Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon augenzeuge » 22. Mai 2011, 11:36

Die Gründung der Missionen geht zurück auf Artikel 2 des Londoner Abkommens vom 14. November 1944. Die Endniederlage der Deutschen in Sichtweite, beschlossen die künftigen Siegermächte, in jeder Besatzungszone Verbindungsmilitärs bei den Oberkommandierenden zu akkreditieren. So sollte die militärische Kommunikation sichergestellt werden.

Auszug:
"Neunzig Prozent der Arbeit waren Routine. In zehn Prozent der Einsätze war gehörig Adrenalin im Körper", erinnert sich Geoff Greaves, heute 58 Jahre alt und Geschäftsführer einer Firma, die Kreuzfahrtschiffe vor Entführung schützt. Von 1974 bis 1976 tourte er im Auftrag der britischen Mission durch die DDR. 1984 kehrte er für drei Jahre als Hauptmann zur sogenannten Brixmis zurück. Wie alle westlichen Missionsmilitärs war Greaves in West-Berlin stationiert. Hier wurden die Touren geplant und wurde nach der Rückkehr das Material ausgewertet. Die Potsdamer Missionsgebäude am Heiligen See dienten eher repräsentativen Zwecken.

Jede der ein- bis dreitägigen Erkundungsfahrten führte über die Glienicker Brücke. Dort lauerten bereits die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit. Die erste Aufgabe des Fahrers war es, diese abzuhängen. "In 80 Prozent der Fälle gelang das. Vor allem dank überlegener Motorisierung", erinnert sich Greaves. Trabis und Lada Nivas hatten gegen die Mercedes vom Typ G kaum eine Chance, zumal die westlichen Militärwerkstätten praktische Extras eingebaut hatten, die ein wenig an James Bond erinnern. Zusatztanks waren Standard, die Stasi musste immer früher tanken. Bei Dunkelheit konnten die Missionswagen ihre von ferne leicht erkennbaren Westscheinwerfer aus- und ein flackerndes Trabi-Funzellicht einschalten. Und wenn es im Gelände hart auf hart kam, knipste der US-Fahrer auch die Trabi-Imitationsleuchten aus, setzte ein Nachtsichtgerät auf und schaltete auf Infrarotscheinwerfer um.

Die ostdeutschen Verfolger losgeworden, suchten die Spione in Uniform dann nach allem, was Rückschlüsse auf die militärischen Fähigkeiten und Absichten der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, GSSD, zuließ. "In den fünfziger und sechziger Jahren bestand die Hauptaufgabe der Missionsleute darin, einen potenziellen Überraschungsangriff der Sowjets rechtzeitig zu erkennen", weiß Bernd von Kostka, Historiker im Berliner Alliiertenmuseum, das den Verbindungsmissionen eine eigene Abteilung widmet. Systematisch überwachte man Straßen- und Gleisverbindungen zwischen den militärischen Sperrgebieten – die zwischenzeitlich bis zu einem Drittel des DDR-Territoriums ausmachten –, um eventuelle Truppenverlegungen zu melden. Wann immer ein Konvoi der GSSD oder der Nationalen Volksarmee losfuhr, wurde aus Verstecken heraus fotografiert, was die Kameras hergaben. "Wichtig war es, die Registrierungsnummern zu erwischen", erinnert sich Veteran Greaves. Einmal filmte er drei Tage lang von seinem Tarnzelt aus dreizehn Züge. Am Ende hatte er die gesamte 9. Division der NVA im Kasten – und auf der Rückfahrt "a wonderful time".

Noch viel mehr über die MVM, auch über die Todesumstände des US-Militäraufklärers Arthur D. Nicholson 1985 erfährt man hier:
http://www.thomasramge.de/texte1/feind.html

AZ
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon karl143 » 23. Mai 2011, 18:38

Mehr zur Arbeit der Militärverbindungsmissionen, oder allgemein Militärmissionen hier

viewtopic.php?f=37&t=804&p=9081&hilit=milit%C3%A4rmissionen#p9081

oder hier: viewtopic.php?f=4&t=906&hilit=milit%C3%A4rmissionen&start=40
karl143
 

Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon karl143 » 23. Mai 2011, 18:44

Mit dem Ende des Viermächterechts über Deutschland endete wie Augenzeuge beschrieben hat, auch jede Kontrolltätigkeit der Militärmissionen. Einer der Mitglieder der brit. Mission (Brixmis) lebt heute in Wolfenbüttel, Niedersachsen. Er hatte nach dem Ende seines Dienstes das brit. Militär verlassen, und da er mit einer deutschen verheiratet war, blieb er in Deutschland. Er fing bei der Polizei in Wolfenbüttel als ziv. Angestellter an und ging dann 2009 in den Ruhestand. Es ist ein Erlebnis, wenn er seine Erlebnisse erzählt. Ich hatte ihm schon mal aus geraten, doch ein Buch zu veröffentlichen. Ein netter Mensch.
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Sirius » 13. Januar 2012, 17:24

Wosch hat geschrieben:Sirius, den Fall Nicholson hatte ich als "Ludwigsluster" auch schon mal im AF zur Sprache gebracht. Ich kannte das Gelände wo man ihn erschossen hatte (als Kinder hatten wir da auch unser "Unwesen" getrieben).


Hallo wosch,

ich antworte Dir einmal im passenden Thread. Das war doch südlich der B 191, zwischen der Grabower Chaussee und Karstädt, richtig? Nach den Informationen die ich gefunden habe, war der Tatort etwa 200 Meter südlich der B191. Falls Du Google Earth hast, hier die Koordinaten:

53°17'36.57"N
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Sirius » 13. Januar 2012, 17:28

SCORN hat geschrieben:Nicholson drang unerlaubt in militärisches Sperrgebiet ein um Fotos vom T-80 zu machen.
Dabei wurde er von einem Posten erschossen. Sehr ausführlich wird es auch hier behandelt:

---> http://www.nva-forum.de/nva-board/index ... =nicholson


Hallo Scorn,

existiert der Thread noch? Für nicht Angemeldete funktioniert der Link nicht. Dort soll es eine MfS-Tatortskizze geben. Könntest Du die bitte einmal hier hinein kopieren?
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon augenzeuge » 13. Januar 2012, 18:12

Sirius hat geschrieben:
SCORN hat geschrieben:Nicholson drang unerlaubt in militärisches Sperrgebiet ein um Fotos vom T-80 zu machen.


Die Amerikaner stellten in der Untersuchung fest, dass Nicholson innerhalb des Protokolls für USMLM-Missionen gehandelt hat!
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Luchs » 13. Januar 2012, 18:37

Sirius hat geschrieben:...
Hallo wosch,

ich antworte Dir einmal im passenden Thread. Das war doch südlich der B 191, zwischen der Grabower Chaussee und Karstädt, richtig? Nach den Informationen die ich gefunden habe, war der Tatort etwa 200 Meter südlich der B191. Falls Du Google Earth hast, hier die Koordinaten:

53°17'36.57"N
11°30'47.73"E


Wer kein GoogleEarth hat, kann aber GoogleMaps nutzen. Hier der Link.
Viele Grüße [hallo]
Micha
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon augenzeuge » 13. Januar 2012, 19:00

Sirius hat geschrieben:...soll es eine MfS-Tatortskizze geben.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Edelknabe » 13. Januar 2012, 19:04

Und was sagt das Protokoll nun aus Jörg oder hätte der sowjetische Wachposten derweilen eine Rauchen gehen sollen, damit der Knabe den Panzer ordentlich hätte ablichten können?

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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon augenzeuge » 13. Januar 2012, 19:19

Edelknabe hat geschrieben:Und was sagt das Protokoll nun aus Jörg oder hätte der sowjetische Wachposten derweilen eine Rauchen gehen sollen, damit der Knabe den Panzer ordentlich hätte ablichten können?

Rainer-Maria


Im NVA-Forum bringt es ein User auf den Punkt:

"Auf keinen Fall Waffengewalt gegen MVM-Personal, da diplomatischer Status und nicht bewaffnet und damit jede Menge Ärger auf höchster Ebene vorprogrammiert. Anrufen. Entschlossen wirken. Waffe durchladen. Warnschuss in die Luft abgegeben. Bei Nichtbefolgen nochmals Warnschüsse in die Luft oder vor den Wagen in den Boden abgeben. Falls das nicht hilft keinesfalls den Helden spielen. Nicht den Wagen unter Feuer nehmen (nur wenn durch Angriff Gefahr für das eigene Leben besteht, dann gezieltes Feuer auf die Reifen/Motorblock). Fahrzeug eher entkommen lassen als Situation zur Eskalation führen."
http://www.nva-forum.de/nva-board/index ... lson&st=15
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Edelknabe » 13. Januar 2012, 19:51

Und das hatte der kleine Wachposten alles im Kopf Jörg? Ich nenne ihn einmal Igor Artjom, also der dachte bestimmt gerade an seine Heimatstadt Odessa, war schon 475 Tage nicht mehr im Urlaub, die Tage drückten doch etwas aufs Gemüt und so liese sich das wunderschön realistisch fortsetzen.

Und dann kam Nicholson und bumms,Igor erwachte aus seiner Tagträumerei, nahm die Waffe von der Schulter und ....wenn alles so einfach wäre Jörg" anrufen, entschlossen wirken, Warnschuss abgeben, Gottbehüte verdammt noch mal nicht auf den Mann zielen, nein, so minimal 34 cm danebenhalten...maximal 50cm" und mal ganz laut gelacht dabei vom Rainer-Maria über solchen herrliche Quatsch aus dem NVA-Forum.
Manchmal glaube ich, man hätte den Wachposten der Kasernen der GSSD noch eine Liste mit Fotos mitgeben sollen von den vielen "Nicholsons".

Rainer-Maria selten so gelacht über solchen realitätsfernen Käse, was natürlich den Herrn N. auch nicht wieder lebendig macht.Verdammt, da fällt mir ein, deren Posten zogen fast immer mit Bajonett auf, hätte Igor doch lieber das Bajonett genommen um die Fischbüchse für den Hunger zwischendurch aufzubekommen, er hätte den N. doch glatt übersehen.
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon augenzeuge » 13. Januar 2012, 20:08

Rainer, du magst es Quatsch nennen. Ich nicht. Wenn du dir ansiehst, wie die Russen die MVM manchmal gejagt haben, dann muss man echt grinsen. Aber Abschießen war nunmal tabu. Das waren Diplomaten, nicht irgendwelche billigen Agenten. Und der arme Wachposten bekam die Spießruten garantiert zu spüren...wetten?

Hier ist ne Menge schief gelaufen, auf beiden Seiten. Nicht umsonst war der sowj. Botschafter bei der Beisetzung in den USA dabei.
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Sirius » 13. Januar 2012, 20:29

augenzeuge hat geschrieben:
Sirius hat geschrieben:...soll es eine MfS-Tatortskizze geben.


AZ,
Danke für das Einstellen der Skizze!

Das Gelände sieht heute verändert aus. Die Halle steht nicht mehr, dort ist heute eine helle Fläche. Die Wege sind noch vorhanden.
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Sirius » 13. Januar 2012, 20:45

SCORN hat geschrieben:Nicholson drang unerlaubt in militärisches Sperrgebiet ein um Fotos vom T-80 zu machen.
Dabei wurde er von einem Posten erschossen. Sehr ausführlich wird es auch hier behandelt:

---> http://www.nva-forum.de/nva-board/index ... =nicholson


Im Untersuchungsbericht (englisch, ab S.6/pdf-Seite 18) steht, dass der Tatort sich nicht in einer PRA (permanent restricted Area) befand. Die PRA´s (permanent gesperrte Gebiete für MVM-Angehörige) wurden in einer Karte eingezeichnet, die die MVM-Angehörigen erhielten. Eine solche Karte ist im Untersuchungsbericht enthalten. Die PRA begann etwa 200 Meter nordwestlich vom Tatort, auf der anderen Seite der B191. Da lag also noch ein Wald und eine Straße zwischen dem Tatort und der Grenze der PRA. Der Tatort befand sich in einem nicht eingezäunten Übungsgelände mit einem Schießplatz.

Hier der Untersuchungsbericht (dauert etwas beim Laden) mit Fotos und Karten.
http://www.history.hqusareur.army.mil/A ... rt%201.pdf
Zuletzt geändert von Sirius am 13. Januar 2012, 21:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Sirius » 13. Januar 2012, 21:02

Edelknabe hat geschrieben:Und was sagt das Protokoll nun aus Jörg oder hätte der sowjetische Wachposten derweilen eine Rauchen gehen sollen, damit der Knabe den Panzer ordentlich hätte ablichten können?

Rainer-Maria


Einmal etwas zum Tatablauf:

Der sowjetische Wachposten Junior Sergeant Aleksandr Ryabtsev hatte sich im Wald aufgehalten als das Fahrzeug kam und hat die beiden MVM-Angehörigen beobachtet. Wenn ich die Skizze richtig lese, stand der rechts unten auf der Skizze, also südöstlich am Waldrand. Als Nicholson aus dem Fahrzeug ausgestiegen war und in Richtung Halle lief, stellte sich der Fahrer Schatz (ein Deutscher, der in die USA ausgewandert war), auf die Vordersitze und ragte mit dem Oberkörper aus dem Fahrzeug um in alle Richtungen Ausschau zu halten. Als er in südöstliche Richtung schaute, sah er in etwa 75 Meter Entfernung den sowjetischen Wachposten, der mit dem Gewehr auf ihn zielte. Als sich Schatz dann in Richtung Nicholson drehte um ihn zu warnen, schoß der Wachposten bereits auf Schatz. Schatz hörte die Kugel ganz dicht an seinem Kopf vorbei fliegen - seine Bewegung hatte möglicherweise sein Leben gerettet. Er ließ sich danach auf die Sitze fallen und hörte dann zwei weitere Schüsse. Einer davon traf Nicholson in den Oberkörper.
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Wosch » 13. Januar 2012, 21:33

Sirius hat geschrieben:
Wosch hat geschrieben:Sirius, den Fall Nicholson hatte ich als "Ludwigsluster" auch schon mal im AF zur Sprache gebracht. Ich kannte das Gelände wo man ihn erschossen hatte (als Kinder hatten wir da auch unser "Unwesen" getrieben).


Hallo wosch,

ich antworte Dir einmal im passenden Thread. Das war doch südlich der B 191, zwischen der Grabower Chaussee und Karstädt, richtig? Nach den Informationen die ich gefunden habe, war der Tatort etwa 200 Meter südlich der B191. Falls Du Google Earth hast, hier die Koordinaten:

53°17'36.57"N
11°30'47.73"E



Genau Sirius, dort spielte es sich ab. Wenn Du die 191 bis zur ehemaligen F5 fährst und dann in Richtung Ludwigslust abbiegst siehst Du das landwirtschaftliche Anwesen des Vaters eines ehemaligen Schulkameraden von mir. So etwa im Alter von 10/12 Jahren unternahmen wir Kinder von hier aus unsere "Eroberungen" des russischen "Feindgebietes". Wir kamen damals ohne Verluste sogar bis zu den Panzerübungsschießplätzen und ob Du es glaubst oder nicht, wir richteten erhebliche Schäden an, unsere Zerstörungswut kannte bei uns Kindern keine Grenzen ohne das wir uns für die möglichen Folgen im klaren waren. An der Rückseite des Truppenübungsplatzes zu dem Anwesen meines Bekannten gab es damals keinen Zaun, wie das zur Zeit des "Nicholson" war, weß ich natürlich nicht. Die alten Hangard´s die Du neben der 191 sehen kannst stammen noch aus der NS-Zeit, in denen standen dann bei den Russen statt Flugzeuge eben die Panzer. Auf der F5 etwas weiter in Richtung Ludwigslust war die Transportpolizei stationiert, es müßten nach meiner Erinnerung die nächsten Gebäude gewesen sein.
Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]
Ich bin stolz darauf, noch nie den "Melde-Button" benutzt zu haben!
Mecklenburger sind nicht nachtragend, aber vergessen tun sie auch nicht!
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon vs1400 » 14. Januar 2012, 01:14

vorfälle gab es ne masse klickmich.

auch in halle/ saale ... Philippe Mariotti ... und hier.

mal was zum technischem teil ... dann hier.

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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Edelknabe » 14. Januar 2012, 06:19

Gute Schilderung Sirius über den Ablauf der dann wohl doch etwas tragisch endenten Sache. Ich möchte fast wetten, das die sowjetischen Wachposten so gut wie garnicht über solche MVN-Leute informiert wurden und denke ich an meine eigene Zeit am Kanten Ende der 70er Jahre muss ich da vollkommen überhört haben, wenn der UvD etwas von MVNs erzählt haben sollte.

Also man sollte auch mal....die "Gewusst wo, was, wie und was mach ich jetzt doch gleich Katze" im Sack lassen denn das waren doch etwas andere Zeiten damals und da rannte der sowjetische Wachposten auch nicht mit mobilem Internet durch die Gegend, um bei Googl mal so nebenbei MVN einzugeben oder gar seinen Verhaltenskodex in solchen Fällen in Moskau abzufragen.
Der Nicholson hatte sinngemäß hoch gepockert und am Ende ein mieses Blatt gehabt, war halt sein Pech.

Rainer-Maria und allen einen guten Sonnabend ins Forum. Und sollte Einer auf Wache aufziehen, so in Afghanistan dann Augen auf Junge...schlafen kannst du später, denn der Gegner schläft nie (der weiß aber auch warum, ganz im Gegensatz zu Dir)
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Sirius » 14. Januar 2012, 11:42

Edelknabe hat geschrieben:Gute Schilderung Sirius über den Ablauf der dann wohl doch etwas tragisch endenten Sache. Ich möchte fast wetten, das die sowjetischen Wachposten so gut wie garnicht über solche MVN-Leute informiert wurden und denke ich an meine eigene Zeit am Kanten Ende der 70er Jahre muss ich da vollkommen überhört haben, wenn der UvD etwas von MVNs erzählt haben sollte.

Also man sollte auch mal....die "Gewusst wo, was, wie und was mach ich jetzt doch gleich Katze" im Sack lassen denn das waren doch etwas andere Zeiten damals und da rannte der sowjetische Wachposten auch nicht mit mobilem Internet durch die Gegend, um bei Googl mal so nebenbei MVN einzugeben oder gar seinen Verhaltenskodex in solchen Fällen in Moskau abzufragen.
Der Nicholson hatte sinngemäß hoch gepockert und am Ende ein mieses Blatt gehabt, war halt sein Pech.

Rainer-Maria und allen einen guten Sonnabend ins Forum. Und sollte Einer auf Wache aufziehen, so in Afghanistan dann Augen auf Junge...schlafen kannst du später, denn der Gegner schläft nie (der weiß aber auch warum, ganz im Gegensatz zu Dir)


Oder der Wachsoldat war zuerst nicht in der Lage, das Fahrzeug aus der Entfernung als MVM-Fahrzeug zu identifizieren. Anders ist seine Überreaktion nicht zu erklären. In seinem Kopf gab es wahrscheinlich in dem Moment nur die Begriffe "Spion" oder "Saboteur", die er mit allen Mitteln stoppen muss. Wäre der Wachposten in seinem Wachhäuschen neben der Halle gewesen und nicht im Wald geblieben, um das Fahrzeug zu beobachten, und sofort erkennbar aus dem Wald getreten, wäre Nicholson vermutlich gar nicht ausgestiegen und das Fahrzeug wäre wieder weg gefahren. Denn Nicholson und sein Fahrer haben auch erst das Umfeld beobachtet, ob sie dort alleine sind, bevor er ausstieg. Sie waren zuerst auf der Rückseite der Halle, wo Nicholson ausstieg um dort angebrachte Übungsplakate zu fotografieren, danach stieg Nicholson wieder ein und sie fuhren zur Vorderseite der Halle, wo sie erneut das Umfeld beobachteten, bevor Nicholson erneut ausstieg.
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon SCORN » 14. Januar 2012, 12:33

sich in russische postenbereiche zu begeben ist und war in jedem fall eine gefährliche sache. unabhängig ob deutscher, amerikanischer oder russischer nationalität!
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Sirius » 14. Januar 2012, 12:42

