DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Edelknabe » 12. Juni 2015, 18:53

Ich habe mich einmal in das Gästebuch vertieft(siehe hier der Link von Interessierter war wohl Text2 im Fred mit dem Kindergfängnis) Da ich selber einen Freund hatte(dessen Mutter war allein erziehend)der wohl mit 13/14 Jahren auf Grund unserer damals kindlich jugendlichen Verfehlungen ins Kinderheim/Jugendwerkhof gewandert ist. Das ist wirklich interessant, was da geschrieben steht und ja, ich habe auch heute den komischen Lesebeigeschmack, das Mancher auf eine Rente /Entschädigung ob der Monate/auch Jahre hofft,denn das ist eine ganz normale Reaktion, ich würde es wohl im eigenen Falle genau so handhaben.

Warum so die Frage noch die recht unterschiedliche finanzielle Entschädigungspolitik West zu Ost? Wo lagen denn da Unterschiede so Kind West bei die "barmherzigen" Prügelschwestern und Kind Ost beim Erzieher mit der harten Hand? Warum tut man sich ausgerechnet für die DDR Betroffenen so schwer? Also lese ich die Überschrift mit den vielen Millionen kann ich die Realität(auch Gästebucheinträge) nicht so recht nachvollziehen? Da ist sinngemäß nur Frust, das eben kein Geld fließt, im Einzelfalle?

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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Edelknabe » 13. Juni 2015, 22:14

Keiner hat eine Antwort...oder gar eine Frage auf meinen Vortext,auch gut. Irgendwo schrieb ich das schon mal, mein Besuch im Jugendwerkhof Torgau, das muss 2010 gewesen sein? Ich sitze so in dem Audioraum, wo also Fotos der jungen Leute gezeigt werden(Foto leuchtet auf, junger Mann, Frau erzählen ihre ganz eigene Geschichte) da gesellt sich ein älterer Herr mit Enkel zu mir.

Ich ärgere mich heute noch, den Mann (ich schätzte Ihn so mein Alter)nicht nach seiner Telefonnummer gefragt zu haben.

Er stellte sich vor als ehemaliger ....nennen wir es Angestellter( das könnte der Koch, Hausmeister etc.) gewesen sein. Er meinte zu mir, besser,wenn ich erst in den Akten lesen würde(Nebenraum gegenüber) und mir dann erst des Einzelnen Geschichte anhöre. Und da stand es dann, was Zögling und späteres Opfer doch für eine....wie könnte man das heute bezeichnen..."recht gewalttätige kleine Persönlichkeit"(war es doch mehrfache Körperverletzung und...?) war und ohne Frage, wir wollen doch nicht alle über einen Kamm scheren. Das verbietet sich von selbst.

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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Interessierter » 14. Juni 2015, 08:10

Wie bestellt und passend zum Thread findet man heute auf SPON diesen Bericht und 12 Fotos:

Umerziehungsheime in der DDR - Geprügelt, weggesperrt, gedemütigt


Mit einem dumpfen Schlag fällt die Metalltür zu. Jetzt ist es finster. Die Wände der winzigen Zelle scheinen noch näher zu rücken. Die Decke ist ohnehin so niedrig, dass selbst kleine Leute sie mit ausgestrecktem Arm erreichen, die Längsseite kaum lang genug, dass ein Erwachsener sich auf der kargen Holzpritsche ausstrecken kann. Nur durch ein paar Glasbausteine neben der Tür fällt schummriges Licht herein. Andreas Freund atmet tief durch, mehrmals, dann sagt er: "So hell war es damals nicht. Damals war es ganz dunkel."

Damals, das ist jetzt 33 Jahre her. Damals, 1981/82, war Freund mehrere Monate lang Insasse des "Geschlossenen Jugendwerkhofs" in Torgau an der Elbe.

Torgau ist ein bisschen berühmt, weil sich hier im April 1945 kurz vor Kriegsende amerikanische und sowjetische Truppen begegneten. Während der DDR-Zeit war das sächsische Städtchen berüchtigt. Hierher kamen jene Jugendlichen, mit denen Lehrer oder Eltern nicht mehr zurechtkamen, die sich nicht in die sozialistische Gesellschaft einpassen wollten, jene, die als besonders renitent galten.

Hier sollten sie zu "vollwertigen Mitgliedern der sozialistischen Gesellschaft und bewussten Bürgern der DDR" werden. Ihren Charakter galt es zu "korrigieren", so hieß es in der Sprache der Pädagogen. "Es muss am Ende der sozialistische Staatsbürger als Erziehungsergebnis herauskommen", stand 1965 in einem Tagungsprotokoll der zuständigen Behörde.

Um den Hof verlief eine drei Meter hohe Mauer, einzementierte Glasscherben obendrauf, jeden Tag mussten die Jugendlichen hier Sport machen, die einzige Zeit, zu der sie an die Luft durften. Mit Ballettschläppchen mussten sie über den Kies laufen, erzählt Freund, bei jedem Wetter, Runde um Runde um den Hof, manchmal bis die Schläppchen durch und die Füße blutig waren. Bei den Erziehern beliebt war der "Torgauer Dreier", Liegestütz, Hocke und Hock-strecksprung, 300 und mehr mussten sie davon machen.

