Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon augenzeuge » 12. Dezember 2016, 08:37

Kumpel hat geschrieben:11 000 Ostmark! Das soll erschwinglich gewesen sein?


Wunderbar. Das Leben dort war voller Widersprüche. Aber Leute , die 11.000 Mark für einen Videorecorder als erschwinglich betrachteten, das ist etwas zu dick.... [flash] Ja, da behaupte ich mal locker, dass dies nicht der Durchschnitt war. Da hätten wohl die meisten lieber ein gebrauchtes Auto genommen. Ich wette, dass selbst ein betuchter Edelknabe, das so gesehen hat. Stimmts? [ich auch]

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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Kumpel » 12. Dezember 2016, 09:01

Ich habe als Bergarbeiter Untertage im Dreischichtbetrieb auch nicht so schlecht verdient. Hatte ich mir immer so eingebildet und war in meinem Freundeskreis der Großverdiener.
Allerdings haben mich wahrscheinlich Leute wie z.B. Edelknabe mit Klauen und Schwarzarbeit noch ausgelacht.
Wer 11 000 Ostmark für einen Videorekorder für erschwinglich hielt gehörte offensichtlich zu Leuten in der DDR deren Einkommen sich zu bedeutenden Teilen aus nicht offiziellen Einnahmen generierte.
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon karnak » 12. Dezember 2016, 09:03

Kumpel hat geschrieben: Naja es gab ja durchaus auch Leute mit Geld in der DDR , aber die Masse hatte eher zu tun , dass sie über die Runden kam
und froh war wenn man sich eventuell ab und an mal ein kleines Extra im Fressex leisten konnte.

Womit Du maßlos übertreibst.
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Kumpel » 12. Dezember 2016, 09:09

Du als Hauptmann bei der Stasi hast natürlich derlei Probleme nie gehabt.
Alle Alleinerziehenden Frauen in der DDR mit mehreren Kindern waren finanziell nicht auf Rosen gebettet und ein Einkauf im Fressex eher unwahrscheinlich.
Kenne ich aus persönlichem Erleben.
Man brauchte sich doch nur mal die Kleidung der Leute auf der Strasse anschauen um zu sehen wie es materiell so aussah.
Und Leute mit niedrigem Bildungsstand und dementsprechenden einfachen Tätigkeiten mit schlechter Bezahlung gab es in der DDR auch zur genüge.
Erst Ende der 80er zogen die Löhne in der DDR flächendeckend an.
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Hamiota » 12. Dezember 2016, 09:15

Kumpel hat geschrieben:Alle Alleinerziehenden Frauen in der DDR mit mehreren Kindern waren finanziell nicht auf Rosen gebettet und ein Einkauf im Fressex eher unwahrscheinlich.
Kenne ich aus persönlichem Erleben.


Nur gut daß heute die alleinerziehenden Frauen in diesem Land, egal mit wieviel Kindern, finanziell "auf Rosen gebettet sind"!
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Kumpel » 12. Dezember 2016, 09:22

Ist doch Quark was du erzählst , das behauptet doch keiner.
Alledings sollte man nicht so tun , als ob es in der DDR niemanden gab , bei dem
das Geld am Monatsende eben auch alle war und wo sich Mütter fragten woher man beispielsweise das Geld und die nötigen Schuhe für den nächsten Winter für das Kind her bekam.
Damals konnte man eben nicht aufs Amt latschen und Hilfe beantragen.
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Nostalgiker » 12. Dezember 2016, 09:30

Doch das konnte man.
Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.

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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Kumpel » 12. Dezember 2016, 09:58

Dann erzähl doch mal. Das wäre doch eine prima Gelegenheit die DDR in ein strahlendes Licht zu setzen.
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon karnak » 12. Dezember 2016, 09:59

Kumpel hat geschrieben:Alle Alleinerziehenden Frauen in der DDR mit mehreren Kindern waren finanziell nicht auf Rosen gebettet und ein Einkauf im Fressex eher unwahrscheinlich.


Und Leute mit niedrigem Bildungsstand und dementsprechenden einfachen Tätigkeiten mit schlechter Bezahlung gab es in der DDR auch zur genüge.

