Die Polizei in der DDR

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 11. April 2021, 12:02

Merkur hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:Ich wollte deine Meinung dazu lesen.
AZ


Die ist nicht relevant, da gibts hier andere Experten.


Für mich ist die erstmal relevant. Nun zier dich nicht so. [wink]
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon karnak » 11. April 2021, 12:02

Ich kannte in der DDR nur den Begriff Sicherheitsinspektor. Und zwar deswegen weil MfS Mitarbeiter die ich persönlich kannte und die das MfS verlassen mussten oder wollten auf diesen Posten gesetzt wurden, mir dann erzählten, es war das Beste was ihnen passieren konnte, einfach nur eine ruhige Kugel schieben. [flash] Für das MfS wird wohl wichtig gewesen sein den Mann auf einen Posten zu setzen auf dem er keine Probleme macht und nicht auf dumme Gedanken kommt.
Und in der DDR war das durchaus ein " Beruf" ,das war in größeren Betrieben ein Verantwortlicher für Arbeits und Gesundheitsschutz.
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 11. April 2021, 13:02

karnak hat geschrieben:Ich kannte in der DDR nur den Begriff Sicherheitsinspektor.


Ich kannte beide Begriffe. Der Betrieb, in dem ich arbeitete, hatte SB's, die liefen den ganzen Tag nur rum, und schauten sich die Produkte an, die man herstellte.
Eigentlich, ganz langweilig. Selbst später, als die von mir wussten, wie ich politisch ticke, hatte ich mit denen kaum zu tun.


Im privaten Umfeld kannte ich einen Sicherheitsinspektor, der für eine Wohnungsbaugesellschaft arbeitete. Hat gut verdient. Der hatte privat Westverwandte, hatte militärisch noch weniger Ahnung als ich, schaute nur West TV und meckerte auf den Staat, wie ich es nie mehr erlebt hatte. Nach der Wende verlor er den Job und ich hab ihn Kohle schippen gesehen. Eine Verbindung zum MfS hatte ich früher stets ausgeschlossen. Auch als in der halleschen Regionalzeitung "Freiheit" alle "Stasis" bekannt gegeben wurden (das war nicht der Spiegel, kam wohl durch die Bürgerbewegung raus) , die Liste kennen sicher hier alle, wussten spätestens alle, wer alles für den Verein tätig war, aber er stand mit Namen nicht drin!! Fand ich seltsam.

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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon karnak » 11. April 2021, 13:24

[grin] Ich habe natürlich nicht behauptet der Posten war ausschließlich von Ex Stasis besetzt.
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 11. April 2021, 13:53

karnak hat geschrieben:[grin] Ich habe natürlich nicht behauptet der Posten war ausschließlich von Ex Stasis besetzt.

Natürlich nicht. Ich wollt ja nur mal wissen, wie die Anteile waren. Oder war es eher selten?

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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon karnak » 11. April 2021, 14:26

Ich denke mal der Posten wurde ganz gerne mit " abgewickelten " MfS Leuten besetzt, je nach Größe und ökonomischer Bedeutung sicher an die Befähigung angeglichen.
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 11. April 2021, 15:10

karnak hat geschrieben:Ich denke mal der Posten wurde ganz gerne mit " abgewickelten " MfS Leuten besetzt, je nach Größe und ökonomischer Bedeutung sicher an die Befähigung angeglichen.


Alles klar. Jetzt frag ich mich nur, warum mir das der Merkur nicht gleich sagen konnte. [flash]

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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon karnak » 11. April 2021, 15:34

Das ist nur meine Erfahrung aus Erlebnissen und Erkenntnissen aus dem damalig realen Leben, ob das übergreifend wirklich so stimmig ist weiß ich nicht. Was ich weiß, schied man aus dem MfS aus wurde dafür gesorgt, dass der Betreffende möglichst keinen Anlaß hatte irgendwie quer zu schießen und ein Sicherheitsrisiko zu werden, er nahm schließlich irgendwelches Insiderwissen mit, dass er für sich behalten sollte. Man wollte ihn auf einen Platz auf dem er umfassend zufrieden sein konnte, wenn man ihn dort noch leicht im Auge behalten konnte war das ebenfalls hilfreich. Wenn es natürlich letztlich nie eine 100 % ige Garantie gab, dass das funktionierte.
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon Merkur » 11. April 2021, 16:52

augenzeuge hat geschrieben:Jetzt frag ich mich nur, warum mir das der Merkur nicht gleich sagen konnte. [flash]
AZ