Nicht selten übergab sich jemand, brach zusammen, doch wer irgendwie konnte, kämpfte weiter, denn machte nur einer schlapp, wurde die ganze Gruppe bestraft. Mit noch mehr Sport. Oder mit dem Entengang, auch das eine der häufigen Strafen: Hände hinter den Kopf, die zwei Treppen in den ersten Stock hinauf, über den Gang und im anderen Treppenhaus wieder hinunter, 25-, 30-mal, gern auch mit Gewichten auf den Schultern. Folter war das, sagt Freund. Abends, nach dem Einschluss, kam dann die Rache der Gruppe. "Ich habe von den Prügeln noch heute Narben am ganzen Körper."

Der vollständige Beitrag hier:
http://www.spiegel.de/einestages/jugend ... 36755.html

Verantwortlich dafür waren Margot Honecker und die " Jugendhilfe ". Einweisungen geschahen ohne Gerichtsbeschluß.
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon augenzeuge » 10. Dezember 2016, 10:10

Eine neue Studie der Bundesregierung zeigt, wie die DDR Kinder und Jugendliche ausbeuten ließ. Viele Opfer leiden bis heute darunter.

Sie wurden schikaniert, geschlagen, eingesperrt und gedemütigt: Hunderttausende Heimkinder in der DDR haben zum Teil gravierendes Unrecht erlebt. Vor allem in Einrichtungen der Jugendhilfe zur "sozialistischen Umerziehung" herrschten rabiate Methoden, unter denen viele Opfer bis heute leiden. Jetzt belegt eine neue Studie im Auftrag der Bundesregierung besonders schlimme Auswüchse: In den Heimen wurden Kinder und Jugendliche teilweise systematisch zur Zwangsarbeit herangezogen – unter Strafandrohung und ohne ausreichende Rücksicht auf Alter und Gesundheit.

Die Thüringer SPD-Bundestagsabgeordnete sagt: "Die Studie zeigt ganz deutlich: Die DDR hat es zugelassen, dass Kinder und Jugendliche ausgebeutet wurden."

https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q= ... 5e_zZnSe0g

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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Interessierter » 3. Mai 2017, 09:49

Opfer der Heimerziehung in der DDR - Um die Kindheit gebracht

In DDR-Heimen wurden Kinder und Jugendliche systematisch misshandelt und gedemütigt. Die psychischen und sozialen Folgen sind längst nicht geheilt. Ein Gastbeitrag. Angelika Benz

Ursula Burkowski ist vier Monate alt, als ihr Leidensweg durch Kinder- und Jugendheime der DDR beginnt. Ihre Mutter hat in den Westen rübergemacht und ihre beiden Kinder zurückgelassen. Das Erste, woran sie sich erinnert, ist eine Kinderschwester, die sie mit Gurten ans Bett fesselt und sich grausame Späße mit ihr erlaubt: „Besondere Freude schien sie daran zu haben, mich auf ein Schaukelpferd zu setzen. Ich schrie fürchterlich vor Angst, und je lauter ich weinte, desto stärker schaukelte sie mich.“

In der sozialistischen Gesellschaft der DDR galt das Kollektiv als die beste aller Lebensformen. Kernpunkt dieser Ideologie war, dass jedes Individuum sich freiwillig und bewusst in das Kollektiv integrierte und das Beste für die Gemeinschaft und damit folgerichtig auch für sich selbst als Teil des Ganzen tat. Oberste Prämisse war also, das eigene Wohl unter das der Gemeinschaft zu stellen und in erster Linie nicht individueller Mensch, sondern funktionierender Teil eines Ganzen zu sein. Alle, die sich nicht in das „harmonische Ganze“ einfügten oder von der vorgegebenen Norm abwichen, musste demnach umerzogen werden – notfalls durch Brechung ihres Willens.

Ein Sechsjähriger wird nach der Schule abgeholt - ohne Vorwarnung

Von 1949 bis 1990 durchliefen 495 000 Minderjährige das Heimsystem der DDR, 135 000 davon waren in einem Spezialheim untergebracht und etwa 3500 im Kombinat der Sonderheime. Insgesamt gab es 662 Heime, davon 456 Normalheime mit 21 259 Plätzen, 168 Spezialheime mit 9364 Plätzen und 38 Jugendwerkhöfe mit 3031 Plätzen.

In die Fänge der „Jugendfürsorge“ gerieten alle Außenseiter: vom sozial schwachen Kind über verwahrloste oder gefährdete Jugendliche und der SED unliebsame (wie Freunde der Beatmusik) bis hin zu tatsächlich kriminellen und auffälligen Jugendlichen. Die Gründe und Familiengeschichten waren dabei absolut irrelevant. Der sechsjährige Ralf Weber beispielsweise kommt ins Heim, weil er sich auf der Straße herumtreibt, während seine alleinerziehende Mutter arbeitet. Er soll „diszipliniert werden“ und wird nach dem Unterricht von der Jugendfürsorge abgeholt. Weder Kind noch Mutter wurden davor informiert.

Der Junge überwindet die Trennung nicht, er wird wieder zum Bettnässer – für die Jugendfürsorge ein Grund, ihn immer härter zu erziehen. Vor versammelter Mannschaft wird er im Speisesaal bloßgestellt: „Wir haben einen Bettnässer. Weber steh’ mal auf. Warum machst du ins Bett?“ Abends darf das Kind nichts mehr trinken. Es muss stundenlang in einer Schale mit kaltem Wasser stehen, bis es auf die Toilette muss. Als auch das nichts nützt, setzen sie auf Selbsterziehung durch die anderen Kinder, stiften sie dazu an, den Jungen für seine „feuchten Ausrutscher“ zu verprügeln.

