Die Wahrheit gesucht - und im Grauen gefunden

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Die Wahrheit gesucht - und im Grauen gefunden

Beitragvon Interessierter » 16. Februar 2017, 10:41

Verstörende Bilder aus einem farblosen Land vor unserer Zeit: Der Fotograf Andreas Taubert, damals 25 Jahre alt, hat 1988/89 die kollabierende DDR in tristen Aufnahmen festgehalten.

Bild
Leuna, 1989
Quelle: Andreas Taubert

Die Szenerie erinnert ein wenig an den Blockbuster „Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ aus dem Jahr 1979. An das scheinbar verlassene, gespenstisch illuminierte Raumschiff, in dem es tropft und zischt - und in dem sich, man ahnt es, sogleich Schreckliches vollziehen wird.

Aber es ist nur Leuna, das größte DDR-Chemiekombinat, die vormalige IG-Farben-Küche. Heruntergekommen, weil auf Verschleiß gefahren. Wie vieles in der größten DDR aller Zeiten.

Ein Arbeiter mit ortsüblichem Transportmittel, der sich durch den Schlamm strampelt, sicherheitshalber mit Helm: Der Fotograf Andreas Taubert hat diesen skurrilen Moment einer Endzeit festgehalten. Vor dem Mauerfall, als die DDR kollabierte, wie wenig später die systemrelevante Industrieruine Leuna unter der bundesdeutschen Abrissbirne.

Taubert, damals 25, hat die Realität des dahinröchelnden Halbdeutschlands akribisch dokumentiert. In einer Härte, die nachgeborene Generationen verstören sollte: Das war das Land, das von sich selbst behauptete, zu den zehn mächtigsten Industrienationen zu gehören? Das war das Land, das die Parole ausgab: „Alles für das Wohl des Menschen“?

Taubert hat dokumentiert, was jeder, der es sehen wollte, hinter den Fassaden der Protokollstrecken und hinter den Plakaten auf den Straßen der Besten sehen konnte.

Weitere Fotos hier:
https://www.welt.de/geschichte/article1 ... unden.html

Abgesehen von Diktatur und Unfreiheit, in einem derartigen Lebensraum konnten die Menschen sich nicht wohlfühlen bzw. sich frei entfalten. Da kann es nicht verwundern, wenn sie diesem Staat entflohen und später dieses Regime davonjagten.
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Re: Die Wahrheit gesucht - und im Grauen gefunden

Beitragvon Nostalgiker » 16. Februar 2017, 13:00

Ein guter Fotograf kann mit Schwarz/Weiß Bildern, bei entsprechender Bearbeitung schon beängstigende Stimmungen erzeugen. Heikel wird es nur wenn solche Augenblicksaufnahmen als "Beweis" herhalten müssen das es überall so gewesen sei wird es bedenklich .....

Bilder an einem trüben Wintertag aufgenommen und in Schwarz/Weiß publiziert rufen in der Regel ein Gefühl von Trostlosigkeit hervor. "Grauen" ist arg übertrieben.

Schön ist für den Fotografen das er die heutige, bunte Warenwelt mit seinen Bildern als das Darstellt was sie ist, ein schöne bunte aber seelenlose, kalte Warenwelt ..........
Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.

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Re: Die Wahrheit gesucht - und im Grauen gefunden

Beitragvon Kumpel » 16. Februar 2017, 13:22

Dieser morbide "Charme" und die fort geschrittene Verwahrlosung in der DDR war in der Tat ein schier unendliches Betätigungsfeld mit einem nahezu endlosen Reservoir an Motiven für die schwarz/weis Fotografie.
Möglicherweise konnte man dies bei einem Blick aus den Ministeratskantinen kaum erkennen.
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Re: Die Wahrheit gesucht - und im Grauen gefunden

Beitragvon Nostalgiker » 16. Februar 2017, 13:34

Kumpel hat geschrieben:Dieser morbide "Charme" und die fort geschrittene Verwahrlosung in der DDR war in der Tat ein schier unendliches Betätigungsfeld mit einem nahezu endlosen Reservoir an Motiven für die schwarz/weis Fotografie.
Möglicherweise konnte man dies bei einem Blick aus den Ministeratskantinen kaum erkennen.


Ich bin erfreut kumpel das du die "Gelegenheit" genutzt hast um einen deiner qualitativ hochwertigen, sachlichen und objektiven Beiträge zu schreiben .....
Deine Insiderinformationen beeindrucken mich immer wieder .....
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Re: Die Wahrheit gesucht - und im Grauen gefunden

Beitragvon Kumpel » 16. Februar 2017, 16:18

Aber Nosti,

dafür musste man doch kein Insider sein. Eine Fahrt mit der Reichsbahn längs durchs Reich DDR bescherte jedem ein eindrücklichen Überblick zum Zustand
und Unmengen von Motiven dieses heruntergekommenen Landes unter SED Herrschaft.
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Re: Die Wahrheit gesucht - und im Grauen gefunden