Weil der Sicherheitsinspektor eines Betriebes nicht mit dem Sicherheitsbeauftragten (OibE) gleichgesetzt werden kann.
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon karnak » 11. April 2021, 17:03

Dann wäre für mich die Frage, wie wurde denn dann im Betrieb der Unterschied zwischen diesen beiden Posten offiziell erklärt?
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 11. April 2021, 17:04

Merkur hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:Jetzt frag ich mich nur, warum mir das der Merkur nicht gleich sagen konnte. [flash]
AZ


Weil der Sicherheitsinspektor eines Betriebes nicht mit dem Sicherheitsbeauftragten (OibE) gleichgesetzt werden kann.


Das dachte ich mir. Wie du siehst, wäre ne Erläuterung deinerseits hilfreich, nicht mal unser Hauptamtlicher weiß das. [grins]

Der SB
https://docplayer.org/15215087-Die-rech ... rtgen.html

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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon Kumpel » 11. April 2021, 17:38

karnak hat geschrieben:Dann wäre für mich die Frage, wie wurde denn dann im Betrieb der Unterschied zwischen diesen beiden Posten offiziell erklärt?


Offiziell wurde da wahrscheinlich gar nichts erklärt.
Der Unterschied lag wohl darin ob es das MfS für nötig erachtete an eine bestimmte Stelle einen Sicherheitsbeauftragten zu platzieren oder nicht.
Der Sicherheitsinspektor war wohl dazu im Gegensatz zum Sicherheitsbeauftragten mehr so eine Art Ruheposten im Abklingbecken.
'' Es war von vorn bis hinten zum Kotzen, aber wir haben uns prächtig amüsiert.''
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon karnak » 11. April 2021, 17:52

Der Sicherheitsinspektor war für Arbeits- und Gesundheitsschutz zuständig. Wenn es nun noch nebenher einen Sicherheitsbeauftragten in Form eines OibE gab, was ja bedeutete, es wusste keiner im Betrieb, dass der dem MfS zuzuordnen ist, muß er doch wohl einen offiziellen Posten im Betrieb zugeordnet gewesen sein.
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon Kumpel » 11. April 2021, 17:55

Klar , war er auch.
Der Posten eines Sicherheitsbeauftragten scheint eine Art sicherer Fahrstuhl nach oben gewesen zu sein.
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon karnak » 11. April 2021, 18:05

Und das stand dann am Büro des Menschen und jeder im Betrieb wusste, dass das die Aufgabe des Menschen hinter dem Schreibtisch war? [flash]
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon pentium » 11. April 2021, 18:13

karnak hat geschrieben:Und das stand dann am Büro des Menschen und jeder im Betrieb wusste, dass das die Aufgabe des Menschen hinter dem Schreibtisch war? [flash]


Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt, sie müssen warten
Sie können zum Weg nach oben jetzt erst später starten
Der richt'ge Fahrstuhl für sie fährt unter Umständen nie
Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt, sie müssen warten…
*Dos Rauschen in Wald hot mir'sch ageta, deß ich mei Haamit net loßen ka!* *Zieht aah dorch onnern Arzgebirg der Grenzgrobn wie ene Kett, der Grenzgrobn taalt de Länder ei, ober onnere Herzen net!* *Waar sei Volk verläßt, daar is net wert, deß'r rümlaaft of daaner Erd!*
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon Verratnix » 11. April 2021, 18:15

Es wurde ja schon ein Name genannt. Für den war das kein Fahrstuhl nach oben wenn ich das noch richtig in Erinnerung habe. Trotz regelmäßigem Rapport der Energiesituation in Berlin vor den Mitgliedern des Politbüros.