Mehr hier:
http://www.tagesspiegel.de/wissen/opfer ... 44558.html

Einfach widerlich!
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Danny_1000 » 3. Mai 2017, 14:12

Interessierter hat geschrieben:.....Einfach widerlich!

Sehe ich genauso !

Zitat: "Sie stechen Torf im Moor, bei Wind und Wetter, es ist Knochenarbeit. Macht einer schlapp, werden alle mit Essensentzug bestraft. Wer aufmuckt, kommt in den Bunker, wer weiter aufmuckt, wird schwer misshandelt. Prügel sind an der Tagesordnung, fliehen ist zwecklos: Die Sümpfe erstrecken sich bis zum Horizont. Manch ein Jugendlicher verschwindet über Jahre im Heim. Den Eltern müssen die Zöglinge schreiben, dass es ihnen gut geht."

http://www.tagesspiegel.de/kultur/freistatt-missbrauch-und-heimerziehung-im-film-die-gestohlene-jugend/11957988.html

Kabinett beschließt Aufstockung des Fonds (vom 8.7.2015)

20 000 ehemalige Heimkinder aus Westdeutschland haben ihren Hilfebedarf angemeldet und sollen entschädigt werden. Weil der Topf schon leer ist, wird er nun mit 182 Millionen Euro aufgefüllt. Doch behinderte ehemalige Heimkinder gehen nach wie vor leer aus. von Claudia Keller


Das Bundeskabinett hat am Mittwoch weitere 182 Millionen Euro für ehemalige Heimkinder in Westdeutschland bewilligt. Den Betrag teilen sich Bund, Länder und Kirchen zu gleichen Teilen. Aus dem Fonds werden Hilfen für Betroffene finanziert, die zwischen 1949 und 1975 als Kinder und Jugendliche in westdeutschen Heimen lebten und dort oft traumatisierende Erfahrungen machten. Bis zu 800 000 Kinder und Jugendliche waren damals in Säuglings-, Kinder- und Jugendheimen untergebracht. Bisher haben 20 000 von ihnen einen Antrag auf Hilfe gestellt. Die ursprünglich vorgesehenen 120 Millionen Euro reichen nicht aus.

Im Februar hatte die Bundesregierung auch den Fonds für ehemalige Heimkinder in Ostdeutschland aufgestockt. Statt der ursprünglich eingezahlten 40 Millionen Euro rechnen Bund und Länder inzwischen mit Kosten von bis zu 364 Millionen Euro, um alle früheren Opfer von rigoroser Heimerziehung in der DDR zu entschädigen, die sich gemeldet haben.

http://www.tagesspiegel.de/politik/heimkinder-in-der-bundesrepublik-kabinett-beschliesst-aufstockung-des-fonds/12027328.html
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon HPA » 3. Mai 2017, 15:41

Irgendwie bin ich überrascht, dass es dann doch so lange gedauert hat, bis da jemand mit einem allgegenwärtigem whataboutism um die Ecke kommt.

Du enttäuschst. Das geht noch ein wenig schneller! [flash]

Abgesehen davon: Hatte sich der Staat " DDR" nicht auf die Fahnen geschrieben , besser, schöner , fortschrittlicher und sowieso humanistischer zu sein als sein Pendant im Westen?

Insofern wären doch solche " Vergleiche" obsolet, oder? [wink]
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Spartacus » 3. Mai 2017, 17:48

um alle früheren Opfer von rigoroser Heimerziehung in der DDR zu entschädigen, die sich gemeldet haben.


Was denn für eine Entschädigung?

Sie werden und wurden nicht entschädigt.

LG

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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Danny_1000 » 3. Mai 2017, 18:41

HPA hat geschrieben:........Abgesehen davon: Hatte sich der Staat " DDR" nicht auf die Fahnen geschrieben , besser, schöner , fortschrittlicher und sowieso humanistischer zu sein als sein Pendant im Westen?

.....macht aber die Misshandlung von tausenden Kindern und Jugendlichen in der alten Bundesrepublik keinen Deut humaner. Darauf hinzuweisen ist mir schon wichtig, der Ausgewogenheit wegen. Du verstehst ?

HPA hat geschrieben:Insofern wären doch solche " Vergleiche" obsolet, oder? [wink]
Passt doch hier wie die Faust auf’s berühmte Auge ! [laugh]

Zur angeblichen Entschädigung der Opfer: Dass sich die Politik nun rühmt, großzügig zu entschädigen ist nur die halbe Wahrheit. Ich habe selbst einen guten Freund bei der Antragsodyssee unterstützt. Er kam Ende der Siebziger wegen des Drängens seiner Mutter in die Fänge der Jugendfürsorge und landete auch für einige Monate in einem dieser Spezialkinderheime.

Trotz dass er Zeit, Ort , die handelnden Personen sowie die „Behandlungsmethoden“ präzise schildern konnte wurde sein Antrag auf Entschädigung mehrfach abgelehnt. Die Begründung: Man fand keinerlei Akten über ihn aus dieser Zeit.
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Nostalgiker » 4. Mai 2017, 09:44

Die "Leidensgeschichte" der Ursula Burkowski habe ich gelesen. In 3 Büchern lässt sich diese Frau sehr "objektiv" über ihr Leiden und die ihr widerfahrenden Demütigungen in einem Kinderheim der DDR aus.
Leider blendet sie völlig aus das ihre fürsorgende Mutter sie im Winter in eine ungeheizten Wohnung zurückließ weil sie eine unbändigen Drang verspürte in "Freiheit" zu leben .......
Ein Kleinkind störte wohl bei der Entfaltung der Individualität in der Freiheit.
Wenn das Kind nicht gefunden worden wäre hätte es die Wahl gehabt zu erfrieren oder zu verdursten bzw. zu verhungern .......

