Wenn Wolfgang Mittmann in seinem Artikel im Handbuch der bewaffneten Organe der DDR konstatiert, die Transportpolizei der DDR habe vor allem “die Rolle einer militärischen Reservetruppe für den Ernstfall” gehabt, und erst an zweiter Stelle polizeiliche Aufgaben wahrnehmen müssen, so kann diese Aussage durch die Untersuchung des Grenzbezirks Magdeburg widerlegt werden.
Sicherlich machten das Kontrollieren von Fahrscheinen, das Absichern von Unfallstellen und unbenutztem Bahnareal oder die Festnahme von randalierenden Fans nach Auswärtsspielen des 1. FC Magdeburg als normale polizeiliche Arbeit einen Großteil der alltäglichen Aufgaben der Transportpolizei aus. Doch dies kann nur als ein Aspekt gesehen werden. Gerade im Grenzbezirk
Magdeburg hatten die Transportpolizisten direkten und entscheidenden Kontakt mit Menschen, die aus der DDR in den Westen flüchten oder als Westdeutsche in die DDR reisen wollten.
Der Umgang der Transportpolizisten mit potentiellen “Grenzverletzern” in bezug auf die Sicherung des Hinterlandes, die Verhinderung von “Republikfluchten” und die vermeintlich allgegenwärtigen Gefahr der “politisch-ideologische Diversion” gehörten ebenso zum Arbeitsalltag. Die Transportpolizisten trugen daher die Hinterlandsicherung und die Zugkontrollen sowie durch ihre Zusammenarbeit mit dem MfS zur Überwachung der DDR-Bevölkerung bei, was sie zu einem bisher zu Unrecht nicht beachteten Teil des Repressionsapparates der DDR machte.
Anhand der Darstellung von bahnreisenden DDR-Bürgern in den monatlichen Berichten und Lageeinschätzungen der Transportpolizei Magdeburg wird deutlich, daß tatsächlich jeder von ihnen für einen potentiellen “Grenzverletzer” gehalten wurde. Die Transportpolizei rechnete zu jeder Zeit mit der Möglichkeit, daß eine vermeintlich harmlose Bahnreise sich schon wenig später als heimtückischer Fluchtversuch entpuppen könnte.
Urlaub und Ausreisewünsche hatten durch die Abgeschlossenheit der DDR nach außen “eine gemeinsame Richtung”, wie Heike Wolter in ihrer Monographie zum Tourismus in der DDR konstatiert. Dies gilt, wie die Akten der Transportpolizei Magdeburg zeigen, bereits seit den 1960er Jahren mit der Verschärfung der Lage an der Grenze. Hinzu kamen die Kontakte der Transportpolizisten mit den Reisenden aus der Bundesrepublik. Die Transitzüge durch das Gebiet der DDR wurden von der Transportpolizeiführung als eine ständige, potentielle Gefahrenquelle der “politisch-ideologischen Diversion” eingeschätzt, wie die monatlichen Berichte des Leiters des TPA Magdeburg insbesondere für die 1980er Jahre eindrucksvoll belegen.
Kontaktversuche, Geschenkangebote, versteckte und liegengelassene Gegenstände wie Geld oder Zeitungen sowie Schmierereien an den Wänden und Fenstern der Zugabteile erschwerten den Transportpolizisten die alltägliche Arbeit und machten es aus Sicht ihrer Vorgesetzten erforderlich, die Mitarbeiter genau zu schulen, das aktuelle “Feindbild” immer wieder deutlich zu machen und den “Hass gegenüber dem Feind” weiter auszuprägen.
AZ









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