Ich will da aber keine Gerüchte oder Unwahrheiten in die Welt setzen. Ich hab´ das nur so im Gedächtnis...
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon Werner Thal » 11. April 2021, 20:59

pentium hat geschrieben:
karnak hat geschrieben:Und das stand dann am Büro des Menschen und jeder im Betrieb wusste, dass das die Aufgabe des Menschen hinter dem Schreibtisch war? [flash]


Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt, sie müssen warten
Sie können zum Weg nach oben jetzt erst später starten
Der richt'ge Fahrstuhl für sie fährt unter Umständen nie
Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt, sie müssen warten…


Das Hazy-Osterwald-Sextett ließ diesbezüglich 1966 freundlich grüßen. [wink]

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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 13. April 2021, 08:07

DDR Volkspolizei 1985
Manch einer merkt es vielleicht nicht. Aber wer die Unterschiede kennt, der muss diesen Tonfall des Polizisten kritisieren. Einfach herabwürdigend:
https://youtu.be/P7ntVS5wBN4?t=1857

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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon Ari@D187 » 13. April 2021, 10:24

Merkur hat geschrieben:
Kumpel hat geschrieben:Den ehemaligen User Vierkrug aus dem anderen FORUM werden hier manche kennen.
Der war wohl OibE in einem Kombinat. Vielleicht meint Akku so etwas.
Wobei mir die Aufgaben da nicht ganz klar sind.
Vielleicht kann Merkur da helfen und vielleicht kann man hier endlich mal das Vollgelöffel beenden.


Da gegenwärtig die Voraussetzungen geschaffen worden sind und sich der Interessierte in temporärer Suspendierung befindet, gehe ich mal auf Deinen Beitrag ein. [...]

Sehr schade, dass Du Dich zu solcher Zurückhaltung gezwungen siehst. Mehr Beiträge aus erster Hand würden dem Forum gut tun.

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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 13. April 2021, 10:52

Kindergartengehabe! Ich hatte Merkur danach etwas gefragt, da hat er sich geziert wie ne Jungfrau. Obwohl der Interess. nicht da ist.

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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon Kumpel » 13. April 2021, 11:29

augenzeuge hat geschrieben:DDR Volkspolizei 1985
Manch einer merkt es vielleicht nicht. Aber wer die Unterschiede kennt, der muss diesen Tonfall des Polizisten kritisieren. Einfach herabwürdigend:
https://youtu.be/P7ntVS5wBN4?t=1857

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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon HPA » 13. April 2021, 11:56

Mehr Beiträge aus erster Hand


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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 13. April 2021, 17:01

Kumpel hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:DDR Volkspolizei 1985
Manch einer merkt es vielleicht nicht. Aber wer die Unterschiede kennt, der muss diesen Tonfall des Polizisten kritisieren. Einfach herabwürdigend:
https://youtu.be/P7ntVS5wBN4?t=1857

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Der Film ist der Hammer. Wird man voll zurück in die Verblichene katapultiert.


Ob jene, die damals diese Dinge so erlebt haben, begriffen haben, was falsch war?
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 13. April 2021, 17:45

Die Dinge haben ja 2 Seiten erlebt, so der Festgesetzte und der Uniformierte hinterm Schreibtisch.
Und besonders bei letzteren bin ich im Zweifel. Solche Experten sind und waren ja auch schon im Forum und zeigen/zeigten, dass sie nichts begriffen haben. Das betrifft natürlich nicht alle Polizisten und Stasischergen.

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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 13. April 2021, 18:17

Gunter Gabriel in "Achtung Volkspolizei"

Vorsicht: Sudel-Ede ist bauch dabei. [shocked]



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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon Interessierter » 1. Mai 2021, 09:29

Im Gefängnis Weberstraße Quedlinburg saßen auch politische Gefangene: DDR-Volkspolizei nutzte es für Untersuchungshaft

Quedlinburg - In einem Berliner Archiv schlummern Akten zum ehemaligen Quedlinburger Gefängnis. Über welche Epoche noch besonders wenig bekannt ist.

Dass in dem Bauwerk an der Adresse Weberstraße 22 in Quedlinburg nicht von Anfang an Essen ausgegeben und Kleider gelagert wurden, lässt schon die Architektur des inzwischen denkmalgeschützten Hauses erkennen. Auf mehreren Stockwerken gehen von einem langen, geraden Gang einzelne Räume ab, die miteinander nicht verbunden sind. Zu Recht können sie als Zellen bezeichnet werden - denn mehr als ein Jahrhundert lang diente das Gebäude als Gefängnis.

Wo heute Kleiderkammer und Tafel der Awo untergebracht sind, waren bis 1970 Häftlinge eingesperrt

Heute, so schildert Sabine Herforth, sind dort die Tafel-Ausgabestelle und die Kleiderkammer der Arbeiterwohlfahrt (Awo) untergebracht. Herforth ist Fachassistentin der Geschäftsführung des Awo-Kreisverbands Harz.