Frau Burkowski lebte bis zu ihrem 18. Lebensjahr in einem ganz normalen Kinderheim für elternlose Kinder in Berlin, dem Heim "Makarenko" in der Königsheide, Berlin Treptow.
Das sie ihre Erinnerungen an diese Jahre "natürlich" unter dem objektiven Blickwinkel als Jahre im Horror-Kinderheim geschildert hat, ist wohl auf ein verkaufsförderndes und politisches Kalkül zurückzuführen.
Es kann in der DDR nur Horror-Kinderheime gegeben haben, alles andere wäre Verklärung und Schönrednerei .......
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Kumpel » 4. Mai 2017, 12:24

Nostalgiker hat geschrieben:Es kann in der DDR nur Horror-Kinderheime gegeben haben, alles andere wäre Verklärung und Schönrednerei .......



Nun kenne ich dieses Buch nicht und würde über die übliche Phrasendrescherei eines Ost-Berliner Wutrentners hinaus gerne erfahren ob sich die Autorin diesbezüglich über alle DDR Kinderheime negativ äussert
oder der Ost-Berliner Wutrentner über die Zustände speziell im Kinderheim Makarenko im besonderen Kenntnisse besitzt , welche über das Wissen der Autorin hinausgehen.
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Interessierter » 4. Mai 2017, 14:13

Hier Aussagen über das Kinderheim Makarenko, das von Nostalgiker als ganz normales Kinderheim bezeichnet wird:

Sie mussten ihre Kindheit im größten DDR-Heim verbringen. Jeder Kontakt zu Mutter und Vater war verboten. Jetzt suchen sie ihre Identität

Wenn Mario O. (48) in der U-Bahn sitzt, dann sucht sein Blick unbewusst Gesichter ab. Ähnelt ihm diese ältere Frau? Hat sie seine Stirn, seine Wangenknochen? Und der Mann neben ihr, könnte er vielleicht sein Vater sein?

Mario ist auf der Suche nach seinen Eltern. Nie hat er erfahren, wer sie sind. Und ob er Geschwister hat.

Sozialistische Kollektiverziehung

Mario wuchs im größten Kinderheim der DDR auf, in der „Königsheide“ in Treptow. Offizieller Name „Kinderkombinat A.S. Makarenko“, benannt nach dem sowjetischen Vorreiter der sozialistischen Kollektiverziehung.
In dem Gebäude-Ensemble im stalinistisch-neoklassizistischen Stil wurde vermessen, gewogen, erzogen, diktiert, bestraft. Manch ein Historiker bezeichnet die Anstalt heute gar als „Kinderknast“.

Oftmals wurden die wirklichen Gründe – Überforderung, Flucht in den Westen, Inhaftierung, Regimefeindlichkeit – den Kindern verschwiegen. Mario O. hörte nur, dass er wegen „Unterernährung“ in der „Königsheide“ war. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies der wirkliche Grund gewesen ist“, sagt er.

http://www.bz-berlin.de/artikel-archiv/ ... identitaet

Auch wenn es sicherlich unterschiedliche Erlebnisse und Beurteilungen der Kinder und Jugendlichen über ihre Zeit in den Heimen gibt,
so können Kinderheime, die ihre Insassen zu sozialistischen Menschen er- oder umerziehen wollten, die andere Meinungen und Kritik am Sozialismus unterdrückten, mit Drohungen und Strafen, bis hin zum Auslegen als Straftat agierten, niemals als ganz normale Heime bezeichnet werden.

Auch wenn nostalgische, provozierende Frustrenter, meinen das absondern zu müssen, so ändert es nichts an der Tatsache, dass derartige Heime eben KEINE ganz normalen Heime waren.
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Dr. 213 » 4. Mai 2017, 14:17

Gab es eigentlich einen Unterschied in der Behandlung der Kinder je nach Grund, wurden also Unterschiede
gemacht zwischen sagen wir mal notorischen Schulschwänzern, Frühreifen und Waisenkindern ?
Im Kinderknast in Torgau wird sich die Frage nicht gestellt haben, aber so in Heimen eine Stufe davor ?

Ich frage es deshallb, weil ich gelesen habe, daß es im Strafvollzug Unterschiede zwischen Kriminellen und
Politischen Häftlingen gegeben hat. Warum dann nicht auch in den Kinder- Knästen der DDR.

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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Interessierter » 5. Mai 2017, 08:55

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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Interessierter » 28. November 2017, 12:05

Mahnmal erinnert an DDR-Kinderheim in Bad Freienwalde

Mit einem Mahnmal sollen die Erinnerungen an Unrecht in einem früheren Heim der DDR-Jugendhilfe in Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) wachgehalten werden. Die Spiegel-Stele mit Gitterstäben, die ein Verein initiiert hatte, wurde am Donnerstag enthüllt. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte: "In diesem Heim wurden jene durch den Entzug von Menschlichkeit bestraft, die sie am dringendsten gebraucht hätten: Kinder und Jugendliche, die sich in persönlichen Ausnahmesituationen befanden."

Zugleich betonte er, dass es noch heute Unwissen darüber gebe, warum Kinder dorthin gebracht worden seien. "Wir müssen dieses Kapitel unserer Geschichte aufarbeiten und dürfen dabei nichts klein oder schön reden", sagte Woidke.

