Neonazi-Konzert in Thüringen Ein Dorf wehrt sich

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Neonazi-Konzert in Thüringen Ein Dorf wehrt sich

Beitragvon Interessierter » 16. Juli 2017, 08:41

Knapp 3000 Menschen leben im thüringischen Themar, jetzt kamen 6000 Gäste, und zwar unerwünschte: Neonazis zu einem Rechtsrock-Konzert. Wie sie das finden, machten die Dorfbewohner sehr deutlich.

Als es ihr zu bunt wird, stolpert die Rentnerin Barbara Morgenroth unversehens in die Rolle der Rebellin. Plötzlich bekommt sie einen Strafbefehl, weil sie ein Plakat an einem Laternenpfahl angebracht hat, obwohl es verboten war. Plötzlich kriegt sie Ärger mit dem Bürgermeister, dem das alles zu viel wird. An diesem Samstag im Juli schnappt sie sich ihren alten Bollerwagen aus Holz, pappt ein Schild daran und marschiert mit eiligen Schritten ins Zentrum des südthüringischen Städtchens Themar. Auf dem Schild steht: "Sag deine Meinung".

Sie hat ihre eigene über die Tausende Neonazis, die an diesem Tag zu einem Rechtsrock-Festival in den Ort mit seinen 2913 Einwohnern strömen. "Rock gegen Überfremdung" nennen sie ihre Veranstaltung, und Barbara Morgenroth findet das unerhört. In Themar und überhaupt in Thüringen gibt es nur wenige Ausländer, und Morgenroth kann den Hass, der Migranten von den Rechtsextremen entgegenschlägt, nicht ausstehen.

Ihr Mann Arnd war bis zur Rente Pfarrer in Themar, noch heute wohnen die beiden Mittsiebziger gegenüber von der Kirche. Sie engagieren sich im Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit aus dem drei Kilometer entfernten Kloster Veßra. Mit dem Christentum seien Hass und Hetze unvereinbar, sagen sie. Darum machen sie sich am Morgen auf den Weg in den Ortskern. Sie mit dem klapprigen Bollerwagen, er auf dem Fahrrad. Sie passieren bunte Schilder, die sie zusammen mit anderen Themeranern gemalt haben. Jedes einzelne ein liebesvolles Werk des Widerstands.

Kleiner, aber feiner Protest

"Nazis mögen keine Katzen, denn Katzen kratzen ihre Glatzen."
"Ich bin so wütend, ich hab sogar ein Schild gemalt."
"Fremdenhass, das ist bekannt, endet oft am Dönerstand."


An Themar lässt sich ablesen, wie Neonazis sich einen Ort für ihre Konzerte und Versammlungen aussuchen - und wie die Bevölkerung sich klein, aber fein dagegen wehrt. Am Ende dieses Samstags feiern 6000 Rechtsextreme auf einer Wiese am Ortsrand von Themar, trinken, grölen, hören dröhnenden Hassrock aus den Lautsprechern. Und nein, es werden sich ihnen nicht mehrere Tausend Demonstranten entgegengestellt haben. Sitzblockaden wie in Dresden oder Jena?

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 58050.html
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: Neonazi-Konzert in Thüringen Ein Dorf wehrt sich

Beitragvon HPA » 16. Juli 2017, 18:56

Die Musterarier kann man u.a. hier bestaunen:

https://www.flickr.com/photos/97583384@ ... 779734512/
Bild

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Re: Neonazi-Konzert in Thüringen Ein Dorf wehrt sich

Beitragvon Hamiota » 16. Juli 2017, 20:56

Die Rechten kamen aus ganz Deutschland, einschlieslich den toleranten weltoffenen alten Bundesländern, sowie aus vielen Ländern Europas, von Slowenien über die Schweiz bis nach Norwegen.
Nur weil die Justiz entschied das diese Veranstaltung im wahrsten des Wortes "Rechtens" ist, fand sie statt. Die Bevölkerung, die Bürgermeister, der Landrat versuchten alles um dies zu verhindern.
Vergebens!

Der Rechtsstaat machte es aber möglich!

der Peter [hallo]
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Re: Neonazi-Konzert in Thüringen Ein Dorf wehrt sich

Beitragvon HPA » 16. Juli 2017, 21:59

Und wie man so hört, war unter den angekündigten Rednern auch Russland mit Denis Nikitin, einem einschlägig bekannten Neonazi und Gründer der Marke white rex vertreten.

Genau dieser welcher bereits in Marseille auffiel: http://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszei ... y/25625830

Und ich dachte immer, Putin hat die russischen Nazis abgeschafft. [flash]
Bild

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