Zur Psychologie des Terrors im totalitären System der DDR

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Zur Psychologie des Terrors im totalitären System der DDR

Beitragvon Interessierter » 25. Mai 2016, 10:35

Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde Deutschland in vier Zonen aufgeteilt: in die amerikanische, die britische, die französische und die sowjetisch besetzte Zone. Im Rahmen der drei erstgenannten Zonen wurde versucht, demokratisches Bewusstsein zu wecken. Heute, fast 60 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, lässt sich formulieren, dass dies in hohem Maße gelungen ist. Ich persönlich glaube nicht, dass Deutschland derzeit von rechtsradikalen Kräften in der Substanz bedroht ist, wenngleich die letzten Umfragen zur Wahl im Osten Deutschlands nicht nur optimistisch stimmen können (vgl. Tömmel 2002).

In der sowjetisch besetzten Zone, später der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), entstand nicht lange nach Kriegsende ein neuer totalitärer Staat, begleitet von neuem Terror, dieses Mal legitimiert von einer linken Ideologie. Erst schleichend, dann mit den Jahren immer deutlicher, überzog subtiler und vor allem psychologisch geschickt inszenierter Terror die DDR.

Mit anderen Autoren kann man sagen, dass „charakteristisch für die DDR wie die anderen Staaten des Ostblocks .. eine sozialistische Parteidiktatur (war), deren Herrschaft nicht durch freie Wahlen legitimiert, sondern die Gesellschaft durch die systematische Verletzung von Menschenrechten und die zentrale Lenkung und Überwachung der Wirtschaft und fast aller Lebensbereiche des Einzelnen charakterisiert war. … Das Alltagsleben der Bürger war durch eine umfassende politisch-ideologische Beeinflussung und die Verfolgung von politisch Andersdenkenden gekennzeichnet“ (Kerz-Rühling, Plänkers & Fischer 2000, S. 38).

Die sich entwickelnde DDR übernahm bald – getreu ihrem Vorbild Sowjetunion – die dort vorherrschende Struktur der Strukturlosigkeit. Der SED – Parteiapparat existierte stets neben dem Staatsapparat; daneben gab es den Geheimdienst, dessen Funktionen unklar waren. Daraus ergab sich für die Bevölkerung Undurchsichtigkeit und ein Mangel an Kontrollmöglichkeiten, die keinerlei Souveränität des Volkes zuließen. So gab es keine Instanz, die wegen einer Klage, einer Beschwerde, eines Anliegens angesprochen werden konnte.

Nach 1960, insbesondere nach dem Bau der Mauer 1961, kann man von der DDR als einem „posttotalitären System“ sprechen, das aber keineswegs für seine Oppositionellen harmloser war als zuvor.
Im Folgenden werde ich einen Ausschnitt aus dem Leben einer Patientin erzählen, die einen großen Teil ihres Lebens in der DDR verbrachte. Sie suchte erst nach der Wende 1989 eine Psychotherapie auf, obgleich sie schon lange in der Bundesrepublik Deutschland lebte.

Nach einer nicht einfachen Kindheit wurde Vera Mangold, Tochter aus einer Arbeiterfamilie, 1947 in Halle geboren, aus der Bahn geworfen, als sie zu erkennen glaubte, dass die DDR sich in ihren Methoden, ihre Interessen durchzusetzen, kaum vom überwunden geglaubten nationalsozialistischen Regime der Vergangenheit unterschied: Politisierung aller Lebensbereiche, von klein auf durch Kleiderordnung, Jugendverbände, Partei, Staatspolizei, Sippenhaft, Verfolgung von Andersdenkenden und Allmacht des Staates und dessen Partei durchgesetzt, sofortige Unterdrückung und Diskriminierung sogar der Angehörigen bei bloßer Äußerung normaler kritischer Worte.

Mit der Geschichte der Vera Mangold geht es hier weiter:
http://www.hagalil.com/2010/04/federn-toemmel/

Dieser längere Beitrag und das Erlebte der Frau Mangold macht einfach betroffen.
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Re: Zur Psychologie des Terrors im totalitären System der DDR

Beitragvon Interessierter » 15. September 2016, 07:20

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Re: Zur Psychologie des Terrors im totalitären System der DDR

Beitragvon Interessierter » 23. Dezember 2016, 11:10

Stasi - Haftklinik - Der Feind auf dem OP-Tisch

Ärzte blieben anonym, Kranke wurden gegen Geständnisse operiert: Statt zu heilen, dienten die Mediziner im Berliner Haftkrankenhaus der Stasi als Verhörgehilfen. Ein neues Buch beleuchtet die Geschichte der geheimsten Klinik der DDR - und zeigt, wie nah Therapie und Terror beieinander lagen.

Sieben Kugeln hatten den Körper von Dieter Hötger getroffen. Sieben Kugeln aus den Waffen der DDR-Grenzsoldaten, die auf ihn feuerten, als er im Juni 1962 versuchte, Fluchtwillige durch einen Tunnel nach West-Berlin zu holen. Der Moment, als er bereits im Operationssaal lag, blieb ihm für immer im Gedächtnis: Ein Mann in Uniform stürmte herein und versuchte, ihn zu erpressen - ohne Aussage keine OP!

http://www.spiegel.de/einestages/stasi- ... 47401.html
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Re: Zur Psychologie des Terrors im totalitären System der DDR

Beitragvon Interessierter » 29. September 2017, 10:04

Stasi-Knast - Palast des Psychoterrors

Isolationshaft, Demütigung, Schlafentzug: Die Methoden im Stasi-Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen waren menschenverachtend. Gilbert Furian hat sie erlebt. Nun ist der Ex-Häftling in das Haus des Terrors zurückgekehrt.

Gilbert Furian drückt auf den grünen Knopf, das schwere Gefängnistor öffnet sich. Heute weiß der ehemalige Häftling, wo die trostlos grauen Gebäude und die Backsteinmauern mit Stacheldraht stehen: in Berlin-Hohenschönhausen. Auf DDR-Stadtplänen von Ost-Berlin war hier eine weiße Fläche. In den angrenzenden Wohnhäusern lebten nur Stasi-Leute.

"Man wusste nicht, wo man war. Egal, wie lange man hier war, das kriegte man einfach nicht gesagt", die Worte von Gilbert Furian hallen in dem kargen garagenähnlichen Raum, in dem er am 27. März 1985 aussteigen musste - aus einem fensterlosen Bus Marke Barkas B 1000. Vier Männer von der Stasi hatten ihn an seinem Arbeitsplatz im VEB Wärmeanlagenbau verhaftet.

Furian wurde durch einen langen Flur in ein Umkleidezimmer geführt, musste sich nackt ausziehen. "Da war ein Schließer, der in alle Löcher guckte, oben, unten, vorne und hinten", erklärt der heute 63-Jährige ganz sachlich. Seinen Schmerz hat er sich inzwischen von der Seele geredet. Jetzt will er einfach nur über die brutalen Methoden der DDR-Staatsicherheit informieren. Desorientierung und Demütigung - das sei das erste gewesen, was ein Inhaftierter hier zu spüren bekommen habe.

Eingesperrt im Kellergefängnis

Das Verbrechen, für das Gilbert Furian büßen musste: Er führte Interviews mit Punks aus Ost-Berlin. Seine Aufzeichnungen wollte er in den Westen schicken. Der Zoll hat sie gefunden. Sieben Monate saß der Hobbyjournalist in Untersuchungshaft, dann wurde er zu zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt.

Das Ministerium für Staatsicherheit (MfS) übernahm im Jahr 1951 ein sowjetisches Kellergefängnis in Hohenschönhausen. Ende der fünfziger Jahre mussten Häftlinge eines benachbarten Arbeitslagers im hinteren Teil des Geländes ein neues Gefängnis mit mehr als 200 Zellen und Vernehmerzimmern errichten. Bis zur Auflösung der Stasi und seiner Gefängnisse im Laufe der friedlichen Revolution 1989 waren hier Hunderte Systemgegner inhaftiert.

Die Liste der Gefangenen reicht von Streikführern des Aufstands am 17. Juni 1953 bis zu Anhängern der Zeugen Jehovas. Auch bekannte Bürgerrechtler wie Bärbel Bohley, Vera Lengsfeld und der Schriftsteller Jürgen Fuchs waren in Hohenschönhausen inhaftiert. Heute leitet Hubertus Knabe das Gefängnis, beziehungsweise das, was davon übriggeblieben ist. Eine beeindruckende Gedenkstätte, in dem Schulklassen lernen, was die Stasi war und wie sie Systemkritiker terrorisiert hat. Allein im Jahr 2007 hat die Einrichtung mehr als 208.000 Besucher gezählt.

Weiter mit dem Bericht und 14 Fotos geht es hier:
http://www.spiegel.de/einestages/stasi- ... 49636.html
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