Ostprovokation am Wasserturm

Hier bitte ausschließlich Themen die sich mit der Berliner Mauer beschäftigen.

Ostprovokation am Wasserturm

Beitragvon dein1945 » 7. März 2012, 15:38

1961 – Ostprovokation am Wasserturm (east-provocation at the Water Tower)Im Oktober 1961 kam es zu einer brisanten Ost-West-Konfrontation auf dem Betriebsgelände am Gesundbrunnen in Wedding. Als Transportpolizisten getarnt, drang die NVA über alte Fluchttunnel bis zum dort stehenden Wasserturm in den französischen Sektor vor und „ergänzte“ den Schriftzug um ein "D". Weit sichtbar für den Westen stand nun auf dem Turm im französischen Sektor "DDR".

http://fotoarchiv-alex-waidmann-berlin. ... asserturm/

Gruß aus Berlin
dein1945
 

Re: Ostprovokation am Wasserturm

Beitragvon augenzeuge » 7. März 2012, 20:12

Ist ja unglaublich. Hier hat jemand bewusst Konfrontation geschürt...
AZ
"Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist."
„Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war“.
"Es ist manchmal gefährlich, Recht zu haben, wenn die Regierung Unrecht hat. (Voltaire)"
Benutzeravatar
augenzeuge
Flucht und Ausreise
Flucht und Ausreise
 
Beiträge: 96800
Bilder: 20
Registriert: 22. April 2010, 07:29
Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Re: Ostprovokation am Wasserturm

Beitragvon Thunderhorse » 7. März 2012, 21:23

Hier sieht die Lage etwas entspannter aus.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43367452.html
http://www.chronik-der-mauer.de/index.p ... 869/page/4

Und im Buch die Allliierten in Berlin liest es sich auch etwas anders.

Klappern gehört halt zum Geschäft, von Fotojournalisten, Reportern, etc..
"Mobility, Vigilance, Justice"
Benutzeravatar
Thunderhorse
 
Beiträge: 856
Bilder: 0
Registriert: 19. Juni 2010, 15:17

Re: Ostprovokation am Wasserturm

Beitragvon Mike59 » 7. März 2012, 22:40

Thunderhorse hat geschrieben:Hier sieht die Lage etwas entspannter aus.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43367452.html
http://www.chronik-der-mauer.de/index.p ... 869/page/4

Und im Buch die Allliierten in Berlin liest es sich auch etwas anders.

Klappern gehört halt zum Geschäft, von Fotojournalisten, Reportern, etc..


Da bin ich ja froh, das ich erst noch einmal durchgeatmet habe, bevor ich schreiben wollte, das es zwar tolle Bilder sind aber mehr auch nicht. Ich muss mich mehr in Geduld üben - echt.

Mike59
Mike59
 

Re: Ostprovokation am Wasserturm

Beitragvon Ari@D187 » 11. März 2012, 11:04

dein1945 hat geschrieben:1961 – Ostprovokation am Wasserturm (east-provocation at the Water Tower)Im Oktober 1961 kam es zu einer brisanten Ost-West-Konfrontation auf dem Betriebsgelände am Gesundbrunnen in Wedding. Als Transportpolizisten getarnt, drang die NVA über alte Fluchttunnel bis zum dort stehenden Wasserturm in den französischen Sektor vor und „ergänzte“ den Schriftzug um ein "D". Weit sichtbar für den Westen stand nun auf dem Turm im französischen Sektor "DDR".

http://fotoarchiv-alex-waidmann-berlin. ... asserturm/

Gruß aus Berlin

Der Turm stand ca. 150 m auf West-Berliner Gebiet und soll im April 1962 durch die bzw. durch Kräfte der DDR abgerissen worden sein. Gibt es dazu nähere Informationen?
Die DDR hätte ja dann auch den z.B. Bahnhof Zoo abreissen können, wenn sie gewollt hätte? [shocked]

Ari
Si vis pacem, para bellum.
Alles wird gut!
Benutzeravatar
Ari@D187
Deutsche Marine
Deutsche Marine
 
Beiträge: 14898
Registriert: 26. April 2010, 19:58

Re: Ostprovokation am Wasserturm

Beitragvon augenzeuge » 11. März 2012, 14:39

Ari@D187 hat geschrieben:Die DDR hätte ja dann auch den z.B. Bahnhof Zoo abreissen können, wenn sie gewollt hätte? [shocked]

