Werner Stiller

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Werner Stiller

Beitragvon augenzeuge » 16. September 2010, 10:39

Höhepunkt im deutsch-deutschen Geheimdienstkrieg: 1979 lief Stasi-Mann Werner Stiller ("der Schakal") in den Westen über.

Größter BND-Erfolg, schwerste Stasi-Niederlage
titelt die Welt……

Ok, das kann man sicher differenziert betrachten. Wenn man auch jenes als Erfolg bewertet, wozu man wenig beitragen muss, dann war es einer.

Und die schwerste Niederlage, ja das war es ganz sicher. Markus Wolf später: „Das war zwar nicht für mich, aber für Mielke der schwerste Schlag. Meine sofortige Meldung gab ihm genügend Zeit, sich seelisch darauf vorzubereiten, dass seine Reden demnächst im Westen veröffentlicht würden.“ Die Enttarnung Wolfs war sicher auch keine kleine Sache.

Stiller war eigentlich der ideale Tschekist, aus einfachen Verhältnissen stammend, Studiumsmöglichkeiten aufgrund seiner ideologischen Einstellung pro DDR.

Aber er war auch jemand, der sich über die tatsächlichen politischen Strukturen Gedanken machte. Und erkannte, dass man nicht bereit war, die Fehler zu bereinigen. Deshalb war seine Flucht auch sein persönlicher Ausweg….

Nun hat er wieder ein Buch geschrieben. Über die Aussage des Verlegers Christoph Links kann ich nur müde lächeln »Dass es eine Kopfgeldprämie und ein Todesurteil gab, ließ sich bei unseren Recherchen nicht erhärten….
Was meinte man zu finden?

Ich finde es toll, dass er sich u.a. auch mit dem Leiter der Spionageabwehr Günther Kratsch nach der Wende getroffen hat, jener Mann, der ihn damals jagte.

Bei manchen (Ex)Usern hat man das Gefühl, dass sie immer noch nicht über diese Schmach hinweggekommen sind.

Stillers These ist interessant, das Foto von Markus Wolf auf der Titelseite des »Spiegel« am 5. März 1979, sei eine Warnung an den HVA-Chef gewesen: »Sei vorsichtig!« Der schwedische Geheimdienst war einem israelischen Agenten auf der Spur, mit dem sich Wolf in Stockholm getroffen habe. »Wolf war nicht nur Kommunist, sondern auch Jude«, betont Stiller. Und alle Juden würden eine existenzielle Gefährdung des Staates nicht zulassen. Stiller vermutet, der Überraschungserfolg der Israelis zu Beginn des Sechs-Tage-Krieges 1967 gegen die ägyptische Luftflotte verdanke sich Wolf.

AZ
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Re: Werner Stiller

Beitragvon Merkur » 16. September 2010, 10:54

augenzeuge hat geschrieben:

Und die schwerste Niederlage, ja das war es ganz sicher.


Ich bin da anderer Meinung, ohne die Fahnenflucht Stillers, die der HV A zweifelsohne weh tat, herunterspielen zu wollen.
Die schlimmsten Niederlagen der HV A stellen für mich die Ergebnisse von SIRA und Rosenholz dar, gefolgt von den Überläufern, die 1989/90 die wirklichen Top-Quellen verraten haben, sprich Charly Großmann, Eberhard Lehmann, Werner Roitzsch, Frank Weigelt & Co.
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Re: Werner Stiller

Beitragvon augenzeuge » 16. September 2010, 11:01

Ok, Merkur, in der Gesamtheit hast du sicher recht. Ich bezog mich nur auf das Wolf Zitat.......

Allerdings bewerte ich deine aufgeführten Dinge anders, sie spielten sich zum absehbaren Ende der DDR ab....da sagen natürlich einige zu, wo sie blieben.....

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Re: Werner Stiller

Beitragvon Merkur » 16. September 2010, 11:03

augenzeuge hat geschrieben: Über die Aussage des Verlegers Christoph Links kann ich nur müde lächeln »Dass es eine Kopfgeldprämie und ein Todesurteil gab, ließ sich bei unseren Recherchen nicht erhärten….
Was meinte man zu finden?