Na gut Nu, die sind nie nirgendwo auf Rosen gebettet, auch heute nicht. Aber selbst die Leute mit niedrigem Bildungsstand hatten diverse Möglichkeiten zusätzlich zu Kohle zu kommen, dafür sorgte schon die Planwirtschaft und Servicewüste, man musste sich nur etwas bewegen wollen. UND, es gab sogar noch einen kleinen Vorteil, es gab keinen gierigen Schäuble der einem das zusätzliche Geld aus der Tasche zog und verhinderte, dass man ein lohnendes Interesse an zusätzlicher Arbeit hatte.
Und die Stasi hatte auch kein Interesse daran, die hatte wichtigers zu tun. [flash]
In jedem Fall sticht mir heute mehr Reichtum aber auch mehr Armut auf der Strasse ins Auge als damals. Und das ist keine Bewertung nur eine Feststellung. Wird wohl was mit der Möglichkeit vom Tellerwäschers zum Millionär zu kommen zu tun haben die damals nicht zugestanden wurde.
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Beethoven » 12. Dezember 2016, 10:06

Son Ding für 11.000 Mark? Hätte ich mir nicht leisten können.

Schon der Farbfernseher für 6.250 Mark war ein Schlag, den meine Frau und ich uns erstmal zusammen sparen mußten. Auch der Trabi brauchte seine Zeit, nur die hatte man ja [grins]

Ich habe seinerzeit, um den Trabi bezahlen zu können, ein Blatt Papier genommen und in 130 Felder aufgeteilt. Dann haben meine Frau und ich, jeden 100-er, den wir einsparen konnten, gespart und ein Kreuz in eines der Felder gemacht, bis wir die 13.000 M zusammen hatten. Das hat fast drei Jahre gedauert. Dann lag das Geld noch über Jahre auf nem Sparbuch.

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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon zoll » 12. Dezember 2016, 11:40

Mal etwas grundsätzliches zu Kurioses und Wissenswertes über den Saarländer.

1. Was da so alles über diesen Herrn H. berichtet wird gehört in die Kategorie "Gelbe Presse"
2. Staatslenker, oder solche die sich gerne so bezeichnen, haben schon zu allen Zeiten ihre Eigenheiten nur dadurch entwickeln können, weil sie willfährige Speichellecker ( Auftrag an Mittag "Porno besorgen", Weitergabe an Schalk-G.: "Porno für Chef besorgen"- Der nächste Lackei fährt geschwind nach West-Berlin zu Beate U. und sagt: "Chef sagt muss Porno für Oberchef besorgen") zu ihren Diensten hatten.
3. Ich verweise mit Nachdruck auf diesen fetten und heroinabhängigen Feldmarschall der deutschen Luftwaffe (der Name ist mir gottseidank schon entfallen - im höheren Alter fängt wohl die Demenz an) der sich so einige Besonderheiten zu Eigen gemacht hat. Mit der Jagdleidenschaft ist er mit Hern H. in guter Gesellschaft. In Punkto Immobilien hat er Herrn H. noch weit übertroffen. Aber das kommt sicher daher, dass er Nationalsozialist war und Herr H. bloß Sozialist. Den Unterschied muss man ja sehen - von außen - an der Größe und Menge der Häuser.
Und last not least: Wer Tiere nicht liebt, liebt auch keine Menschen! Diese Erkenntnis ist ja nicht neu. Oder gibt es da noch Widerspruch?
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Volker Zottmann » 12. Dezember 2016, 11:54

EMW-Mitarbeiter hat geschrieben:Und als Super-8 Film kursierte da auch so einiges.


Das kann ich bestätigen. Schon zu DDR-Zeiten gab es in Harzgerode einen "privaten Filmklub oder -Kreis". Da aber Wenige heute immer noch leben, verkneife ich mir, davon genauer zu berichten. Diese Filmchen in Super 8 waren, wieso auch immer, damals Stadtgespräch.

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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon EMW-Mitarbeiter » 12. Dezember 2016, 11:58

Kumpel hat geschrieben:11 000 Ostmark! Das soll erschwinglich gewesen sein? Naja es gab ja durchaus auch Leute mit Geld in der DDR , aber die Masse hatte eher zu tun , dass sie über die Runden kam
und froh war wenn man sich eventuell ab und an mal ein kleines Extra im Fressex leisten konnte.

Habe ich behauptet, sie seien erschwinglich? Allerdings: die Dinger gingen weg, wie geschnitten Brot.
Hinzu kommt: die schwache Binnenwährung. Ordentliche Geräte indes sind auch heute tuer und für die meisten unerschwinglich.
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon EMW-Mitarbeiter » 12. Dezember 2016, 11:59

zoll hat geschrieben:Mal etwas grundsätzliches zu Kurioses und Wissenswertes über den Saarländer.

