Berlin-Pankow Forscher entdeckt Reste der Berliner Ur-Mauer

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Berlin-Pankow Forscher entdeckt Reste der Berliner Ur-Mauer

Beitragvon Interessierter » 25. Januar 2018, 10:17

Seine Entdeckung in der Schönholzer Heide hielt er seit 1999 vor der Öffentlichkeit geheim. Nun fürchtet er, dass Souvenirjäger das historische Bauwerk zerstören.

Zigtausende Berliner haben die Mauer gesehen, jeden Tag. Wer in der S-Bahn saß und am Bahnhof Schönholz im Nordwesten Pankows nach Osten geblickt hat, der hatte sie direkt vor der Nase. „Keiner hat sie erkannt“, sagt Christian Bormann. „Sie sah einfach so aus, als würde sie zu dem Grundstück gehören.“

Bormann spricht über ein 80 Meter langes Stück Ziegelwand am südwestlichen Rand der Schönholzer Heide. Es war einst Teil der Berliner Mauer, aber nicht irgendeins. Es handelt sich um das vermutlich letzte erhaltene Stück der Berliner Ur- Mauer, die die DDR 1961 quasi über Nacht hastig hochzog. Wegen der Materialknappheit nutzte man viele vorhandene Gebäude. Die Mauer in Schönholz wurde aus Resten mehrerer Mietshäuser in der Schützenstraße errichtet, die bei der Bombardierung des Verladebahnhofs Pankow-Schönholz im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. „Man hat die unteren Seiten der Außenwände stehen lassen und die Lücken geschlossen“, sagt Bormann. „Darauf wurde der Stacheldraht angebracht.“

Bild
Auf der Lauer. Der Berliner Christian Bormann sucht seit 20 Jahren nach verborgenen Schätzen.Foto: Bormann

In den meisten Fällen wurde diese erste Mauergeneration durch die zweite, kolossalere Generation ersetzt. Nicht in Schönholz. „Die zweite hat man davor gebaut, weil es durch die Hauskeller und den schwierigen Untergrund gar nicht anders ging.“ So blieb die Ur-Mauer stehen, mehr als 50 Jahre lang, zuletzt fast vollständig von Wald umgeben. Bis zum Montag.

Da machte Bormann seine Entdeckung „von herausragender kultureller Bedeutung“ auf seinem Blog pankowerchronik.de öffentlich, um die Mauer vor Witterungsschäden zu retten. Der 37-Jährige gräbt seit 20 Jahren Schätze in seinem Heimatbezirk Pankow aus. „Ich habe weder einen Doktor noch einen Professor, bin kein gelernter Historiker“, sagt der Heimatforscher. „Aber ich bin anerkannt von der Fachwelt. Das Forschen ist meine Haupttätigkeit, ich bin jeden Tag sechs Stunden damit beschäftigt. Ich arbeite eher nebenbei als Verkäufer, um mich zu finanzieren.“

„Die Leute pilgern regelrecht dahin“


Das Mauerstück begleitet ihn schon sein halbes Leben, er hat es 1999 entdeckt und bislang vor der Öffentlichkeit geheim gehalten. Um „den Ort nicht zu vernichten“, sagt er. „Ich hätte es noch 50 Jahre für mich behalten. Nun habe ich die Notbremse gezogen.“ Der Frost hatte Schäden angerichtet, es musste etwas passieren. Womöglich hat Bormann die Mauer damit der Zerstörung preisgegeben. Schon kurz nach der News waren die ersten Mauerspechte da. „Die Leute pilgern regelrecht dahin“, sagt er.

Den vollständigen Bericht und weitere 164 Fotos findet man hier:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/berli ... 83280.html
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Re: Berlin-Pankow Forscher entdeckt Reste der Berliner Ur-Mauer

Beitragvon Nov65 » 26. Januar 2018, 17:02

Unglaublich, dass dieses Bauwerk nicht durch die 3,20 hohe Mauer mit Rohr obendrauf erneuert wurde.
Andreas
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Re: Berlin-Pankow Forscher entdeckt Reste der Berliner Ur-Mauer

Beitragvon Werner Thal » 9. Oktober 2019, 15:55

Ur-Mauer-1.jpg
Ur-Mauer am ehem. Güterbahnhof Schönholz.
Innerhalb des roten Kreises ist der tatsächliche Verlauf der Sektorengrenze als spitzer Winkel dargestellt-
Die darüber befindliche Punkt-Strich Linie stellt aber den späteren Mauerverlauf dar, denn es ist
nur leeres, unbebautes Gebiet.

