Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon andr.k » 20. Februar 2017, 21:32

Volker Zottmann hat geschrieben:Doch stünden die Beiträge nocht, sähe man besser, wie Einige wirklich ticken.

Gruß Volker


Einige "ticken" halt auf "BILD" Niveau [grin] ....
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Interessierter » 6. März 2017, 12:12

So hätte Erich Honeckers Facebook ausgesehen

Kurz vor dem Mauerfall entwickelt die DDR ein sozialistisches Volksnetz. Es heißt „Solidaris“ – und ist der letzte verzweifelte Versuch, dem Klassenfeind Weltniveau zu demonstrieren. Eine Fantasie.

Juni 1988, Ostberlin. Das ZK unter Erich Honecker feiert gerade seinen größten Coup: die Einführung der Nationalen Identitäts-Karte. Zehn Jahre, nachdem in der westlichen Welt das Internet eine neue Art der direkten Kommunikation ermöglicht hat, lässt nun auch die DDR ihre Bürger ins Netz.

Natürlich nicht weltweit. Die Suchmaschine „Google“ ist hinter dem Eisernen Vorhang genauso wenig verfügbar wie Ebay oder Facebook. Die Nationale Identitäts-Karte löst den ehemaligen Personalausweis ab.

Mit ihr bekommen die Bürger nicht nur einen RFID-Chip geschenkt, der es dem Ministerium für Staatssicherheit ermöglicht, durch die in der ganzen Republik verteilten Sende- und Empfangsmasten jeden DDR-Bürger auf vier Meter genau zu orten – sie erhalten auch den Zugang ins DDR-eigene Volksnetz „Solidaris“. Jeder, der ins volkseigene Netz möchte und eine der begehrten Zugangsboxen „Empfänger300“ erhält, muss seine Nationale Identitäts-Karte in die Box einführen.

„Solidaris soll den Bürgern Freiheit vortäuschen“, trägt Herbert Weitz, Minister für Wissenschaft und Technik, seinen Zuhörern im ZK vor. „Dabei liefern wir ihnen das Gegenteil. Wir wissen zu jedem Zeitpunkt, wo sie sind, was sie machen, und wonach sie in unserem Netz Solidaris gerade suchen. Wir können jetzt alles über sie wissen.“
„Wir liefern ihnen die Überwachung frei Haus“


Honecker applaudiert kräftig. Der Krimsekt Zolotaya Balka Rosé fließt in Strömen. Es ist ein heiterer Abend bei Erichs Lieblingsessen, Buletten mit Bratkartoffeln. Schon ein Jahr später wird der SED-Generalsekretär den ersten 32-Bit-Mikroprozessor im Erfurter Kombinat Mikroelektronik vorstellen und bei Kassler mit Kartoffelsalat verkünden: „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.“

Mehr vom " Volksnetz " erfährt man hier:
https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/ ... sehen.html

[wink]
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Interessierter » 31. März 2017, 09:44

18. Oktober 1989
Honeckers letzte Minuten im Zentralkomitee der SED


Die Stimmung muss gespenstisch gewesen sein: In der SED-Führungsriege tobt ein erbitterter Machtkampf, draußen im Land brodelt es. Überraschend trifft sich das Zentralkomitee der SED am 18. Oktober 1989 zu einer Sondersitzung. DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker wird gezwungen, seinen Rücktritt zu verlesen. Der 77-Jährige bittet um Entbindung von sämtlichen Ämtern aus gesundheitlichen Gründen. Honecker schlägt Egon Krenz als seinen Nachfolger vor und geht vorzeitig. Er lässt sich in die Schorfheide zur Jagd fahren.

Auch die Politbüro-Mitglieder Günter Mittag, zuständig für Wirtschaft, und Joachim Herrmann, verantwortlich für Agitation und Medien, verlieren an diesem Tag ihre Ämter. Damit ist das alte Machtzentrum um Honecker zerschlagen. Egon Krenz - einstiger Kronprinz Honeckers - übernimmt das SED-Spitzenamt.

Noch am Abend des 18. Oktober verkündet Krenz im DDR-Fernsehen eine "Wende" und räumt ein: "Fest steht, wir haben die gesellschaftliche Entwicklung in unserem Lande nicht real genug eingeschätzt und nicht die richtigen Schlussfolgerungen gezogen." Das wird ihm auch in Zukunft nicht gelingen: Schon wenige Wochen nach dem Mauerfall, am 3. Dezember 1989, tritt das Politbüro des SED-Zentralkomitees mit Krenz an der Spitze geschlossen zurück.
SED-Führung stellt sich taub

Die "Wende", sie hatte aus Sicht von Krenz ein klares Ziel: "Ich bin angetreten, um die DDR als souveränen Staat zu erhalten", sagt der heute 77-Jährige. Dass es damals um das Ende des Arbeiter- und Bauernstaates gehen würde, daran hätten im Oktober 1989 weder Politiker der Bundesrepublik noch der DDR gedacht.

Doch kam das Ende tatsächlich so überraschend? Als Krenz an die Spitze von Staat und Partei aufsteigt - am 24. Oktober wird er auch Staatsratsvorsitzender -, haben schon Zehntausende DDR-Bürger das Land verlassen. Immer mehr Menschen gehen auf die Straße, um Freiheit und Demokratie zu fordern. Doch die Führung stellt sich taub.

Krenz: war "nicht vor Ort"


Es sei damals "eine Sprachlosigkeit" im SED-Politbüro entstanden, das während Honeckers Krankheit bis Anfang Oktober von Mittag geleitet wurde, räumt Krenz, der heute im Ostseebad Dierhagen lebt, im Rückblick ein. "Dieses Politbüro wollte die tatsächliche Lage nicht zur Kenntnis nehmen. Dagegen haben sich manche gewehrt, aber leider nicht erfolgreich."

