Geschichte eines KBG-Spions

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Geschichte eines KBG-Spions

Beitragvon Interessierter » 18. April 2018, 10:25

„Ich habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen“

Er war überzeugter Kommunist, spionierte für den KGB in Amerika und ließ seine Familie in der DDR jahrzehntelang im Ungewissen. Dann kehrte Albrecht Dittrich als Jack Barsky zurück.

Der kleine Mann trug einen dunklen Mantel, als er eine Existenz vernichtete. Er war etwa 40, und den entscheidenden Satz presste er in gebrochenem Englisch heraus: „Du musst nach Hause kommen, oder du bist tot.“ Dann verschwand er in der Menge, die auf einem U-Bahnsteig in New York in die Abteile drängte.

„Oder du bist tot.“ Der Satz hatte für Jack Barsky den Klang eines Donnerhalls. Es war eine Botschaft: „Flieg sofort in die DDR oder in die Sowjetunion.“ Der kleine Mann war Mitarbeiter des sowjetischen Geheimdienstes KGB.

Jack Barsky auch.

Er wusste nicht, ob er den Satz wörtlich nehmen musste. „You’re dead“ kann im US-Slang auch bedeuten: „Du bist aufgeflogen.“ Vielleicht also hatte das FBI ihn, den Computerfachmann, den Sowjetspion, enttarnt. Andererseits, mit dem KGB war nicht zu spaßen, vielleicht war es ja wirklich eine Todesdrohung.

Der echte Jack Barsky lag auf einem Friedhof


An diesem kalten Dezembertag 1988, auf einem zugigen Bahnsteig in Queens, entschied Jack Barsky: Ich bleibe hier, in den USA. Ich beende ab sofort meine Existenz als Agent. Den Spion Albrecht Dittrich, geboren 1949 in einem Dorf in der DDR, in Ost-Berlin und Moskau zum Agenten ausgebildet, seit Herbst 1972 beim KGB, den wird es nicht mehr geben. Der Privatmann Dittrich wird weiterleben, aber in den USA kannte niemand diesen Namen. Da war er Jack Barsky. Niemand wusste, dass er die Identität eines Toten übernommen hatte. Der echte Jack Barsky lag auf einem Friedhof in Maryland, gestorben mit elf Jahren.

Barsky vernichtete seine Geheimschriften, schleuderte sein Funkgerät in den East River und schrieb dem KGB eine verschlüsselte Botschaft. „Ich habe Aids, ich kann mich nur in den USA behandeln lassen, ich kann nicht zurück.“ Ein riskanter Versuch, aber der KGB glaubte ihm.

30 Jahre später sitzt Barsky in einem Hotel in Berlin, ein großer Mann mit schütterem Haar und Gesichtszügen, die an einen porösen Stein erinnern. Aids war natürlich eine Lüge. „In Wahrheit“, sagt er, inzwischen 69 Jahre alt, „hat mich Chelsea zurückgehalten. Nur sie.“

Die interessante, längere Geschichte geht hier weiter:
https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel ... 0-all.html
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: Geschichte eines KBG-Spions

Beitragvon Volker Zottmann » 18. April 2018, 10:52

Ich habe den gerade bei Markus Lanz sitzen sehen.
Solch einen Menschen kann ich nie begreifen. Ein ganzes Leben in Schizophrenie bewusst zu leben, was hat man davon?

Gruß Volker
http://baupionier.zottmann.org/
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Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
(Volker Zottmann)
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Re: Geschichte eines KBG-Spions

Beitragvon Merkur » 18. April 2018, 11:48

Musst Du das Buch lesen Volker. Sehr zu empfehlen. [super]
Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
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Re: Geschichte eines KBG-Spions

Beitragvon augenzeuge » 18. April 2018, 14:33

Da erfuhr er, „was man uns über Lenin nicht gesagt hatte“. Zum Beispiel „dass er empfahl, 2000 Kulaken zur Abschreckung aufzuhängen“. Intellektuell hatte Barsky mit der Ideologie zwar schon Jahre zuvor abgeschlossen. Emotional aber erst, als er von dieser Brutalität seines Idols erfuhr. „Da ist alles kaputtgegangen, was noch von meinem Bild über Lenin übrig geblieben war.“


Die Verdrängung funktionierte noch ausgezeichnet, ausgeprägtes Schwarz-Weiß-Denken. Die Toten an der Mauer? Nahm er nicht zur Kenntnis, er wollte es nicht. „Ich wusste nicht, dass Ungeziefer hervorkommt, wenn man den Stein umdreht“, sagt er heute. „Wir waren doch immer noch die antifaschistischen Kämpfer.“ Rosemarie Meinhart schaut ihn an, leicht schüttelt sie den Kopf.
„Ich habe den Teufel nicht erkannt“


Das Buch hol ich mir.
AZ
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