Ari


Aus DDR-Sicht ja. Allerdings ignorierte die DDR gern vorhergehende Beschlüsse der Westalliierten, auch an anderer Stelle. Hier hätte man das Abreißen mit Gewalt verhindert.
AZ
"Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist."
„Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war“.
"Es ist manchmal gefährlich, Recht zu haben, wenn die Regierung Unrecht hat. (Voltaire)"
Benutzeravatar
augenzeuge
Flucht und Ausreise
Flucht und Ausreise
 
Beiträge: 96800
Bilder: 20
Registriert: 22. April 2010, 07:29
Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Re: Ostprovokation am Wasserturm

Beitragvon Mike59 » 11. März 2012, 14:55

augenzeuge hat geschrieben:
Ari@D187 hat geschrieben:Die DDR hätte ja dann auch den z.B. Bahnhof Zoo abreissen können, wenn sie gewollt hätte? [shocked]

Ari


Aus DDR-Sicht ja. Allerdings ignorierte die DDR gern vorhergehende Beschlüsse der Westalliierten, auch an anderer Stelle. Hier hätte man das Abreißen mit Gewalt verhindert.
AZ


Das ist eine interessante Konstellation. Die Gleis+Bahnanlagen waren ja Eigentum der DR - heute DB AG. Da kommt ja auch heute kaum einer ran. Wie schaut das denn nach Internationalem Recht hier aus mit den Befugnissen im Bezug auf Nutzung etc.?

Mike59
Mike59
 

Re: Ostprovokation am Wasserturm

Beitragvon augenzeuge » 11. März 2012, 15:01

Mike59 hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:
Ari@D187 hat geschrieben:Die DDR hätte ja dann auch den z.B. Bahnhof Zoo abreissen können, wenn sie gewollt hätte? [shocked]

Ari


Aus DDR-Sicht ja. Allerdings ignorierte die DDR gern vorhergehende Beschlüsse der Westalliierten, auch an anderer Stelle. Hier hätte man das Abreißen mit Gewalt verhindert.
AZ


Das ist eine interessante Konstellation. Die Gleis+Bahnanlagen waren ja Eigentum der DR - heute DB AG. Da kommt ja auch heute kaum einer ran. Wie schaut das denn nach Internationalem Recht hier aus mit den Befugnissen im Bezug auf Nutzung etc.?

Mike59


Ich denke, dass die Bahnanlagen an eine öffentlich-rechtliche Zweckbestimmung gebunden sind, wem sie auch immer gehören. Soll heißen, der Eigentümer kann nicht machen was er will.
AZ
"Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist."
„Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war“.
"Es ist manchmal gefährlich, Recht zu haben, wenn die Regierung Unrecht hat. (Voltaire)"
Benutzeravatar
augenzeuge
Flucht und Ausreise
Flucht und Ausreise
 
Beiträge: 96800
Bilder: 20
Registriert: 22. April 2010, 07:29
Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Re: Ostprovokation am Wasserturm

Beitragvon Mike59 » 11. März 2012, 15:23

augenzeuge hat geschrieben:Aus DDR-Sicht ja. Allerdings ignorierte die DDR gern vorhergehende Beschlüsse der Westalliierten, auch an anderer Stelle. Hier hätte man das Abreißen mit Gewalt verhindert.
AZ


Das ist eine interessante Konstellation. Die Gleis+Bahnanlagen waren ja Eigentum der DR - heute DB AG. Da kommt ja auch heute kaum einer ran. Wie schaut das denn nach Internationalem Recht hier aus mit den Befugnissen im Bezug auf Nutzung etc.?

