GST (Gesellschaft für Sport und Technik) – Laufbahnausbildung Fallschirmjäger
Die GST wurde Anfang der 50-er Jahre in der damaligen DDR gegründet und hatte das Ziel, junge Menschen auf einen zukünftigen, militärischen Dienst in der NVA oder anderen bewaffneten Kräften innerhalb der DDR (Volkspolizei, MfS) vorzubereiten.
Jeder junge Mann, egal ob an der „Erweiterte Oberschule“ (heute Gymnasium) oder in der Berufsausbildung, hatte ein so genanntes „Wehrlager“ zu absolvieren. Das waren in der Regel zwei Wochen militärische Grundlagen auf recht niedrigem Niveau. Man lernte dort das Marschieren in Formation, das Schießen mit der KK-Mpi (22-er), das Marschieren nach Karte und mit Kompass, Innendienstangelegenheiten wie Betten- und Spindbau oder auch Revierreinigung, das Biwakieren mit Übernachtung in Zelten, das Anlegen von Feuerstellen und einiges mehr.
Den jungen Mädchen wurden die Grundkenntnisse in der ersten Hilfe beigebracht. Das also musste jeder junge Mann und fast jedes Mädel über sich ergehen lassen.
Ausbilder waren dabei in der Regel die Lehrer und Lehrausbilder dieser jungen Menschen, die einst selber einen Dienst in der NVA oder Vergleichbarem absolviert haben.
Bis dahin war es für alle eine „Pflichtübung“ und man konnte sich kaum davor drücken es sei denn, man konnte einen ärztlichen Attest vorlegen, der den jeweiligen jungen Menschen von diesem Lager entband.
Es gab aber auch, innerhalb der GST, eine Reihe von anderen Ausbildungsrichtungen, die von so manchem jungen Mann oder Mädel genutzt wurde, weil es ganz einfach im Interesse diese Menschen lag und sie dadurch ihr Hobby leben konnten was sonst nicht so einfach war und pekuniäre Belastungen verlangte, die junge Menschen oft nicht aufbringen konnten.
Mit einem monatlichen Beitrag von 1,10 Mark der DDR, konnten diese GST-Mitglieder die gesamte Kapazität der GST nutzen, die sie zur Ausübung ihrer Spezialisierung benötigten.
So konnte man für 70 Mark der DDR die Fahrerlaubnis für den LKW machen oder für das Motorrad, was viele Jugendliche nutzten.
Es gab folgende Richtungen der vormilitärischen Ausbildung, die als „Laufbahnausbildung“ bezeichnet wurde, mit dem Ziel, diese jungen Menschen sodann, nach dem Einrücken in die entsprechenden Kasernen, in die Einheiten zu versetzen, für die die jeweilige Laufbahnausbildung vorgesehen war.
Es gab:
- den Schießsport;
- den Funksport und Modellbau;
- den Motorsport;
- den Seesport;
- Tauchen;
- Segelfliegen und
- Fallschirmspringen.
In all diesen Laufbahnen wurden nach Erreichung einer bestimmten Stufe,
Wettkämpfe auf Kreis-, Bezirks- oder auch Landesebene, durchgeführt.
Auch gemischte Wettkämpfe, wo sich die Teilnehmer als Mehrkämpfer beweisen mussten gab es, wie z.B. den jährlich statt findenden militärischen Mehrkampf, wo sich die Teilnehmer nicht nur im Marsch nach Karte und Kompass beweisen mussten, sondern auch im Ziel- und Duellschießen, im Überwinden der Sturmbahn und einiges mehr.
Laufbahn Fallschirmjäger
Wer als junger Mann den Wunsch hegte, bei den Fallschirmjägern seinen aktiven Wehrdienst abzuleisten, musste das dem zuständigen Wehrkreiskommando (WKK) mitteilen. Oft geschah dies erst im Rahmen der Musterung. Einige junge Männer, so auch ich, kümmerten sich schon vor der Musterung darum. In jedem Falle stellte das WKK die Verbindung zu einem Bezirksausbildungszentrum (BAZ) für Fallschirmsport her und der junge Mann musste sich dort melden.