Allerdings: Krenz gehörte selbst zum engsten Machtzirkel. Heute sagt er, er sei "in der ganz schwierigen Situation nicht vor Ort" gewesen. Honecker habe ihn in den Urlaub geschickt. Von dort habe er in einem Brief an Honecker einen Dialog mit der Bevölkerung angemahnt. Das Papier sei später unkommentiert zurückgekommen.

Weiter geht es hier:
http://www.t-online.de/nachrichten/deut ... r-sed.html
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Interessierter » 3. April 2017, 08:17

Erich Honecker litt jahrelang unter Ehefrau Margot

Alte BND-Papiere sollen zeigen: Die Ehe Honecker war schon früh zerrüttet. Sie bestand nur "aus Gründen der Partei- und Staatsräson". Es ist von Affären die Rede.

Der frühere DDR-Staats- und SED-Parteichef Erich Honecker soll nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" jahrelang unter der Ehe mit seiner Frau Margot gelitten haben.

So habe er 1981 eilig eine Einladung für die Volksbildungsministerin nach Belgrad organisiert, während er nach Tokio zum Staatsbesuch geflogen sei, schreibt das Magazin in seiner neuen Ausgabe unter Berufung auf Papiere des Bundesnachrichtendienstes (BND). Erich Honecker habe bei der Reise einfach seine Ruhe haben wollen.
"Aus Gründen der Partei- und Staatsräson"

Die Ehe der DDR-Spitzenfunktionäre soll schon Anfang der 80er Jahre zerrüttet gewesen und nur "aus Gründen der Partei- und Staatsräson" aufrechterhalten worden sein, hieß es. Demnach soll der Dachdecker ohne Abschluss ein Verhältnis mit seiner Internistin gehabt haben. Es habe auch Spekulationen gegeben, dass die Ministerin mit dem Blaustich im Haar ein Verhältnis mit DDR-Wirtschaftschef Günter Mittag gehabt haben soll.

Der westdeutsche Nachrichtendienst vermerkte laut Spiegel auch etliche Banalitäten. So ging 1981 eine Information über die DDR-weite Suche des höchsten Funktionärs nach einem Jagdhund ein. Erst nach mehreren Fehlversuchen sei ein dreieinhalb Jahre alter Kurzhaarrüde im damaligen Bezirk Erfurt gefunden worden. Honecker soll seinem Enkel versehentlich auch zwei linke Skischuhe geschenkt haben.

Der BND will auch herausbekommen haben, dass Honecker 1953 die fast 15 Jahre jüngere Margot auf Druck des SED-Politbüros – dem höchsten Machtzirkel – heiraten musste. Der Grund: damit "seine häufigen Affären mit jungen Mädchen ein Ende" haben. Die gemeinsame Tochter von Erich und Margot Honecker war schon 1952 geboren worden.

https://www.welt.de/politik/deutschland ... argot.html

Auch bei den Schuhen gab es nur " linke "....... [laugh]
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon karnak » 3. April 2017, 10:36

[grin] Ich denke nur die Stasi hat sich für solchen persönlichen und intimen Kram interessiert?
Was die Margot angeht, so wie ich die von ihrer rein äußeren Ausstrahlung einschätze, kann schon privat ein Drachen gewesen sein. [flash]
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Dr. 213 » 3. April 2017, 12:53

karnak hat geschrieben:[grin] Ich denke nur die Stasi hat sich für solchen persönlichen und intimen Kram interessiert?
Was die Margot angeht, so wie ich die von ihrer rein äußeren Ausstrahlung einschätze, kann schon privat ein Drachen gewesen sein. [flash]


Honecker stand auf den Typ Gefängnisaufseherin, und irgendwie im weitesten Sinne war Margot das ja auch.
[laugh]

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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Interessierter » 13. April 2017, 10:16

Ohne Dolmetscher ging Honecker nicht zum Frühstück

Der Vorstellungstermin bei Erich Honecker kam überraschend und verlief anders als erwartet. Honecker brauchte dringend einen Dolmetscher – und wollte Wolfgang Ghantus. "Er hat mich fröhlich und burschikos empfangen", erinnert der sich an die Begegnung im Jahr 1950. Honecker bot ihm dann ausgerechnet eine Zigarette aus dem Westen an.( Camel ) Ghantus bekam den ersten Auftrag und übersetzte fortan immer wieder für die DDR-Führungsriege und andere Politgrößen der Welt. Über seine Erlebnisse hat er 2011 ein Buch ("Ein Diener vieler Herren") geschrieben.

Als er den ersten Auftrag von Honecker erhielt, war Ghantus noch Student. Und Honecker hatte als Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend (FDJ) seine Karriere als DDR-Staatsratsvorsitzender noch vor sich. "Es gab damals nicht viele Simultandolmetscher", sagt Ghantus, vierfacher Familienvater aus Berlin. "Honecker konnte kaum eine Fremdspache." Bei Auslandsreisen wich Ghantus nicht von seiner Seite. "Er brauchte immer einen Dolmetscher. Ich saß sogar beim Frühstück dabei."

Honecker, sagt Ghantus, sei nicht einfach zu dolmetschen gewesen. "Er war kein großer Rhetoriker. Er hat immer abgelesen." Die monotone und steife Art Honeckers und die vielen Schachtelsätze machten Ghantus zu schaffen. "Er konnte nicht aus seiner Haut raus." Ein einziges Mal habe von Honecker ein Dankeschön gehört. Ansonsten habe er meist überhaupt nichts gesagt.

Ghantus hatte eine bisweilen schizophrene Aufgabe: Auf der einen Seite schottete sich die DDR immer mehr ab, errichtete Mauern und Stacheldrahtzäune. Auf der anderen Seite sollte Ghantus den Dialog möglich machen, indem er zwischen den DDR-Bossen und den Mächtigen der Welt übersetzte.