1. Was da so alles über diesen Herrn H. berichtet wird gehört in die Kategorie "Gelbe Presse"
2. Staatslenker, oder solche die sich gerne so bezeichnen, haben schon zu allen Zeiten ihre Eigenheiten nur dadurch entwickeln können, weil sie willfährige Speichellecker ( Auftrag an Mittag "Porno besorgen", Weitergabe an Schalk-G.: "Porno für Chef besorgen"- Der nächste Lackei fährt geschwind nach West-Berlin zu Beate U. und sagt: "Chef sagt muss Porno für Oberchef besorgen") zu ihren Diensten hatten.
3. Ich verweise mit Nachdruck auf diesen fetten und heroinabhängigen Feldmarschall der deutschen Luftwaffe (der Name ist mir gottseidank schon entfallen - im höheren Alter fängt wohl die Demenz an) der sich so einige Besonderheiten zu Eigen gemacht hat. Mit der Jagdleidenschaft ist er mit Hern H. in guter Gesellschaft. In Punkto Immobilien hat er Herrn H. noch weit übertroffen. Aber das kommt sicher daher, dass er Nationalsozialist war und Herr H. bloß Sozialist. Den Unterschied muss man ja sehen - von außen - an der Größe und Menge der Häuser.
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Quatsch das hat man nur im Osten gemacht..... :-)
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Interessierter » 3. Februar 2017, 17:09

Bei den Honeckers hatte Margot die Hosen an

Bild
Die Honeckers mit Enkel Roberto im chilenischen Exil.
Quelle: ZDF/Thomas Grimm

Bescheidenheit ist relativ. Gemessen etwa am Pomp des Kremls und der Datschen der sowjetischen Spitzenfunktionäre oder dem größenwahnsinnigen „Haus des Volkes“ von Rumäniens Diktator Nicolae Ceausescu, waren die Politbürokraten der SED wirklich bescheiden. Erich Honecker etwa lebte mit seiner Frau in einem Haus mit gerade einmal sieben Zimmern in Wandlitz bei Berlin. 180 Quadratmeter Wohnfläche für einen Staatschef – nicht allzu viel.

Verglichen allerdings mit den Plattenbauwohnungen, die Honecker errichten ließ, war das Wandlitzer Haus kaum bescheiden – und vor allem nicht die rund 600 Angestellten, die in der abgeschotteten Sondersiedlung rund um die Uhr die Spitzenfunktionäre der SED umsorgten. Die Ausstattung der Häuser: Standard gemessen am in Westdeutschland möglichen Niveau, für DDR-Verhältnisse jedoch absoluter Luxus.

„Honecker hat immer darauf verwiesen, dass er einen sehr bescheidenen Lebensstil pflege“, sagt der Historiker und Honecker-Biograf Martin Sabrow in der ZDF-Dokumentation „Die Honeckers privat“. Doch das war nur höchst vordergründig richtig, in Wirklichkeit aber eine (Selbst-)täuschung, denn dieser Stil brachte erheblichen „Byzantinismus“ mit sich, eine kriecherische Unterwürfigkeit.

Zu Recht fügt der Direktor des Potsdamer Zentrums für Zeithistorische Forschungen deshalb hinzu: „Die Bescheidenheit der Lebensführung setzte sehr viele Menschen voraus, die sie künstlich herstellten.“ Bis zu 600 Angestellte kümmerten sich in Wandlitz um das Privatleben der SED-Spitzenfunktionäre, am stärksten natürlich um das Wohl der Honeckers. Das ist schon in einigen TV-Dokumentationen und Büchern beleuchtet worden, etwa von Honeckers langjährigem Privatdiener Lothar Herzog oder seinem persönlichen Leibwächter Bernd Brückner.

Beide kommen auch in der Dokumentation „Die Honeckers. Die private Geschichte“ vor, die Thomas Grimm und Mario Sporn gedreht haben. Aber in dieser einigermaßen bekannten Schlüssellochperspektive erschöpft der Film, den das ZDF am Sonntagabend ausstrahlt, nicht. Zum Glück. Vielmehr ist es gelungen, Roberto Yañez vor die Kamera zu holen, den 1974 geborenen Enkel von Erich und Margot Honecker, der sich ausführlich und auch durchaus kritisch äußert.