Die Stele steht vor dem heutigen Polizeirevier, wo sich früher das Durchgangsheim zwischen 1968 und 1987 befand. Wegen vergitterten Fenstern und dem Erziehungssystem wird es auch Kindergefängnis Bad Freienwalde bezeichnet. Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Maria Nooke, sagte: "Egal ob Kleinkind oder Jugendlicher, die Kinder in den Durchgangsheimen erlebten keine Geborgenheit und Wertschätzung, sondern wurden ihrer Individualität beraubt, fühlten sich ausgeliefert und isoliert."

http://www.t-online.de/nachrichten/id_8 ... walde.html
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Interessierter » 10. Mai 2018, 11:25

Hunger, Schläge und Schikane

Eine schöne Kindheit kann der Brieselanger Ralf Starost seine ersten Lebensjahre nicht nennen. Er und sein Bruder Horst kamen nach dem Tod der Mutter von 1945 bis 1947 in das damalige Berliner Kinderheim im Jagdschloss Glienicke. Schläge, und Schikane gehörten zur Tagesordnung. Jahrelang hatte er die Erinnerungen an das Heim verdrängt.

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Seit 1944 immer dabei: Ralf Starosts Plüschtier „Teddy“ war schon mit ihm im Kinderheim. Quelle: Anja Meyer

Brieselang

Eine schöne Kindheit kann Ralf Starost seine ersten Lebensjahre nicht nennen. Das geht sicher vielen Altersgenossen so, denn der heutige Brieselanger wurde 1940 im Berliner Prenzlauer Berg mitten im Zweiten Weltkrieg geboren. Mit drei Jahren brachte seine Mutter Agnes Starost ihn und den sechs Jahre älteren Bruder Horst (1989 verstorben) zu den Urgroßeltern ins ostpreußische Goldap (heute Polen). „Agnes, schaff’ die Kinder her, hier sind sie sicher“, habe seine Urgroßmutter damals gesagt. Im November 1944 holte die Mutter ihre Söhne gerade noch rechtzeitig zurück nach Berlin – im mit Stroh gepolsterten Leiterwagen.

2 Jahre im Kinderheim

Im Februar 1945 wurde das Haus der Familie zerbombt, Mutter und beide Söhne überlebten den Angriff im Bunker. In der Notunterkunft erkrankten die drei Familienmitglieder an Typhus. Ralf und Horst Starost kamen durch, ihre Mutter verstarb im Oktober 1945 an dem gefährlichen Fieber. So wurden die fünf und elf Jahre alten Brüder zu Waisen – der Vater war noch in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Ralf und Horst Starost kamen von 1945 bis 1947 in das damalige Berliner Kinderheim im Jagdschloss Glienicke. „Diese zwei Jahre sind der schlimmste Abschnitt meines Lebens“, erzählt Ralf Starost.

Jahrelang hatte er die Erinnerungen an das Heim verdrängt. „Es ist nicht so, dass ich ständig davon aufwache“, sagt er. Aber er wird immer wieder an die Zeit erinnert, in der Kampf um Brot und Wasser, Schläge, Schikane und Dunkelarrest zur Tagesordnung gehörten. Die Bilder kommen in jüngster Zeit immer wieder in dem 75-Jährigen hoch. Besonders dann, wenn er Zeitungsberichte oder Fernsehreportagen über die sogenannten „Kinder von Torgau“ sieht. Das DDR-Heim im sächsischen Torgau gilt als eines der schlimmsten Orte, an die es Jugendliche in der ehemaligen DDR verschlagen konnte.

Der vollständige Beitrag hier:
http://www.maz-online.de/Lokales/Havell ... d-Schikane
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Interessierter » 10. Juli 2018, 14:05

Zeitzeugen berichten an Suttner-Schule über das Leid in DDR-Kinderheime

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MÖRFELDEN-WALLDORF - Manchmal fällt es Shari Leuthäuser schwer, die richtigen Worte zu finden. Ebenso wie bei Anna-Victoria Lehnert, Celine Georg und Lukas Klink haben sich die Erzählungen ehemaliger Insassen von DDR-Kinderheimen tief in ihre Erinnerungen eingegraben. Im Geschichtsunterricht haben sie sich mit diesem dunklen Kapitel der DDR-Geschichte befasst, sind für zwei Tage in die Gedenkstätte Point Alpha an der hessisch-thüringischen Landesgrenze gefahren. An jenen Ort, an dem sich Alliierte und DDR-Grenztruppen viele Jahre gegenüberstanden – getrennt von einem Todesstreifen, der nahezu unüberwindlich war.

Die zehn Schüler der elften und zwölften Jahrgangsstufe der Bertha-von-Suttner-Schule haben die deutsche Teilung nicht mehr erlebt. Sie sind in einem vereinten Deutschland aufgewachsen. Gerade deshalb können sie sich nicht vorstellen, was mit Kindern in der früheren DDR passiert ist.

Das haben ihnen Zeitzeugen erzählt. Manchmal seien Tränen geflossen. Bei den Schilderungen sei es in dem großen Vortragsraum still wie in einer Kirche gewesen. Die Zeitzeugen waren im berüchtigten „Jugendwerkhof Torgau“ untergebracht, wo ihnen, wie in vielen ähnlichen Einrichtungen in der ehemaligen DDR, erst mal die Haare geschoren wurden. Bei Ungehorsam kamen sie in den Dunkelarrest, beim Duschen seien sie nie alleine gewesen, teilweise im Intimbereich verbrüht worden, haben sie erzählt. Sie seien immer wieder misshandelt worden – sexuell und körperlich. Gebrochen für ein ganzes Leben.