Mike59


Ich denke, dass die Bahnanlagen an eine öffentlich-rechtliche Zweckbestimmung gebunden sind, wem sie auch immer gehören. Soll heißen, der Eigentümer kann nicht machen was er will.
AZ


Ja da gibt es auch die Pflichten eines Besitzern - ist richtig. Z.B. hier für die DR die Beförderungspflicht. Aber das Eigentum an Grund und Boden? Wie das im Osten ablief ist ja bekannt, Enteignung. Die gab es ja nun ganz offensichtlich in Berlin-West nicht. Welches waren denn die o.g. "vorhergehende Beschlüsse der Westalliierten". "Den Zusatz Hier hätte man das Abreißen mit Gewalt verhindert" verstehe ich jetzt nicht ganz. Ich denke das Teil wurde abgerissen?
Mike59
Mike59
 

Re: Ostprovokation am Wasserturm

Beitragvon augenzeuge » 11. März 2012, 15:45

Mike59 hat geschrieben: Welches waren denn die o.g. "vorhergehende Beschlüsse der Westalliierten". "Den Zusatz Hier hätte man das Abreißen mit Gewalt verhindert" verstehe ich jetzt nicht ganz. Ich denke das Teil wurde abgerissen?
Mike59



Die Beschlüsse der Alliierten von 1949, die man nicht anerkannte, waren verwaltungstechnischer Natur. Betriebsführung, Eigentum, Strom- Wasserversorgung.
Normalerweise fiel das Vermögen der Reichsbahn an die Alliierten, aufgrund des Status von Berlin war das schwieriger, weil die Sowjets es im Ostteil an die DDR abgab.

Die Anlagen standen aber weiterhin – soweit sie nicht dem Betrieb dienten – unter alliiertem Vorbehaltsrecht. In den Grundbüchern war bis zur deutschen Wiedervereinigung als Eigentümer „Deutsches Reich, Sondervermögen Deutsche Reichsbahn“ eingetragen.

Es gab Fälle, wo die DDR diese Bahnanlagen als Hoheitsgebiet betrachtete- hier gab es mehrfach Eingriffe der Alliierten bezüglich des Zuganges- auch mit Gewalt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Verwaltung ... geschichte

Hier meine ich, dass das Abreißen der Anlagen durch die DDR auch mit Gewalt durch die Alliierten verhindert worden wäre um die Verkehrsführung im Westteil gewährleisten zu können.
AZ
"Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist."
„Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war“.
"Es ist manchmal gefährlich, Recht zu haben, wenn die Regierung Unrecht hat. (Voltaire)"
Benutzeravatar
augenzeuge
Flucht und Ausreise
Flucht und Ausreise
 
Beiträge: 96800
Bilder: 20
Registriert: 22. April 2010, 07:29
Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Re: Ostprovokation am Wasserturm

Beitragvon augenzeuge » 11. März 2012, 15:47

augenzeuge hat geschrieben:
Mike59 hat geschrieben: Welches waren denn die o.g. "vorhergehende Beschlüsse der Westalliierten". "Den Zusatz Hier hätte man das Abreißen mit Gewalt verhindert" verstehe ich jetzt nicht ganz. Ich denke das Teil wurde abgerissen?
Mike59



Die Beschlüsse der Alliierten von 1949, die man nicht anerkannte, waren verwaltungstechnischer Natur. Betriebsführung, Eigentum, Strom- Wasserversorgung.
Normalerweise fiel das Vermögen der Reichsbahn an die Alliierten, aufgrund des Status von Berlin war das schwieriger, weil die Sowjets es im Ostteil an die DDR abgab.

Die Anlagen standen aber weiterhin – soweit sie nicht dem Betrieb dienten – unter alliiertem Vorbehaltsrecht. In den Grundbüchern war bis zur deutschen Wiedervereinigung als Eigentümer „Deutsches Reich, Sondervermögen Deutsche Reichsbahn“ eingetragen.

Es gab Fälle, wo die DDR diese Bahnanlagen als Hoheitsgebiet betrachtete- hier gab es mehrfach Eingriffe der Alliierten bezüglich des Zuganges- auch mit Gewalt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Verwaltung ... geschichte

Hier meine ich, dass das Abreißen der Anlagen durch die DDR auch mit Gewalt durch die Alliierten verhindert worden wäre um die Verkehrsführung im Westteil gewährleisten zu können.
Ari@D187 hat geschrieben:Die DDR hätte ja dann auch den z.B. Bahnhof Zoo abreissen können, wenn sie gewollt hätte?
Ari

AZ
"Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist."
„Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war“.
"Es ist manchmal gefährlich, Recht zu haben, wenn die Regierung Unrecht hat. (Voltaire)"
Benutzeravatar
augenzeuge
Flucht und Ausreise
Flucht und Ausreise
 
Beiträge: 96800
Bilder: 20
Registriert: 22. April 2010, 07:29
Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Re: Ostprovokation am Wasserturm

Beitragvon Mike59 » 11. März 2012, 15:56

folgenden Berliner S-Bahnstreik 1949 auf Anordnung der Westalliierten eingerichtet. Damit hatte die Reichsbahn nur noch die Betriebsrechte in West-Berlin inne.