Na er meinte vielleicht eine in den Akten konkret niedergeschriebene Summe oder ein Gerichtsurteil zu finden. Mich würde auch interessieren, wer unter welchen Umständen welche Summe gezahlt hätte oder welches konkrete Killerkommando in Sachen Stiller denn unterwegs war. Leider hört man ja davon nichts genaues, sondern ausschließlich Spekulationen. Ich habe z. B. auch mal gehört, dass es eifrige Bundesbürger gegeben haben soll, die den Herrn Stiller auch in die DDR gebracht hätten. Das Ministerium hatte wohl abgelehnt....
Vielleicht hoffte man aber auch einen Zeitzeugen zu finden, der bei der Verkündung des Urteils oder der Auslobung der Summe mit am Tisch saß. [grins]
Zuletzt geändert von Merkur am 16. September 2010, 11:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Werner Stiller

Beitragvon Merkur » 16. September 2010, 11:07

augenzeuge hat geschrieben:

Allerdings bewerte ich deine aufgeführten Dinge anders, sie spielten sich zum absehbaren Ende der DDR ab....da sagen natürlich einige zu, wo sie blieben.....

AZ


Na AZ, da bist Du aber wohl nur oberflächlich informiert. Solche Dinge gab es auch schon vor dem unmittelbaren Ende der DDR. Du kannst ja mal Google fragen, wer den ersten Hinweis auf Alfred Spuhler als Quelle der HV A im BND gab. Und Spuhler war nun wirklich jemand für den ich die Bezeichnung Top-Quelle gelten lasse.
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Re: Werner Stiller

Beitragvon augenzeuge » 16. September 2010, 11:09

Merkur, dir ist doch die Gesetzgebung bekannt. Und auch die zu erwartende Strafe......in der DDR.

Wenn 2 Jahre nach Stillers Flucht, Teske wegen, im Vergleich zu Stiller-gerinfügigen Verrat bzw. noch nicht durchgeführten Verrat, hingerichtet wurde, so kann sich jeder Laie an den Fingern die Konsequenzen für Stiller errechnen.

AZ
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Re: Werner Stiller

Beitragvon Merkur » 16. September 2010, 11:30

augenzeuge hat geschrieben:Merkur, dir ist doch die Gesetzgebung bekannt. Und auch die zu erwartende Strafe......in der DDR.

Wenn 2 Jahre nach Stillers Flucht, Teske wegen, im Vergleich zu Stiller-gerinfügigen Verrat bzw. noch nicht durchgeführten Verrat, hingerichtet wurde, so kann sich jeder Laie an den Fingern die Konsequenzen für Stiller errechnen.

AZ


Der Unterschied zum Fall Teske besteht allerdings darin, dass Herr Stiller gerade nicht vor Ort war und ihm der Prozess nicht gemacht werden konnte. Und alles andere, wie ein angeblicher Geheimprozess und eine Kopfgeldprämie, sind Theorien, für die es keine quellentechnische Grundlage gibt. Weder materiell noch personell.
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Re: Werner Stiller

Beitragvon augenzeuge » 16. September 2010, 12:22

Merkur hat geschrieben:Der Unterschied zum Fall Teske besteht allerdings darin, dass Herr Stiller gerade nicht vor Ort war und ihm der Prozess nicht gemacht werden konnte. Und alles andere, wie ein angeblicher Geheimprozess und eine Kopfgeldprämie, sind Theorien, für die es keine quellentechnische Grundlage gibt. Weder materiell noch personell.



Nein, Merkur, das ist eben nicht richtig. Seit wann musste man vor Ort sein, um verurteilt zu werden? Auch wenn Stiller nicht vor Ort war, so wurde ihm trotzdem der Prozess gemacht.

Werner Stiller wurde in der DDR vom Obersten Militärgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Aus dem Spiegel:

Staatssicherheitschef Erich Mielke hat Anfang der achtziger Jahre eine Million Mark ausgelobt, um den flüchtigen Agenten Werner Stiller in die DDR zurückzuholen oder zu töten. Dies geht aus Akten des Bundesnachrichtendienstes (BND) hervor. Stiller, ein Oberleutnant der Stasi-Hauptverwaltung Aufklärung (HVA), war im Januar 1979 in den Westen geflohen und hatte dort zahlreiche Ost-Agenten enttarnt. Mit seiner Hilfe erhielt der BND erstmals ein genaues Bild von Struktur und Arbeitsmethoden der HVA. Über Mielkes Reaktion packte fast drei Jahre später der HVA-Informant Günter Asbeck aus, der sich ebenfalls in den Westen abgesetzt hatte. Danach richtete Mielke eine ihm persönlich unterstellte Kommission ein, die für die Ergreifung Stillers sorgen sollte: "Tot oder lebendig - lebendig ist aber besser."

Bereits im Februar 1981, so Asbeck laut BND-Unterlagen, habe ihm der HVA-Oberst Karl Großmann persönlich erzählt, "er habe den Auftrag, Stiller zu liquidieren". Dies sei "z. Zt. recht schwierig", da man an den BND-geschützten Stiller "nicht recht rankomme". Er habe jedoch "einen Fonds des Ministers selbst von 1 Mio DM West" zur Verfügung. Großmann habe zudem über seine guten Kontakte zu westdeutschen Kriminellen geprahlt, "die für ausreichendes Geld alles tun: Er könne diese Kriminellen - bei bestehender Notwendigkeit - auch in der DDR verschwinden lassen". Der HVA-Oberst sei zuversichtlich gewesen, Stiller zu schnappen: "Den werde ich kriegen."

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Re: Werner Stiller

Beitragvon augenzeuge » 16. September 2010, 12:27

Nochmal zu Spuhler. Ist bekannt, der war die Quelle des MfS....ich sprach aber oben vom schwersten Schlag gegen das MfS...... [shocked] ...haben wir uns missverstanden? Bei Spuhler war es umgedreht....

AZ
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Re: Werner Stiller

Beitragvon Merkur » 16. September 2010, 12:42

augenzeuge hat geschrieben:Nochmal zu Spuhler. Ist bekannt, der war die Quelle des MfS....ich sprach aber oben vom schwersten Schlag gegen das MfS...... [shocked] ...haben wir uns missverstanden? Bei Spuhler war es umgedreht....

AZ


Ich habe Dich ganz sicher nicht missverstanden. Durch den Verrat eines Mitarbeiters vor dem Ende des MfS wurde den bundesdeutschen Sicherheitsbehörden die Zusammenarbeit Spuhlers mit dem MfS bekannt. Daraufhin wurde der Vorgang Spuhler "konserviert" und der BND bearbeitete ihn mit seinem Sicherheitsreferat. Das war ein schwerer Schlag gegen das MfS oder ?
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Re: Werner Stiller

Beitragvon Merkur » 16. September 2010, 12:55

augenzeuge hat geschrieben:
Merkur hat geschrieben:Der Unterschied zum Fall Teske besteht allerdings darin, dass Herr Stiller gerade nicht vor Ort war und ihm der Prozess nicht gemacht werden konnte. Und alles andere, wie ein angeblicher Geheimprozess und eine Kopfgeldprämie, sind Theorien, für die es keine quellentechnische Grundlage gibt. Weder materiell noch personell.



Nein, Merkur, das ist eben nicht richtig. Seit wann musste man vor Ort sein, um verurteilt zu werden? Auch wenn Stiller nicht vor Ort war, so wurde ihm trotzdem der Prozess gemacht.

Werner Stiller wurde in der DDR vom Obersten Militärgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Aus dem Spiegel:

Staatssicherheitschef Erich Mielke hat Anfang der achtziger Jahre eine Million Mark ausgelobt, um den flüchtigen Agenten Werner Stiller in die DDR zurückzuholen oder zu töten. Dies geht aus Akten des Bundesnachrichtendienstes (BND) hervor. Stiller, ein Oberleutnant der Stasi-Hauptverwaltung Aufklärung (HVA), war im Januar 1979 in den Westen geflohen und hatte dort zahlreiche Ost-Agenten enttarnt. Mit seiner Hilfe erhielt der BND erstmals ein genaues Bild von Struktur und Arbeitsmethoden der HVA. Über Mielkes Reaktion packte fast drei Jahre später der HVA-Informant Günter Asbeck aus, der sich ebenfalls in den Westen abgesetzt hatte. Danach richtete Mielke eine ihm persönlich unterstellte Kommission ein, die für die Ergreifung Stillers sorgen sollte: "Tot oder lebendig - lebendig ist aber besser."

Bereits im Februar 1981, so Asbeck laut BND-Unterlagen, habe ihm der HVA-Oberst Karl Großmann persönlich erzählt, "er habe den Auftrag, Stiller zu liquidieren". Dies sei "z. Zt. recht schwierig", da man an den BND-geschützten Stiller "nicht recht rankomme". Er habe jedoch "einen Fonds des Ministers selbst von 1 Mio DM West" zur Verfügung. Großmann habe zudem über seine guten Kontakte zu westdeutschen Kriminellen geprahlt, "die für ausreichendes Geld alles tun: Er könne diese Kriminellen - bei bestehender Notwendigkeit - auch in der DDR verschwinden lassen". Der HVA-Oberst sei zuversichtlich gewesen, Stiller zu schnappen: "Den werde ich kriegen."