So dieser junge Bursche noch keine 18 Jahre alt war, hatten die Erziehungsberechtigten, eine schriftliche Zusage zu schreiben, dass ihr Junge diesen Sport ausführen darf.
Sodann begann der Weg zum Fallschirmspringer mit dem Ziel, zu einer der Truppen in der NVA eingezogen zu werden, die eine besondere, wesentlich intensivere, militärische Ausbildung zu erhalten, die eben auch das Springen mit dem Fallschirm beinhaltete.
Fast alle dieser GST-Kameraden hegten den Wunsch, Fallschirmjäger zu werden. Es kam aber auch vor, dass wenige Kameraden zum Wachregiment des MfS eingezogen wurden und dort in die Aufklärungskompanie eingezogen wurden und dann eine ähnliche Ausbildung genossen, wie die Fallschirmjäger der NVA. Fakt war, man musste sich für eine Mindestdienstzeit von 3 Jahren verpflichten. Ansonsten konnte man die Ausbildung in der GST „Laufbahn Fallschirmjäger“ nicht absolvieren und wurde auch nicht zu den Fallschirmjägern einberufen.
Es gab regional mehrere BAZ in der damaligen DDR.
So wurde ausgebildet in Neustadt-Glewe (bei Ludwigslust), Magdeburg, Cottbus-Neuhausen, Leipzig- Mockau und Gera-Leumitz. Die zentrale Schule für Fallschirmspringer befand sich auf dem Flugplatz Halle-Opin.
Die Ausbildung in diesen BAZ-en geschah in kasernierter Unterbringung auf dem jeweiligen Flugplatz und war militärisch organisiert.
Zu den Lehrinhalten und Ausbildungsstunden gebe ich im Anschluss einen Anhang, den ich mit freundlicher Genehmigung des Kameraden
B. Ludewig, der nach Beendigung seines Dienstes im FJB-40, hauptamtlich im Zentralvorstand der GST, für die Ausbildung der zukünftigen Fallschirmjäger der NVA, tätig war.
In der Zeit zwischen März bis November eines jeden Jahres erhielt die Berufsschule oder die Erweiterte Oberschule, vom WKK einen Brief mit Aufforderung, dass der bewusste junge Mann in der Zeit von … bis (jeweils eine Woche), vom Schulbetrieb befreit wird, um an der vormilitärischen Ausbildung in der Laufbahn Fallschirmjäger, am jeweiligen BAZ teilnehmen zu können. Dem wurde in der Regel statt gegeben und so reiste man mit einer Militärfahrkarte ausgerüstet, zum BAZ.
Nach dem Wecken und einem Frühsport begann der Tag mit dem Frühstück und einem Morgenappell wo die Ausbildung für den Tag bekannt gegeben wurde, bestimmte Funktionen eingeteilt wurden (z.B. das Durchdrehen der Luftschraube beim Absetzflugzeug AN-2, Packplanen ausbreiten, die Fallschirmtechnik vom Lager in die Packzone transportieren usw.).
In der Regel war Fallschirmpackausbildung und Sprungbetrieb angesetzt, damit jeder zukünftige Fallschirmjäger die Mindestsprunganzahl (12 Fallschirmsprünge) absolvieren konnte, die zum Mindestprogramm für den Abschluss der „Laufbahnausbildung Fallschirmjäger“ gehörte.
An Tagen, wo ein Springen aufgrund der Witterung nicht möglich war, wurde Packausbildung in der Halle durchgeführt. Breiter Raum wurde der körperlichen Ausbildung gewidmet. Die Überwindung der Sturmbahn, durchaus längere Läufe und Märsche mit Karte und Kompass, im Einzelnen auch Handlungen im Nahkampf aber auch, und da tränten so manchem jungen Mann schon die Augen, einige Stunden staatsbürgerlichen Schulung.
Damit war auch für Bewegung und Lerninhalten gesorgt an solchen Tagen, wo eben ein Sprungbetrieb nicht möglich war.
Auch die Nachmittage waren ausgefüllt mit Fallschirmsprungbetriebsdienst oder anderer Ausbildung.