Bild
Honecker mit Ersatzsohn " Robbi "

„Mein Opa ist die eine Sache, und der Generalsekretär ist eine andere Sache!“, sagt Roberto etwa, den seine Großeltern nur „Robbi“ nannten und in dem sie so etwas wie ihren „Ersatzsohn“ sahen. Fast jedes Wochenende kam der Sohn von Sonja Yañez, geborene Honecker nach Wandlitz oder in das Jagdhäuschen Wildfang, das Honecker sich in der Schorfheide hatte errichten lassen.

Äußerlich ebenfalls bescheiden, war dieses private Quartier des DDR-Machthabers in Wirklichkeit überaus teuer: Auf dem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück wurden neben dem Wohnhaus Wirtschaftsräume, eine Halle für geschossenes Wild, ein Bootshaus und natürlich Quartiere für Wachmannschaften und Dienstboten errichtet. Gesamtkosten: 4,2 Millionen DDR-Mark.

Fortsetzung hier:
https://www.welt.de/geschichte/article1 ... en-an.html

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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Beethoven » 5. Februar 2017, 11:04

11.000,00 Mark war für viele Bürger der DDR ein Jahresverdienst.
Selbst wenn ich gekonnt hätte, konnte ich aber nicht, hätte ich mir so ein Teil nicht zugelegt.
Nach der Wende hatte ich dann recht schnell so ein Teil. Ein "Funai". Mir bis dahin völlig unbekannte Firma. Aber er hat recht lange gehalten.
Der war immer noch sehr teuer.

Gruß
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Sirius » 5. Februar 2017, 11:43

Beethoven hat geschrieben:Son Ding für 11.000 Mark? Hätte ich mir nicht leisten können.

Schon der Farbfernseher für 6.250 Mark war ein Schlag, den meine Frau und ich uns erstmal zusammen sparen mußten. Auch der Trabi brauchte seine Zeit, nur die hatte man ja [grins]

Ich habe seinerzeit, um den Trabi bezahlen zu können, ein Blatt Papier genommen und in 130 Felder aufgeteilt. Dann haben meine Frau und ich, jeden 100-er, den wir einsparen konnten, gespart und ein Kreuz in eines der Felder gemacht, bis wir die 13.000 M zusammen hatten. Das hat fast drei Jahre gedauert. Dann lag das Geld noch über Jahre auf nem Sparbuch.

Gruß

Aus heutiger Sicht wäre es wohl besser gewesen, für das Geld ein Grundstück zu kaufen, statt es auf dem Sparbuch zu bunkern. Durftet Ihr NVA-Offiziere überhaupt eine Immobilie kaufen? Der ehemalige MfS-Offizier "Neun", der hier früher schrieb, erwähnte, das das z.B. für MfS-Mitarbeiter problematisch war oder sogar verboten. Wie viel kostete eigentlich damals in den achtziger Jahren in der DDR ein Grundstück bzw. ein kleines Haus?
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Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Volker Zottmann » 5. Februar 2017, 11:53

In der DDR durftest Du in der Regel maximal 1 Wohnhaus besitzen. Erbte man eins dazu, war es was Anderes. Der Staat und die Stadt hatte ja immer Vorkaufsrecht und ehe Du eine Immobilie erwerben konntest, haben da schon "Ranghöhere" nach Ausschau gehalten.

Ein Hausbau kostete ohne Grundstück um die 120.-TM. Normales Bauland gab es für 50 Pfennige bis 60 Mark für den Quadratmeter.
Alte Häuser gab es von geschenkt bis unendlich teuer, wie heute auch.
Neubauten bedurften fast immer des Selbstbauens. Ich habe als Baubetreuer viele Häuschenbauer über die mindestens 2 Jahre währende Bauzeit begleitet. 80% Zeit benötigte die Materialbesorgung.
Da gab es offiziell und unversteuert zwischen 600 und 850 Mark pauschal, aber meist in Raten gezahlt.
NVA-Offiziere konnten auch Häuser kaufen. Mein Bataillonpolitnik Major Mikut ließ an seinem sogar Soldaten dran arbeiten....

Gruß Volker
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon karnak » 5. Februar 2017, 12:42

Sirius hat geschrieben: Der ehemalige MfS-Offizier "Neun", der hier früher schrieb, erwähnte, das das z.B. für MfS-Mitarbeiter problematisch war oder sogar verboten.

Es war nicht verboten, Du musstet eine Genehmigung dafür einholen. Man begründete das damit, dass Deine bedingunslose Versetzungsbereitschaft zu der Du Dich verpflichtet hattest nicht mehr gewährleistet ist. Hast Du aber gedrängelt, warst Du in einem entsprechendem Alter und erreichter Position , dass die große Karriere für Dich nicht mehr vorgesehen war hat man dem Ansinnen zugestimmt.
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Dr. 213 » 5. Februar 2017, 16:15

@Karnak: Die Vergünstigungen und der Grad der gefühlten Zurfriedenheit als Mitarbeiter de MfS dürften so hoch gewesen sein,
daß die überaus große Mehrheit sich solche Gängelungen gefallen ließ.
So wie auch der recht widerspruchlose Verzicht auf private West- Kontakte und die Ausforschung der eigenen Lebenspartner dazu.

11.000 Mark als Jahresverdienst heißt noch lange nicht, daß man sich davon mal locker eben ein so teures Gerät kaufen konnte.
Zu meiner Zeit gab es in dieser Preis- Größenordnung tragbare japanische TV/Radio Kombinationen. Der Preis war abschreckend hoch.

Dem Honecker gönne ich auf jeden Fall seinen Luxus. Auch er hatte ein Recht auf Ausgleich für eine vermutlich doch aufreibende Tätigkeit.
Man kann und muß daran aber anprangern, daß dieser Konsum u.a. mit Menschenverkauf, Zwangsarbeit, Verschleudern von Fleischprodukten,
Zwangsumtauch und dem Raub von Antiquitäten befeuert wurde. Und der billigst abgespeiste "Werktätige" bei dem Zoo nur zugucken durfte.

Herzlichst
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Beethoven » 6. Februar 2017, 08:18

Sehe ich ähnlich wie Herr Dr.

Der Chef eines Staates oder die Minister hatten schon einen herausgehobenen Job der sicher auch viel Zeit und machen die Gesundheit kostete.
Das solche Menschen in Häusern leben und auch Angestellte haben, ist wohl normal. Wobei wir ja hier schon mal eine Ausnahme kennen gelernt haben.
Ob das nun 600 Angestellte waren weiß ich nicht und kann es auch nicht einschätzen. Und eine Hauskraft ist doch auch normal, wenn man sich das leisten kann.
Bei mir kommt auch einmal pro Woche eine Frau, die sich was dazu verdient und Reinigungsarbeiten durchführt.

Einen persönlichen Butler hatte E.H. sicher nicht. Leibeigentum gab es in der DDR nun wirklich nicht.
Und einen persönlichen Personenschützer hatte er auch nicht. Ich vermute, dass E.H. zwei bis drei Personenschutzkommandos hatte. Die gehörten aber nicht ihm sondern waren Angehörige des Personenschutzes des MfS. Das man in jedem Kommando ein oder zwei Männer hatte, mit denen man sich besonders gut verstand, mit denen man dem entsprechend auch mehr als mit anderen Personenschützern zusammen war, die bei manchem fast als Teil der Familie angesehen wurden, kann ich mir gut vorstellen. So was kenne ich aus eigenem Erleben.

Man kann sich natürlich dumm stellen und darüber erstaunt sein. Aber es ist in den Sphären völlig normales Gebahren.

Trennung

Ja, man hätte sich zu DDR-Zeiten schon ein Grundstück kaufen sollen. Was VZ schreibt ist auch mir bekannt. Ein Grundstück, ob bebaut oder unbebaut war in der DDR möglich.

In der NVA gab es viele Berufssoldaten die Grundbesitz hatten. Gerade ältere Soldaten, die nicht mehr mit Versetzungen rechnen mußten, schafften sich Grundbesitz an. Mich hat das damals (leider) gar nicht berührt und interessiert.
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon karnak » 6. Februar 2017, 10:33

Dr. 213 hat geschrieben:@Karnak: Die Vergünstigungen und der Grad der gefühlten Zurfriedenheit als Mitarbeiter de MfS dürften so hoch gewesen sein,
daß die überaus große Mehrheit sich solche Gängelungen gefallen ließ.

Was heißt Gängelung, man hat dich gefragt ob Du als Hauptamtlicher arbeiten willst und dir die Umstände aufgezeigt, dass konntest du als erträglich ansehen und ja sagen oder nicht und nein sagen.
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Interessierter » 6. Februar 2017, 12:45

Was die „liebe Margot“ einem DDR-Apologeten mailte

Als Margot Honecker im Mai starb, hieß es, es sei einsam um sie gewesen. Jetzt veröffentlicht ein Anhänger die Mail-Korrespondenz mit ihr: Darin attackiert sie die Linke, Medien, Konterrevolutionäre.

Noch im hohen Alter bewies Margot Honecker, ehemalige Ministerin für Volksbildung und First Lady der DDR, ihre Lernfähigkeit. Als ihr Anhänger aus Halle zum Geburtstag als „Kollektivgeschenk“ einen Computer schickten, machte sie sich umgehend daran, ihn zu benutzen und sich die weite Welt des Internets zu erschließen. Von ihrem Exil in Santiago de Chile versandte die Witwe des früheren DDR-Staats- und SED-Parteichefs Erich Honecker Mails in alle Welt. Vor allem nach Deutschland.

Einer, mit dem sie über Jahre hinweg per Mail korrespondierte, war Frank Schumann. In der DDR zuletzt als Chefreporter der FDJ-Zeitung „Junge Welt“ und nach eigener Aussage „als Kurier der DDR-Aufklärung“ (als IM „Karl“ für die Staatssicherheit) unterwegs, hat sich nach der Wende als Verleger etabliert. 2012 brachte er ein mehrtägiges Interview mit Margot Honecker, das er in ihrem Haus in La Reina geführt hatte, als Buch heraus. In diesem Zusammenhang erhielt er auch die Tagebuchaufzeichnungen ihres Mannes, die er während seiner Haft in der Justizvollzugsanstalt Moabit 1992/93 verfasst hatte. Auch das wurde in einschlägigen Kreisen zu einem verlegerischen Erfolg.

https://www.welt.de/geschichte/article1 ... ailte.html

Tja die " Junge Welt ", in deren Räumen sich ja bestimmte User gerne anhören, was ehemalige DDR - Größen heute so absondern.... [denken]
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Interessierter » 13. Februar 2017, 13:59

Honeckers verlangten Dosenbier und West-Zigaretten

Bild
Quelle BstU

Neben politischen Memoiren werfen auch Berichte von Butlern oder Bodyguards ein Licht auf das bizarre Leben der DDR-Führung. Zu ihnen gehört Lothar Herzog, der Honecker zwölf Jahre lang bediente.

Nein, bedankt habe er sich nur einmal. Persönliche Worte wurden nicht gewechselt, auch nicht auf den mehr als 30 Reisen, die sie gemeinsam unternommen hatten. Erich Honecker zeigte keine Gefühle, erinnert sich Lothar Herzog. Obwohl der Mann den Staats- und Parteivorsitzenden der DDR über zwölf Jahre hinweg bediente und dafür zuständig war, dass die First Lady Margot immer mit HB-Zigaretten aus dem Westen versorgt wurde.

"Alles wurde beschafft, mochte es auch noch so schwierig sein", resümiert Honeckers Butler in seinem Erinnerungsband „Honecker privat – Ein Personenschützer berichtet“ (Neues Berlin), der 2012 erschien. Zusammen mit den Berichten von Honeckers Dolmetscher Wolfgang Ghantus und dem Bodyguard Bernd Brückner gehört das Buch zu den bekannteren Schlüsselloch-Dokumenten, die in den vergangenen Jahren das Privatleben der obersten DDR-Nomenklatura beleuchteten.

Der heute 72-jährige Herzog war Stasi-Hauptmann und Oberkellner und vertreibt sich heute die Zeit damit, das Anzeigenblatt „Berliner Woche“ auszutragen. „Zu Hause rumsitzen kann ich nicht.“ Und für den Rentnerjob mit derzeit 6,38 Euro pro Stunde gebe es jetzt sogar Urlaubsgeld. „Ich will weitermachen“, obwohl er über seine Rente nicht klagen könne. Auch Sohn und Tochter hätten gute Jobs.

Der einstige Stasi-Mann sagt im 25. Jahr der deutschen Einheit: „Ich bin ein normaler Bundesbürger geworden.“ Als 18-Jähriger aus dem heutigen Chemnitz nach Ost-Berlin zum Ministerium für Staatssicherheit gekommen, stieg der gelernte Kellner zu einem der persönlichen Honecker-Betreuer und Stasi-Personenschützer auf. „Ich war eine Art sozialistisches Mainzelmännchen“, schreibt Herzog in „Honecker privat“.