Wie kam er an den Job? Sein Vater habe im Widerstand gegen das Naziregime gekämpft. Honecker habe das gewusst. Seine Familie habe "einen bestimmten Bonus" gehabt. Und eine Parteimitgliedschaft? Ja, er sei selbst Mitglied der SED gewesen, sagt Ghantus. Mit seiner Karriere habe dies aber nichts zu tun gehabt. Mitunter sei er angeeckt, von der Partei sei er abgemahnt worden. "Ich gehörte zu denen, die bis zum Schluss an etwas besseres glaubten." Irgendwann sei die Parteimitgliedschaft im Sand verlaufen.

Seine Anekdoten und Geschichten hat Ghantus vermutlich schon hundert Mal erzählt, so textsicher ist er. Doch in seinem Buch bleiben diese und große Enthüllungen leider die Ausnahme. Sein Werk ist keine Biografie, sondern eher eine Lektüre, die Geschmack auf den Beruf eines Dolmetschers machen soll.

Den vollständigen Beitrag findet man hier:
https://www.welt.de/kultur/history/arti ... tueck.html

Honecker konnte nicht einmal russisch, obwohl er ja einige Zeit in der SU gelebt hat. Wenn ich mich richtig erinnere, war H. Kohl in Sachen Fremdsprachen eine ähnlich " Taube Nuss ".
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Interessierter » 23. April 2017, 11:05

Honeckers Geschenk an seinen mächtigsten Mann

Das Sommerhaus des DDR-Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski

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Es ist die Sehnsucht, sich am Wochenende vom lauten Berlin in ein Idyll verabschieden zu dürfen, die uns auf diese Fährte führt. Die internetgetriebene Suche nach dem Sommerhaus spuckt im Berliner Umland in der Regel viele Ruinen aus, von der Datsche mit Asbestdach bis zur windschiefen Scheune ("Ihr neues Landloft") – mit oder ohne Zugang zu einem trüben Tümpel. Doch wo viel Mist ist, wachsen auch verwunschene Blüten, und so bleiben unsere erholungsbedürftigen Augen wie hypnotisiert an eben dieser Offerte hängen.

"Einmaliges Anwesen mit Wasserzugang und Bootssteg! Alleinlage am Gollinsee. Das Objekt gehörte dem Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski ." Und dann setzt die Maklerprosa gleich noch einen Superlativ drauf: "Er galt insgeheim als der mächtigste Mann der untergegangenen DDR. Und die Fäden dieser Macht spannte er unter anderem in eben diesem Haus."

"Monsieur KoKo" und die Planwirtschaft

Grundstück: 14.500 Quadratmeter, das Haupthaus, circa 200 Quadratmeter (inklusive Sauna und Weinkeller) groß, ist im Originalzustand erhalten. Kaufpreis 999.999 Euro. Das wäre es doch: am Wochenende am eigenen Bootssteg ein bisschen "Monsieur KoKo" und Planwirtschaft mit den Kindern spielen!

Mehr Details hier:
https://www.welt.de/kultur/history/arti ... -Mann.html
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon HPA » 23. April 2017, 11:13

Ein ähnliches Objekt eines einstigen Politbüromitglieds kann man am Parsteinsee besichtigen.
Bild

Wenn du lange genug am Fluss sitzt, siehst du irgendwann die Leiche deines Feindes vorbeischwimmen. (Sun Tzu)
Aristoteles, »Über die Politik«: »... ferner gehört es« (zum Wesen der Tyrannis), »dahin zu streben, daß ja nichts verborgen bleibe, was irgendein Untertan spricht oder tut, sondern überall Späher ihn belauschen, ...

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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Interessierter » 5. Juni 2017, 10:42

Als Honecker im Oktober 1989 zurücktreten musste

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Pünktlich um zehn Uhr sitzen die Mitglieder und Kandidaten des SED-Politbüros fast vollzählig im Sitzungssaal. Der Platz von DDR-Verteidigungsminister Heinz Keßler ist leer, er reist mit einer Militärdelegation durch Mittelamerika. Auch Erich Honecker fehlt noch.

Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise kommt der SED-Chef nicht zu spät. Gegen 10.10 Uhr betritt Honecker an diesem Dienstag, dem 17. Oktober 1989, schließlich den Saal. Er scheint gut gelaunt. „Entschuldigt Genossen“, sagt er, „Hans Modrow hat gerade angerufen. Er will auf mich zukommen. Wir wollen miteinander reden.“ Egon Krenz zuckt zusammen. Modrow, SED-Bezirkschef von Dresden, ist einer der wenigen außerhalb des Politbüros, der eingeweiht ist, was in den nächsten Augenblicken passieren soll. Hat Modrow etwas verraten? Spielt er sein eigenes Spiel?

Doch Honecker beginnt wie immer die wöchentliche Runde im Machtzentrum der DDR und fragt, ob es noch Vorschläge zur Tagesordnung gibt. Willi Stoph meldet sich zu Wort. Betont sachlich stellt der Ministerpräsident den Antrag, Honecker von seiner Funktion zu entbinden: „Erich, es geht nicht mehr. Du musst gehen.“ Schweigen. Das von Krankheit gezeichnete Gesicht des Generalsekretärs wirkt auf einmal noch schmaler. Doch er fängt sich und sagt: „Gut, beginnen wir mit der Aussprache.“

Egon Krenz schaut den SED-Chef an. Was mag jetzt in seinem Kopf vorgehen? Mit fast den gleichen Worten hatte Honecker 18 Jahre zuvor Walter Ulbricht zum Rücktritt gezwungen. Krenz selbst geht noch einmal im Schnelldurchlauf die vergangenen Tage durch.