Schön, haben sie also eingerichtet. Hat das auch gewirkt? Nur mal so als Frage, weil ich mich in "Berlin Fragen" nicht so auskenne.

Mike59
Mike59
 

Re: Ostprovokation am Wasserturm

Beitragvon augenzeuge » 11. März 2012, 16:00

Keine Ahnung, Mike. Über die Zusammenhänge wird hier berichtet:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte ... treik_1949
AZ
"Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist."
„Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war“.
"Es ist manchmal gefährlich, Recht zu haben, wenn die Regierung Unrecht hat. (Voltaire)"
Benutzeravatar
augenzeuge
Flucht und Ausreise
Flucht und Ausreise
 
Beiträge: 96800
Bilder: 20
Registriert: 22. April 2010, 07:29
Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Re: Ostprovokation am Wasserturm

Beitragvon Mike59 » 11. März 2012, 16:17

augenzeuge hat geschrieben:Keine Ahnung, Mike. Über die Zusammenhänge wird hier berichtet:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte ... treik_1949
AZ


Interessante Geschichte. Danke für die Link's

Mike59
Mike59
 

Re: Ostprovokation am Wasserturm

Beitragvon dein1945 » 13. März 2012, 14:55

Mike59 hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:Aus DDR-Sicht ja. Allerdings ignorierte die DDR gern vorhergehende Beschlüsse der Westalliierten, auch an anderer Stelle. Hier hätte man das Abreißen mit Gewalt verhindert.
AZ


Das ist eine interessante Konstellation. Die Gleis+Bahnanlagen waren ja Eigentum der DR - heute DB AG. Da kommt ja auch heute kaum einer ran. Wie schaut das denn nach Internationalem Recht hier aus mit den Befugnissen im Bezug auf Nutzung etc.?

Mike59


Ich denke, dass die Bahnanlagen an eine öffentlich-rechtliche Zweckbestimmung gebunden sind, wem sie auch immer gehören. Soll heißen, der Eigentümer kann nicht machen was er will.
AZ


Ja da gibt es auch die Pflichten eines Besitzern - ist richtig. Z.B. hier für die DR die Beförderungspflicht. Aber das Eigentum an Grund und Boden? Wie das im Osten ablief ist ja bekannt, Enteignung. Die gab es ja nun ganz offensichtlich in Berlin-West nicht. Welches waren denn die o.g. "vorhergehende Beschlüsse der Westalliierten". "Den Zusatz Hier hätte man das Abreißen mit Gewalt verhindert" verstehe ich jetzt nicht ganz. Ich denke das Teil wurde abgerissen?
Mike59


Hallo Mike59,

Ja der Wasserturm wurde abgerissen, von DDR Seite aus, er wurde für die Aufrechterhaltung des Zugbetrieb nicht mehr benötigt. Das war allerdings auch den Alliierten egal. Vorher hatten die Franzosen angekündigt, wenn der DDR Schriftzug nicht entfernt wird, werden sie ihn sprengen, allerdings wussten auch sie, er ist überflüssig.

Es konnte auch anders kommen, 1965 baute der Westberliner Senat die Westtangente (Stadtautobahn) als Entlastungsstrasse für die ehemalige B1 von Schöneberg nach Steglitz. Dort war der Haupteingang des S-Bahnhof Steglitz im Weg, nachdem Verhandlungen mit der Reichsbahn keinen Erfolg hatten, wurde der Bahnhof im Morgengrauen von US Infantrie besetzt und abgerissen, muß 1965 gewesen sein. Jetzt ist nur noch die Rückseite vorhanden, die steht allerdings unter Denkmalschutz.
Gruß aus Berlin
dein1945
 


Zurück zu Die Berliner Mauer

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste