BERLIN - Nasse Sackgasse

Hier bitte ausschließlich Themen die sich mit der Berliner Mauer beschäftigen.

BERLIN - Nasse Sackgasse

Beitragvon Werner Thal » 3. März 2020, 10:33

DER SPIEGEL - BERLIN 43/1978 vom 23.10.1978

Nasse Sackgasse

Wenn die DDR einer Wiedereröffnung des gesperrten Teltowkanals zustimmt, gewinnt West-Berlin
wertvolles Terrain für Industrieansiedlung.


Wann immer die deutschen Unterhändler Günter Gaus (West) und Kurt Nier (Ost) derzeit mit dürren
Worten ihren jeweiligen Verhandlungsstand bedeckt halten, ist auch von einer Wasserstraße die Rede.
Die DDR hält sie seit drei Jahrzehnten abgeriegelt, nach sehnlichem West-Wunsch soll sie wieder geöffnet
werden, und doch ist der Wasserweg außerhalb Berlins so gut wie unbekannt: der Teltowkanal.

Das hochpolitische Gewässer, das sich auf 38 Kilometern zwischen DDR-Gebiet, West- und Ostberlin hin und
her windet und von Grenzbefestigungen in zwei Sackgassen zerhackt ist, gilt westdeutschen Delegaten im
Augenblick als besonders fragiler Posten im sogenannten Verkehrspaket.

Denn während das Projekt Nord-Autobahn neben dem erhofften Devisenschnitt auch deshalb DDR-Interesse
findet, weil dadurch ein Teil des Entwicklungs-Bezirks Schwerin eine bessere Verkehrsanbindung
erhielte, hat Ostberlin einen eigenen Verkehrsvorteil durch die Öffnung des Kanals stets ebenso kategorisch wie
glaubhaft bestritten. Die 2,4 Millionen Ladungstonnen, die ihre volkseigene Binnenschifffahrt im Transit durch
West-Berlin schippert, könnten nach Ansicht von Experten leicht auch noch die nächsten dreißig Jahre auf diesem
Weg transportiert werden.

...hier kann man weiter lesen:

https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery ... f/40606183

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Re: BERLIN - Nasse Sackgasse

Beitragvon Werner Thal » 4. März 2020, 10:32

DER TAGESSPIEGEL v. 31. März 2000

Der Teltowkanal ist nach Jahrzehnten Sperrung ab heute ganz frei

Ein totes Gewässer wird lebendig: Nach fast 40-jähriger Sperrung ist ab heute auch das südliche
Teilstück des Teltowkanals, zwischen Rudower und Treptow, wieder befahrbar. (...)
Der von 1900 bis 1906 gebaute 37,8 Kilometer lange Kanal hatte sich zu einer wichtigen Abkürzung
auf dem Wasserweg zwischen Elbe und Oder entwickelt. Dabei sollte er ursprünglich nur der
Entwässerung dienen, doch schnell siedelten sich in Britz, Tempelhof, Lankwitz, Lichterfelde
Industrie und Gewerbe an. Die Orte gediehen gut am Kanal.

Damit war am 13. August 1961 Schluss. Die westliche Welt endete fortan am Kilometer 34,1 an der
ehemaligen Wredebrücke. Die DDR errichtete nur wenige Meter vom Hafen Rudower-Ost entfernt ein
riesiges Stahlgitter, das gut zwei Meter aus dem Wasser ragte. Zusätzlich versenkte "man" einen mit
Steinen gefüllten Prahm und verhinderte damit weitgehend den Durchfluss. Aus der bislang durch-
gängigen Wasserstraße wurde ein Stichkanal. Die Strecke bis zum Kilometer 36,6, jenseits des
Treptower Adlergestells, fiel in einen Dornröschenschlaf. Und der Abschnitt verkam in den folgenden
Jahren immer mehr. Giftiger Schlamm setzte sich ab, den DDR-Betriebe einleiteten. Diese umwelt-
schädigenden Spuren wurden inzwischen beseitigt. Seit 1995 hat die Umweltverwaltung 150 000
Kilometer hochbelasteten Schlamm ausbaggern lassen. Auch die Grenzsperren wurden herausgenommen
und für eine bessere Sicht mussten Hunderte Bäume am Ufer entfernt werden. Anwohner und die
Grüne Liga hatten sich allerdings über diese Aktion beschwert. Sie bezeichneten die Zerstörung des
Biotops, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten am Kanal entwickelte, "als unzumutbaren Eingriff
in die Natur".

....hier kann man weiterlesen:

https://www.tagesspiegel.de/berlin/der- ... 33274.html

https://berlingeschichte.de/bms/bmstxt00/0005prod.htm

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Re: BERLIN - Nasse Sackgasse

Beitragvon Werner Thal » 4. März 2020, 15:27

DER SPIEGEL 49/1981 v. 30.11.1981

"Wir sind ganz schön über Schlick geschurrt"

Die salbungsvolle Auflassung "in Gottes Namen" durch den West-Berliner Wirtschaftssenator
Elmar Pieroth war längst verklungen, der Redner schon verschwunden, und nur ein verspäteter
Polizeimusiker raffte noch seine Noten zusammen, als Herbert Jodeit, 37, seine "Josephine"
durch die Nathanbrücke steuerte - auf einem für Toast und Tusch aussichtslosen sechsten Platz
unter den Jungfern-Fahrern durch jenes Teilstück des Teltowkanals, das Ostberlin 36 Jahre lang
für jeglichen Schiffsverkehr gesperrt hatte und das nun, am Freitag vorletzter Woche, dank
zwischendeutscher Verhandlungskunst wider freigelotst war.

Jodeit fährt seit vielen Jahren im Transit nach West-Berlin und retour, seit 1979 in fester Miete
und unter der Flagge der Rhesus-WTAG. Meist reist er mit Zement "auf Rudow", zur Eternit AG,
dem östlichsten West-Berliner Industrie-Anlieger des Teltowkanals.

Am Dienstagmorgen werden gerade die letzten Kilo Zement von graugesichtigen Eternit-Arbeitern
im Laderaum zusammengefegt, als ich an Bord gehe - "zur ersten" von DDR-Behörden genehmigten
"Reportagereise auf den Transit-Wasserstraßen seit bestimmt zwanzig Jahren", wie sich Geschäftsführer
Norman Halfar vom West-Berliner Binnenschifffahrtsverband zu erinnern glaubt.

Seit Kriegsende war der zwischen 1900 und 1906 als südliche Umgehung Berlins gebaute Teltowkanal
eine öde Sackgasse. Wer seine Anrainer im Osten und Süden der Stadt - Stahlhändler, Schrottplätze
und Schokoladenfabriken, Kraftwerke und Elektrokonzerne - per Schiff erreichen wollte, mußte den
Umweg über Havel und Spree durch die alte Mühlendamm-Schleuse in der ostberliner Innenstadt in
Kauf nehmen.

Von der Aufhebung der Blockade profitierten mit einer Reiseverkürzung bis zu zwei Tagen vor allem
Tanker, deren Hauptziele, das Kraftwerk Lichterfelde und Treibstofflager in Mariendorf, nun gleich
vornean liegen. Sie könnten sich künftig nicht nur einen 45 Kilometer langen Umweg ersparen, sondern
auch das zeitraubende Warten auf ein DDR-Löschboot - notwendige Begleitung durch Ostberlin für
alle mit leicht entzündlichen Flüssigkeiten beladenen Tankschiffe.

...auch hier geht es weiter:

https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery ... f/14350539

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