Der Bericht mit weiteren 19 Fotos geht hier weiter:
https://www.welt.de/politik/20-jahre-ma ... usste.html

Ein interessanter Bericht aus dem Jahre 2009 über das Ende der DDR.
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon andr.k » 5. Juni 2017, 20:47

Interessierter hat geschrieben:vom 31. März 2017, 10:44

18. Oktober 1989
Honeckers letzte Minuten im Zentralkomitee der SED

Die Stimmung muss gespenstisch gewesen sein: In der SED-Führungsriege tobt ein erbitterter Machtkampf, draußen im Land brodelt es. Überraschend trifft sich das Zentralkomitee der SED am 18. Oktober 1989 zu einer Sondersitzung. DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker wird gezwungen, seinen Rücktritt zu verlesen. Der 77-Jährige bittet um Entbindung von sämtlichen Ämtern aus gesundheitlichen Gründen. Honecker schlägt Egon Krenz als seinen Nachfolger vor und geht vorzeitig.


Interessierter hat geschrieben:vom 5. Juni 2017, 11:42

Pünktlich um zehn Uhr sitzen die Mitglieder und Kandidaten des SED-Politbüros fast vollzählig im Sitzungssaal. Der Platz von DDR-Verteidigungsminister Heinz Keßler ist leer, er reist mit einer Militärdelegation durch Mittelamerika. Auch Erich Honecker fehlt noch.

Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise kommt der SED-Chef nicht zu spät. Gegen 10.10 Uhr betritt Honecker an diesem Dienstag, dem 17. Oktober 1989, schließlich den Saal. Er scheint gut gelaunt. „Entschuldigt Genossen“, sagt er, „Hans Modrow hat gerade angerufen.


Bisschen Datumssalat? [flash]

Zitat aus Bernd Brückner seinem Buch "An Honeckers Seite"

Dass der 18. Oktober Honeckers letzter Arbeitstag sein würde, erfuhr ich bereits am Tag zuvor. Und zwar von seiner Masseuse. Achtung, sagte Erika Steinhorst, morgen wird der Chef abgesetzt. Das wusste sie von ihm selbst, auf der Massagebank äußerte er mitunter, was ihn bewegte. Vermutlich waren die Physiotherapeutinnen die Einzigen, die sein Inneres kannten, obgleich sie ihn doch nur äußerlich bearbeiteten. Aus dieser Bemerkung war zu schließen: Von den vermeintlich konspirativen Gesprächen, die Krenz, Mielke und Schabowski zu seiner Ablösung führten, muss er etwas gewusst haben. Er erwartete, dass auf der Politbürositzung die Messer gewetzt würden und er zum Rückzug genötigt werden sollte. Er schien keine Kraft mehr zu haben oder aufbringen zu wollen, gegen die Fronde seiner »Freunde« zu kämpfen. Vielleicht aber hatte er auch nur die Zeichen der Zeit richtig verstanden.
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon karnak » 5. Juni 2017, 20:52

Hat eigentlich jemand mal dieses 3 Stunden Interview vom Egon Krenz durch den Augstein gesehen. Habe ich mir jetzt mal runtergeladen, fand es doch interessant, gerade auch zu dem Thema. Wenn es am Ende vielleicht auch etwas albern wird.
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon icke46 » 6. Juni 2017, 05:47

Vielleicht hättest Du auch noch den Link angeben sollen [wink] ?

Ich vermute, es handelt sich um diesen hier:



Gruss

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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon augenzeuge » 28. Juli 2017, 21:25

"........meine liebe kleine Genossin...."

Jetzt ist ein Buch erschienen, das Honeckers Zeit in U-Haft beleuchtet und eine neue Seite des DDR-Politfunktionärs zeigt. Es entstand aus dem intensiven Briefwechsel Honeckers mit der westdeutschen Lehrerin Eva Ruppert, die ihm "geistige Nahrung" ins Untersuchungsgefängnis Moabit schickte. So las der spröde Honecker hinter Gittern etwa den Bestseller "Fegefeuer der Eitelkeiten" von Tom Wolfe und hörte die Musik des Barockkomponisten Antonio Vivaldi. Ruppert bezeichnete er als "liebe Genossin" aus dem Westen. Seine Briefe begann er stets mit "Liebe Eva" - und so lautet auch der Titel des nun erschienenen Buches.

Ruppert, sagt Verleger Frank Schumann, habe den einstigen Staatsmann erstmals zu dessen 80. Geburtstag im Gefängnis Moabit besucht, es habe sich eine intensive Korrespondenz entwickelt. Die Lehrerin habe sogar ein Solidaritätskomitee für Honecker mit gegründet. Erst vor kurzem habe die heute 84-Jährige dem Verlag Edition Ost dann ihre Briefe übergeben.

Ihre erste Begegnung beschreibt Ruppert in dem Buch als Dialog mit wechselseitiger Sympathie: Honecker sei wesentlich kleiner gewesen als er im Fernsehen wirkte, habe aber selbst im Jogginganzug Haltung bewahrt. "Er hat mich stets beeindruckt." Die DDR sei die größte Errungenschaft der deutschen Arbeiterbewegung gewesen, sie habe nur positive Eindrücke gehabt, schreibt Ruppert. "Für mich war Honecker die DDR." Der Ton in den Briefen wurde über die Monate immer vertrauter. "Lass Dich umarmen, Erich", unterzeichnete Honecker den Brief vom 5. September 1992 oder schrieb "meine liebe kleine Genossin".

