Christian Weißgerber spricht offen über seine Vergangenheit
© Bild: Christian Weißgerber
Ein Gespräch über gebildete Neonazis, Identitären-Chef Martin Sellner und wie es ist, aus der Nazi-Szene auszusteigen.
Früher war Christian Weißgerber einer, der überzeugt war, dass es während des Zweiten Weltkriegs keine Gaskammern gegeben hätte. Es gab Phasen in seinem Leben, da hat der heute studierte Kulturwissenschaftler den Holocaust geleugnet. Heute ist das Hakenkreuz Tattoo verschwunden und auch sein Leben ist ein komplett anderes. Weißgerber hat beschlossen, ein Buch über seinen Ausstieg aus der Nazi-Szene zu schreiben: "Mein Vaterland! Warum ich ein Neonazi war", heißt es.
KURIER: Was war der Anstoß, um dieses Buch zu schreiben, was wollten Sie damit erreichen?
Christian Weißgerber: Verschiedene Dinge. Zum einen hatte ich das Gefühl, dass ich an einem Punkt angekommen bin, an dem ein Buch hilfreich sein kann, um andere Menschen über Radikalisierung in rassistische und nationalistische Strukturen aufzuklären. Auf der anderen Seite wollte ich aufzeigen, dass Stereotype, die viele Leute von Rechtsextremen oder Nationalpopulisten haben, nicht immer zutreffen.
Ich wollte zudem vor Augen führen, wie viel Rassismus, Nationalismus und Chauvinismus im mitteleuropäischen Gedankengut enthalten sind. Denn der Versuch, dieses Gedankengut immer an die Ränder der Gesellschaft zu drängen, ist ja ein bisschen scheinheilig.
Es handelt sich also um ein Aussteiger-Buch, das es bis dato in dieser Form noch nicht gibt?
Ja, denn es gab bis dato kein sinnvolles Aussteiger-Buch, das sich nicht in Rechtfertigungsdiskursen verliert oder extrem oberflächlich bleibt. Mein Buch hat entscheidende Eigenheiten, die in bisherigen einschlägigen Publikationen nicht vorgenommen wurden. Das ist auch das Feedback, das ich bisher von Rezipienten erhalten habe.
Sie haben es selbst gerade angesprochen: Die Ränder der Gesellschaft. Man schiebt dieses rechte Gedankengut ja auch gerne ungebildeten und einfach gestrickten Menschen zu. Sie sind gebildet, halten Vorträge, haben später auch studiert. Sie sind also nicht der gängigen Vorstellung vom Nazi entsprechend.
Ich habe im Buch beschrieben, warum Nazis dumm sind. Dummheit ist für mich nicht die Abwesenheit von Bildung, Wissen oder ein Mangel an Intelligenz. Das Vermögen falsche Probleme zu erzeugen und daran zu glauben, das ist Dummheit für mich, also Fähigkeit, die alle Menschen besitzen und auf verschiedenste Weisen praktizieren.
Das längere Interview geht hier weiter:
https://kurier.at/chronik/oesterreich/e ... ket-newtab









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