, werde ich später formulieren.

Hätte ich heute die Aufgabe, eine Einschätzung des Winterkrieges für ein Militärlexikon zu schreiben, dann hätte diese ungefähr folgenden Wortlaut:

1. Der Winterkrieg war ein Element der politischen und militärischen Realisierung des Molotow-Ribbentrop-Paktes über die Aufteilung von Interessensphären zwischen Deutschland und der UdSSR. Die UdSSR hatte dabei folgende Ziele:
- die Erhöhung der Sicherheit des Landes in einer bestimmten Richtung auf Kosten Finnlands -- als Minimalprogramm;
- die Veränderung der in Finnland herrschenden Gesellschaftsordnung und die Wiedereingliederung Finnlands in die UdSSR nach dem Muster der baltischen Staaten -- als Maximalprogramm.

Die politische und militärische Zielstellung der UdSSR wurde nicht erreicht. Diese bestand nach sowjetischen Darstellungen in
- der Verhinderung der Möglichkeit eines Angriffs auf die UdSSR durch westeuropäische Staaten (Deutschland) über finnisches Territorium;
- der Verhinderung der Beteiligung Finnlands an einer solchen militärischen Aktion.
Das Gegenteil trat ein. Das faschistische Deutschland griff die UdSSR 1941 über finnisches Territorium an und hatte dabei die finnischen Streitkräfte als "Waffenbrüder" an ihrer Seite.

2. Der Winterkrieg war der Versuch einer Revanche der KPdSU bzw. des Sowjetstaates für die Niederlage der Revolution in den westlichen Teilen des zaristischen Rußland in den Jahren 1918 bis 1920 -- mit dem Ziel, die Grenzen von vor 1917 wieder herzustellen.

3. Der Winterkrieg war, betrachtet von der marxistischen Definition über gerechte und ungerechte Kriege, von Seiten der UdSSR ein ungerechter Krieg, ein Krieg zur Eroberung fremder Territorien und zur Unterwerfung eines anderen Volkes, ein Krieg also, den die Marxisten eigentlich ablehnten.

4. Der Winterkrieg schadete dem internationalen Ansehen der UdSSR und verschlechterte deren Beziehungen zu potentiellen Verbündeten in einem möglichen Krieg gegen Deutschland.

5. Der Winterkrieg offenbarte Schwächen in der Kriegsfähigkeit der Roten Armee und förderte damit die Vorstellungen der faschistischen Führung über die Möglichkeit des Sieges in einem Blitzkrieg gegen die UdSSR.

Hier der ganze Beitrag und Quelle:
http://www.sicherheitspolitik-dss.de/ga ... 891200.htm

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Re: Finnland/Sowjetunion im November 1939

Beitragvon SkinnyTrucky » 8. Juli 2013, 16:22

Transitfahrer hat geschrieben:Laut RMR kann es aber nicht sein, das ein sozialistisches Land ein Krieg beginnt.


Rainer Maria haben se mit seinen sozialistischen Umlagerungsaktionen wohl deswegen in Ruhe gelassen, weil se sich wohl sicher waren, das er in 30-40 Jahren immernoch das erzählt, was se von ihm hören wollten.... [flash]

CaptnDelta, versuche bitte ein Spendenkonto einzurichten, das Rainer Maria seine Bibliothek anständig erweitern kann.... [wink]

groetjes uit Santena

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Re: Finnland/Sowjetunion im November 1939

Beitragvon augenzeuge » 8. Juli 2013, 16:40

SkinnyTrucky hat geschrieben:
Transitfahrer hat geschrieben:Laut RMR kann es aber nicht sein, das ein sozialistisches Land ein Krieg beginnt.


