Widerstand an DDR-Unis

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Widerstand an DDR-Unis

Beitragvon Interessierter » 21. Juni 2017, 12:54

Wir wollten ein normales Studentenleben

Ihre Geschichten kennt fast niemand: In den fünfziger Jahren kämpften ostdeutsche Studenten für Demokratie. Sie verteilten Flugblätter und landeten im Arbeitslager. Ihr Anführer wurde in Moskau hingerichtet.

Der alte Mann stellt Kaffee und Zitronenkuchen auf den Wohnzimmertisch. Er will von früher erzählen. Um ihn herum: Regale voll mit Büchern. In manchen steht auch seine eigene Geschichte: Siegfried Jenkner, verhaftet am 5. Oktober 1950 in Leipzig, Zwangsarbeit in Workuta. Jenkner und einige andere Studenten waren für etwas bestraft worden, was nur acht Jahre zuvor auch den Geschwistern Scholl im "Dritten Reich" zum Verhängnis geworden war: Sie hatten Flugblätter verteilt und für die Freiheit gekämpft.

Während fast jeder Deutsche vom Kampf der "Weißen Rose" gegen das Unrechtsregime der Nationalsozialisten weiß, kennt kaum jemand die Geschichte von Jenkner und den anderen Mitgliedern der "Belter-Gruppe". Sie beginnt im Herbst 1949 mit der Gründung der DDR. Blitzschnell wird ein strammes sozialistisches Regime etabliert, unter Stalins Einfluss. Alle Studenten müssen eine marxistisch-leninistische Grundvorlesung besuchen, in ihrer Freizeit sollen sie in Fabriken gehen und die Arbeiter vom Sozialismus überzeugen. Doch Jenkner und viele seiner Kommilitonen wollen sich ihre politische Haltung nicht vorschreiben lassen.

"Wenn niemand zuhörte, konnte man vorsichtig reden"

Im Wintersemester 1949 schreibt sich der 19-jährige Jenkner an der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Leipzig ein. Zur selben Zeit beginnt dort ein junger Greifswalder sein Studium, Herbert Belter. In der Mensa laufen sich die beiden über den Weg. "Wenn niemand Drittes zuhörte, konnte man vorsichtig seinen Unmut äußern, und je nachdem wie der andere reagierte, konnte man weitergehen oder nicht", erzählt Jenkner. Schnell wird klar, wer linientreu denkt, wer schwankt und wer ein Oppositioneller ist. Belter ist einer, mit dem er reden kann.

Mit der tragischen Geschichte geht es hier weiter:
http://www.spiegel.de/lebenundlernen/un ... 64371.html
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
Benutzeravatar
Interessierter
 
Beiträge: 16365
Registriert: 27. Februar 2011, 13:40

Re: Widerstand an DDR-Unis

Beitragvon augenzeuge » 21. Juni 2017, 16:59

Ganz traurig. Aber es bleibt unvergessen!

An allen ostdeutschen Universitäten regt sich Widerstand. Über 600 Studenten werden zwischen 1945 und 1955 verurteilt, mindestens 24 von ihnen zum Tode. Die Brutalität, mit der gegen die intellektuelle Gefahr vorgegangen wird, zeigt schnell Wirkung. Ab Mitte der fünfziger Jahre ist der Widerstand an den DDR-Unis fast erloschen.


AZ
Freiheit ist ein Gut, das durch Gebrauch wächst und durch Nichtgebrauch dahinschwindet. Keiner darf für sich den Besitz der Wahrheit beanspruchen, sonst wäre er unfähig zu Kompromiß und überhaupt zu Zusammenleben.
R. v. Weizsäcker
Benutzeravatar
augenzeuge
Flucht und Ausreise
Flucht und Ausreise
 
Beiträge: 40856
Bilder: 0
Registriert: 22. April 2010, 07:29
Wohnort: Nordrhein-Westfalen


Zurück zu Politische Systeme

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast