Blüten im Osten

Blüten im Osten

Beitragvon pentium » 2. Oktober 2015, 15:10

„In der DDR gab es eher Freizeitfälscher“

Die Ost-Mark wurde in der DDR auf teils sehr kreative Art gefälscht. Wirtschaftshistoriker Peter Leisering über rüstige Geldfälscher, dreiste Maschen und falsche Fälschungen.

Herr Leisering, es ist kaum zu glauben: Aber sogar die ungeliebte DDR-Mark wurde gefälscht.

Nur blieb der Schaden überschaubar, wie Sie selbst in Ihrem Buch „Falschgeld in der DDR“ schreiben.

Nachweisbar sind gut 12000 gefälschte Banknoten im Wert von rund 250000 Mark und etwa 370 Münzen im Wert von 2500 Mark. Das hat die Volkswirtschaft nicht erschüttert.

Die Mehrzahl der Fälschungen gab es in den fünfziger Jahren. Wie kam das?

Die Versorgungslage in der DDR blieb auch nach der Währungsreform 1948 schlecht, Lebensmittel waren noch zehn Jahre rationiert, es gab Lebensmittelmarken. Zugleich öffnete die HO, die staatliche Handelsorganisation, Läden, in denen die Leute Waren frei einkaufen konnten, freilich zu einem um ein Vielfaches höheren Preis. Die HO war anfangs so teuer, dass man so viel gar nicht mit ehrlicher Hände Arbeit verdienen konnte, um dort vernünftig einzukaufen.

Da wurde privat nachgedruckt?

Ja, oder auch handgezeichnet und koloriert. Die 1948 herausgegebenen Banknoten waren leicht zu fälschen, mit einfachem Wasserzeichen und einem Faserstreifen im Papier. Das war keine große Hürde. Ein Anreiz war auch die offene Grenze nach West-Berlin. Die Leute tauschten Ost- in Westgeld um, zum Kurs von 1:4 oder 1:5. Man brauchte viel Ostgeld, um im Westen einkaufen zu können.

Ostgeld wurde gefälscht, um es in Westgeld umrubeln zu können?

Das auch. Doch vor allem, um im Osten einzukaufen. In einem Fall kauften Gastronomen aus West-Berlin falsches Ostgeld, um damit in Ost-Berlin Bier und Spirituosen zu erwerben. Das war natürlich deutlich billiger, noch dazu mit Falschgeld. Die wurden aber erwischt.

http://www.faz.net/aktuell/politik/25-j ... 32357.html

In einer kleinen Falschmünzerei, da saßen....

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Re: Blüten im Osten

Beitragvon Interessierter » 23. Oktober 2017, 11:18

Falschgeld in der DDR Geschichten von unechten Alu-Chips

Als der „talentierte Alleswisser“ im Herbst 1952 ein Stückchen Seife mit einem Zwanzig-Mark-Schein im HO-Warenhaus Leipzig bezahlen will, fliegt die Sache auf. Pech für ihn: Er hat noch 151 selbst gefälschte Scheine dabei. Über Wochen hatte der kreative Kopf DDR-Kriminalisten sowie Stasi-Leute in Atem gehalten und sein falsches Geld in Umlauf gebracht. Es war der größte Coup eines Geldfälschers im „Arbeiter- und Bauernstaat“.

„Falschgeld in der DDR“ - unter diesem Titel beleuchtet ein neues Buch aus der Eulenspiegel-Verlagsgruppe das bislang weitgehend unbekannte Phänomen. „Darauf bin ich erst jetzt bei anderen Recherchen gestoßen. Ich war selbst überrascht“, sagt Autor Peter Leisering.

„Geldfälschungen passten nicht ins Bild von der sozialistischen Gesellschaft und waren deshalb weitgehend aus den Medien verbannt.“ Öffentlich wurde es demnach nur kurz, wenn es eine „Erfolgsmeldung“ über gefasste Täter geben konnte, wie der ostdeutsche Historiker sagt.

In der Wohnung seiner Freundin hatte der im Buch Albrecht Hiltja genannte Fälscherkönig (fiktiver Name) experimentiert und mehr als 10.000 brauchbare Zwanziger hergestellt, ist zu erfahren. Einen Teil tauschte er gegen echtes Wechselgeld - beim Kauf von Zigaretten, Kämmen, Bleistiften, Tee, Präservativen oder Fahrkarten. Die einzig teurere Anschaffung sei ein grauer Hut gewesen. Der Kunstmaler und Konditor wurde zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, von denen er neun absaß. Der Mann mit den vielen Talenten starb 1996.

Ob in Dresden, Ost-Berlin, Leipzig, Potsdam, Magdeburg, Weimar, Apolda oder Bautzen - bei den Fälschern habe auch die „Lust am Experimentieren und Verbotenen“ eine Rolle gespielt, schreibt Leisering. „Für die, die nicht erwischt wurden, war es ein aufregendes Spiel“.

Die meisten waren nach dem Mauerbau 1961 Freizeit- und Sonntagsfälscher, wie Leisering schreibt. Bemerkenswert sei ein Senior aus Dresden gewesen. Dem gefassten Falschmünzer sei es um „den letzten Kick in seinem Rentnerleben“ gegangen. Oder: Ein „Familienbetrieb“ in einer Berliner Laubenkolonie wird 1950 verraten, weil eine Belohnung lockt.

http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/ ... ps-3037774
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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