Rainer Maria haben se mit seinen sozialistischen Umlagerungsaktionen wohl deswegen in Ruhe gelassen, weil se sich wohl sicher waren, das er in 30-40 Jahren immernoch das erzählt, was se von ihm hören wollten.... [flash]


Das nennt man Überzeugung. Obwohl sie letztlich dann auch gekauft wäre..... [flash]

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Re: Finnland/Sowjetunion im November 1939

Beitragvon pentium » 2. Dezember 2014, 18:23

75 Jahre Winterkrieg: Finnen erinnern sich.

Zitat:
Finnlands Premier Stubb blieb diplomatisch: Anlässlich der 75-Jahr-Feierlichkeiten des "Winterkrieges", des Angriffs der Sowjetunion auf Finnland, betonte er die "solide Beziehung mit der westlichen Wertegemeinschaft". Das Wort NATO ließ er aus. Finnlands politische Elite will Diskussionen um das Thema Beitritt bis zu den Wahlen im April vermeiden. Angesichts der Ukraine-Krise und der jüngsten Lufthoheitsverletzungen durch russische Flugzeuge stellen viele Finnen die bisherige Neutralitätspolitik in Frage.

http://kurier.at/politik/weltchronik/75 ... 00.169.903

Dazu auch ein Kalenderblatt / Beitrag vom 30.11.2014

Traurige Marginalie des Zweiten Weltkriegs

Es sollte nur ein kurzer Feldzug der sowjetischen Roten Armee gegen Finnland werden, mit dem Ziel, das widerspenstige Nachbarland zu besetzen und größere Gebiete zu annektieren. Doch die Riesenarmee Stalins musste gegen einen unterlegenen Gegner schwere Verluste hinnehmen. Vor 75 Jahren, am 30. November 1939, überschritten sowjetische Truppen die finnische Grenze und zogen in den sogenannten "Winterkrieg".

"Finnland war ja nun gerade ein Land, das überhaupt keine Aggressionen gegenüber der Sowjetunion hatte und das gar kein Interesse daran haben konnte, den großen Nachbarn zu provozieren."

Erklärt der Osteuropa-Historiker Jörg Baberowski von der Berliner Humboldt-Universität. Trotzdem überfielen sowjetische Truppen am 30. November 1939 Finnland. Erleichtert hatte dieses militärische Vorgehen der kurz zuvor geschlossene Hitler-Stalin-Pakt.

"Nach einem freundlichen Empfang fuhr der Minister zur deutschen Botschaft und begab sich später in den Kreml, wo in Anwesenheit Stalins der Nichtangriffs- und Konsultationspakt unterzeichnet wurde."

In einem geheimen Zusatzprotokoll wurden Estland und Lettland sowie Finnland als sowjetisches Interessengebiet definiert - eine Einladung für den sowjetischen Diktator Josef Stalin, das bis 1917 zu Russland gehörende Finnland zurückzugewinnen und in das eigene Imperium einzugliedern.

"Polen wurde aufgeteilt, die baltischen Republiken annektiert, und er merkte, dass er bekam, was er haben wollte. Finnland war einfach nur der konsequente weitere Schritt, es einfach zu probieren."

Vorwand, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen

Am 5. Oktober erhielt die finnische Regierung ultimativ die Anweisung, zu Verhandlungen in Moskau zu erscheinen. Die russische Seite forderte unter anderem den Abschluss eines militärischen Beistandspaktes, die Abtretung mehrerer Inseln und die Verschiebung der Staatsgrenze ins Landesinnere. Bedingungen, die für die finnische Delegation unannehmbar waren. Der sowjetische Außenminister Wjatschetslaw Molotow drohte daraufhin:

"Wir, die Zivilisten, scheinen nichts in der Sache tun zu können: Jetzt müssen die militärischen Kreise ihr Wort sprechen."

Ein angeblich von finnischer Seite provozierter Grenzzwischenfall am 25. November diente der Sowjetunion als Vorwand, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen. Am 30. November überfiel die Rote Armee mit einem massiven Aufgebot von Panzern, Flugzeugen und Bodentruppen das scheinbar hoffnungslos unterlegene Nachbarland, weshalb die sowjetische Militärführung einen raschen Sieg erwartete; ein Trugschluss, wie sich herausstellte.

Invasion schlecht vorbereitet

Denn das Offizierskorps, geschwächt durch die großen Säuberungswellen Stalins in den Jahren zuvor, hatte die Invasion schlecht vorbereitet. Der Vormarsch der Roten Armee blieb bei eisiger Kälte im meterhohen Schnee stecken.

"Im Grunde hatten die roten Kommandeure überhaupt keine Taktik und keine Strategie als den Frontalangriff. Und das war in einem Gebiet, in dem sich die finnischen Einheiten gut verteidigen konnten, in dem sie in kleinen Einheiten operierten und beweglich waren, fatal."

Die finnischen Partisanen waren in ihren weißen Schneehemden kaum zu erkennen. Im Dunkeln glitten sie auf ihren Skiern lautlos heran, warfen einfache Brandsätze, die sie in Anspielung auf den sowjetischen Außenminister Molotow-Cocktails nannten, und zerrieben die feindlichen Truppen.

"Damals standen vier Millionen gegen 180 Millionen. Trotzdem erlitten die Sowjettruppen schwerste Verluste.

Finnland konnte seine politische Souveränität bewahren, musste aber größere Gebiete abtreten

Berichtete die deutsche Wochenschau über den sowjetisch-finnischen Winterkrieg. Erst im Februar 1940 gelang der Roten Armee ein entscheidender Durchbruch, woraufhin sich die finnische Regierung zu Waffenstillstandsverhandlungen und einem Friedensschluss am 13. März gezwungen sah. Finnland konnte seine politische Souveränität bewahren, musste aber größere Gebiete abtreten. Dazu erklärte der frühere Außenminister Eljas Erkko:

"Der Frieden ist also zurückgekehrt in unser Land. Doch ist dieses Land noch das alte? Die alten Grenzen sind verschoben worden, uns sind wichtige Industrie- und Landwirtschaftsgebiete verloren gegangen."

Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion im Juni 1941 kämpften finnische Soldaten an der Seite der Wehrmacht im sogenannten Fortsetzungskrieg gegen die Rote Armee. Als aber 1944 infolge des deutschen Rückzugs erneut eine sowjetische Invasion drohte, schlossen die Finnen einen Separatfrieden mit Moskau und verfolgten anschließend eine konsequente Neutralitätspolitik.

Trotz 25.000 toten Finnen, einer halben Million Flüchtlinge und 125.000 toten Rotarmisten verblasste der finnisch-sowjetische Winterkrieg zu einer Marginalie des Zweiten Weltkriegs. Der Osteuropa-Experte Jörg Baberowski:

"Der schreckliche Vernichtungsfeldzug der Nazis in der Sowjetunion, der Holocaust, angesichts dessen ist das für die Historiker und für das Gedächtnis, ist das eine Randnotiz. Wenn man das aus der finnischen Perspektive sieht, ist es das natürlich nicht. Das spielt eine große Rolle im kollektiven Gedächtnis der Finnen."

http://www.deutschlandfunk.de/winterkri ... _id=304652

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Re: Finnland/Sowjetunion im November 1939

Beitragvon pentium » 7. Dezember 2014, 14:57

Die Schlacht von Suomussalmi fand im Winterkrieg zwischen Finnland und der Sowjetunion vom 7. Dezember 1939 bis zum 8. Januar 1940 bei Suomussalmi statt. Die Rote Armee schickte mit der 163. Schützendivision und der 44. Motorisierten Schützendivision rund 36.000[1] Soldaten ins Feld. Die finnischen Kräfte mit einer Maximalstärke von rund 11.500[2] Soldaten zerschlugen die beiden sowjetischen Formationen und verhinderten so den Versuch, Finnlands Verkehrsverbindungen nach Schweden abzuschneiden. Die Schlacht bedeutete für Finnland einen propagandistischen Erfolg; sie beeinflusste den Kriegsverlauf aber nicht entscheidend.

Mehr dazu:

http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Suomussalmi

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