Verfolgung DDR-Oppositioneller? Stasi-Haft? Zwangsadoptionen? Zerbrochene Leben Andersdenkender? „Ich konnte mir das nicht vorstellen“, sagt Herzog. „Wir waren in einer abgeschotteten Welt.“ Er habe wohl den Sinn fürs reale Leben verloren und sich nicht so viele Gedanken gemacht. „Es wurde immer nur von Feinden gesprochen.“ Das hatte er mit seinen Arbeitgebern gemein.

„Es wurde uns so eingebläut: Ihr habt Euch keine Gedanken zu machen“, sagt Herzog. Von Stasi-Chef Erich Mielke habe er den Befehl erhalten, dem SED-Politbüro jeden Wunsch von den Augen abzulesen – rund um die Uhr. Da die Führung der DDR in ihren hermetisch abgeriegelten Jagd- und Ferienhäusern in Wandlitz residierte, entstand eine regelrechte Wagenburg-Mentalität, deren Bewohner die DDR-Realität höchstens durch die getönten Scheiben ihrer westlichen, meist schwedischen Limousinen wahrnahmen. Mehr als 20 Jahre versah Herzog insgesamt seinen Dienst in Wandlitz, mehr als die Hälfte davon bei Honeckers.

Nach Speisekarten bestellten die Funktionärsfamilien ihr Essen zum Wochenende. Gekocht und geliefert wurde für jedes Haus extra. Als es Beschwerden über den lauten Dienst-Wartburg gab, sei eben ein VW-Transporter angeschafft worden. In den Siebzigerjahren seien es immer mehr Lieferfahrzeuge geworden, erinnert sich Herzog. „Ein Auto wartete nur, um Honecker-Wünsche zu erfüllen.“

Doch anders als seine Politbürokollegen sei Honecker kein Genussmensch gewesen. Auch mied er im Gegensatz zu ihnen Hochprozentiges, griff stattdessen gern zu (natürlich westdeutschem) Dosenbier. Bei Tisch wurde geschlürft, gerülpst und mit vollem Mund gesprochen, schreibt Lothar Herzog. Aber die endlosen Gelage, die Stalin einst seinen Magnaten aufzwang, waren Honeckers Sache nicht. Seine Hausmannskost – gern Buletten und Kasseler – habe er, so Herzog, in enormem Tempo heruntergeschlungen.

Dafür ging der erste Mann der DDR gern auf die Jagd. In seinem Buch „An Honeckers Seite“ (Neues Berlin; 2014) schildert der ehemalige Stasi-Oberstleutnant Bernd Brückner die bizarren Folgen dieses Hobbys. So habe Honecker einmal in einem gesperrten Revier seinen Geländewagen gegen einen Baum gesetzt und sei anschließend stundenlang durch den Wald geirrt. „Der Alte“ habe weder Führerschein noch technisches Gespür gehabt, so Brückner. Ein anderes Mal habe sich Honecker eine Pistole geliehen und verloren.

Auch im Umgang mit auswärtigen Gästen haperte es. Dann wurde umgehend Wolfgang Ghantus herbeizitiert. Der Dolmetscher durfte dem SED-Chef nicht von der Seite weichen, konnte er doch, wie er in seinem Buch „Ein Diener vieler Herren“ (Militzke; 2011) schreibt, „kaum eine Fremdsprache“.

Selbst für die Entsorgung des Mülls war in Wandlitz eine spezielle Arbeitsgruppe der Stasi zuständig. Wären die Reste kommunal entsorgt worden, hätte publik werden können, dass sich die Funktionäre Westwaren kommen ließen, während das Volk an „Bückware“ heranzukommen versuchte.

28 Personenschützer gehörten allein zum Sicherungskommando Honecker, schreibt Brückner. „Wir waren zu Gehorsam verpflichtet“ – dafür gab es monatlich 2300 Ost-Mark netto, das Dreifache des Durchschnittsverdienstes. Auch Herzog konnte nicht klagen: „Ich wurde ja relativ gut behandelt, hatte Aufstiegsmöglichkeiten, die Bezahlung war gut.“ Zum Schluss habe er monatlich 2000 Ost-Mark bekommen. „Aber drei Prozent wurden als Parteibeitrag abgezogen.“ Zur Hochzeit schenkte ihm Stasi-Chef Mielke ein Kaffeeservice.