Verleger Schumann meint, wären sie Teenager gewesen, hätten sie sich wohl verknallt. Aber beide hätten ein langes Berufsleben hinter sich und Familie gehabt. Nach Ansicht des Verlages sind die Briefe Dokumente mit zeitgeschichtlicher Bedeutung, denn sie zeigten das Innenleben Honeckers während der 169 Tage dauernden Haft; nirgendwo anders habe er seine Gefühle so offenbart wie in diesen Briefen.

http://www.n-tv.de/politik/Honecker-sch ... 55691.html

AZ
Freiheit ist ein Gut, das durch Gebrauch wächst und durch Nichtgebrauch dahinschwindet. Keiner darf für sich den Besitz der Wahrheit beanspruchen, sonst wäre er unfähig zu Kompromiß und überhaupt zu Zusammenleben.
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Interessierter » 31. Juli 2017, 08:23

"Tun Sie, was Sie nicht lassen können" - Die Honecker-Verhaftung vor 25 Jahren

Vom Thron in den Knast: Die letzten Jahre seines Lebens war Erich Honecker ein Gejagter, Obdachloser, Exilant und Häftling. Der ehemals mächtigste Mann der DDR fiel mit seinem Staat. Am 29. Juli 1992 wurde er verhaftet.


http://www.dw.com/de/tun-sie-was-sie-ni ... a-39869625
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Interessierter » 15. August 2017, 09:10

Für Honecker waren die Russen schuld am DDR-Untergang

Der frühere SED-Chef redet sich noch in seinen letzten Aufzeichnungen von 1992 die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der DDR schön.


Gorbatschow war schuld am Untergang des Sozialismus. Wie ein roter Faden zieht sich die Wut auf den russischen KP-Chef und Perestroika-Mann durch die letzten Aufzeichnungen Erich Honeckers von 1992.

Michail Gorbatschow habe nicht gemerkt, wie er zum Schuft wurde. Er habe Sowjetunion und Warschauer Pakt an den Imperialismus ausliefert, schreibt Honecker. "Jetzt fängt womöglich alles wieder von vorn an, vielleicht hat der dritte Weltkrieg schon begonnen."


Entstanden sind die jetzt veröffentlichten Aufzeichnungen des 80-jährigen Honeckers zwischen Juli 1992 und Januar 1993 in der Haftanstalt Moabit. Der Ex-SED-Chef wartet dort nach der Auslieferung durch die Russen auf einen Prozess unter anderem wegen der Grenztoten.

Adressat der Texte ist Ehefrau Margot, die bereits in Chile weilt. Honecker nennt sie "meine Kleine" und bezeichnet Vorwürfe gegen die "Hexe Margot" wegen der Zwangsadoptionen als "Hetze" und "Sippenhaft".

Im Vorwort hofft die heute 84-jährig Witwe, dass damit "einige Wahrheiten ins Licht rücken inmitten der Lügen, Fälschungen und Verleumdungen, die nun schon seit über zwei Jahrzehnten verbreitet werden".

Wie schon in den abstrusen Nachwendegesprächen mit Reinhold Andert ("Der Sturz Honecker im Kreuzverhöhr") offenbart der greise SED-Chef allerdings keinerlei Selbstkritik.

Seitenlang redet sich Honecker die Verhältnisse in der DDR schön. Was schief lief, kreidet er den Russen an. "Ich sehe die Perestroika als Unglück für die Menscheit. Die Welt ist aus den Angeln gerissen." Oder: "Mit der Wismut hat die DDR 30 bis 50 Milliarden Verlust gemacht." Die SED sei die einzige Partei gewesen, die die Deutschen aus den Trümmern in eine menschliche Zukunft führen konnte.

Der an Leberkrebs leidende Honecker wird regelmäßig untersucht. Immer wieder finden sich Hinweise auf seinen zu hohen Blutdruck und Schwächeperioden. "Die blöde Krankheit beschäftigt mich doch mehr, als ich mir anmerken lassen will. Es ist ein Warten auf den Tod."

Trotzdem will er im anstehenden Prozess kämpfen. "Diese Schlacht muss noch geschlagen werden." Das sei er den DDR-Bürgern schuldig. Dass die ihn unzufrieden aus dem Amt jagten, bleibt dabei unerwähnt.

Die Aufzeichnungen enden nach der Haftentlassung im Januar 1993. Im Mai 1994 starb Honecker in Chile.

http://www.thueringer-allgemeine.de/web ... -313974341

Wie man in diversen Foren nachlesen kann, wird diese Schönrederei auch heute noch von ehemaligen Angehörigen der DDR - Organe gerne, verleumderisch, aber erfolglos betrieben.... [denken]
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Interessierter » 17. September 2017, 10:18

Das Naivchen aus dem Taunus - EVA RUPPERTS BRIEFE AN ERICH HONECKER

Im ehemaligen Ostberlin steht die DDR-Nostalgie-Industrie in voller Blüte! Ein rundes Dutzend einstiger DDR-Verlage verbreiten in Memoiren prominenter DDR-Rentner und angeblichen Aufklärungsschriften ein derart geschöntes Bild des SED-Staates, dass man heute noch bedauert, dort nicht gelebt zu haben! Wenige Wochen, nachdem am 6. Mai 2016 im fernen Santiago de Chile die frühere DDR-Volksbildungsministerin Margot Honecker (1927-2016) gestorben war, erschien in der „edition ost“ ein umfangreicher Band „Post aus Chile“ (336 Seiten) mit dem Untertitel „Die Korrespondenz mit Margot Honecker“, deren Empfänger und zugleich Verleger des Buches Frank Schumann war; als Pfarrerssohn 1951 in Torgau geboren, auch bekannt als „Inoffizieller Mitarbeiter Karl“ der „Staatssicherheit“.

Nun gibt es, unter dem Titel „Liebe Eva“, eine zweite Sammlung solcher Briefe, die der Verlag als „Zeugnisse von zeitgeschichtlicher Bedeutung“ anpreist. Die Empfängerin der Briefe von Erich und Margot Honecker, Dr. Eva Ruppert, ist 1933 im Saarland geboren und war bis 1999 Lehrerin für Latein und Griechisch an zwei Gymnasien im hessischen Bad Homburg vor der Höhe. Sie ist freilich eine Revolutionstouristin besonderer Art. Als Erich Honecker am 13. März 1991 von Berlin nach Moskau geflohen war und dort in einem Krankenhaus wegen seines Lebertumors behandelt wurde, fuhr sie mit einem Taxi von Klinik zu Klinik, um ihn, den sie überhaupt nicht kannte, ausfindig zu machen. Als sie im Sommer 1992 von einer Kubareise zurückflog und in einer Zeitung las, er wäre am 29. Juli an Deutschland ausgeliefert worden, war sie „entsetzt“ über die Verhaftung dieses Politikers, von dem man in Moskau „mit respektvoller bis zu bewundernder Anerkennung“ spräche. Also beschloss sie, ihn am 25. August 1992, seinem 80. Geburtstag, in Berlin-Moabit zu besuchen, wo er „schon bei den Nazis gesessen“ hätte.

Nach diesem Besuch, an dem auch drei westdeutsche Kommunisten beteiligt gewesen waren, fasste sie Mut, dem gescheiterten Erich Honecker, der seinen Staat 1989 in den Abgrund gefahren hatte, Briefe ins Gefängnis zu schicken. Wie man beim Lesen dieser Briefe erfährt, schrieb sie ihm ungleich häufiger als er ihr. Man hat den Eindruck, dass sie förmlich nach Anerkennung durch einen im „Klassenkampf“ erfahrenen Genossen lechzte. Als er sie einmal „querida companiera“ (liebe Genossin) nannte, war sie außer sich vor Freude.

Man fragt sich, was diese biedere Lehrerin aus dem Taunus mit ihren Briefen an einen abgehalfterten Politiker erreichen wollte, der in Berlin wegen Totschlags vor Gericht stand, weil er Hunderte von DDR-Flüchtlingen an der innerdeutschen Grenze hatte erschießen lassen. Von den schlimmen Zuständen im SED-Staat, in dem sie nie hatte leben müssen, hat diese glühende Verehrerin eines kommunistischen Diktators bis heute keine Ahnung.

Wenn sie, wie sie bekennt, als Touristin durch die DDR-Provinz gefahren ist, hat sie nur „freundliche, aufgeschlossene, hilfsbereite Menschen“ getroffen; so hätte sie nur „positive Eindrücke von diesem Land“ gewonnen. Nein, es war ihr nicht gegeben, hinter die Kulissen zu schauen. Sie sah nur die Fassade, die Lobreden, die Aufmärsche, aber nicht die Wirklichkeit dahinter, und hielt das, was sie sah, für die „größte Errungenschaft der deutschen Arbeiterbewegung“. Man fragt sich nur, warum dann im Herbst 1989 die Berliner Mauer gefallen ist.

Auch der verhaftete und in Berlin-Moabit einsitzende Organisator des Mauerbaus von 1961 zeigte weder Einsicht noch Lernfähigkeit! Für ihn wie für seine inzwischen an der Karl-Liebknecht-Schule in Leverkusen marxistisch geschulte Briefpartnerin war der über Nacht erfolgte Bau des „antifaschistischen Schutzwalls“ eine politische Notwendigkeit, weil es sonst Krieg gegeben hätte. Diese wahnwitzige These vertrat auch sein Gesinnungsgenosse Heinz Keßler (1920-2017), von 1985 bis 1989 DDR-Verteidigungsminister, der noch heute von Eva Ruppert als „Genosse, Vorbild und Freund“ verehrt wird, in seinem Buch „Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben“ (2011). In seinem Brief vom 24. Januar 1991 aus dem sowjetrussischen Militärhospital in Beelitz/Mark an die „lieben Genossen aus der saarländischen Heimat“, eine Art Vorspann zur Korrespondenz mit Eva Ruppert, beklagte „Genosse Erich“, sich selbst im finsteren Keller Mut zusprechend, die „zeitweilige Niederlage des Sozialismus“ und den „Verlust der DDR“ und verschloss sich damit der Erkenntnis, dass der Marxismus-Leninismus höchst untauglich war, den Verlauf der Geschichte zu erklären. Sollte nicht, wie uns im Zuchthaus Waldheim beigebracht wurde, nach Feudalismus und „Kapitalismus“ der Sozialismus kommen und danach die „klassenlose Gesellschaft“? Dann aber stürzte die Mauer ein, und die Geschichte lief rückwärts, denn der „Kapitalismus“ kam zurück. Der starrköpfige Staatsratsvorsitzende, der von der „deutschen Klassenjustiz…nichts“ erwartete, saß nun verbittert in seiner Moabiter Einzelzelle, und die hessische Genossin bestärkte ihn in seinen abwegigen Ansichten.

Bild
svz.de

Verglichen mit den Zuständen im Zuchthaus Waldheim in Sachsen 1962/64 lebte Erich Honecker 1992 im Gefängnis Moabit wie im Luxusknast. Er hatte eine geräumige Einzelzelle, während wir Waldheimer jahrelang zu viert auf 9,2 Quadratmetern hausen mussten, wobei noch zwei Doppelpritschen den Raum zusätzlich einengten. Während der einstige Staatsratsvorsitzende eine Toilette mit Wasserspülung benutzen konnte, hatten wir in Waldheim nur einen stinkenden Kübel in der Zelle, der morgens um 4 Uhr, nach dem Wecken, geleert wurde. Der Kommunist Erich Honecker durfte im Gefängnis des „Klassenfeinds“ einige Stunden länger schlafen.

