Zeitzeugen berichten 2

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Re: Zeitzeugen berichten 2

Beitragvon Volker Zottmann » 11. Juli 2019, 13:16

Schöner authentischer Beitrag, wo man sich doch wiederfindet.
Der Kackschmus-Text zum Schluss ist bezeichnender in der Schilderung als aller übriger Alltagstext.
Ohne diese gesülzten Zeilen gab es doch kaum einen Lebenslauf, mit dem man sich für etwas bewarb.
Die das lesen mussten, schüttelten sich selbst des öfteren, besonders wenn sie die Schreiber kannten...
Ja, so war die Zeit und das waren deren damaligen "Erfordernisse".

Gruß Volker
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Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
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Re: Zeitzeugen berichten 2

Beitragvon Interessierter » 23. Juli 2019, 09:27

Wie ihre Tochter um die Erinnerung an die DDR-Künstlerin kämpft

Vor 30 Jahren starb die Malerin und DDR-Regimekritikerin Annemirl Bauer. Ihre Tochter kämpft seitdem dafür, dass sie nicht in Vergessenheit gerät.

Amrei Bauer fühlte sich betrogen. „Ich dachte, die wollen mich verarschen“, sagt sie. Neun Jahre liegt der Anruf beim Amt, der so vieles in Bewegung setzte, zurück. Amrei Bauer klingt trotzdem noch wütend, wenn sie davon erzählt. Wütend, wie auch ihre Mutter klingen konnte.

„Ich dachte: So nicht, nicht mit mir!“ Mit dem Telefonat begann ein Kampf, an dessen Ende ein Platz in Friedrichshain den Namen wechselte. Heute ist die Grünfläche am Ostkreuz nach Bauers Mutter benannt, der Frau, die ihrer Tochter beigebracht hatte, dass kleines Unrecht genauso so schwer wiegt wie großes.

Die Nachbarn erzogen Amrei Bauer mit, während ihre Mutter malte – tagein, tagaus, oft bis spät in die Nacht.

Sie malte nicht für Ruhm oder Geld, daraus machte sich die kleine Familie nie viel. Sie malte auch nicht aus Protest oder für die Sache der Frauen, obwohl viele Bilder mit politischer Botschaft daherkommen. „Es ging ihr um Gerechtigkeit“, sagt Amrei Bauer.


Eines ihrer bekanntesten Werke heißt „Der Himmel über Berlin ist unteilbar“ und zeigt die entzweite Stadt. Dass der DDR-Führung solche Bilder nicht gefielen, liegt nahe. Annemirl Bauer wurde Mitte der 80er Jahre aus dem Verband Bildender Künstler der DDR ausgeschlossen, was einem Berufsverbot gleichkam.

Bauer wollte die DDR trotz Spionage nicht verlassen

Die Staatssicherheit spionierte sie aus, verwüstete die Ladenwohnung am Helmholtzplatz und ließ es wie einen Einbruch aussehen, das erfuhr Amrei Bauer später aus der Stasi-Akte. Dennoch wollte ihre Mutter die DDR nicht verlassen, als man ihr die Ausreise nahelegte. „Es war ihre Heimat“, sagt die Tochter. „Sie hat an den Staat geglaubt und wollte ihn verändern.“

Der vollständige Beitrag hier:
https://www.tagesspiegel.de/berlin/anne ... 87820.html
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Re: Zeitzeugen berichten 2

Beitragvon Interessierter » 13. August 2019, 15:14

Lieber Kinderheim als Leipziger Osten!

Leipzig - Aus Angst vor Vergewaltigungen steckte ihre Mutter sie ins Kinderheim!
Uschi Brüning, die jazzigste Stimme der DDR. Schon vor der Wende im Westen gefeiert, Bühnenpartnerin von Manfred Krug, Sängerin des legendären Günther-Fischer-Quintetts.

Jetzt, kurz vor ihrem 72. Geburtstag (4. März), hat die Leipzigerin ihr Leben aufgeschrieben*. Und ihre Heimatstadt kommt dabei gar nicht gut weg...

„Meine Welt reichte über den Osten von Leipzig, gelegentliche Ausflüge zum Zoo und manche Straßenbahnfahrt nicht hinaus“, schreibt Brüning. Und das Leben rund um die Marthastraße 3 (heute Rabet) war im Nachkriegs-Leipzig gefährlich:

“Eines Tages, als ich wieder einmal allein durch unser Viertel streunte, näherte sich mir ein Sittlichkeitsverbrecher, der sich in der Gegend herumtrieb. Er lockte mich mit dem Versprechen, mir etwas Süßes zu geben, in einen Hausflur und zeigte sich“, schreibt sie.

Das damals fünfjährige Mädchen konnte entkommen, erzählte ihrer Mutter Clärchen alles. Und die war in höchster Sorge, konnte sie sich doch nicht wirklich um das: Denn seitdem Uschis Vater das Weite gesucht hatte, musste die Mutter in drei Schichten als Kaltmamsell in der Zoo-Gaststätte arbeiteten. Also schickte sie Uschi und ihre ältere Schwester Inge (10) fort, in ein katholisches Kinderheim nach Engelsdorf!

Immer wieder flüchteten die Mädchen aus dem Heim nach Hause; immer wieder wurden sie zurück gebracht und bestraft. Uschi Brüning habe Angst gehabt, dort niemals wieder raus zu kommen, zu verhungern oder „von einem Ungeheuer verschlungen“ zu werden.

„Nur wenn ich sang, ging es mir besser. Dann fühlte ich mich lebendig, konnte vergessen, wo ich war.“ Dass daraus mal eine grandiose Bühnenkarriere werden sollte, hätte sie nie gedacht: „Ich sang damals lediglich die Angst weg“, sagt Uschi Brüning.

https://www.bild.de/regional/leipzig/le ... .bild.html
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