AZ


AZ,

mir ist schon klar, dass der Angeklagte auch in Abwesenheit verurteilt werden kann.
Sei mir aber bitte nicht böse, wenn ich das vom Spiegel geschriebene nicht wirklich als Tatsache betrachte. Ich begegne Aussagen von Überläufern grundsätzlich skeptisch (siehe Stillers erstes Buch "Im Zentrum der Spionage", was sich zwar spannend liest, wo aber Tatsachen verfälscht/erheblich aufgebauscht wurden [grins]). Wenn Stiller zum Tode verurteilt worden wäre, ließe sich das durch Akten u. a. Hinweise sicher in irgend einer Form belegen, zumal ja auch Links und Stiller diese Theorie nicht erhärten konnten. Wenn es diese Urteil tatsächlich gäbe, hätte man doch ein großes Interesse daran, dieses zu veröffentlichen.
"Aus den Unterlagen des BND geht hervor" ist ein wahnsinnig tolles Argument. Hinter dieser Behauptung lässt sich fast alles verstecken.
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Re: Werner Stiller

Beitragvon augenzeuge » 16. September 2010, 13:11

Merkur hat geschrieben:Ich habe Dich ganz sicher nicht missverstanden. Durch den Verrat eines Mitarbeiters vor dem Ende des MfS wurde den bundesdeutschen Sicherheitsbehörden die Zusammenarbeit Spuhlers mit dem MfS bekannt. Daraufhin wurde der Vorgang Spuhler "konserviert" und der BND bearbeitete ihn mit seinem Sicherheitsreferat. Das war ein schwerer Schlag gegen das MfS oder ?


Ja, Merkur aus dieser Sicht ohne Zweifel.....zumal bekannt ist, dass Spuhler sehr viel an das MfS weitergab....

Die Geheimdienste mussten sicher immer mal wieder schwere Schläge einstecken, über den Schwersten müssen wir nicht streiten.

Deiner Argumentation zu Asbeck kann ich zwar folgen, sie aber nicht teilen. Denn im Fall Teske hätte die Ehefrau sicher nie vom vollstreckten Urteil gegen ihren Mann erfahren, wenn es die Wende nicht gegeben hätte oder alle Akten vernichtet worden wären. Ich nehme an, dass du es hier nachvollziehen kannst, wie wichtig dies für die Hinterbliebenen war.....

Also war der Umgang mit Todesurteilen in der DDR nie korrekt abgewickelt worden. Deshalb vertraue ich hier Asbeck mehr, als einem eventuell vernichteten Stück Papier. Denn das MfS hat doch nie Zweifel daran gelassen, wie es mit Verrätern umspringt.....eine humane Entscheidung kenne ich nicht, es gab zuviele Tote.

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Re: Werner Stiller

Beitragvon augenzeuge » 16. September 2010, 17:02

Mal ne Frage Merkur.

Hatte sich Mischa Wolf vor seinem Tod schon mit Stiller getroffen? Einige hochrangige Leute sollen es ja nach der Wende gewesen sein...

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Re: Werner Stiller

Beitragvon Merkur » 16. September 2010, 17:19

augenzeuge hat geschrieben:Mal ne Frage Merkur.

Hatte sich Mischa Wolf vor seinem Tod schon mit Stiller getroffen? Einige hochrangige Leute sollen es ja nach der Wende gewesen sein...

AZ


Ich wüsste nicht davon. Ich glaube nicht, dass Mischa Wolf daran ein Interesse gehabt hätte.
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Re: Werner Stiller

Beitragvon augenzeuge » 16. September 2010, 18:27

Merkur hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:Mal ne Frage Merkur.

Hatte sich Mischa Wolf vor seinem Tod schon mit Stiller getroffen? Einige hochrangige Leute sollen es ja nach der Wende gewesen sein...

AZ


Ich wüsste nicht davon. Ich glaube nicht, dass Mischa Wolf daran ein Interesse gehabt hätte.



Nun, Merkur, ich hatte mich gewundert, dass es ein Treffen von Stiller mit Günther Kratsch gegeben hatte. Leider weiß man da nichts drüber, oder? Aber wenn sie miteinander gesprochen haben, so werden sie diesen Teil der Geschichte ad acta gelegt haben.

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Re: Werner Stiller

Beitragvon Merkur » 17. September 2010, 14:37

augenzeuge hat geschrieben:
Nun, Merkur, ich hatte mich gewundert, dass es ein Treffen von Stiller mit Günther Kratsch gegeben hatte. Leider weiß man da nichts drüber, oder? Aber wenn sie miteinander gesprochen haben, so werden sie diesen Teil der Geschichte ad acta gelegt haben.
AZ


Wie die Geschichte manchmal so spielt, habe ich oft mit Günther Kratsch in seinem Häuschen am gleichen Tisch gesessen, allerdings ohne Stiller. Und ich weiß auch, was sie besprochen haben. Es war ein sehr sachliches Gespräch. Über den Inhalt werde ich aber hier nichts schreiben.
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Re: Werner Stiller

Beitragvon augenzeuge » 17. September 2010, 15:28

Nun, Merkur- man muss es leider akzeptieren, wenn du hierüber nichts sagen möchtest, bedauern tue ich es allerdings schon.