[b]Fast kein Mitarbeiter bestraft

„Menschenrechte und Würde haben da keine Rolle gespielt“, sind sich die Schüler einig. Unvorstellbar für die Jugendlichen, dass in der DDR Kinder einfach aus ihren Familien herausgerissen und in Heime gesperrt und übel behandelt wurden. „Noch nie hat uns etwas so mitgenommen“, sagt Anna-Victoria Leh-nert.

Die Jugendlichen sind sich einig, dass diese Vorkommnisse nicht vergessen werden dürfen. Sie sind empört, dass frühere Zellen, in denen die Kinder eingesperrt waren, zu Wohnungen mit schicken Balkons umgewandelt wurden. „Wie kann man da leben?“, fragt Celine Georg.

Es empört sie auch, dass von den Heimmitarbeitern nach der Wende fast niemand bestraft wurde. Meist seien sie mit einer geringen Geldstrafe davongekommen. Menschen, die früher Kinder misshandelt hätten, würden heute als Professoren, Lehrer für Behinderte oder Altenpfleger arbeiten.[/b]

Viele dieser Kinder hätten jahrelang geschwiegen – auch gegenüber ihren Familien. Manche könnte bis heute nicht über das reden, was ihnen damals passierte. Andere würden sich weigern, ihre Eltern in ein Alten- oder Pflegeheim zu geben, weil sie mit solchen Einrichtungen negative Erfahrungen verbinden würden.

Manche Opfer haben ihre Erfahrungen in Büchern verarbeitet, andere gehen in Schulen und berichten von dieser Zeit. Eine Zeitzeugin habe erklärt, Opfer aus DDR-Kinderheimen würden sich auf der Straße alleine am gebrochenen Blick erkennen, ohne sich jemals zuvor gesehen zu haben.

Die Schüler der Bertha-von-Suttner-Schule haben ihre Eindrücke aufgeschrieben und die Gespräche mit den Zeitzeugen in Videofilmen festgehalten. Sie wollen alles auf der Internetseite der Schule und in der Schülerzeitung veröffentlichen. Ihr Video soll sogar im Fernsehen gezeigt werden. Zudem soll eine Zeitzeugin demnächst in die Schule nach Mörfelden-Walldorf kommen.

Die beiden Lehrerinnen Ute Diefenbach und Annette Labusek, die die Fahrt zum Point Alpha begleiteten, waren beeindruckt, wie ernst ihre Sprösslinge das Thema genommen haben. „Wir haben eine ganz andere Perspektive auf die Schüler bekommen.“

http://www.main-spitze.de/lokales/kreis ... 53456.htm#
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Interessierter » 1. November 2018, 09:46

Bernd Gutewort aus Wittenberg - So schlimm war meine DDR-Kindheit im Heim

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Bernd Gutewort aus Wittenberg hat seine Kindheit in Heimen in der DDR verbracht. Nun spricht er das erste Mal öffentlich darüber.
Foto: Thomas Klitzsch


Geboren Anfang 1951 in Berlin (Ost), da war der Krieg keine sechs Jahre vorbei. Eine raue Zeit. Der Säugling kam ins Wochenheim. Warum, darüber kann Bernd Gutewort nur mutmaßen. Seine Mutter soll viel gearbeitet haben, sagt er, einen Vater gab es nicht wirklich. Und für Berufstätige, die sich unter der Woche nicht um ihren Nachwuchs kümmern konnten, waren diese Heime ja gedacht. Eine Art Normalität, wenn man so will, für sich genommen noch keine „versaute Kindheit“. Über die Jahre aber waren die Zusammenkünfte mit der Mutter erst nur noch Besuche, dann nicht mal mehr das.

Prügel war an der Tagesordnung im Heim

Und so kam er nach L., ebenfalls im Brandenburgischen, sein Zuhause von 1960 bis 1967. Was Bernd Gutewort von dort berichtet, ist nichts für zart besaitete Gemüter. Prügel sei an der Tagesordnung gewesen. Prügel, wenn man nicht in die Kirche gehen wollte, wenn man das „eklige Essen“ verschmähte oder wenn man nicht genügend Heidelbeeren sammelte beim Arbeitseinsatz. Und wenn man abzuhauen versucht hatte sowieso. Einmal, erzählt er, hätten er und die anderen Jungs sogar eine alte Frau bestohlen, um auf ihr Beeren-Soll zu kommen. „Ich bin unter Faustrecht aufgewachsen“, entschuldigt sich Gutewort für diese so lange zurückliegende und im Vergleich eher geringe Verfehlung.

Das besonders Perfide, so wie es der Junge Bernd empfand, war dabei, dass der Heimleiter sich nicht selbst die Hände schmutzig machte - er habe schlagen lassen. Das hätten die älteren Jahrgänge im Heim übernommen, die dafür dann auch Belohnungen eingestrichen hätten - zweckentfremdet worden seien dafür Spenden, die das kirchliche DDR-Heim von den Glaubensbrüdern im Westen bekam.