Beitragvon Nov65 » 16. Februar 2017, 17:13

Solche Bilder und 1000-fache Erinnerungen an das Ende der DDR-Industrie sind verständlicher Weise nichts für Leute, die das "Sieghafte" des Sozialismus beständig hochhalten wollen. Deshalb bemühen sie sich um Vorwürfe von Fakes und technischen Fragen der Fotografie. Wem aber nützt ein solch krampfhaftes und durchsichtiges Verlangen, eine heile Welt im Geiste zu bewahren? Niemandem! Die Realität war leider eine andere. Diese Leute sollten aber vielleicht in solchen Situationen schweigen lernen. Allein schon, um sich nicht lächerlich zu machen.
Andreas
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Re: Die Wahrheit gesucht - und im Grauen gefunden

Beitragvon Nostalgiker » 16. Februar 2017, 17:44

Nov65 hat geschrieben:Solche Bilder und 1000-fache Erinnerungen an das Ende der DDR-Industrie sind verständlicher Weise nichts für Leute, die das "Sieghafte" des Sozialismus beständig hochhalten wollen. Deshalb bemühen sie sich um Vorwürfe von Fakes und technischen Fragen der Fotografie. Wem aber nützt ein solch krampfhaftes und durchsichtiges Verlangen, eine heile Welt im Geiste zu bewahren? Niemandem! Die Realität war leider eine andere. Diese Leute sollten aber vielleicht in solchen Situationen schweigen lernen. Allein schon, um sich nicht lächerlich zu machen.
Andreas


Und die angeblichen Widerständler in der Opposition ebenso und sollten einem ihre altklugen "Kommentare" ersparen.
Zuletzt geändert von Nostalgiker am 16. Februar 2017, 17:49, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Wahrheit gesucht - und im Grauen gefunden

Beitragvon Nostalgiker » 16. Februar 2017, 17:48

Kumpel hat geschrieben:Aber Nosti,

dafür musste man doch kein Insider sein. Eine Fahrt mit der Reichsbahn längs durchs Reich DDR bescherte jedem ein eindrücklichen Überblick zum Zustand
und Unmengen von Motiven dieses heruntergekommenen Landes unter SED Herrschaft.


So sind die Unterschiede.
Während du mit der Reichsbahn durch die DDR gezuckelt bist blickte ich aus Ministerratkantinenfenster auf blühende Landschaften in den Farben des Sozialismus der DDR und da ich nicht nur in der Kantine gesessen habe reiste ich bequem im Ministerrats-Dienstwagen durch's Land ......

Konntes du, kumpel, überhaupt etwas durch die total verdreckten Fenster eines maroden Waggon der DR erkennen?
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Re: Die Wahrheit gesucht - und im Grauen gefunden

Beitragvon HPA » 16. Februar 2017, 18:00

Nostalgiker hat geschrieben:
Konntes du, kumpel, überhaupt etwas durch die total verdreckten Fenster eines maroden Waggon der DR erkennen?


Das brauchte man doch gar nicht! Im Chemiedreieck genügte dafür die Nase . [flash]
Bild

Wenn du lange genug am Fluss sitzt, siehst du irgendwann die Leiche deines Feindes vorbeischwimmen. (Sun Tzu)
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Re: Die Wahrheit gesucht - und im Grauen gefunden

Beitragvon Nostalgiker » 16. Februar 2017, 18:05

HPA, nun ist kumpel nach eigener Aussage längst mit der DR durch die DDR gefahren und nicht im Kreis im Chemiedreieck .....
wirklich interessant; in einem Dreieck im Kreis fahren ....., innerhalb oder außen herum ? Fragen über Fragen ......
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Re: Die Wahrheit gesucht - und im Grauen gefunden

Beitragvon Sirius » 16. Februar 2017, 18:17

HPA hat geschrieben:
Nostalgiker hat geschrieben:
Konntes du, kumpel, überhaupt etwas durch die total verdreckten Fenster eines maroden Waggon der DR erkennen?


Das brauchte man doch gar nicht! Im Chemiedreieck genügte dafür die Nase . [flash]


Die Transitzüge auf der Strecke von Bebra nach Berlin fuhren auch durch dieses Chemiedreieck bei Wolfen/Bitterfeld, an dieser Stelle im Schneckentempo von gefühlten 30 Km/h(?). Gerüche habe ich nicht mehr in Erinnerung, dafür aber den visuellen Eindruck von heruntergekommenen Industrieanlagen. Da Du die Gerüche erwähnt hast, muss ich fairerweise erwähnen, dass man in den siebziger Jahren auf der A6, die nördlich an den Chemieanlagen der BASF bei Ludwigshafen vorbeiführt, auch einen infernalischen Gestank in den Wagen bekam und die Lüftung abgeschaltet bzw. die Fenster geschlossen werden mussten. Ich fragte mal den Gerd aus dem anderen Forum, der bei Bayer in Leverkusen arbeitete, ob es in der Nähe dieser Anlagen noch heute so "duftet". Meiner Erinnerung nach war seine Antwort, dass sich das heute wohl etwas gebessert hätte.
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