Die Geschichte des Gebäudes, erklärt der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Steppuhn, ist selbst älteren Quedlinburgern weithin unbekannt. „Die meisten wissen nur, dass das ehemalige Gefängnis schon seit der Wende nicht mehr als solches genutzt wird“, legt er dar.

Um Klarheit zu gewinnen, stellte Steppuhn kürzlich eine Anfrage an die Landesregierung, auf die ihm Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra (CDU) geantwortet hat.

Aus der Antwort geht hervor, dass das Gebäude zwischen 1844 und 1852 errichtet und von 1846 bis 1970 als Gefängnis genutzt wurde. Da der Haftbetrieb lange vor der Wiedervereinigung eingestellt worden sei, sei es nie in die Zuständigkeit der Justiz des Landes Sachsen-Anhalt übertragen worden, heißt es dort weiter - so konnte das Land die Akten des Gefängnisses nicht archivieren und muss sich heute auf andere Quellen stützen.

Die wichtigste davon, fährt der Kulturminister fort, seien die Recherchen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie. Robra riet Andreas Steppuhn, sich an das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz zu wenden, um weitere Einzelheiten herauszufinden. Das hat Steppuhn getan und sich dort gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten Katrin Budde (SPD) nach weiteren Unterlagen erkundigt.

Andreas Steppuhn wollte wissen, ob auch politische Gefangene inhaftiert waren


Nun hat ihm Archivdirektorin Ulrike Höroldt zurückgeschrieben. Das Archiv, legt sie dar, hat 13 Akten preußischer Zentralbehörden ermittelt, die weitere Details zu der Geschichte des Gefängnisses enthalten könnten. „Eine Erwähnung des gesuchten Gefängnisses in diesen Akten ist möglich, aber keineswegs gesichert“, fügt sie hinzu. „Auch halte ich es für eher unwahrscheinlich, dass umfangreiche Informationen, etwa zu einzelnen Insassen, darin enthalten sind.“

Nach ihnen hatte sich Steppuhn in seiner Anfrage erkundigt, denn der Politiker möchte wissen, ob in dem Gebäude auch politische Gefangene inhaftiert waren. Kulturminister Robra antwortete ihm, dass das Gefängnis nachweislich sowohl in der NS-Zeit als auch in den Jahren der sowjetischen Besatzung und später in der DDR genutzt worden sei.

Für die NS-Zeit, so der Minister, wurde die Thematik unter anderem mit einer Wanderausstellung aufgearbeitet, die 2015 im Amtsgericht Quedlinburg präsentiert wurde. „Für die sowjetische Besatzungszeit und die DDR fehlt bislang eine Aufarbeitung“, merkt Rainer Robra an.

Ab 1952 nutzte die DDR-Volkspolizei das Gefängnis für die Untersuchungshaft


Dennoch liegen der Landesregierung auch über diese Epoche Erkenntnisse des Denkmalpflege-Amts vor. Ab 1952 nutzte die Deutsche Volkspolizei das Gefängnis für die Untersuchungshaft. Wie in anderen derartigen Haftanstalten auch seien in Quedlinburg politisch motivierte Inhaftierungen vorgekommen, erklärt der Minister.

„Das geschah zum Beispiel aufgrund von Tatvorwürfen wie Boykotthetze oder staatsfeindlicher Hetze und Propaganda, Staatsverleumdung oder auch Landfriedensbruch“, sagt Robra. Letzteres habe der Staat den Aufständischen vom 17. Juni 1953 zur Last gelegt.


https://www.mz.de/lokal/quedlinburg/im- ... ft-1583403
Was du hast, können viele haben. . . doch was du bist , kann keiner sein.
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 1. Mai 2021, 09:58

Es ist wie überall in der DDR.
Den Knast kannte/kenne ich auch. Etwas zurückgesetzt hinter hohen Gefängnismauern ist der Steinbau in der Weberstraße samt seiner Zellen heute noch sichtbar.
Auch in der untersten Etage, wenn man für die AWO heute Spenden abgibt, erlebt man in dem Flur die bedrückende Zellenstruktur.
Was damals drinnen abging wissen nur die Inhaftierten und deren Bewacher und Peiniger. In den späten 1950ern habe ich noch oft die Grüne Minna dort zum Tor reinfahren gesehen. Nach Einsätzen vom Überfallkommando, so nach Kneipenschlägereien, wurden die Gefangenen gleich vor dem Tor ausgeladen und liefen durch ein Polizistenspalier in die Haftanstalt. Es wurde in QLB immer nur von "Gefängnis" gesprochen, nie Zuchthaus.
Später war es nur noch für Männer benutzt, denn die Frauen waren 2 km östlich vor QLB in Morgenrot (früher Kamerun) untergebracht.
Die Frauen marschierten jeden Tag im Gänsemarsch bis zum Moorhof, dem volkseigenen Gut am Moorberg, um in der Saatzucht zu arbeiten. Immer streng von mehreren Wachteln begleitet.

Gruß Volker
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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon Interessierter » 25. Mai 2021, 10:01

Polizeigewalt in der DDR - Jubel und Prügel zum DDR-Jubiläum

7. Oktober 1989: Die DDR wird 40. Beim Festempfang zeigt sich der SED-Staat von seiner besten Seite, auf den Straßen Ostberlins zeigt er sein wahres Gesicht: Prügel und Verhaftungen gegen Demonstranten. Machtlos ist die Staatsmacht dagegen in Plauen.

Über 1.000 Verhaftete


Bis in die späte Nacht dauert die Jagd an. Polizei und Stasi setzen Wasserwerfer, Reizgas und Schlagringe ein, verschaffen sich brutal Zugang zu Wohnungen, in denen sie geflüchtete Demonstranten vermuten. Am 8. Oktober, einem Sonntag, findet die Gewalt ihre Fortsetzung. Unter denen, die die Brutalität der "Sicherheitsorgane" zu spüren bekommen, sind viele Unbeteiligte.

Insgesamt 1.071 "Zuführungen", wie Festnahmen im Stasi-Jargon heißen, gibt es an den beiden Tagen. Die Festgenommenen werden in überfüllte "Zuführungspunkte" gepfercht, teilweise misshandelt, einige müssen ein wahres Spießrutenlaufen über sich ergehen lassen.

Mit dem gewaltsamen Vorgehen gegen die friedlichen Demonstranten wird der Jubiläums-Pomp mit FDJ-Aufmarsch und Militärparade endgültig zur Farce. Kamerateams von ARD und ZDF zeigen Bilder von den Prügelszenen, auch von Verletzten. Viele Zeitzeugenberichte und umfangreiche Gerichtsakten enthalten Belege für das Vorgehen von Polizei und Stasi. Vorermittlungs- und Ermittlungsakten, die die Staatsanwaltschaft später in diesem Zusammenhang anlegt, umfassen 200 Bände.*

Deutliche Worte von Gorbatschow


Bei politischen Gesprächen mit der SED-Führung wird der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow deutlich. Er fordert politische und wirtschaftliche Reformen. Kühne Entscheidungen seien nötig. "Ich halte es für sehr wichtig, den Zeitpunkt nicht zu verpassen und keine Chancen zu vertun", sagt Gorbatschow. "Wenn wir zurückbleiben, bestraft uns das Leben sofort." Erfahrungen in Russland, Polen und Ungarn hätten gezeigt, wenn die Partei nicht auf das Leben regiere, sei sie verurteilt. Klar spricht Gorbatschow aus: "Wir haben nur eine Wahl: entschieden voranzugehen."

Honecker geht mit keinem Wort auf die Forderungen Gorbatschows ein. Stattdessen preist er die Erfolge der DDR.

Plauen: die erste erfolgreiche Großdemo

Fast 250 Kilometer südlich von Berlin, in Plauen im sächsischen Vogtland, sind keine Fernsehkameras dabei. Deshalb erfährt die Öffentlichkeit erst sehr viel später, dass den Plauenern die erste Großdemonstration gelingt, die Polizei und Stasi nicht mehr auflösen können.

Zwei Tage vor der Kundgebung der 70.000 in Leipzig, die als erster großer Sieg der Friedlichen Revolution in die Geschichte eingeht, trauen sich in Plauen 15.000 Menschen auf die Straße – und lassen sich nicht mehr vertreiben.

Bild

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Re: Die Polizei in der DDR

Beitragvon Interessierter » 3. Juli 2021, 10:18

Vopo – Beruf für Auserwählte

Das SED-Regime ignorierte das Recht immer dann, wenn es politisch geboten erschien. Die hier aufgezeigte gemeinsame Vorgehensweise von Polizei und Staatssicherheit zur Rekrutierung von willfährigen Helfern des Systems war Willkür in extremer Ausprägung.