Fortsetzung im nachstehenden 2. Teil
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Interessierter » 17. September 2017, 10:25

Über mangelnde Post konnte sich „Genosse Erich“ auch nicht beklagen: Die „Genossin Eva“ aus dem Taunus überschüttete ihn derart mit Briefen, dass er kaum nachkam, sie zu beantworten. So erhielt er im August 1992 von ihr sieben Briefe. In Waldheim durften wir im Monat einen Brief von 20 Zeilen schreiben und bekommen. Dazu kamen noch die vielen Bücher und Musikkassetten, die sie ihm schicken oder mitbringen durfte. In Waldheim wäre das unmöglich gewesen! Und dann die Besuche: In Waldheim durfte man einmal im Vierteljahr einen Verwandten für eine halbe Stunde sprechen. In Moabit bei Erich Honecker gaben sich ausländische Kommunisten gegenseitig die Klinke in die Hand. So sprach im Herbst 1992 der Sandinist Daniel Ortega aus dem mittelamerikanischen Nikaragua in Moabit vor. Auf DDR-Verhältnisse angewandt, hätte dann auch „Staatsfeind“ Gerhard Zwerenz aus Köln, der im Sommer 1957 aus Leipzig hatte fliehen müssen, seinen Freund Erich Loest im Zuchthaus Bautzen besuchen dürfen.

Die Korrespondenz zwischen Erich Honecker in Moabit und Eva Ruppert begann am 7. August 1992 und endete am 22. Dezember. Am 12. Januar 1993 wurde der todkranke Erich Honecker entlassen und durfte nach Chile ausreisen, wo er am 29. Mai 1994 starb. In den 139 Tagen seiner Moabiter Haft hat er Eva Ruppert 13 Briefe nach Bad Homburg geschickt, von ihr ist leider nur einer abgedruckt, sodass man nie weiß, worauf er reagiert hat. Aber zunehmend mischte sich auch Margot Honecker aus dem fernen Chile ein und schrieb drei Briefe an die „Genossin Eva“, wobei sie immer, nicht gerade geschichtskundig, von „Großdeutschland“ sprach, wenn sie den am 3. Oktober 1990 gegründeten Staat meinte. So schrieb sie am 8. Oktober 1992, dass am Tag zuvor in Santiago mit ehemaligen DDR-Emigranten, chilenischen Kommunisten also, die nach 1973 im SED-Staat Zuflucht gefunden hatten, den „Tag der Republik“ (7. Oktober) gefeiert hätten, und sie fügte dann an: „Das Schlimmste ist, dass der Revisionismus in die eigenen Reihen eingebrochen ist.“

Der Leser merkt deutlich, dass Eva Rupperts Briefe auf den einstigen Staatsratsvorsitzenden eine besänftigende, wenn nicht therapeutische Wirkung ausüben und die innere Verkrampfung lösten (5. Oktober: „Deine Briefe bereichern meine Gedanken und Gefühle.“). Von der Starrheit und Unbelehrbarkeit in seinen politischen Aussagen, wie sie beispielsweise in seiner Verteidigungsrede vom 3. Dezember 1992 vor dem Kammergericht Berlin-Moabit zum Ausdruck kamen, war hier nichts zu spüren. Aber auch hier bedauert man, dass Eva Rupperts Briefe an Erich Honecker nicht mit abgedruckt wurden; vermutlich deshalb, weil sie in ihrer Aufdringlichkeit einfach nur peinlich waren!

Nachdem der auf dem Gnadenweg am 13. Januar 1993 freigelassene Gewaltverbrecher (Totschlag in 68 Fällen!) nicht mehr juristisch zu belangen und nach Chile ausgeflogen worden war, übernahm Margot Honecker zunehmend die Federführung in dieser Korrespondenz, während Erich nur noch unterschrieb. Nun wurden auch die Antwortbriefe an Eva Ruppert spärlicher, und die Fristen zwischen Brief und Antwort vergrößerten sich, zumal nach Erich Honeckers Tod, auf bis zu einem Vierteljahr.

Margot Honecker gebärdete sich in ihren Briefen wie ein lebender Leitartikel der SED-Zeitung „Neues Deutschland“. Sie war keineswegs Anhängerin von Gregor Gysis noch im Dezember 1989 gegründeten SED-Nachfolge-Partei PDS, für sie fast schon eine Variante der „Konterrevolution“, sondern Verfechterin der Interessen einer politischen Sekte, der stalinistischen DKP mit 2017 nur noch 3500 Mitgliedern. Diese „Partei“ gewann 1983 bei der Bundestagswahl 0,2 Prozent der Stimmen, seitdem wurden keine Angaben mehr gemacht, vermutlich weil die Wählerzahlen gegen Null tendierten.

Die in den Briefen aus Chile verbreiteten Tiraden Margot Honeckers, einer abgrundtief gescheiterten DDR-Kommunistin, zeigen in erschreckender Deutlichkeit den moralischen Verfall einer politischen Kaste, die, streng abgeschirmt vom Volk, behauptete, im Auftrag des Hegelschen Weltgeists zu handeln, wofür ihr jedes Mittel bis zum Mord recht war. In Wirklichkeit aber ging es nur um Erhaltung und Ausbau der Machtpositionen der herrschenden Klasse, deren oberstes Organ das in seinen Beschlüssen unfehlbare Politbüro war.

