Zeitzeugen berichten 2

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Re: Zeitzeugen berichten 2

Beitragvon Nostalgiker » 12. Januar 2021, 12:30

Werner Thal hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:Mir war als Kind nur "vergönnt" als Thälmannpionier einmal nach Bittergeld mitreisen zu dürfen.
Das war Heimatkunde pur!

Gruß Volker


Im Sommer 1977 war ich mal von Saalfeld nach Berlin(Ost) mit dem D-Zug gefahren. In Bitterfeld wurden schnell die Fenster geschlossen.
Weshalb? - die Angst vor Gestank grassierte. [angst]

W. T.


Da man in der DDR vor allem und jedem "Angst" hatte war es auch Systemrelevant das man natürlich auch vor Gerüchen "Angst" hatte.
Wenn ich und die Mitreisenden in D-Zug von Berlin nach Leipzig oder Gera fuhren (und auch zurück) wurden vor Bitterfeld die Fenster geschlossen. Nicht wegen der Angst sondern ganz profan wegen des Gestanks und den wollte man sich nicht wirklich zumuten. Obwohl er durch Ritzen in den Zug zog.
Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
Aber damit sind diese Hoffnungen nicht erledigt. Stefan Hermlin

Neben den Menschen gibt es noch Sachsen und Amerikaner .... Kurt Tucholsky
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Re: Zeitzeugen berichten 2

Beitragvon manudave » 12. Januar 2021, 14:34

Lese ich da negative Äußerungen über die Luft im Arbeiter- und Bauernstaat? [raus]
Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein!
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Re: Zeitzeugen berichten 2

Beitragvon augenzeuge » 12. Januar 2021, 14:40

manudave hat geschrieben:Lese ich da negative Äußerungen über die Luft im Arbeiter- und Bauernstaat? [raus]


Man hatte weniger vor den Gerüchen Angst, eher davor, dass jemand nachfragt, sich darüber beschwert und man so eine indirekte Relevanz zu den Arbeitsbedingungen im Sozialismus erkennen könnte. Der größte Dreck wurde zugelassen, wenn man nur nichts sagte. [denken]
https://www.google.com/search?q=silbers ... gpEIAkG58M
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Re: Zeitzeugen berichten 2

Beitragvon Nostalgiker » 12. Januar 2021, 16:40

augenzeuge hat geschrieben:
manudave hat geschrieben:Lese ich da negative Äußerungen über die Luft im Arbeiter- und Bauernstaat? [raus]


Man hatte weniger vor den Gerüchen Angst, eher davor, dass jemand nachfragt, sich darüber beschwert und man so eine indirekte Relevanz zu den Arbeitsbedingungen im Sozialismus erkennen könnte. Der größte Dreck wurde zugelassen, wenn man nur nichts sagte. [denken]
https://www.google.com/search?q=silbers ... gpEIAkG58M
AZ


Deine Interpretationen grenzen mal wieder an etwas sehr Zwanghaftes .....
Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
Aber damit sind diese Hoffnungen nicht erledigt. Stefan Hermlin

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Re: Zeitzeugen berichten 2

Beitragvon augenzeuge » 12. Januar 2021, 17:40

Nostalgiker hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:
manudave hat geschrieben:Lese ich da negative Äußerungen über die Luft im Arbeiter- und Bauernstaat? [raus]


Man hatte weniger vor den Gerüchen Angst, eher davor, dass jemand nachfragt, sich darüber beschwert und man so eine indirekte Relevanz zu den Arbeitsbedingungen im Sozialismus erkennen könnte. Der größte Dreck wurde zugelassen, wenn man nur nichts sagte. [denken]
https://www.google.com/search?q=silbers ... gpEIAkG58M
AZ


Deine Interpretationen grenzen mal wieder an etwas sehr Zwanghaftes .....


Dir grenzen an gar nix. Die schildern die Fakten der damaligen Zeit, die ich erlebt habe. Möchtest du mehr darüber wissen?
AZ
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Re: Zeitzeugen berichten 2

Beitragvon Werner Thal » 13. Januar 2021, 13:40

manudave hat geschrieben:Lese ich da negative Äußerungen über die Luft im Arbeiter- und Bauernstaat? [raus]



https://web.archive.org/web/20100927224 ... -64/06404/

Und hier mal ein Auszug aus Wikipedia:
Die Umweltprobleme, die die Bitterfelder Industrie aufgrund einer stark überalterten Ausstattung ohne Umweltmaßnahmen
verursachte, sind legendär. Plakativ, aber nicht ganz ohne Anlass wurde Bitterfeld daher als "schmutzigste Stadt Europas" bezeichnet.
(Monika Maron: "Flugasche")

Ende des Zitats.

W. T.
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Re: Zeitzeugen berichten 2

Beitragvon augenzeuge » 13. Januar 2021, 14:39

Ja, Werner, ich kenne das dort. Noch 1984 bin durch Bitterfeld mit dem Motorrad gefahren, es gab dort oft Ersatzteile, die es in Halle nicht gab.
Ohne Licht ging das selten.

Aber ich weiß auch, dass im Gürtel von Bitterfeld von vielen Menschen Camping gemacht wurde. Bis so 1972. Da gab es noch Seen, in denen man baden konnte.
Die viel sauberer als die Saale in Halle waren. In der konnte man so 1955 auch noch baden.

Wer 1980 diese Umstände publik machen wollte, war Feind der Stasi und wurde verfolgt. Wohin das geführt hätte, wenn die DDR Bestand gehabt hätte, muss man nicht erklären.
Das "giftige" Gebiet wäre immer größer geworden.

Hier zwei Links: Die Goitzsche früher und heute......

Früher:
https://www.google.com/search?q=goitzsc ... xeE34OD1HM

Heute:
https://www.google.com/search?q=goitzsc ... 41&bih=832
AZ
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Re: Zeitzeugen berichten 2

Beitragvon Volker Zottmann » 13. Januar 2021, 16:28

Bitterfeld heute, vom Bitterfelder Bogen aus zu sehen, ist eine wahre Pracht. Es erschein unvorstellbar, was Menschen und Geld dort bewirkten.

Gruß Volker
http://baupionier.zottmann.org/
http://Mein-DDR-Leben.de/

Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
(Volker Zottmann)
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