Superillu und die Verharmlosung von Fussballtrainer Bernd Stange

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Superillu und die Verharmlosung von Fussballtrainer Bernd Stange

Beitragvon Interessierter » 22. April 2017, 09:31

From: Ellen Thiemann
To: Gerald Praschl/SUPERillu
Cc: mail@stefankobus.de
Sent: Monday, April 17, 2017 5:47 PM
Subject: JUBEL-ARIE
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Lieber Gerald,

anbei meine Gedanken zu der zweifelhaften Jubel-Arie in der letzten Ausgabe. Wenn solche Beiträge erscheinen, ärgert man sich über jeden Cent, den man dafür hingelegt hat. In Jörg Bergers Buch und auch in "Der Feind an meiner Seite" und vielen anderen ist die unrühmliche Rolle von Stange/IMB "Kurt Wegener" hinreichend dokumentiert.

Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass Du die Entscheidung für solch eine Wischi-Waschi-Story mit getragen hast.

Viele Grüße
Ellen

Peinlich, peinlich...

Werte Kollegen,

als Journalist hat man normalerweise die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, seriös und wahrheitsgetreu zu berichten. Dazu gehört auch, dass man dunkle Stellen in der Vita nicht verharmlost oder sogar weglässt. Genau das ist Ihnen aber in Ihrer letzten Ausgabe vortrefflich gelungen. Wie ist es möglich, dass bei einem so hochgradig stasi-belasteten Fußballtrainer die Überschrift lediglich aus dem bürgerlichen Namen besteht? Kein Sterbenswörtchen auf der ganzen Seite, dass Bernd Stange alias IMB „Kurt Wegener“ seit dem 5. November 1973 bis zum Mauerfall - also rund 16 Jahre lang (!) - zahlreiche Freunde und Kollegen fürs Ministerium für Staatssicherheit beschattete und in unzähligen Spitzelberichten anschwärzte!


So wie den überaus beliebten und erfolgreichen Fußball-Trainer Jörg Berger, der 1979 in den Westen geflohen war (gest. 2010). In persönlichen Gesprächen erklärte mir Jörg Berger mehrmals, wie sehr er darunter litt, ausgerechnet von einem engen Freund observiert und verraten worden zu sein. In seinem 2009 erschienenen Buch „Meine zwei Halbzeiten“ schreibt Berger:
„Stange hatte nicht Informationen geliefert, weil er als junger Mensch unter Druck geraten war... Nein. Stange hatte denunziert und verraten, Menschen, die ihm nahestanden, möglicherweise in Gefahr gebracht, um daraus persönliche Vorteile zu ziehen. Dadurch war er wohl auch Nationaltrainer geworden.“

Als Jörg Berger den ehemaligen Kumpel Stange per Telefon zur Rede stellte wegen dessen hinterhältiger Spitzelattacken, säuselte der, dass er nur das getan habe, was „alle hätten tun müssen“. Berger reagierte wütend:
„Weil du karrieregeil bist, weil du geldgeil bist, weil du keinen Charakter hast. Deshalb hast du auch in das System gepasst.“


Besonders entlarvend sind Bergers Aussagen dazu, dass Stange ihn 1982 von Kassel aus in die DDR zurückbringen sollte:
„Stange hatte gegen mich gearbeitet, obwohl ich längst im Westen war... Er war auch bereit gewesen, einen Auftrag anzunehmen, der die Vernichtung meiner Existenz zur Folge haben sollte – nichts anderes hätte eine `Rücküberführung` in die DDR bedeutet!“

Ähnliches war im Juni 1979 in Ostrava geplant gewesen, von wo aus DDR-Sportredakteur Klaus Thiemann alias IM „Mathias“ in einem „operativen Einsatz“ offenbar den „Fußballverräter“ Jörg Berger entführen sollte! In weiser Voraussicht war der damals aber nicht in die CSSR gereist.

Und als Stange ausgerechnet 2002 bei der Nationalmannschaft des Diktators Saddam Hussein gleich einen Vier-Jahres-Vertrag abgeschlossen hatte, kritisierte Berger:
„Stange ist skrupellos, und er geht über Leichen. Stange hat sich in all den Jahren nicht geändert. Geld verdienen ohne jede Moral – er ist käuflich wie früher.“

Trainer-Kollege Peter Neururer meinte damals über Stange, dass er „für kein Geld der Welt den Job im Irak angenommen hätte.“

In SuperIllu wird IM „Kurt Wegener“ als „Weltenbummler“ verharmlost, der seine herrliche Terrasse hoch über Jena genießt. Der stolz ist, wenn im fernen Australien ein Buch über ihn erscheint, aber früher nicht einmal wusste, welche Schulklassen seine Kinder gerade besuchten! Das alles ist empörend, andererseits bezeichnend für diese Spezies oberflächlicher Ehrgeizling. Objektive Berichterstattung sieht anders aus. Die Kollegen von SuperIllu scheinen darauf zu hoffen, dass die Leserschaft ein allzu kurzes Gedächtnis hat. Aber solch eine Jubel-Arie für einen ehemaligen Stasi-Spitzel, der selbst engste Freunde ans Messer lieferte, ist allemal fehl am Platze.

Mit gemischten Grüßen
Ellen Thiemann


http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2165073&r ... 06862&pg=1
Niemand hat dich gefragt, ob du leben willst. Also hat dir auch niemand zu sagen, wie du leben sollst! Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich !
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Re: Superillu und die Verharmlosung von Fussballtrainer Bernd Stange

Beitragvon Interessierter » 24. Mai 2017, 10:02

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