Margot Feist, so der Geburtsname, die als Tochter eines kommunistischen Schusters in Halle/Saale seit 1945 immer nur in Klassenkampfkategorien dachte, sprach auch in ihren Briefen aus Chile immer nur von „Konterrevolution“, wenn der Mauerfall vom 9. November 1989 gemeint war, und vom „Wiedererstehen Großdeutschlands“, wenn es um die Wiedervereinigung vom 3. Oktober 1990 ging. Die Berliner Prozesse wegen Totschlags gegen mehrere Mitglieder des Politbüros waren in ihrer ideologischen Verblendung „Klassenjustiz“. Obwohl der Sozialismus weltweit abgewirtschaftet hatte, sprach sie noch am 13. Dezember 2015 vom „verfaulenden imperialistischen System“.

Manchmal sind in diesem Buch die Fußnoten, die Frank Schumann verfasst hat, weit aufschlussreicher als die Briefe selbst. So liest man auf Seite 116, dass die beiden NVA-Generäle Heinz Keßler und Fritz Streletz sowie Hans Albrecht, der SED-Vorsitzende des Bezirks Suhl, die vom Landgericht Berlin wegen Totschlags am 16. September 1993 zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden waren, dagegen Widerspruch beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe eingelegt hätten, der freilich am 26. Juli 1994 die Urteile bestätigte.

Das muss man sich vorstellen: Drei im „Klassenkampf“ ergraute Funktionäre rufen das oberste Gericht des „Klassenfeinds“ an, den sie 40 Jahre lang verachtet und bekämpft haben, und winseln um Gnade! Und es kam noch schlimmer: Während Erich Honecker 1990 bei der Evangelischen Kirche, bei Pfarrer Uwe Holmer in Lobetal/Kreis Barnim bei Berlin, vorübergehend Unterschlupf fand, lebte NVA-Generaloberst und DDR-Verteidigungsminister Heinz Keßler, der noch 2009 DKP-Mitglied geworden war, zuletzt im Seniorenstift St. Antonius in Berlin-Karlshorst, einem Altenheim der Katholischen Kirche.

Dr. Jörg Bernhard Bilke
Coburg, 14. September 2017

http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2165073&r ... 97765&pg=1
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon karnak » 17. September 2017, 10:25

[flash] Leute mit solchen merkwürdigen Bedürfnissen gibt es nun mal in der gesamten Bandbreite.
Allerdings zeigt die Einschätzung dieses Dr. bei einem Widerspruch gegen ein Urteil handelt es sich um"Gnade winseln " was er selbst für eine Marke ist, einer dieser bekloppten Eiferer, also auch nur einer aus der Kategorie Spinnköppe, für mich zumindest.
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Interessierter » 8. November 2017, 11:23

So manch einer wird aber selber zum Spinnkopp, wenn er sich zu Personen äußert, ohne sich vorher über diese informiert zu haben. Da werden eben, wie früher in SED- und Stasikreisen üblich, Personen deren Meinung einem nicht gefällt, zu Spinnköppen - früher zu Faschisten, Kapitalisten usw. ! [flash]
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon Interessierter » 8. November 2017, 11:39

Stasi hörte sogar Erich Honecker ab

Ein 1059-Seiten-Buch hat Auszüge aus abgehörten Telefonaten der Staatssicherheit untersucht und veröffentlicht. Bizarre Pointe: Selbst ein Gespräch von Staatschef Honecker wurde belauscht und protokolliert.

Der Wälzer mit dem Titel "Fasse dich kurz!" konzentriert sich auf abgehörte Telefongespräche aus der Spätphase der DDR. Herausgegeben wurde er in einer wissenschaftlichen Reihe des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Er untersucht, wie Stasi und SED mit abgehörten Telefongesprächen umgingen.

Neben Einblicken in die Überwachung von Oppositionellen dokumentiert das Buch auch bizarre Situationen. Dazu zählt insbesondere der Moment, in dem versehentlich sogar Erich Honecker abgehört wurde und den die "Zeit" in einer Buchbesprechung hervorhebt.

Die bizarre Situation ereignete sich im Jahr 1978. Die Stasi hatte sich in die Leitung des Schriftstellers Stefan Hermlin eingeklinkt, weil der sich durch seine Verbindung zum Systemkritiker Wolf Biermann verdächtig gemacht hatte. Als dann Honecker bei seinem Freund Hermlin anrief, protokollierte der Stasi-Mitarbeiter pflichtschuldigst das Gespräch – obwohl das eigentlich verboten war.

Die Sätze Honeckers lassen die Szene im Nachhinein endgültig ins Absurde kippen. Der ahnungslose Staatschef wollte seinen Freund nämlich darauf vorbereiten, dass er vermutlich bald abgehört werden würde. "Also, falls du da mal was knacken hörst in deiner Leitung, das wird nur kurzfristig sein, musst du nicht irgendwie gleich was Schlechtes dabei denken", zitiert der Band Honecker.

Dass es schon längst in der Leitung knackte, war Honeckers Aufmerksamkeit offensichtlich entgangen. [laugh]

http://www.rp-online.de/politik/deutsch ... -1.4626694

Immer wieder köstlich was geistig unbewaffnete DDR Größen und Offiziere so äußerten.....
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Re: Kurioses und Wissenswertes über Erich Honecker

Beitragvon AkkuGK1 » 8. November 2017, 20:45

Erich reist mit der Deutschen Reichsbahn inkognito durch die DDR um mal zu sehen wie es wirklich ist. Nach kurzer Zeit setzt sich ein altes Mütterchen ins Abteil und fragt dann: "Na Erich, wo wollen wir denn hin?!" - Daraufhin Erich erschrocken: "Woher wissen Sie, dass ich der Erich Honecker bin?" - Mit verstellter Altweiberstimme die Antwort: "Jaja, Oma Mielke sieht alles...."

Hat mir mein Zimmerkumpel am Kanten erzählt und dessen Vater war Stasi Oberst...
@Black Hole Sun - echte schwarze Löcher ziehen Materie an, fressen andere Sterne - Du bist ein Comemierda!
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