Interessieren würde es mich schon, vielleicht ergibt sich ja noch ein Weg für dich, es mir intern mitzuteilen....

Hier habe ich noch einen Film, der zum Thema passt (Wolf spricht wieder von der schwersten Niederlage....nur mal so, ist mir aber egal):



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Re: Werner Stiller

Beitragvon Merkur » 19. September 2010, 13:30

Die Junge Welt veröffentlichte gestern folgenden Leserbeitrag von Werner Großmann:



Die Flucht Stillers in den Westen zum BND war keinesfalls die Folge von Nervenkitzel. Es war Verrat eines skrupellosen Egoisten. Nachdem er seine Ehefrau betrog und ein Verhältnis mit einer Frau eingegangen war, die neben ihrer beruflichen Tätigkeit in der DDR auch für den BND spionierte, nachdem er seine Ehefrau zu Hause schlug und seine Kinder vernachlässigte, suchte er den Ausweg aus der persönlichen Krise in der Flucht in den Westen. Rücksichtslos verriet er dabei Kundschafter der HVA. Aber es waren keineswegs 70, wie er behauptet. 14 gefährdete Kundschafter konnten gewarnt und mit ihren Partnern in die DDR in Sicherheit gebracht werden. Zwei Kundschafter wurden verhaftet, ein Universitätsprofessor in der BRD und ein Atomphysiker in Frankreich. Welch eine Blamage für den BND und die CIA, daß es erst eines Verräters Stiller bedurfte, den langjährigen Chef der Auslandsaufklärung der DDR (HVA), Markus Wolf, zu identifizieren. Um die Person Stillers zu charakterisieren stimme ich voll mit seiner Tochter überein, die im Buch »Verratene Kinder«, S. 131, folgendes schrieb: »Er hat auf seinen jeweiligen Wegen Menschen überrannt, ohne auch nur einen Moment innezuhalten und zurückzublicken. Es hat ihn nicht interessiert, ob diese Menschen danach noch in der Lage waren, wieder unbeschadet aufzustehen und ihren Weg fortzusetzen.«

Werner Großmann, Generaloberst a.D.
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Re: Werner Stiller

Beitragvon S51 » 19. September 2010, 13:42

Merkur hat geschrieben:Die Junge Welt veröffentlichte gestern folgenden Leserbeitrag von Werner Großmann:



... Um die Person Stillers zu charakterisieren stimme ich voll mit seiner Tochter überein, die im Buch »Verratene Kinder«, S. 131, folgendes schrieb: »Er hat auf seinen jeweiligen Wegen Menschen überrannt, ohne auch nur einen Moment innezuhalten und zurückzublicken. Es hat ihn nicht interessiert, ob diese Menschen danach noch in der Lage waren, wieder unbeschadet aufzustehen und ihren Weg fortzusetzen.«

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Wenn jemals meine Lütte das über mich schreiben würde, wäre das bitter, sehr bitter.
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Re: Werner Stiller

Beitragvon augenzeuge » 19. September 2010, 15:51

Merkur hat geschrieben:Die Junge Welt veröffentlichte gestern folgenden Leserbeitrag von Werner Großmann:

Die Flucht Stillers in den Westen zum BND war keinesfalls die Folge von Nervenkitzel. Es war Verrat eines skrupellosen Egoisten. Nachdem er seine Ehefrau betrog und ein Verhältnis mit einer Frau eingegangen war, die neben ihrer beruflichen Tätigkeit in der DDR auch für den BND spionierte, nachdem er seine Ehefrau zu Hause schlug und seine Kinder vernachlässigte, suchte er den Ausweg aus der persönlichen Krise in der Flucht in den Westen. Rücksichtslos verriet er dabei Kundschafter der HVA. Aber es waren keineswegs 70, wie er behauptet. 14 gefährdete Kundschafter konnten gewarnt und mit ihren Partnern in die DDR in Sicherheit gebracht werden. Zwei Kundschafter wurden verhaftet, ein Universitätsprofessor in der BRD und ein Atomphysiker in Frankreich. Welch eine Blamage für den BND und die CIA, daß es erst eines Verräters Stiller bedurfte, den langjährigen Chef der Auslandsaufklärung der DDR (HVA), Markus Wolf, zu identifizieren. Um die Person Stillers zu charakterisieren stimme ich voll mit seiner Tochter überein, die im Buch »Verratene Kinder«, S. 131, folgendes schrieb: »Er hat auf seinen jeweiligen Wegen Menschen überrannt, ohne auch nur einen Moment innezuhalten und zurückzublicken. Es hat ihn nicht interessiert, ob diese Menschen danach noch in der Lage waren, wieder unbeschadet aufzustehen und ihren Weg fortzusetzen.«

Werner Großmann, Generaloberst a.D.