Die Fortsetzung der Ereignisse um den Tod von Major Nicholson :

Nachdem auf den Fahrer Schatz geschossen worden war und er sich durch das Schiebedach zurück auf die Sitze begeben hatte, stellte er den Motor an und fuhr rückwärts in die Richtung von Nicholson, als in dem Moment zwei Schüsse fielen und er einen Schrei von Nicholson hörte. Er fuhr bis auf zwei Meter an den am Boden Liegenden heran und kurbelte das Fenster herunter und schaute heraus. Nicholson sagte, dass er getroffen sei. Schatz nahm den Erste-Hilfe-Kasten und stieg aus, als plötzlich ein sowjetischer Soldat in seiner Nähe stand - vermutlich der, der geschossen hatte. Schatz zeigte auf das rote Kreuz auf dem Kasten und deutete an, dass er Nicholson helfen wollte, doch der Wachsoldat zwang ihn schreiend mit vorgehaltener Waffe in das Fahrzeug zurück. Der Wachsoldat ging nun - ohne Schatz aus den Augen zu verlieren - zu seinem Wachhäuschen und telefonierte, dabei hörte Schatz das Wort "Missiya" (Mission) mehrmals. Kurz darauf erschienen sowj. Soldaten am Ort, während Schatz verdeckt sein Diktiergerät einschaltete und so alle weiteren Ereignisse auf Band sprach. Es erschienen im Verlauf weitere Soldaten und Offiziere vor Ort, die aber alle keine erste Hilfe leisteten. Etwa eine halbe Stunde nach den Schüssen erschien ein Mann in einem blauen Trainingsanzug, dem ein Soldat mit einer Medizintasche zugeordnet war. Erst nach einer weiteren halben Stunde um etwa 16.50 Uhr begab sich der Mann im Trainingsanzug zu Nicholson und fühlte seinen Puls, worauf er "njet" sagte - offenbar war Nicholson tot.

Um 17.30 Uhr wurde Schatz von einem sowj. Major unterrichtet, dass die MVM in Potsdam benachrichtigt sei. Es erschienen im Verlauf weitere Soldaten. Um 18.40 Uhr landete in der Nähe ein Hubschrauber, aus dem ein sowj. Ein-Sterne-General (Generalmajor) ausstieg, der sich zusammen mit einem Dolmetscher zum MVM-Fahrzeug (Mercedes-Benz 280 Geländewagen) begab. Dort schrie er Schatz in schnellem russisch an, warum er ihm gegenüber keinen angemessenen Respekt zeige, auch wenn er einer anderen Armee angehöre, worauf Schatz aus dem leicht herunter gekurbelten Fenster erwiderte, dass er den Befehl habe im Fahrzeug zu bleiben. Anmerkung: Das Fahrzeug galt nach den MVM-Bestimmungen als exterritoriales Gebiet. Der General stellte ihm dann verschiedene Fragen; ob er eine Familie habe, warum er hier sei, welchen Auftrag die Mission habe und ob er wisse, dass er sich in einem Sperrgebiet befinde, worauf Schatz entgegnete, dass er sich nicht in einem MVM-Sperrgebiet (PRA) befinde, was er dem General auf einer Karte zeigte. Auf Nachfrage verweigerte der General ihm seinen Namen zu nennen. Während der Befragung versuchten mehrmals sowjetische Soldaten die Fahrzeugtüren zu öffnen, was misslang, da alle verriegelt waren. Auf die Bitten von Schatz nach medizinischer Hilfe für Nicholson wurde nur ausweichend geantwortet. Um 19.00 erschienen weitere Personen in Zivil, die die Leiche durchsuchten und fotografierten. Später kamen weitere Gruppen die das Gleiche taten. Dann kam ein Oberst, der sich den MVM-Ausweis von Schatz zeigen ließ.

Im Anschluss erschien der sowjetische Drei-Sterne-General (Generaloberst) Grigori Kriwoshejew (Foto), der Schatz fragte, warum er seinen Major getötet habe, was dieser bestritt. Der General sagte, dass er ihn schon einmal gesehen habe, woraus Schatz schlussfolgerte, das das bei der Thanksgiving-Feier 1984 in der Potsdamer MVM-Niederlassung gewesen sein muss, wo der General Gast gewesen war.

Kurz nach 21.00 Uhr erreichte der US-Oberst Lajoie mir seinem Fahrzeug den Ort des Geschehens, er begab sich zu Kriwoshejev und seinen ihn umgebenden höheren Offizieren und salutierte diesem, was dieser nicht erwiderte. Dann begann eine verbale Auseinandersetzung zwischen beiden. Kriwoshejev gab Nicholson die Schuld, da sich dieser in einem Sperrgebiet befunden hätte und nicht auf die Warnschüsse des Wachsoldaten reagiert habe. Darauf fragte Lajoie, warum er protestiere, schließlich sei einer seiner Offiziere erschossen worden. Es gab darauf von Kriwoshejev persönliche Attacken verbaler Form gegen Lajoie - Lajoie sei durch dieses Ereignis für die Verschlechterung der Beziehungen der beiden Staaten verantwortlich u.s.w.. Anschließend gab es zwischen beiden eine ergebnislose Diskussion anhand von Karten, ob sie sich in einem Sperrgebiet befinden. In der Folge wurde in Anwesenheit der beiden die Leiche noch einmal untersucht, was kein schöner Anblick war, da die Leichenstarre begonnen hatte. Dann begann eine längere Diskussion, wann und wo die gerichtsmedizinische Untersuchung stattfinden soll. Man einigte sich auf eine sowjetische Einrichtung in Potsdam mit Anwesenheit von US-Personal. Danach gab es eine Diskussion darüber, ob der Fahrer Schatz jetzt befragt werden kann, worauf Lajoie auf einem Aussageverweigerungsrecht von Schatz bestand. Schatz gab schließlich in der Befragung nur persönliche Daten an und verweigerte die Aussage zu der Mission und dem Vorfall. Schließlich präsentierten die Sowjets ein Dokument ("Akt") das Lajoie unterzeichnen sollte. Dieser "Akt" enthielt Formulierungen eines Schuldeingeständnisses, da man sich in einem Sperrgebiet befunden hätte. Lajoie verweigerte die Unterschrift, wie bereits Schatz mehrere Stunden zuvor. Die Sowjets stimmten zu, dass Schatz zusammen mit Lajoie nach Berlin fahren darf und ein US-Oberstleutnant Nicholsons Leiche in einem sowjetischen Ambulanzwagen nach Potsdam begleiten kann. Als das sowjetische Personal weit genug von den Fahrzeugen entfernt stand, stieg Schatz in Lajoies Fahrzeug um und ein US-Unteroffizier stieg in Schatz´ Fahrzeug ein. Um 23.30 Uhr verließ das US-Personal mit ihren Fahrzeugen den Ort. An einer Tankstelle wurde das MVM-Hauptquartier in Berlin telefonisch unterrichtet. Um 02.00 Uhr erreichten sie Berlin. Um 02.30 fuhr Lajoie zu den Angehörigen von Nicholson und unterrichtete sie über seinen Tod.

In einem ersten Bericht über die Ereignisse am Tatort erwähnte Lajoie die Arroganz, die Kühle und das fehlende Mitleid des sowj. Personals am Tatort, was ihn an den Abschuss eines koreanischen Zivilflugzeugs 1983 erinnerte. Er erwartete, dass er und Schatz von den Sowjets zur persona non grata erklärt würden. Seiner Meinung nach würden die Sowjets niemals von ihrer Position abweichen, dass sich der Tatort in einem Sperrgebiet befinde. Am meisten verurteilte er, dass ohne Warnschüsse geschossen worden sei und das Nicholson erst über eine Stunde später untersucht sowie jede medizinische Hilfe verweigert wurde.
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon SkinnyTrucky » 14. Januar 2012, 12:49

Also...meine Dienstzeit liegt ja nu wirklich ganz zum absoluten Ladenschluss der DDR....mir war bis in die Foren heute echt nichts bekannt von den Missionen....

....ich kann mich allerdings erinnern, wie wir zum Objektwachaufzug instruiert wurden...da war nämlich nur die Rede davon, das es Spione gibt, die militärische Objekte interessant finden....kein Wort davon, das es den Alliierten erlaubt war, Streife zu fahren in der DDR, so wie hier im Fred beschrieben durch die MVMs....echt keiner war jetzt echt bewusst, das es echt passieren konnte, das da mal ein verdächtiges Fahrzeug oder verdächtige Leute um die Objekte gesehen werden könnte(n)...damit hat wirklich niemand von uns einfachen Soldaten gerechnet, denn so eindringlich wurde da nicht vor gewarnt....