Wer Volkspolizist werden wollte ...

Wer in der DDR den Wunsch hatte, ein Volkspolizist zu werden, konnte in keiner veröffentlichten Vorschrift nachlesen, welche Einstellungsvoraussetzungen er zu erfüllen hatte. Der Zugang zu diesem Beruf war ein gut gehütetes Geheimnis. Ehemals abgewiesene, aber auch angenommene Bewerber fragen sich sicherlich noch heute, welche internen Überprüfungsmaßnahmen damals zur Entscheidung für oder gegen den Beruf führten.

Einstellungsbedingungen


Bei der Sichtung der Einstellungsbedingungen fällt eine Vorgabe auf, die vorrangig genannt wurde. Der Zugang zum Beruf war zu versagen, "wenn der Bewerber persönliche Verbindungen bzw. Kontakte zu Bürgern oder Einrichtungen der BRD, anderen nichtsozialistischen Staaten oder Westberlin" unterhielt. Doch darauf beschränkte sich die Regelung nicht.

Auch Westkontakte der Personen, die mit dem Bewerber in einem Haushalt lebten, wurden erfasst. Der Innenminister gab vor, dass "Art und Umfang" dieser Westbeziehungen – "Vorhandensein von Westverwandtschaft, Verbindungen bzw. Kontakte" – der Angehörigen, "eindeutig zu klären" waren und danach musste eine Entscheidung in Abstimmung mit dem MfS getroffen werden.

Das bedeutet, dass ein Bewerber, dessen Schwester ein Liebesverhältnis zu einem Bundesbürger unterhielt, möglicherweise an dieser Beziehung scheiterte. Eine Mutter, die als Rentnerin in die Bundesrepublik übersiedelte und nun Briefe an Angehörige schickte, war ein eventueller Grund der Ablehnung. Freundschaftliche Kontakte zu Franzosen oder Schweden, die in Rostock das Düngemittelwerk und das Hotel "Neptun" mit aufbauten, konnten zur Versagung des Berufswunsches führen.

Ein zweiter Komplex der Einstellungsbedingungen betraf die Vorstrafen. Kleinkriminelle konnten durchaus eingestellt werden. Eine Abweisung erfolgte nur dann, wenn der Bewerber "rechtskräftig zu einer Strafe mit Freiheitsentzug verurteilt wurde".

Daneben fällt die Regelung auf, dass "Eltern, Ehepartner oder Verlobte, Kinder, Geschwister, Schwiegereltern, Geschwister des Ehepartners bzw. Personen, die ständig in ihrem Haushalt" wohnten "oder andere Angehörige und Personen, zu denen sie enge Verbindungen" unterhielten, nicht rechtskräftig zu einer Strafe mit Freiheitsentzug verurteilt sein durften. Das war paradox.

Der Bewerber selbst konnte ein Kleinkrimineller sein, doch wenn er absolut gesetzeskonform lebte, wurde ihm die Kriminalität des sehr weit gefassten Verwandten- und Bekanntenkreises angelastet, ohne dass er selbst damit irgendwie ursächlich verbunden war.
Die Willkürlichkeit der Vorgehensweise zeigt sich aber besonders darin, dass der Innenminister "Ausnahmefälle" bezüglich dieses zu überprüfenden Personenkreises zuließ, wenn es sich "um Delikte mit geringer Gesellschaftsgefährlichkeit handelt(e)". Dann traf "der für die Einstellung verantwortliche Nomenklaturvorgesetzte nach Abstimmung mit der zuständigen Dienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit" eine Entscheidung.

Diese Regelung war inhaltlich widersprüchlich. Eine Handlung mit "geringer Gesellschaftsgefährlichkeit" zog regelmäßig keine Freiheitsstrafe nach sich, die aber hier Voraussetzung für die Versagung des Berufswunsches war. Offensichtlich ging es darum, je nach Sichtweise, diese kriminelle Handlung Dritter als Versagungsgrund heranzuziehen oder willkürlich davon Abstand zu nehmen.

Die erstaunlichen und teilweise paradoxen Vorgehensweisen zur Überprüfung der Bewerber kann man hier weiterlesen:
https://www.bpb.de/geschichte/zeitgesch ... opos?p=all
Was du hast, können viele haben. . . doch was du bist , kann keiner sein.
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