Naja, da hätte ich von Hn. Großmann mehr erwartet. Obwohl, er kann scheinbar nicht anders, er verhält sich wie früher. An erster Stelle die alte Taktik. Verharmlosen und verschleiern, ablenken. Eingeständnisse null. Wie immer.
Ein paar Fakten lassen wir weg, und versuchen sein damaliges Privatleben so desolat darzustellen, dass das MfS schließlich nur noch als die Heilsarmee erscheint.
Nur gut, dass man sich heut auf die Tochter berufen kann...oder auf die Ehefrau. Mehr hat man wohl nicht. Mit Hinweisen oder Vermutungen im privaten Bereich lässt sich so wunderbar die eigene Unfähigkeit verschleieren. Wenn Stiller so unwahrscheinlich schlechte (zwischen)menschliche Eigenschaften hatte, die zu einem MfS Agenten mit sauberen Händen und kühlem Kopf überhaupt nicht passten, wieso konnte er dann das MfS so lange Zeit an der Nase rumführen? Wie konnte er im MfS so hoch steigen? Wie hatte man die Ehefrau und die Tochter, auf die sich G. beruft, damals eigentlich behandelt, nachdem Stiller weg war? Wenn G. diese Antworten gäbe....dann könnte man Respekt haben.

Hatte nicht Stiller schon länger für den BND gearbeitet? Ich weiß, man will das heut nicht wahrhaben. Aber warum überprüfte man tausende Briefe, um letztlich die Handschrift Stillers zu identifizieren? Oder ist es wirklich eine Lüge, dass man aufgrund des harten Winters und den nicht vorhandenen Winterreifen Stiller verfehlte?

Irgendwo erinnert mich dieses Verhalten an Akten Übersiedlungswilliger. Was hat man nicht alles versucht, um schlechte Erfindungen an den Mann zu bringen. Diskreditieren stand doch an erster Stelle. Es kann nicht sein, dass ein ordentlicher, strebsamer junger Mensch so "rückschrittlich" denkt, dass es ihm in den Westen zieht.

Nein, ich möchte in Stiller nicht den Held sehen. Aber in denjenigen, die ihn erst hochjubelten und dann aber selbst versagt hatten, ihn dann heute noch verunglimpfen, auch nicht.

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Re: Werner Stiller

Beitragvon Merkur » 19. September 2010, 17:45

Ich gehe davon aus, dass sich der letzte Leiter der HV A bzw. andere Fachleute noch detaillierter zur Thematik äußern werden. Ich selbst werde sicher auch noch etwas schreiben, muss aber erst das Buch lesen.
Stiller war kein "Tschekist mit heißem Herz, kühlem Kopf und sauberen Händen". Er verstand es allerdings gut, sich als solcher darzustellen und lieferte entsprechende operative Erfolge/Arbeitsergebnisse, die seinen Vorgesetzten keinerlei Anlass zu Misstrauen gaben.
"Wieso konnte er so hoch steigen ?" fragt der AZ. Gegenfrage: Ist er denn als Oberleutnat hoch gestiegen ? Meiner Meinung nach eher nicht.
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Re: Werner Stiller

Beitragvon Merkur » 19. September 2010, 18:21

augenzeuge hat geschrieben: Hatte nicht Stiller schon länger für den BND gearbeitet? Ich weiß, man will das heut nicht wahrhaben. Aber warum überprüfte man tausende Briefe, um letztlich die Handschrift Stillers zu identifizieren? Oder ist es wirklich eine Lüge, dass man aufgrund des harten Winters und den nicht vorhandenen Winterreifen Stiller verfehlte?
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Nein AZ, auch wenn er das in seinem ersten Buch und im Spiegel so darstellte. Auch die Sache mit den Winterreifen ist kein Scherz.
Es ging auch nicht um seine Handschrift, sondern um die Handschrift seiner Geliebten. So schlau war "Schakal" schon, dass er "Borste" die GS-Briefe schreiben ließ... [wink]
Ich will die Details des Fahndungsvorgangs jetzt auch nicht umfassend darstellen aber es war für die HA II aufgrund bestimmter Merkmale bzw. der Verdichtung von Informationen schon nachvollziehbar/erkennbar, ob ein Spionagevorgang plötzlich wirklich "heiß" wurde. Bei "Schakal" und "Borste" war es beispielsweise so, dass sich die Funkaktivität des BND plötzlich wesentlich erhöhte, was eine entsprechende Relevanz erkennen ließ. Dazu kam dann das Telegramm, was in der BRD nicht zugestellt werden konnte und zurück in die DDR ging. Dadurch kam die Fahndung der II zur Handschrift der Absenderin und konnte diese mit abgefangenen GS-Briefen und Paketzetteln (mit der Oberhofer Klar-Adresse) vergleichen. Alles andere war dann nur noch eine Frage entsprechender Ermittlungen zum Umfeld von "Borste". Auch die GS-Briefe fielen der Postkontrolle durch die Konzentration von BND-Deckadressen in bestimmten Postleitzahlgebeieten der BRD auf.
In der Gesamtbetrachtung hat der BND seinerzeit schwere handwerkliche Fehler begangen und "Schakal" hatte den richtigen Riecher das Heft selbst in die Hand zu nehmen.
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Re: Werner Stiller