....als ich nun in Lüneburg kurz nach meiner Flucht dem Oberkommandeur des BGS all mein Wissen erzählte über meine Wirkungsstätte da bei Röverhagen bei der DDR-Luftwaffe, da machte er mir deutlich, das sehr viel über alle militärischen Objekte in der DDR eh bekannt waren im Westen bei den richtigen Stellen...ja irgendwie so sagte er das mit einem gewissen Stolz....auch hatte er selber eine umfangreiche Sammlung von wie, er sagte, Beutestücken...halt lauter Militaria aus der DDR....Wimpel und so'n Kram...Uniformstücke und alles Mögliche....er hatte ein ganz nettes Reliquien-Kabinett....das zeigte er mir auch voller Stolz...in diesem Raum machten wir es uns bei Kaffee und Kuchen gemütlich zum Gespräch....

groetjes

Mara
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon vs1400 » 14. Januar 2012, 13:38

mal ein film zum thema ... klickmich.

gruß vs

ps: @ Sirius, guter beitrag. [super]
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Edelknabe » 14. Januar 2012, 14:10

Weiterhin gute Schilderung Sirius über diese Sache. Ich erinnere mich, das zum Beispiel die Tank/Munitionslager mit solchen Holzpilzen (viereckige an einem Balken hochkant angebrachten Überdachungen als Zeltdachausführung) als Postenpunkte im vier-oder Rechteckstandort als so eine Art Wetterschutz versehen waren. Und da waren wohl auch Telefone vorhanden wie in deinem Text, zumindest um die Wache im jeweiligen Standort zu unterrichten da die Gelände logischerweise immer gut entfernt vom Objekt lagen.

Aber diese Gelände waren im Gegensatz zum Übungsgelände so Wurzen und Grimma bei Leipzig von doppelten Stacheldrahtzäunen umgeben.Die Freunde waren soweit ich mich zurückerinnere immer sehr stur und nicht besonders nachgiebig bzw. unkooperativ, so ging es um Unklarheiten auf Namenslisten und anderen Sachen, die für unsere jeweiligen Baustellen in den Objekten zu klären waren.

Das war eben die russische Mentalität des "Aussitzens oder der völligen Arschruhe" wie in deinem Text gut geschildert, aber ansonsten im normalen Umgang miteinander ein sehr freundliches offenes Volk, ich habe diese Arbeitsjahre in den Kasernen der Freunde nie bereut haben sie doch meinen Horizont enorm erweitert. Und ich war nie in der UdSSR...aber das schrieb ich schon öfters, nur eben in den "Miniunionsrepubliken" auf ostdeutschem Boden.

Rainer-Maria der den schweren süßen Duft des Parfüms der Offiziersfrauen immer noch in der Nase hat. Und da waren hübsche Weiber mit noch hübscheren Töchtern darunter...aber ich schweife ab.
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon augenzeuge » 4. Juni 2015, 10:36

Ganz interessant zu lesen! Insbesonders für unser Mitglied der damaligen britischen Militärmission....[wink]

Vorsätzliche Verletzungen der Staatsgrenze der DDR durch einen Angehörigen der britischen Militärpolizei am 23.12.1976 an der Grenzübergangsstelle Friedrich-/Zimmerstraße

Am 23.12.1976, 10.11 Uhr, erschien an der Grenzübergangsstelle Friedrich-/Zimmerstraße der als Mitarbeiter der polnischen Militärmission in Westberlin bekannte polnische Diplomat Rybicki mit dem Pkw, Kennzeichen YH 91 B (Fahrzeug der polnischen Militärmission in Westberlin) zur Einreise in die Hauptstadt der DDR, Berlin.

Während des Passierens des Westberliner Kontrollpunktes Checkpoint Charlie wurde der Diplomat durch einen Angehörigen der britischen Militärpolizei durch Zuruf zum Halten aufgefordert. Das Fahrzeug kam fünf Meter hinter der Grenzmarkierung auf DDR-Territorium zum Stehen. Der britische Militärpolizist begab sich mit umgeschnallter Dienstpistole zum Kfz und sprach ca. 5 bis 10 Sekunden mit dem polnischen Diplomaten. Im Anschluss daran begab sich der Angehörige der britischen Militärpolizei schnellen Schrittes zu seinem Dienstgebäude zurück und kam nach etwa einer Minute abermals zum Kfz des polnischen Diplomaten und somit erneut widerrechtlich auf das Territorium der DDR.

Daraufhin begaben sich zwei Mitarbeiter der Passkontrollorgane der DDR zum Fahrzeug des Diplomaten und forderten den Angehörigen der britischen Militärpolizei, der ein Namensschild mit der Aufschrift [Name] trug, zum sofortigen Verlassen der Grenzübergangsstelle auf. Dieser Aufforderung wurde ohne Kommentar Folge geleistet.


Die Angehörigen der genannten MI begingen auch im Monat Dezember während ihres Aufenthaltes in der Hauptstadt der DDR, Berlin, Gesetze und Ordnungen der DDR verletzende Handlungen.
Weiter hier:
http://www.ddr-im-blick.de/Hubert_Co%7C ... +CL+236548

AZ
Freiheit ist ein Gut, das durch Gebrauch wächst und durch Nichtgebrauch dahinschwindet. Keiner darf für sich den Besitz der Wahrheit beanspruchen, sonst wäre er unfähig zu Kompromiß und überhaupt zu Zusammenleben.
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Interessierter » 28. August 2017, 10:08

Kalter Krieg - Showdown im Sperrgebiet

Westliche Militärdiplomaten genossen in der DDR fast uneingeschränkte Bewegungsfreiheit und nutzten sie dreist aus - zur Spionage. Mit den Sowjets lieferten sie sich dabei ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel. Einer der heißesten Schauplätze: ein Sperrgebiet in der Nähe von Weimar.