Topografische Karte der ehem. Grenztruppen

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Re: Berlin-Pankow Forscher entdeckt Reste der Berliner Ur-Mauer

Beitragvon Werner Thal » 9. Oktober 2019, 16:02

Ur-Mauer-2.jpg
Ur-Mauer-3.jpg
Ur-Mauer-4.jpg


Oberes Bild: Die Häuser links von der Ziegelmauer gehören zu Reinickendorf, dahinter die S-Bahnstation Schönholz (Reinickendorf).
Am unteren Bildrand das Dach eines Supermarktes.

Mittleres Bild: Einige Zeit NACH der Entdeckung der Mauerreste

Unteres Bild: Dito

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Re: Berlin-Pankow Forscher entdeckt Reste der Berliner Ur-Mauer

Beitragvon Werner Thal » 20. Oktober 2019, 05:48

Vergessene Mauer von Schönholz: Parzellengrenze wurde Polit-Grenze

Der Bezirk (Reinickendorf) ist größer, als mancher vermutet. Ein Stück der Berliner Mauer,
von vielen in Pankow verortet, gehört zu Reinickendorf.

Nach einem alten Sprichwort sehen manche Menschen den Wald vor lauter Bäumen nicht,
aber es gibt auch andere Dinge, die beinahe hinter Bäumen verschwinden. Ein Pankower
Heimatforscher hatte kürzlich (Stand Februar 2018!) darauf hingewiesen, dass am
S-Bahnhof Schönholz noch ein Stückchen originaler Mauer stehen könnte.

Viele werden sich noch erinnern: Die S-Bahntrasse, die dort in Richtung Stadtzentrum führt,
verlief in Schönholz wie auch in Wedding parallel zur Mauer. Bis nach dem Mauerfall gab es
am S-Bahnhof Schönholz eine Gastwirtschaft, die als "Letzte Kneipe vor der Grenze" für
sich warb. Hinter der S-Bahn-Unterführung der Provinzstraße war dann für die West-Berliner
Sackgasse vor der Mauer.

Die ist schon lange weg. Doch gut versteckt hat sich offenbar ein Teil gehalten, wenn man
durchs dichte Gestrüpp von der Provinzstraße in Richtung Stadtmitte auf eigentlich
Pankower Seite geht. Dann stößt man auf Mauerreste, die laut Landesdenkmalamt vom
5. Februar (2018) tatsächlich ein Teil der Berliner Mauer waren. Und noch dazu im Besitz
von Reinickendorf. Der Bezirk beteiligte sich zwar nicht am Grenzregime der DDR, hatte
den Streifen aber im Zuge einer Grenzbegradigung 1988 erhalten,
(Gebietsaustausch ab 1. Juli 1988!-W.T.) wie Recherchen des Amtes und der Stiftung
Berliner Mauer ergaben.

Entstanden war dieses Mauerstück allerdings nicht als Grenze zweier gegensätzlicher
Regimes. Es sollte ursprünglich Parzellen an der Pankower Buddestraße vom benachbarten
Bahnhof trennen. Als dann aber die Mauer gebaut wurde, wurde das alte Stück
"ergänzt, erhöht und mit Sperrelementen versehen", so das Landesdenkmalamt.

Die Stiftung Berliner Mauer will die kuriose Entdeckung in ihr Mauerkonzept einbauen.
Das Bezirksamt reagierte übrigens schnell: Noch bevor feststand, dass es sich um eine
Reinickendorfer Mauer handelt, ließ Bürgermeister Frank Blazer (CDU) das Stück mit
einem Bauzaun sichern.

https://www.berliner-woche.de/reinicken ... ze_a142370

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Re: Berlin-Pankow Forscher entdeckt Reste der Berliner Ur-Mauer

Beitragvon Werner Thal » 20. Oktober 2019, 12:40

Mauerfund in Pankow: Landesdenkmalamt Berlin leitet Unterstützung ein

Pressemitteilung vom 05.02.2018

https://www.berlin.de/sen/kulteu/aktuel ... 672492.php

P. S.: somit habe ich dieses Thema meinerseits abgehandelt!

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