Bestimmten schon im Alltag Schläge den Takt, so galt dies laut Gutewort in L. erst recht bei außergewöhnlichen Vorkommnissen. Als er einen Erzieher zur Verantwortung ziehen lassen wollte, weil sich dieser an seinen Schützlingen „vergriffen“ hatte, habe ihn der Mann derart zusammengeschlagen, dass er tagelang im Bett liegen musste und nichts essen konnte. Einmal flüchtete er und kam tatsächlich bis Berlin, Friedrichstraße - doch als ihn die Polizei aufgriff, glaubte sie ihm, „in meinem Kinderjargon“, kein Wort. Er wurde zurücktransportiert nach L. Nach L., wo man auch solche Maßnahmen kannte wie den „Marterpfahl“. Gutewort springt jetzt auf und verknotet auf absurde Weise Arme und Beine, den Pfahl muss man sich dazudenken. Wie es war, in dieser komplett hilflosen Stellung zu verharren und geschlagen zu werden, mag man sich nicht denken.

Schweigen vor den Kindern

„Da ist nie einer als vernünftiger Mensch rausgegangen“, fasst Gutewort die Heimjahre zusammen, seine Kindheit. Über Jahrzehnte habe er sich allein dafür geschämt, ein „Heimkind“ gewesen zu sein. „Menschenscheu“ und dabei unfähig sich „unterzuordnen“ sei er gewesen. Selbst seine drei Kinder, lange erwachsen, wüssten keine Details über seine Vergangenheit.

Dass er, sehr spät, als Erwachsener, eine Art Ersatzmutter fand - sie sei heute 91 Jahre alt, erzählt Gutewort - dass er eine Frau fand, die zu ihm hielt, das gibt der Geschichte des Heimkindes Bernd dann doch noch so eine Art Happy End.

https://www.mz-web.de/wittenberg/bernd- ... 624-seite2
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Nostalgiker » 1. November 2018, 11:14

Da dieses Einzelschicksal seine Kindheit in einem kirchlichen Heim in der DDR verbrachte kann man wohl kaum die rigiden Erziehungsmethoden der kirchlichen Mitarbeiter dem menschenverachtenden SED System anlasten.
Das sollen die für ihre Nächstenliebe bekannten Christen doch bitte unter sich ausmachen.
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Volker Zottmann » 1. November 2018, 14:52

Nostalgiker hat geschrieben:Da dieses Einzelschicksal seine Kindheit in einem kirchlichen Heim in der DDR verbrachte kann man wohl kaum die rigiden Erziehungsmethoden der kirchlichen Mitarbeiter dem menschenverachtenden SED System anlasten.
Das sollen die für ihre Nächstenliebe bekannten Christen doch bitte unter sich ausmachen.

In den 1950ern ganz besonders hat die DDR sehr gern noch die Obhutspflicht für Waisenkinder und vor allem für Menschen mit Behinderung an die Kirche abgetreten, statt sich selbst zu kümmern.
So konnte aus Bernd Gutewort ja gar keine sozialistische Persönlichkeit werden.
Hat da etwa nach sonstiger gefallsüchtiger SED-Lesart nicht der SED-Staat kläglich versagt? Schon daraus könnte man eine Entschädigung aus dem Hilfsfond ableiten.

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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Nostalgiker » 1. November 2018, 17:03

Im speziellen hat was ganz anderes kläglich versagt.

Immer schön drehen das es passt, ein Wunder das die Stasi (noch) nicht erwähnt wurde.
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Volker Zottmann » 1. November 2018, 18:36

Nostalgiker hat geschrieben:Im speziellen hat was ganz anderes kläglich versagt.

Immer schön drehen das es passt, ein Wunder das die Stasi (noch) nicht erwähnt wurde.

Mit Stasi hat das auch weniger zu tun.
Aber gut, dass Du selbst drauf hinweist: Kläglich versagt hat von Anbeginn der Staat! Volle 40 Jahre!

Besonders Dauerkranke und Alte überließ man gern sich selbst mit mickriger Rente und wenn sie nicht mehr selbst mal zur Volkssolidarität konnten, wurden Rentner möglichst in Heimen und dort in Mehrbettzimmern verfrachtet. So lagen im Kreis Quedlinburg beispielsweise im Altershein Stecklenberg noch zur Wende 1989 die gebrechlichen Menschen in Vierbettzimmern, ohne jede Privatsphäre.
Soviel mal zur Sozialpolitik, über jene die Aktuelle Kamera nie sprach.
Die tausenden geistig gestörten Menschen, die in Neinstedt, also 3 km entfernt über Jahrzehnte lebten wurden NUR durch die Evangelische Kirche betreut und umsorgt. Dem DDR-Staat waren diese Menschen einfach nur Ballast.
Eine wirkliche Sozialpolitik setzte auf dem Gebiet der DDR leider erst nach 1990 ein. Solche Zustände wie damals gibt es heute meines Wissens nicht mehr.
Ich hoffe doch Deinen auf Berlin beschränkten Blick etwas für die damalige Provinz geschärft zu haben.

In den 2 DDR-Kinderheimen die ich kenne, Friedrichsbrunn und Güntersberge, hat es meines Wissens keine nennenswerten Verfehlungen gegeben.

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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Nostalgiker » 1. November 2018, 19:10

Ausgerechnet du hältst mir einen angeblichen beschränkten, territorialen "Blick" vor?
Für dich ist doch Quedlinburg und später Harzgerode der Nabel des Zottmannschen Universum um das alles zu kreisen hat. Und so wie es in diesem Universum war hatte es gefälligst überall zu sein. Wer was anderes sagt der lügt.

Irgendwie hast du bestimmte Dinge nicht mitbekommen oder du hast vieles verdrängt weil es nicht in dein jetziges Weltbild passt.

Dem "Staat" die Zustände in kirchlichen Heimen anzulasten hat schon Geschmäkle.

Wie Altersheime aussahen, jedenfalls die Meisten in der DDR, weiß ich.

Was die Zustände in Pflegeheimen betrifft, also diejenigen in denen die Armen der Armen untergebracht sind, darüber gibt und gab es ja genug Berichte in der Gegenwart. Da sind die Zustände in DDR Heimen dagegen himmlich und sehr sozial.
Aber das blendest du alles tapfer aus.
Du wirst bestimmt mal in eine SeniorenResidenz ab 4000€ pro Monat kosten pro Person ziehen. Da ist es "Sozial".
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon zonenhasser » 1. November 2018, 19:21

Nostalgiker hat geschrieben:Was die Zustände in Pflegeheimen betrifft, also diejenigen in denen die Armen der Armen untergebracht sind, darüber gibt und gab es ja genug Berichte in der Gegenwart. Da sind die Zustände in DDR Heimen dagegen himmlich und sehr sozial.
Dazu existiert hier bereits ein Threat.
Die “Rote Fahne” schrieb noch “wir werden siegen”, da hatte ich mein Geld schon in der Schweiz.
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Volker Zottmann » 1. November 2018, 21:57

@Nostalgiker, wenn Du die Zustände der meisten DDR-Heime kanntest, ist ja alles in Ordnung.
Dann verstehe ich aber Deine Einwände nicht, oder geschieht das etwa nur, weil ich sie schrieb?

Die Vierbettzimmer waren in einem staatlichen Altersheim in Stecklenberg.

Die geistig Behinderten (Neinstedter Anstalten) wurden durch die Kirche immer vorbildlich betreut. Mir ging es um den Missstand, dass die DDR gern die Verantwortung an die Kirche abtrat.
Wo sie es nicht konnte, versagte sie zuweilen...
Bei den mir bekannten Kinderheimen aber habe ich das ausgeschlossen.

Ich schrieb auch nicht, dass Du einen beschränkten Blick hast.
Ich sagte, dass der nur auf Berlin beschränkt sei, was wohl ein Unterschied ist.
Du solltest bitte nicht ständig meine Sätze umdeuten.

Und somit ist es auch mehr als überzogen, mich gleich wieder bösartig gehässig anzupöbeln. An Deinen Umgangsformen ist noch zu arbeiten.

Gruß Volker
Zuletzt geändert von Volker Zottmann am 1. November 2018, 22:06, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Nostalgiker » 1. November 2018, 21:59

Was du von Anderen verlangst beherzige erst mal selber.
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon AkkuGK1 » 2. November 2018, 09:27

Nostalgiker hat geschrieben:Was du von Anderen verlangst beherzige erst mal selber.


Genau! Mach das.
Ich bin zu schön, als das man auf mich wütend sein könnte!*

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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Nostalgiker » 2. November 2018, 12:12

AkkuGK1, herzlichen Glückwunsch zur Qualifikation zum Furchenterrier und Wadenbeißer [super]
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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon AkkuGK1 » 2. November 2018, 13:31

Na da wir 2 auch schon die eine oder andere Klinge gekreuzt haben, fichst du mich nicht an.


BtT: den Opfern steht eine Entschädigung zu, ob Jugendwerkhof, Kinderheim hüben wie drüben.

Der Schatten des Jugendwerkhofes befeuerte zu DDR Zeiten die Gerüchteküche, doch kaum jemand kam auf den Gedanken, dass es dort noch viel schlimmer zuging. Um so zynischer die Bemerkungen eines Unedlen Knaben, zum Edelmann reichte es wohl nie.
Ich bin zu schön, als das man auf mich wütend sein könnte!*

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Re: DDR-Heimkinder erhalten 40 Mio EUR Entschädigung

Beitragvon Interessierter » 2. November 2018, 13:43

DDR-Heimerziehung : Aus Fürsorge ins Kinderheim?

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Daniela Richter berät Betroffene zum Fonds Heimerziehung

Beratungsstelle „Heimerziehung in der DDR“ betreut knapp 4000 Betroffene aus MV / Zehn zusätzliche Berater eingestellt

Es sind Schicksale, die betroffen machen. Zum Beispiel das einer 31-Jährigen, die 1951 aus politischen Gründen inhaftiert wurde. Angeblich war sie eine Schmugglerin, tatsächlich brachte sie von Besuchen bei ihrer in München lebenden Mutter lebensnotwendige Dinge mit in die DDR. Nachdem die Rostockerin inhaftiert wurde, kamen ihre damals sechs, acht und zehn Jahre alten Töchter ins Heim. Dort mussten sie bleiben, bis sie volljährig waren – obwohl die Mutter schon 1953 wieder entlassen wurde.

Nach der Wende wurde die Mutter strafrechtlich rehabilitiert. 2009 beantragte dies auch die älteste Tochter, die ihre Heimeinweisung als politisch motiviert ansah. Doch ihr Antrag wurde abgelehnt. Daraufhin wandte sie sich an die Landesbeauftragte für die Unterlagen der Staatssicherheit – und deren Team trug mit dazu bei, dass die Frau im Februar 2015 tatsächlich voll rehabilitiert wurde.

„Für ihre Mutter, die ihr Leben lang unter der Situation gelitten hatte, kam das Urteil aber zu spät. Sie starb vier Monate vorher“, so die Landesbeauftragte Anne Drescher.

https://www.svz.de/regionales/mecklenbu ... 93936.html
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