Beitragvon augenzeuge » 19. September 2010, 18:46

Vielen Dank für die Erläuterungen, Merkur. Natürlich meinte ich Stillers Geliebte mit der Handschrift, gut, dass du dies richtiggestellt hast.

Was die BND-Spionage betrifft, so bestätigtst du die Kommunikation mit vielen BND-Deckadressen. Wie lange lief denn schon diese Kommunikation?
Um was es hier genau ging, würde mich ja interessieren.
Aber wie du schreibst, kann ich da noch eine Antwort erwarten.

Zumindest hat er eine Menge Leute irregeführt, anerkennenswert, dass diese später mit ihm wieder gesprochen haben. Denn inwieweit er wieder schauspielerte, wusste man ja nicht.

Trotzdem finde ich es erstaunlich, dass man ihn nicht schon früher durchschaute. Aber das war sicher ein Zeichen seiner besonderen Cleverniss. Hat dies nicht auch den besonderen Wunsch auf Revanche beim MfS später auslösen müssen.....die DDR hätte sich sicher auch gewünscht, dass ein Markus Wolf nicht so schnell entdeckt wird. Oder war es schon klar, dass dies nun unweigerlich passieren wird?
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Re: Werner Stiller

Beitragvon Merkur » 19. September 2010, 19:34

Ich gehe davon aus, dass mit Deiner Frage, die sehr allgemein gestellt ist, ausschließlich die Kommunikation von "Schakal" und "Borste" mit den DA gemeint ist.
Von vielen DA habe ich bei den beiden nichts geschrieben. Meine Aussage zur Deckadressenkonzentration ist allgemein zu verstehen und bezieht sich auf mehrere BND Verbindungen, die Deckadressen in einem "Ballungsgebiet" besaßen, was bald erkannt und kontrolliert wurde. Briefe in bestimmte Regionen erweckten daher naturgemäß das Interesse der M bzw. der II/5.
Die postalische Verbindung bestand m. E. seit Ende Juli 1978, wobei der erste GS-Brief von "Schakal" und "Borste" bereits vier Wochen später, am 28.08.1978, abgefangen wurde.
Inhaltlich haben sich beiden Seiten wohl erst einmal "beschnuppert" und Pullach wollte sich auch erstmal davon überzeugen, ob es denn "Schakal" ehrlich meint oder ob er bewusst herangeschleust wurde.
Ich kann bis heute nicht nachvollziehen, warum man so lange brauchte, um Mischa Wolf bildlich zu enttarnen. Wie oft stand er bei Paraden vor Journalisten in Uniform auf der Tribüne ? Wie oft redete er offiziell auf Veranstaltungen wie Jugendweihen usw. , wo auch Bundesbürger anwesend waren ? Er soll ja auch ab und an mal außerhalb der DDR unterwegs gewesen sein.... [grins] . Die Aufzählung ließe sich fotsetzen.
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Re: Werner Stiller

Beitragvon CaptnDelta » 28. Oktober 2010, 10:08

S51 hat geschrieben:
Merkur hat geschrieben:Die Junge Welt veröffentlichte gestern folgenden Leserbeitrag von Werner Großmann:
... Um die Person Stillers zu charakterisieren stimme ich voll mit seiner Tochter überein, die im Buch »Verratene Kinder«, S. 131, folgendes schrieb: »Er hat auf seinen jeweiligen Wegen Menschen überrannt, ohne auch nur einen Moment innezuhalten und zurückzublicken. Es hat ihn nicht interessiert, ob diese Menschen danach noch in der Lage waren, wieder unbeschadet aufzustehen und ihren Weg fortzusetzen.«
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Wenn jemals meine Lütte das über mich schreiben würde, wäre das bitter, sehr bitter.

