Studie "Doping in Deutschland"

Fussball, Sommer und Wintersport, eben alles zum Thema Sport

Re: Studie "Doping in Deutschland"

Beitragvon Interessierter » 24. April 2017, 08:54

Warum das Hall-of-Fame-Projekt an Täve Schur scheitert

Straßenrad-Weltmeister, Friedensfahrtsieger - aus rein sportlicher Sicht wäre die DDR-Radsportlegende Gustav-Adolf "Täve" Schur vielleicht ein geeigneter Kandidat für die virtuelle Hall of Fame der Deutschen Sporthilfe. Aber es geht eben um mehr als nur Sport, kommentiert Thomas Purschke.

Gegenwärtig kann man das seit langem umstrittene Projekt "Hall of Fame" der Stiftung Deutsche Sporthilfe als gescheitert ansehen. Der Grund: Die Führungskräfte der Sporthilfe mit dem Vorstandsvorsitzenden Michael Ilgner an der Spitze haben versagt. Aber nicht nur die. Bis heute verherrlicht Gustav-Adolf Schur den Unrechtsstaat DDR, dessen große Propaganda-Figur er einst selbst war. Erst vor wenigen Tagen behauptete er wieder allen Ernstes, der DDR-Sport sei nicht kriminell gewesen. Und doch wurde Schur zum zweiten Mal seit 2011 von der federführenden Sporthilfe als Aufnahmekandidat zur Wahl bestätigt.

DDR-Staatsdoping? Wird ignoriert

Das vor Gericht belegte Staatsdoping in der DDR mit dem besonders perfiden Missbrauch von Minderjährigen ignoriert der einstige einflussreiche DDR-Sportfunktionär sowie Volkskammer-SED-Abgeordnete Schur beharrlich bis heute. Und das, obwohl er von 1998 bis 2002 als Abgeordneter der PDS-Linkspartei im Sportausschuss des Deutschen Bundestages saß. Also genau in jener Zeit, in der vor dem Landgericht Berlin die Urteile gegen die Hauptverantwortlichen des DDR-Dopings um Manfred Ewald und Co. fielen.

In der Causa Schur versagt haben aber auch die Spitzen aller 16 Landessportbünde in Deutschland. Denn diese haben sich auf Vorschlag des LSB-Präsidenten von Sachsen-Anhalt, Andreas Silbersack, einstimmig für die Aufnahme von Schur ausgesprochen. Begründung: Schurs sportliche Lebensleistung. Dass Schur bis heute DDR-Mauer- und Stasi-Opfer und Dopinggeschädigte verhöhnt, nehmen sie in Kauf. Damit beschädigen die Sportfunktionäre die Glaubwürdigkeit, den Fairplay-Gedanken und die moralische Integrität des deutschen Sports erheblich. Sie zeigen erneut, dass sie auf der Seite der einstigen Täter stehen. Die Opfer sind ihnen seit jeher lästig.

Reputationsschaden für DOSB und Sporthilfe


Mit der aktuellen Behauptung von Seiten der Sporthilfe, man habe die Vorschläge für die aktuell fünf neuen Aufnahmekandidaten um Schur und Drechsler mit der nötigen Sorgfalt analysiert und auf Unbedenklichkeit überprüft, wird die Öffentlichkeit zudem massiv getäuscht. Denn die Verstrickung ins DDR-Staatsdopingsystem ist sowohl bei Gustav-Adolf Schur als auch bei Heike Drechsler aktenkundig längst belegt. Und beide haben laut seit langem bekannten Stasi-Unterlagen auch Informationen über Sportkameraden an die DDR-Geheimpolizei geliefert.

