In der Visa-Zwickmühle der DDR

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

In der Visa-Zwickmühle der DDR

Beitragvon Interessierter » 20. Oktober 2017, 10:16

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1986 - Zelte für Asylbewerber in Helmstedt Bildrechte: IMAGO

Endlose Schlangen vor Ausländerbehörden, Turnhallen und Zelte als Notunterkünfte, Proteste gegen Asylbewerberheime – was klingt, wie eine Beschreibung der Gegenwart, gab es ähnlich schon einmal Mitte der 1980er-Jahre: Menschen, die aus Bürgerkriegsgebieten weltweit fliehen.

Auch damals wollen viele nach Deutschland. Doch in den 1980er-Jahren kommen sie in Maschinen der DDR-Airline Interflug und der sowjetischen Aeroflot und reisen weiter in die Bundesrepublik. Die Geflüchteten landen mit Interflug-Maschinen auf dem Flughafen Berlin Schönefeld. Dort warten Busse, die sie zum Bahnhof Friedrichstraße fahren.

Die ostdeutschen Grenzer lassen die Busse passieren, auf der Westseite wird nicht kontrolliert. 1984 reisen so 10.000 Menschen nach Deutschland. Ein Jahr später sind es bereits 73.832 Flüchtlinge. Mehr als 60 Prozent von ihnen reisen direkt weiter nach West-Berlin und bitten dort um Asyl. Kommunalpolitiker schlagen Alarm, Anwohner sammeln Unterschriften gegen geplante Flüchtlingsheime. In Berlin wird ein Zeltlager für Asylbewerber angezündet.


Woher wusste man eigentlich in so vielen Ländern um das Schlupfloch in Berlin Schönefeld?

Historiker Dr. Jochen Staadt zufolge warb die DDR in verschiedenen Ländern in den Konsulaten und Botschaften in Aushängen für Interflug-Flüge nach Schönefeld. Dass man von dort sehr schnell nach Westberlin und auch in die Bundesrepublik kommt, sprach sich herum. Davon profitiert die DDR doppelt: Zum einen spülen ihr die Flugtickets Geld ins Land. Historiker Jochen Staadt hat recherchiert, dass die staatseigene Fluggesellschaft Interflug in einem Jahr einen Gewinn von 3,5 Millionen Mark machte.

Zum anderen findet sich die Bonner Regierung unverhofft in einer politischen Zwickmühle: Der Berliner Senat lehnt Grenzkontrollen ab: Mit Kontrollen, wie die DDR sie sonst auch vornahm, würde man den völkerrechtlichen Status der geteilten Stadt anerkennen. Und genau das will die DDR mit ihrer außergewöhnlich unbürokratischen Hilfe für die Geflohenen erreichen, als sie über den Flughafen Schönefeld die Einreise nach Westdeutschland ermöglicht.

Weiter mit dem Bericht, einem Video und wie Egon Bahr das Problem löste, geht es hier:
http://www.mdr.de/zeitreise/ddr/wie-die ... m-100.html

Der Egon Bahr konnte schon ein schlauer Fuchs sein; besonders im Umgang mit der DDR.
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: In der Visa-Zwickmühle der DDR

Beitragvon augenzeuge » 20. Oktober 2017, 16:35

Interessierter hat geschrieben:Die Geflüchteten landen mit Interflug-Maschinen auf dem Flughafen Berlin Schönefeld. Dort warten Busse, die sie zum Bahnhof Friedrichstraße fahren.


Ich weiß, dass es auch viele gab, welche den direkten (DDR)-Bus (betrieben von BVB-Mitarbeitern) vom Flughafen über Rudow nach Charlottenburg genommen hatten.
Übrigens war das immer ein Problem, blieb der Bus liegen, kamen Techniker aus Ost-Berlin. [flash]

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