Dazu sollte man allerdings auch fairerweise schreiben, was Nicole Glocke im gleichen Buch ueber ihren Vater (das ist der "Gute") sagt. Das wird von Grossmann aus verstaendlichen Gruenden unterschlagen. Die Parallelen bleiben jedoch - uebrigens auch zu Pierre Boom's (Guillaume's) Buch.

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Re: Werner Stiller

Beitragvon augenzeuge » 28. Oktober 2010, 18:55

CaptnDelta hat geschrieben:
S51 hat geschrieben:
Merkur hat geschrieben:Die Junge Welt veröffentlichte gestern folgenden Leserbeitrag von Werner Großmann:
... Um die Person Stillers zu charakterisieren stimme ich voll mit seiner Tochter überein, die im Buch »Verratene Kinder«, S. 131, folgendes schrieb: »Er hat auf seinen jeweiligen Wegen Menschen überrannt, ohne auch nur einen Moment innezuhalten und zurückzublicken. Es hat ihn nicht interessiert, ob diese Menschen danach noch in der Lage waren, wieder unbeschadet aufzustehen und ihren Weg fortzusetzen.«
Werner Großmann, Generaloberst a.D.

Wenn jemals meine Lütte das über mich schreiben würde, wäre das bitter, sehr bitter.

Dazu sollte man allerdings auch fairerweise schreiben, was Nicole Glocke im gleichen Buch ueber ihren Vater (das ist der "Gute") sagt. Das wird von Grossmann aus verstaendlichen Gruenden unterschlagen. Die Parallelen bleiben jedoch - uebrigens auch zu Pierre Boom's (Guillaume's) Buch.

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Was denkt die Tochter, welchen Job ihr Vater und sein Arbeitgeber gemacht hat?
In diesem Geschäft geht es rücksichtslos zu, da interessiert es nicht, "ob die überrannten Menschen wieder unbeschadet aufstehen konnten....."

Dieses Verhalten nun nur auf Stiller zu projezieren, ist die Halbwahrheit zur Wahrheit machen zu wollen.

Ob die entsprechenden Mitarbeiter des MfS, die mit Gewalt Geflüchtete zurückgeholt haben, oder dies später noch versuchten, über die menschlichen Folgen für ihr "Opfer" nachgedacht haben......? Ganz sicher nicht.

Und wenn ich einen Weg gehen muss, der beim geringsten Fehler mit dem Tode bestraft würde, dann bin ich mir sicher, würde sich kaum ein Mensch anders verhalten als Stiller.

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Re: Werner Stiller

Beitragvon augenzeuge » 28. Oktober 2010, 19:38

CaptnDelta hat geschrieben:Dazu sollte man allerdings auch fairerweise schreiben, was Nicole Glocke im gleichen Buch ueber ihren Vater (das ist der "Gute") sagt. Das wird von Grossmann aus verstaendlichen Gruenden unterschlagen. Die Parallelen bleiben jedoch - uebrigens auch zu Pierre Boom's (Guillaume's) Buch.

-Th


Nicole Glocke:
Also ich habe in jedem Fall geschrieben, dass Werner Stiller ein Verräter in jeglicher Hinsicht ist. Mein Vater natürlich auch, das gilt in gleichem Maße auch für ihn! Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied: Mein Vater hat es aus ideologischer Überzeugung getan!

Na und? Soll das eine Entschuldigung sein? Wieso ist ein Mensch schlechter, wenn er sich nicht vor den Karren einer Ideologie spannen lässt? [mad]
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Re: Werner Stiller

Beitragvon Harsberg » 31. Oktober 2010, 09:03

Der Mann ist für mich einfach nur ein Deserteur und Deserteure mag ich nicht.
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Re: Werner Stiller

Beitragvon S51 » 31. Oktober 2010, 09:14

augenzeuge hat geschrieben:...Na und? Soll das eine Entschuldigung sein? Wieso ist ein Mensch schlechter, wenn er sich nicht vor den Karren einer Ideologie spannen lässt? [mad]
AZ


Weil es edler ist, jemandem die Rübe aus Überzeugung zu säbeln als um des schnöden Mammons wegen. Heute etwa nicht?
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Re: Werner Stiller

Beitragvon augenzeuge » 31. Oktober 2010, 11:40

S51 hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:...Na und? Soll das eine Entschuldigung sein? Wieso ist ein Mensch schlechter, wenn er sich nicht vor den Karren einer Ideologie spannen lässt? [mad]
AZ


Weil es edler ist, jemandem die Rübe aus Überzeugung zu säbeln als um des schnöden Mammons wegen. Heute etwa nicht?


Doch klar. Aber ursprünglich ging es nicht um Mammons, sondern um Ideologie. Wenn man will, kann man das auseinanderhalten.... [grins]
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