Heike Drechsler diffamierte 1992 zudem die Doping-Aufklärerin und Buchautorin Brigitte Berendonk als Lügnerin, die Angelegenheit wurde vor dem Landgericht Heidelberg verhandelt. Heike Drechsler und fünf ihrer Mitstreiter wurden wegen Lügens vor Gericht und damit Prozessbetrugs verurteilt. Unabhängig davon, wie die diesjährige Wahl für die Hall of Fame ausgehen wird, ist der Reputationsschaden für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und insbesondere die Sporthilfe, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiern will, längst vorhanden und enorm.

http://www.deutschlandfunk.de/kommentar ... _id=384419
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Re: Studie "Doping in Deutschland"

Beitragvon Interessierter » 29. April 2017, 09:03

Schur verpasst Aufnahme in die Hall of Fame

Er zählt zu den großen Stars der deutschen Radsport-Geschichte. Trotzdem wird Gustav-Adolf Schur erneut nicht in die Hall of Fame aufgenommen. Das dürfte mit kontroversen Aussagen des 86-Jährigen zusammenhängen.

http://www.spiegel.de/sport/sonst/radsp ... 45269.html

[bravo]
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Re: Studie "Doping in Deutschland"

Beitragvon Volker Zottmann » 29. April 2017, 09:21

Er war unser aller Idol! Leider ignoriert Täve aber bewiesene Sachstände und verharrt im Gestern. Vorbild heute? Nein!

Gruß Volker
http://baupionier.zottmann.org/
http://Mein-DDR-Leben.de/

Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
(Volker Zottmann)
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Re: Studie "Doping in Deutschland"

Beitragvon Interessierter » 7. Juli 2017, 10:41

Doping, Druck und Rückschläge in der DDR

Trainieren bis zur Erschöpfung immer unter dem Druck Topleistungen zu bringen – so sah die Jugend der DDR-Leistungsturnerin Dagmar Kersten aus. Zusätzlich wurde sie ohne ihr Wissen gedopt. Noch heute leidet sie unter den Folgen. Nun erzählte sie den Schülern des Max Planck Gymnasiums ihre Geschichte.

Die ehemalige DDR-Leistungsturnerin Dagmar Kersten hat eine tragische Lebensgeschichte. Denn die heute 44-Jährige wurde schon früh von Doping, hohem Leistungsdruck und Schmerzen geprägt. Noch heute, 25 Jahre nach dem Mauerfall, hat sie massive körperliche Beschwerden, die auf die Überbelastung aus DDR-Zeiten zurückzuführen sind. Auch die vielen Aufputschmittel, die ihr während ihrer Zeit als Leistungssportlerin ohne ihr Wissen verabreicht worden sind, belasten ihren Körper.

http://www.swp.de/heidenheim/lokales/he ... 76308.html
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Re: Studie "Doping in Deutschland"

Beitragvon Interessierter » 21. August 2017, 11:31

Dopingopfer Susann Scheller - "Ziel ist selbstbestimmtes Leben"

Training bis zu vier Mal am Tag, bis zur totalen Erschöpfung: Das war acht Jahre lang der Alltag von Susann Scheller auf der Kinder-und Jugendsportschule in Halle. Dort wurde die Sportgymnastin zum Dopingopfer, genau wie viele ihrer Freundinnen. Nun soll das Vergangene aufgearbeitet werden, erzählt sie im MDR-Interview.

MDR: Wie schwer fiel es Ihnen, sich überhaupt zu diesen dramatischen Ereignissen in Halle zu äußern, heilt die Zeit so langsam die Wunden?

Susann Scheller: "Es ist uns überhaupt erst vor einem Jahr aufgefallen. Wir, 20 Gymnastinnen, haben uns zusammengeschlossen. Wir haben also seit einem Jahr versucht, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Dabei haben wir viel Hilfe von der Doping-Opfer-Hilfe bekommen und deshalb erst herausgefunden, dass wir als Kinder Dopingopfer geworden sind. Ich bin jetzt staatlich anerkanntes Dopingopfer, wie viele von meinen Freundinnen auch. Das macht es mir leichter, darüber zu reden, weil ich auch weiß, wie viele da draußen noch sind, die nicht wissen, was mit ihnen passiert ist."

Nach den Gesprächen, die Sie in diesem Jahr geführt haben: Wie ähneln sich die Probleme, die Empfindungen, die diese Frauen haben?

"Wir haben separat die letzten 28 Jahre selbst damit zugebracht, die Vergangenheit irgendwie zu bewältigen und haben immer gedacht, dass wir mit unseren Problemen alleine stehen – sowohl physisch als auch psychisch. Wir haben jetzt festgestellt, dass sich unsere Lebenswege ähneln und auch die Problematiken, vor denen wir heute stehen, ähneln. Vieles kommt deshalb erst jetzt zum Tragen."

Das ganze Interview hier:
http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/sport/ ... r-100.html
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Re: Studie "Doping in Deutschland"

Beitragvon Interessierter » 1. Dezember 2017, 12:42

DDR-Doping: Studie enthüllt schockierende Langzeitfolgen
Dopingopfer sterben 15 Jahre früher

DDR-Dopingopfer sind einer neuen Studie zufolge von weit schlimmeren Spätfolgen betroffen als bisher angenommen und haben eine bis zu 15 Jahre geringere Lebenserwartung.

Dies ist ein Zwischenergebnis einer von der Universität Greifswald und den Helios-Kliniken Schwerin durchgeführten Untersuchung.

Dabei bezogen die Wissenschaftler die Datenbank des Doping-Opfer-Hilfevereins (DOH), Fragebogen sowie Gutachtergespräche in ihre Studie mit ein. "Eine solche Datenmenge hat es in dieser Fülle noch nicht gegeben", sagte Chefarzt Jochen-Friedrich Buhrmann.

Ebenso fand die Studie heraus, dass Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei DDR-Dopingopfern fünfmal häufiger auftreten als im Bevölkerungsdurchschnitt. Auch Depressionen und Schmerzstörungen seien vermehrt zu beobachten. Bisher haben sich 1350 Geschädigte des DDR-Staatsdopingsystems beim DOH gemeldet. Insgesamt wird von 15.000 Betroffenen ausgegangen.
Dopingopfern fehlen Beweise für Gutachten

2016 wurde das 2. Dopingopfer-Hilfegesetz vom Deutschen Bundestag beschlossen und inzwischen bis Ende 2018 verlängert. Demnach erhalten offizielle Dopingopfer des DDR-Sports vom Bund eine Einmalzahlung von 10.500 Euro aus einem Hilfsfonds von 10,5 Millionen Euro. Die Betroffenen müssen anhand medizinischer Gutachten beweisen, dass ihre Schädigung zu mehr als 50 Prozent auf Doping im DDR-Sport zurückzuführen ist.

Allerdings haben viele Dopingopfer mit dem Verfahren Probleme. Oftmals seien die ehemaligen Sportler nicht an beweiskräftige Akten und Gutachten gekommen.

http://www.spox.com/de/sport/mehrsport/ ... slauf.html
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Re: Studie "Doping in Deutschland"

Beitragvon Interessierter » 12. August 2018, 09:21

„Versuchskaninchen“ - Erschütternde Anklage eines DDR-Doping-Opfers

1977 schwamm Christiane Sommer Weltrekord über 100 Meter Schmetterling. Längst weiß sie, dass sie ein Opfer des Dopingsystems in der DDR war. Ihre Anklage: „Sie haben uns süchtig gemacht.“

Es war der 28. August 1977. Ein Tag, der in die Geschichte des Schwimmsports einging. Im Rahmen eines Länderkampfs zwischen der damaligen DDR und den USA schwamm Christiane Knacke als erste Frau die 100 Meter Schmetterling unter einer Minute. Mit 59,78 Sekunden stellte sie einen neuen Weltrekord auf – im Alter von 15 Jahren und vier Monaten.

40 Jahre nach ihrem Fabelweltrekord klagt die frühere Weltklasse-Schwimmerin, die heute Sommer heißt, das Dopingsystem im DDR-Sport an. „Heute weiß ich, ich war ein Versuchskaninchen, wir waren Versuchskaninchen. An uns wurden Medikamente getestet, die schwere Folgeschäden verursachten, ohne dass wir oder unsere Eltern das wussten“, sagte die 55-Jährige, die seit 1988 in Wien lebt, der österreichischen Zeitung „Der Standard“. „Sie haben uns süchtig gemacht“, so Sommer.

„Wir hatten keine Wahl“

Als 14-Jährige habe sie gar nicht richtig verstanden, was Trainer und Ärzte mit ihr machten. „Friss oder stirb, das war die Devise. Wir waren Missbrauchsopfer, wir hatten keine Wahl“, sagt Sommer. Ungefähr ein halbes Jahr vor ihrem Weltrekord habe sie zum ersten Mal Oral-Turinabol bekommen, „ein starkes Anabolikum“, so Sommer im „Standard“.


1980 wurde sie in Moskau Olympia-Dritte über 100 Meter Schmetterling. Im Pilotprozess um Doping im DDR-Sport sagte sie im April 1998 gegen den Sportmediziner Dieter Binus und ihren ebenfalls angeklagten Ex-Trainer Rolf Gläser aus.

https://www.welt.de/sport/article168720 ... pfers.html
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Re: Studie "Doping in Deutschland"

Beitragvon Grenzwolf62 » 16. August 2018, 21:46

1976 war ich auf der KJS Gera.
Ich war talentiert und mein Sport hat mir gefallen.
Als der Pillendoktor angerollt kam bin ich abgehauen, mehr als Traubenzucker wie üblich wollte ich nicht nehmen.
Auch als sehr junger Mensch kann man nachdenken.
Die Olympiasieger die sich nachwendlich als Pillenopfer beweinen, haben das ganz bewusst genommen.
Kannst du dir als eingeborener Westdeutscher sicherlich nicht vorstellen, ist aber leider so.
Sex und Golf können Spaß machen auch wenn man davon nicht viel Ahnung hat.
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Re: Studie "Doping in Deutschland"

Beitragvon Interessierter » 25. September 2018, 08:27

Doping in der DDR – ein Opfer erzählt

Im Alter von 8 Jahren kommt Dana Boldt an die Sportschule in Frankfurt, gewinnt vier Jahre später den DDR-Meistertitel im Pferdsprung. Später stellt sich heraus, dass die heute 44-Jährige von ihrem Trainer gedopt wurde. Im MAZ-Interview spricht sie über ihren Gang an die Öffentlichkeit, Folgeerscheinungen der Medikamente und die Angst vor ihrem Trainer.

Bild
Talent auch auf dem Schwebebalken: Dana Boldt. Quelle: privat

Mit 12 Jahren gewinnt Dana Boldt vom ASK Frankfurt/Oder den DDR-Meistertitel im Pferdsprung. Später stellt sich heraus, dass sie Opfer des DDR-Doping-Systems wurde. Im Interview spricht die 44-Jährige über Angst im Training, Haarausfall mit 15 und den Schritt an die Öffentlichkeit.

Sie waren eine erfolgreiche Nachwuchsturnerin. Wie kam es dazu, dass Sie bereits mit 15 Jahren aufgehört haben?


Ich hatte eine Operation am Ellenbogen, mir wurden eine Platte und ein langer Nagel eingesetzt. Die Heilung hat sich fast eineinhalb Jahre hingezogen, so dass ich nicht voll belastbar war. Dann fing es an mit Haarausfall bis zur kompletten Glatze. Da stand für mich der Entschluss aufzuhören. Nicht seitens des Sportclubs. Also ich hätte von ihrer Seite auch mit Glatze weiterturnen können.

Haben Sie den Haarausfall auf den Sport zurückgeführt?


Ich hatte mit dem Haarausfall genug zu tun. Wir waren letztlich Kinder und konnten, was das Medikamentöse anging, überhaupt nicht einordnen.

Wie häufig haben Sie Medikamente bekommen?

Es gab einmal am Tag immer ein Becherchen, in dem Wasser und ein Pulver drin war. Die standen im Kühlschrank. Dann haben wir ab und zu auch zwei Tabletten bekommen, blaue und rote. Wie die hießen, wurde uns natürlich nicht gesagt.

Wissen Sie heute, was das war?

Die blauen waren sehr wahrscheinlich Hormontabletten. Im Zuge meines Haarausfalls bin ich in Bad Saarow ins Militärkrankenhaus gekommen. Eine Ärztin dort wurde skeptisch. Sie hatte im Rahmen ihrer damaligen Möglichkeiten Tests gemacht, bei denen festgestellt wurde, dass der Testosteronspiegel und weitere Hormonwerte deutlich erhöht waren.

Wann haben Sie die ersten Tabletten bekommen?


Ungefähr mit 10 Jahren.

War das unter den Kindern Thema?

Wir haben uns damit arrangiert, so wie für Kinder eben auch andere Dinge völlig normal sind. Wir haben die einfach genommen. Die Angst vor dem Trainer regierte über alles. Nicht nur weil er uns Tabletten gegeben hat. Es war eh die Devise: Eher zugedröhnt auf dem Balken stehen als krankgeschrieben im Bett. Wir hatten als Kinder jeder unsere Apotheke. Auf diesem Wege wurde über Tabletten gesprochen, aber nicht über die vom Trainer.

Und mit Ihren Eltern?

Ich war im Internat. Wenn ich alle vier Wochen mal nach Hause kam, habe ich nicht darüber erzählt, dass ich Tabletten bekommen habe. Für uns war es nicht wichtig. Und selbst wenn wir was erzählt hätten, wären meine Eltern die letzten gewesen, die mich deswegen runtergenommen hätten. Sie haben mich auch nicht runtergenommen, weil ich geschlagen wurde. Ich weiß nicht, ob es in anderen Familien thematisiert wurde. Und selbst wenn, was wäre dann passiert? Dann wäre vielleicht Mama oder Papa zum Cheftrainer gegangen und hätte ein Gespräch gehabt und das wäre es gewesen.

Von sich aus aufhören ging nicht?

Meine Eltern hätten das nie zugelassen. Ich hätte nur aufhören können, wenn ich die Leistung nicht gebracht hätte. Wir haben uns so oft gewünscht, dass wir uns so schlimm verletzten, dass wir aufhören müssen. Das muss man sich mal vorstellen, wenn sich ein Kind das wünscht, nur um von der Sportschule zu kommen.

Haben Sie Folgeerscheinungen?


Ich habe eine Herzschwäche und starke Herzrhythmusstörungen. Mein Arzt sagt, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass dies Folgeerscheinungen des Dopings sind. Doping macht sicherlich körperlich krank. Aber das Doping bestimmte nicht meinen Lebensweg. Das machten die Jahre auf der Sportschule und dieses Leben, das wir dort geführt haben. Das hat uns letztlich geprägt. Der ähnelt sich bei ganz vielen Sportlern von früher.

Was hat Sie dort geprägt?

Die permanente Angst. Nicht Respekt vor jemandem, sondern Angst. Jeden Tag war Wiegen. Mir wurde ständig vorgeworfen, ich hätte Übergewicht. Der Trainer hat mich im Genick gepackt und aus der Halle geschmissen. Das sind Dinge, die lösen in einem Kind etwas aus. Ich will jetzt gar nicht alles, was mir passiert ist, darauf schieben. Aber sie erklären einige Dinge.

Welche?

Anfang der 1990er musste ich einen Tabletten- und Alkoholentzug machen, der Konsum war Gang und Gäbe. Bis vor drei, vier Jahren hatte ich eine Essstörung. Auch mit Depressionen habe ich zu tun.

Haben Sie Unterlagen aus dieser Zeit?


Meine Mutter hat es ein paar Jahre nach der Wende geschafft, unter abenteuerlichen Umständen meine Gesundheitsakte zu kopieren. Da war alles Wichtige rausgestrichen.

http://www.maz-online.de/Sportbuzzer/Do ... r-erzaehlt
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Re: Studie "Doping in Deutschland"

Beitragvon augenzeuge » 25. September 2018, 15:48

Wie häufig haben Sie Medikamente bekommen?

Es gab einmal am Tag immer ein Becherchen, in dem Wasser und ein Pulver drin war. Die standen im Kühlschrank. Dann haben wir ab und zu auch zwei Tabletten bekommen, blaue und rote. Wie die hießen, wurde uns natürlich nicht gesagt.


Diese Verbrecher. Alles zum Wohle des fiktiven Sozialismus. Prost.... [angst]

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