11. Januar 1980, der sowjetische Militärflugplatz Nohra in Thüringen, halb elf vormittags. Ein Fahrzeug der französischen Militärverbindungsmission nähert sich dem Flugfeld. Seit 9 Uhr herrscht dort reger Betrieb. Ununterbrochen starten und landen Mi-24, moderne Kampfhubschrauber, von der Sowjetarmee erst im Jahr zuvor in Nohra stationiert. Dem noch unbekannten Fluggerät gilt auch das Interesse der französischen Offiziere. Sie möchten sich ein Bild von der neuesten Technik machen, damit sie im Kriegs- oder Krisenfall nicht davon überrascht werden. Doch überrascht werden sie noch während ihrer Erkundungsmission.

Das Fahrzeug der Franzosen ist beobachtet worden. Gegen 11 Uhr informiert die DDR-Staatssicherheit die Sonderabteilung des KGB im Stabsobjekt Nohra. Ein Militärkommando rückt aus und lässt sich vom Überwachungsfahrzeug des MfS den Standort der Franzosen zeigen. Der sowjetische Major sieht seinen Verdacht bestätigt: Spionage. Er ordnet sofortige Gegenmaßnahmen an: Das Fahrzeug der Franzosen blockieren! Mit ihrem UAZ-Jeep steuern die Sowjets auf den schweren Mercedes zu. Die Franzosen versuchen zu fliehen, doch der Major springt aus dem Wagen und stellt sich ihnen in den Weg. Er wird vom Mercedes erfasst und einige Meter auf der Motorhaube mitgeschleift, bis er hart auf dem Boden landet. Der Major bleibt unverletzt, die Franzosen fahren weiter.

Weiter mit dem Bericht und 17 Fotos geht es hier:
http://www.spiegel.de/einestages/kalter ... 47396.html
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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BRIXMIS 1988. Transit routes to and from DDR via Glienicke Bridge

Beitragvon SkinnyTrucky » 28. August 2017, 11:27

BRIXMIS 1988. Transit routes to and from DDR via Glienicke Bridge

CentirosPartos auf YouTube hat geschrieben:BRIXMIS November 1988. Transit route from West Berlin to Mission House via Glienicke Bridge. Transit route from Michendorf in DDR on route 2 to Glienicke Bridge via Potsdam city centre and Mission House.






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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon HPA » 1. März 2018, 15:44

Na, SMM war ja auch öfter auch Tour.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Bild

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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Ari@D187 » 3. März 2018, 23:44

Sirius hat geschrieben:
SCORN hat geschrieben:Nicholson drang unerlaubt in militärisches Sperrgebiet ein um Fotos vom T-80 zu machen.
Dabei wurde er von einem Posten erschossen. Sehr ausführlich wird es auch hier behandelt:

---> http://www.nva-forum.de/nva-board/index ... =nicholson


Im Untersuchungsbericht (englisch, ab S.6/pdf-Seite 18) steht, dass der Tatort sich nicht in einer PRA (permanent restricted Area) befand. Die PRA´s (permanent gesperrte Gebiete für MVM-Angehörige) wurden in einer Karte eingezeichnet, die die MVM-Angehörigen erhielten. [...]

Wenn ich mich richtig erinnere, machte es einen großen Unterschied, ob die Jungs sich im Wagen oder halt außerhalb dessen befanden. Im Wagen waren sie quasi tabu.

Ari
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Re: Die Taktik der Militärverbindungsmissionen (MVM)

Beitragvon Volker Zottmann » 4. März 2018, 09:23

So war es wohl.
In den 1970er, da wohnte ich schon in Harzgerode und arbeitete auf einer Industriebaustelle im VEB Pyrotechnik Silberhütte (heiue Rhein-Metall-Waffe). Der Betrieb war normal streng vom uniformierten Werkschutz abgeschirmt. Rein gings nur mit Ausweis und Passierscheinen zu betreffenden Produktionsabteilungen.
Doch eines Tages sind Engländer mit ihrem Wagen von der Militärmission einfach bei geöffneter Schranke mit hineingefahren. Eine Aufregung. Die gondelten mit ihren Wagen über die innerlichen Betriebsstraßen unten an der Selke. Irgend ein Wachmann hat dann ein sonst unbenutztes Tor an einer weiteren Brücke über die Selke geöffnet und dann verschwanden die Militärss wieder völlig unbehelligt.
Wir arbeiteten am dortigen Rohbraunkohleheizhaus und hatten alles prima im Blick.
Das war Totalversagen des Objektschutzes. Irgendwann wurde der Wachleiter dann ABV in Harzgerode.

Gruß Volker
http://baupionier.zottmann.org/
http://Mein-DDR-Leben.de/

Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
(Volker Zottmann)
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