Noch 1990 traten Herzog und seine Frau aus der SED/PDS aus. „Heute denke ich, es konnte nicht gut gehen.“ Der einstige Stasi-Mann sieht Vorzüge des geeinten Deutschlands – dass man jederzeit dorthin fahren könne, wohin man wolle. Oder dass sich Bürger mit ihren Anliegen an „Institutionen“ wenden könnten. Ob er gelegentlich alte Genossen treffe? „Am ehesten noch auf dem Friedhof.“

https://www.welt.de/geschichte/article1 ... etten.html

Das ergänzend zu den Schilderungen von Herzog oder Brückner in einem anderen, gesperrten Thread. Das man immer wieder die Produkte des Klassenfeindes orderte, lässt mich immer wieder neu schmunzeln. Nur gut, dass es damals die Bürger der DDR nicht erfuhren.... [grins]
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Beethoven » 13. Februar 2017, 17:26

Ha, 60 Mark Parteibeitrag habe ich auch gezahlt. [grins]
Das war der höchste Satz den man zahlen konnte / mußte. Aber dass hat nicht mit 3 % zu tun. Ab einem gewissen Einkommen, ich weiß nicht mehr wie viel, mußte man eben 60 Mark berappen. Das muss um 1300 / 1400 Mark gewesen sein.
Ein schönes Sümmchen ist dabei zusammen gekommen in den Jahren.

Personenschutzkommando 28 Mann. Na, dass ist in den Höhen (Gefährudungsgrad) völlig normal. Drei Kommandos, je 9 Mann und ein Chef. Beim BKA dürften sich wohl mehr um den Kanzler/in kümmern.

Vorauskommando 3 Mann und zwei Kommando-Pkw am Mann / der Frau. Im 1. Kommandofahrzeug mit EH, 2 Mann (Fahrer und PS 1) und im 2. Kommando-Pkw, 4 Mann. Das ist völlig normal. Dies eben mal drei und "El Chefé".

Gruß
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon karnak » 13. Februar 2017, 17:35

Wie man vor sich selbst begründet hat lieber irgendwelche Billigwestbrühe aus der Büchse zu trinken als sich an dem guten Wernesgrüner oder Radeberger zu laben, dazu hätte ich die Nasen vom Politbüro schon gerne mal befragt. Dümmer ging es bald nimmer mehr. [mad]
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon steffen52 » 13. Februar 2017, 17:38

karnak hat geschrieben:Wie man vor sich selbst begründet hat lieber irgendwelche Billigwestbrühe aus der Büchse zu trinken als sich an dem guten Wernesgrüner oder Radeberger zu laben, dazu hätte ich die Nasen vom Politbüro schon gerne mal befragt. Dümmer ging es bald nimmer mehr. [mad]

Es musste halt aus den Westen sein!! [laugh]
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon augenzeuge » 13. Februar 2017, 17:40

Alles nur billige Propaganda. Honecker hat nie Dosenbier getrunken. Margot wars! [laugh]
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon pentium » 13. Februar 2017, 17:41

karnak hat geschrieben:Wie man vor sich selbst begründet hat lieber irgendwelche Billigwestbrühe aus der Büchse zu trinken als sich an dem guten Wernesgrüner oder Radeberger zu laben, dazu hätte ich die Nasen vom Politbüro schon gerne mal befragt. Dümmer ging es bald nimmer mehr. [mad]


Wernesgrüner und Radeberger waren eben so knapp, damals in der DDR, dass es nicht einmal für das Politbüro gereicht hat. Was man verstehen kann den die große Radeberger Brauerei wurde ja erst viele viel später wieder aufgebaut in Dresden am Theaterplatz....

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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon karnak » 13. Februar 2017, 17:54

pentium hat geschrieben:
Wernesgrüner und Radeberger waren eben so knapp, damals in der DDR, dass es nicht einmal für das Politbüro gereicht hat. Was man verstehen kann den die große Radeberger Brauerei wurde ja erst viele viel später wieder aufgebaut in Dresden am Theaterplatz....

pentium

[flash] Das wäre natürlich eine Möglichkeit und Erklärung. Man weiß ja nun nicht wie viele Kästen die Mitglieder des Politbüros die Woche getrunken haben und ob das Trinkverhalten im Verhältnis zu den Produktionskapazitäten stand. [flash]
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