Sachsens Könige

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Beitragvon pentium » 7. Juni 2015, 18:59

200. Jahrestages der Heimkehr des Sächsischen Königs 1815

Im Juni 1815 kehrt König Friedrich August I. von Sachsen nach fast 20 Monaten Gefangenschaft und Exil in die Heimat zurück. Das alte Sachsen existiert nicht mehr; zwei Drittel des Landes sind an den Erzfeind Preußen abgetreten und verloren. Dennoch wird die Rückkehr des Königs zum Triumph. Die Rest-Sachsen feiern das Ende von Demütigung und Besatzung. In Weiß-Grün heißt man den König allerorten festlich willkommen. Es ist die Geburtsstunde der neuen sächsischen Landesfarben und die eigentliche Geburtsstunde eines neuen Landes, des Königreichs und späteren Freistaates Sachsen.

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Re: Sachsens Könige

Beitragvon pentium » 7. Juni 2015, 19:55

Friedrich August der Gerechte

AugustI.jpg

Friedrich August der Gerechte, Porträt von Carl Christian Vogel von Vogelstein (Gemäldegalerie Neue Meister)

Friedrich August der Gerechte (* 23. Dezember 1750 in Dresden; † 5. Mai 1827 in Dresden) regierte Sachsen fast sechs Jahrzehnte und damit solange wie kein anderer Monarch. Als Kurfürst war er bemüht, das Land nach dem Siebenjährigen Krieg wiederaufzubauen. 1806 wurde er als Friedrich August I. von Napoleon zum ersten sächsischen König inthronisiert. Nach der Niederlage Frankreichs im Jahre 1813 verlor er einen großen Teil der Gebiete Sachsens an Preußen.

Kindheit und Jugend

Der Sohn von Friedrich Christian übernahm am 17. Dezember 1763 die Kur als Friedrich August III. unter der Vormundschaft seines Onkels, des Prinzen Xaver. Seine Erziehung hatte zunächst in den Händen verschiedener Berater und teilweise seines Gesellschafters Camillo Graf Marcolini gelegen. Nach dem frühen Tod des Vaters widmete ihm auch seine Mutter, Maria Antonia Walpurgis, besondere Aufmerksamkeit.

Kurfürst von Sachsen

Am 15. September 1768, kurz vor dem Erreichen der Volljährigkeit, übernahm Friedrich August die Kur selbständig. 1769 heiratete er Marie Amalie von Pfalz-Zweibrücken. In seinen ersten Amtshandlungen widerrief er Anordnungen seines vormaligen Vormunds Xaver, der für eine besonders konservative Amtsführung stand. Friedrich Augusts Mutter befürwortete dagegen politische Reformen und in diesem Sinne beeinflusste sie auch den jungen Kurfürsten.

Friedrich August betrieb eine Innenpolitik, die sich durch besondere Ordnung und Unterstützung des wirtschaftlichen Fortschritts auszeichnete, aber in Fragen der Hofetikette fast schon pedantisch war. Insbesondere führte er die durch seinen Vater begonnene Aufarbeitung des Finanzunwesens von Heinrich von Brühl weiter. Außenpolitisch bemühte sich Friedrich August gegen alle Widerstände stets um Neutralität; er stellte sich aber 1778 gegen Österreich, als es sich Bayern einverleiben wollte. 1785 verband er sich, vorbehaltlich der Wahrung seiner Neutralität, mit Preußen zur Errichtung des Fürstenbundes. 1791 schlug Friedrich August die von seiner Mutter so erhoffte erbliche Krone Polens aus, weil seine Bedingung, die Zustimmung aller Nachbarn, nicht zu erreichen war. Pompöse Selbstdarstellung war nicht die Maxime dieses Kurfürsten. Friedrich August lehnte den Beitritt zum österreichisch-preußischen Bündnis vom 7. Februar 1792 ab und stellte zum Krieg gegen Frankreich bis zum Neutralitätsvertrag von 1796 nur sein Reichskontingent.

Ein Königreich von Napoleons Gnaden

Die Verhandlungen mit Preußen zur Errichtung eines Norddeutschen Bundes unterbrach der Ausbruch des Krieges von 1806, in dem Friedrich August nur notgedrungen auf Preußens Seite trat. Nach der Schlacht bei Jena Napoleon völlig preisgegeben, schloss er am 11. Dezember 1806 mit diesem Frieden, trat als König von Sachsen (Ausrufung am 20. Dezember 1806, von Napoleons Gnaden) dem Rheinbund bei und wurde ein treuer, wenn auch nicht immer freiwilliger Bundesgenosse des französischen Kaisers, der ihm 1807 auch das Herzogtum Warschau verlieh, wofür Friedrich August an das Königreich Westfalen einige benachbarte Gebiete abtrat. Anlässlich des Besuchs von Napoleon in Dresden ehrte ihn Friedrich August mit dem Orden der Rautenkrone. Im Mai 1812 feierte er die erneute Anwesenheit Napoleons in Dresden mit glänzenden Festen. Das persönliche Verhältnis des sächsischen Königs zum französischen Kaiser war lange durch tiefen, auch beiderseitigen Respekt geprägt.

Nach dem gescheiterten Russland-Feldzug Napoleons im Jahre 1812 sagte sich Friedrich August trotz der Wünsche des Volkes und der Aufforderungen der verbündeten deutschen Monarchen nicht von Frankreich los, sondern entwich vor dem in Sachsen eindringenden Heer der Alliierten über Plauen und Regensburg nach Prag, schloss sich Österreich an und traf am 20. April 1813 in Wien ein geheimes Abkommen. Vorher hatte er bereits, entrüstet über die Zerstörung der Elbbrücke in Meißen durch Louis-Nicolas Davout am 13. März und vor allem wegen der Sprengung der Augustusbrücke am 19. März, befohlen, sächsische Truppen nach Torgau zu führen und die dortige Festung weder den Franzosen noch den Alliierten zu öffnen. Napoleons Sieg bei Lützen versetzte Friedrich August in äußerste Bestürzung; er entließ sofort seinen Minister Grafen Senfft von Pilsach und traf gedemütigt am 10. Mai in Dresden mit "seinem großen Alliierten" zusammen. Torgau wurde den Franzosen geöffnet, das sächsische Heer wieder zu Napoleons Verfügung gestellt. Sachsen war inzwischen zum Hauptkriegsschauplatz geworden. Von französischen Truppen besetzt und von Preußen und Österreichern wiederholt im Stich gelassen, blieb Sachsen nun auf Seiten der Franzosen. Am 26. und 27. August bei der Schlacht von Dresden konnte Napoleon die Alliierten nochmals schlagen. Auf französischer Seite kämpfte die sächsische Armee auch in Leipzig zur Völkerschlacht. Friedrich August wollte bis zuletzt nicht an Napoleons Niederlage glauben und wurde als Kriegsgefangener nach Berlin, dann nach Friedrichsfelde gebracht.

Anbruch einer neuen Zeit

Als die Absichten Preußens auf eine Einverleibung Sachsens deutlicher hervortraten und der Wiener Kongress die Teilung des Landes aussprach, legte Friedrich August eine feierliche Rechtsverwahrung dagegen ein, musste aber, nach Pressburg gebracht, am 21. Mai 1815 den Friedensvertrag mit Preußen ratifizieren. Sachsen verlor drei Fünftel des Landes und fast die Hälfte seiner Einwohner. Das sächsische Königtum blieb zwar dank des rhetorischen Geschicks von Friedrich August erhalten, aber die Großmachtambitionen des Augusteischen Zeitalters fanden ein endgültiges Ende. Als beharrlicher Verteidiger des Vaterlandes mit großem Jubel am 7. Juni bei seiner Rückkehr in Dresden empfangen, stiftete der König zur Erinnerung an dieses Ereignis den Zivilverdienstorden. Zu seinen ersten Amtshandlungen gehörte der Befehl zum Wiederaufbau des zerstörten Bischofswerdas durch Hofbaumeister Gottlob Friedrich Thormeyer. Mit Eifer widmete sich der König der Fürsorge für das verkleinerte Land, blieb aber jeder grundlegenden Reform entschieden abgeneigt. Diese zunehmend konservative Haltung wurde auch von seinem Kabinettsminister Detlev von Einsiedel geprägt.

Die Entfestigung der Stadt unter Gottlob Friedrich Thormeyer legte entscheidende Grundlagen für das spätere wirtschaftliche Aufblühen Dresdens zur Gründerzeit. Das auch dank einer klugen Wirtschaftspolitik des Monarchen erstarkende und selbstbewusster werdende Bürgertum in den Städten drängte verstärkt auf Reformen im Staatswesen. Erste Zeugnisse dieses Strebens nach Emanzipation waren die Vereinsgründungen jener Zeit, der Verein zu Rath und That, der informelle Dresdner Liederkreis, die Ökonomische Gesellschaft im Königreiche Sachsen, der Sächsische Altertumsverein, die Gesellschaft für Natur- und Heilkunde und die Sächsische Gesellschaft für Botanik und Gartenbau FLORA, als Plattformen für Bildung, Kommunikation und Mitsprache.

Der Gebietsverlust stellte die Landwirtschaft Sachsens vor große Probleme. Notwendige Fortschritte in der Produktivität verlangten nach Abschaffung der feudalen Strukturen auf dem Land. Friedrich August der Gerechte hatte nicht mehr die Kraft, einschneidende Änderungen anzugehen, sodass er seinem Nachfolger einen erheblichen Reformstau hinterließ. Weil aus seiner Ehe mit Marie Amalie von Pfalz-Zweibrücken nur eine Tochter, Marie Auguste, hervorgegangen war, folgte ihm sein Bruder Anton der Gütige auf dem Thron.

Friedrich August fand in der Stiftergruft der Hofkirche die letzte Ruhe.

Denkmale

Königsdenkmal auf dem Königsplatz in Leipzig (seit 1780, von Adam Friedrich Oeser und Johann Carl Friedrich Dauthe), seit 1936 im Park des Gohliser Schlösschens. Der monumentale Denkmalsockel von Dauthe ist nicht erhalten.

Illuminierte Festarchitektur in Leipzig von Johann Carl Friedrich Dauthe, 1808 anlässlich des Einzugs des Königs.

Friedrich August Säule auf dem Keulenberg. Der Obelisk wurde im Jahre 1818, anlässlich eines Volksfestes zum 50 jährigen Thronjubiläum des Königs errichtet. (1948 von SED- Parteischülern zerstört, wiedererrichtet 1994)

Benennung des Augustusplatzes in Leipzig (seit 1839, 1945–1991: Karl-Marx-Platz)

Friedrich-August-Denkmal (von Ernst Rietschel, 1843–1929 im Dresdner Zwinger, dann beim Japanischen Palais in Dresden), 2004 wurde die Umsiedlung auf den Schloßplatz beschlossen, am 29. Mai 2008 wurde das Denkmal in einer feierlichen Zeremonie auf dem Schloßplatz geweiht.

quelle: dresden.stadtwiki

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Re: Sachsens Könige

Beitragvon pentium » 10. Juni 2015, 19:54

Nachfolger des nach 64 Regierungsjahren im Jahr 1827 verstorbenen Königs Friedrich August I. war der greise König Anton von Sachsen (reg. 1827-1836).

Er bestieg den Thron mit fast 72 Jahren, nachdem Friedrich August der Gerechte 1827 ohne Sohn gestorben war. Während der Feierlichkeiten anlässlich der Amtseinführung verstarb Antons Frau in Leipzig.

Als er den Thron bestieg, war Anton vermutlich schon zu alt, dringend benötigte Reformen selbst zu initiieren. Die Übernahme des alten Kabinetts unter Detlev von Einsiedel sprach mehr für Kontinuität als für Reformfreude. Von seinen guten Willen, auf das Volk zuzugehen, zeugte aber bereits eine seiner ersten Amtshandlungen. Er erließ die mit dem Regentenwechsel üblicherweise fälligen Lehensgebühren. Neu eingesetzte Kommissionen bereiteten Gesetze zur Abschaffung von Feudallasten ("Ablösungen und Gemeinheitsteilungen") und eine neue Gewerbeordnung vor. Benachteiligten Personengruppen, darunter den Taubstummen, galt eine besondere Fürsorge. Gerichtliche Vorgänge wurden beschleunigt, die Impfpflicht gegen Pocken eingeführt und die Rechte von Frauen verbessert. Dagegen wurden die Zensur verschärft und die polizeiliche Willkür weiter geduldet. Forderungen nach tiefgreifenden Reformen der ständischen Verfassung und in der Gesetzgebung blieben weitgehend unberücksichtigt. Die Allmacht des geheimen Kabinetts bestand fort.

Die aufgestauten Widersprüche wurden deutlich, als König Anton am 6. Januar 1830 den Landtag eröffnete. Der Ruf nach Reformen wurde lauter. Auch die Landtagsakten durften erstmals gedruckt werden, blieben aber unter Verschluss. Die Universität Leipzig verlangte, sich zu religiösen Themen frei äußern zu dürfen. Eine Universitätsverfassung wurde verabschiedet. Im Zusammenhang mit den Unruhen von 1830, ausgelöst anlässlich der 300-Jahr-Feier der Augsburger Konfession wegen des Misstrauens der überwiegend protestantischen Bevölkerung Sachsens gegen die katholische Obrigkeit, ging Anton auf das Volk zu, entließ den als "Scharfmacher" bekannten Graf Detlev von Einsiedel als Minister und ernannte seinen Neffen Friedrich August II. zum Mitregenten, den er weitgehend die Regierungsgeschäfte führen ließ. In dieser Zeit wurde die erste sächsische Verfassung von 1831 eingeführt, in der die Wettiner ihrem Volk einige Mitbestimmungsrechte einräumten: »Ich verspreche mit meinem Fürstenworte, sie stets zu schützen und zu bewahren; möge sie meinem Volke zum Heil und Segen bleiben«.

Anton setzte die Politik seines Bruders zum wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes fort. Während seiner Regentschaft wurde die Entfestigung Dresdens unter Leitung von Gottlob Friedrich Thormeyer abgeschlossen. Sachsen gehörte 1834 zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Zollvereins, mit dessen Hilfe innerdeutsche Handelsbarrieren abgebaut wurden. Fast zeitgleich gründete sich der Dresdner Gewerbe-Verein. Neue Verein wie Albina bereicherten das kulturelle Leben in Dresden.

König Anton wurde in der Großen Gruft der Hofkirche beigesetzt. Schon 1828 hatte der vormalige Demolitionsplatz seinen heutigen Namen als Antonsplatz erhalten und 1835 wurde der "Neue Anbau auf dem Sande" in der äußeren Neustadt als Antonstadt nach Dresden eingemeindet.[1] Seit 1840 trägt auch die Antonstraße seinen Namen. Die 1835 in Erinnerung an die Eingemeindung der Friedrichstadt gestiftete Büste wurde von Ernst Rietschel im Stil der römischen Kaiserzeit ausgeführt. Seit etwa 1900 steht sie auf dem Hohenthalplatz.[2]

quelle: Stadtwiki Dresden

Ab 1831 war Anton erster konstitutioneller Monarch Sachsens.

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Re: Sachsens Könige

Beitragvon pentium » 11. Juni 2015, 21:37

Friedrich August II.

König von Sachsen (1797-1854)

Friedrich August II. wurde am 18. Mai 1797 in Schloss Pillnitz bei Dresden als Sohn von Maximilian und Caroline von Parma im Hause Wettin geboren. Er hatte vier jüngere Brüder und zwei Schwestern.

Maximilian war ein fürsorglicher Familienvater, der seine Kinder im Geiste echter Religiosität erzog, die für ihn untrennbar mit "sittlicher Integrität" verbunden war. Er war der erste Lehrer seines Sohnes Friedrich August. Später unterrichtete ihn der General und Oberhofmeister Freiherr von Forell, der ihn auf seine künftige Regentschaft vorbereitete.

Friedrich August war Offizier in den Befreiungskriegen, zeigte aber sonst für das Militärische kaum Interesse. 1819 heiratete Friedrich August Erzherzogin Marie Caroline Ferdinande von Österreich. Mit ihr unternahm er viele Reisen durch Sachsen. Nach langer Krankheit starb sie bereits 1832. Im Jahr darauf heiratete Friedrich August zum zweiten Mal - die Prinzessin Maria Leopoldine von Bayern. Als Königin Maria gründete sie 1836 den Frauenverein und engagierte sich sozial.

Im gleichen Jahr übernahm Friedrich August die Regierung ohne seinen Onkel Anton, mit dem er bereits seit 1831 die Geschicke des Landes geleitet hatte. Als ein ausgesprochen liebenswerter und intelligenter Mann war er schnell beim Volk beliebt. Seine Handlungsweise wurde stark von moralisch-rechtlichen Erwägungen bestimmt, was auch seine Reformen betraf.

Die Städteordnung vom 2. Februar 1832 brachte den Städten die freie Selbstverwaltung. Zur Einheit Sachsens sollten die Kreisdirektionen beitragen, die ihren Sitz in Dresden, Leipzig, Zwickau und Bautzen bekamen. Vom Frondienst und der Erbuntertänigkeit befreite die Bauern das Edikt vom 17. März 1832. Eine einheitliche Rechtssprechung für Sachsen schuf das Strafgesetzbuch von 1836.

Weniger Feingefühl dagegen bewies der König für die revolutionären Ereignisse 1848/49. Zunächst berief er liberale Minister in die Regierung, hob die Zensur auf und erließ ein liberales Wahlgesetz für beide Kammern des Landtags. Nachdem sich im Frühjahr 1849 die Gegensätze zwischen der gemäßigten Regierung und dem radikalen Landtag verschärft hatten, löste Friedrich August II. das Parlament am 28. April auf.

Seine Ablehnung der Frankfurter Reichsverfassung, die einen konstitutionellen Bundesstaat mit einem Erbkaiser an der Spitze vorsah, verursachte den Dresdner Maiaufstand, der ihn am 4. Mai zur Flucht auf die Festung Königstein zwang. Mit Hilfe preußischer Truppen gelang es Friedrich August II., den Aufstand niederzuschlagen. Die Rädelsführer wurden von den Gerichten zum Tode verurteilt und vom König zu lebenslanger Haft begnadigt. Die Verordnung vom 3. Juni 1850 stellte die Verhältnisse von vor 1848 wieder her.

Die letzten Jahre verlebte Friedrich August II. fern von der Öffentlichkeit in krankhafter Depressivität. Reisen unternahm er weiterhin, besonders nach Tirol, wo er seinem botanischen Hobby nachging und Gebirgspflanzen sammelte.

Den Spekulationen über den Tod des Königs, hinter dem man Selbstmord vermutete, steht ein Gerichtsprotokoll entgegen, das einen tragischen Unglücksfall schildert. Auf dem Weg ins Pitztal "... kurz hinter Imst zwischen Brennbichl und der Straßenbrücke über den Inn ... kippte sein Wagen an einer Wegbiegung um. Der König wurde herausgeschleudert und fiel so unglücklich, dass er dicht hinter das wild ausschlagende Pferd zu liegen kam. Durch einen Hufschlag wurde er schwer am Hinterkopf verletzt und verlor das Bewusstsein". Den König brachte man in den Gasthof Neuner, wo er am 9. August 1854 starb. Das Sterbezimmer ist noch heute erhalten. Bis zum 13. August wurde der Leichnam in Brennbüchel aufgebahrt und am 16. August feierlich in der Gruft der katholischen Hofkirche von Dresden beigesetzt.

Königin Maria von Sachsen ließ zur Erinnerung an ihren Mann an der Unglücksstelle eine Königskapelle errichten, die zwischen 1958 und 1966 restauriert wurde und für Besucher geöffnet ist.

quelle: Geschichte Mitteldeutschlands

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Re: Sachsens Könige

Beitragvon pentium » 11. Juni 2015, 21:48

König Johann I. König von Sachsen
(1801-1873)

Johann_I.jpg


Am 12. Dezember 1801 in Dresden geboren, entwickelte Prinz Johann seine Neigung zu Sprachen, Wissenschaft und Bildung bereits in seiner Kindheit und Jugend. Er widmete sich den Studien der griechischen und römischen Klassiker, studierte das Sanskrit und verfasste sprachwissenschaftliche Abhandlungen. In späteren Jahren wandte er sich auch den Naturwissenschaften zu. Das Ideal der universellen Bildung versuchte Johann nicht nur selbst zu erreichen, er wollte es auch seinen Untertanen ermöglichen. Besonders die Entwicklung der Leipziger Universität lag ihm am Herzen. Der König sah sich auch in den Schulen um, wie ein volkstümliches Gedicht zeigt:

War einst ein Herr in Sachsenland,
Schier einem jeden Kind bekannt,
Der ging aus seiner Väter Schloss,
Zu sehen, was wohl klein und groß
In seinen Schulen Rechtes trieb;
Und weil er hatt’ die Kindlein lieb,
Trat oft er zu der Schülerschar,
Bot seinen Fürstengruß ihr dar
Und ließ sich zeigen dann geschwind
Geschriebenes von jedem Kind,
Ließ lesen aus dem Fibelbuch,
Aufsagen manchen guten Spruch
Und forschte, ob in Glaubenstreu
Sein Volk auch recht erzogen sei,
Und ob selbst in dem ärmsten Kind
Des Wissens Elemente sind.
Sagt an, wer war der Herrscher mild,
Der da erschien im Schulgefild’?
Verkündet sei es jedermann:
Das war der weise Fürst Johann!"

Das Interesse Johanns an Italien, der Heimat seiner früh verstorbenen Mutter Caroline von Parma, führte ihn 1821/22 zur ersten Reise dorthin. Er besichtigte ausgiebig die oberitalienischen Städte und besuchte schließlich in Florenz seine Schwester Maria, die Gattin des Großherzogs Ferdinand III. von Toskana.

Während dieser Reise kaufte der Prinz eine Ausgabe der „Divina Commedia". Der Wille, Dante zu verstehen, motivierte den jungen Prinzen dazu, sich intensiv mit der italienische Sprache zu befassen. Seine Verehrung für den Dichter ging soweit, dass er selbst Dante Alighieris „Divina Commedia" aus dem 14. Jahrhundert übersetzte. Unter dem Pseudonym „Philalethes", der Freund der Wahrheit, brachte er in den Jahren 1833 bis 1848 seine Übersetzung Dantes zum Druck. Die Anonymität zu wahren, war ihm dabei wichtig, denn er wollte die Bewertung des Werkes nicht durch seinen großen Namen verzerren. Bis zu seinem Tod wussten nur einige Freunde, wer sich hinter „Philalethes" verbarg.

Die Leidenschaft für den italienischen Dichter behielt der Wettiner zeit seines Lebens. Aus einer Abendgesellschaft, zu der er einlud, und deren Mitglieder über Wissenschaft, Kunst, Literatur, Kultur sowie Fragen der Pädagogik und der Verfassung diskutierten, zweigte sich die „Accademia Dantesca" ab. Die 1865 gegründete Deutsche Dantegesellschaft stand unter dem Protektorat des Königs.

Natürlich stand auch Johann schon früh im Dienst der Politik. 20jährig erhielt er Sitz und Stimme im Geheimen Finanzcollegium, danach versah er verschiedene Funktionen in Räten und ab 1833 im neuen Landtag. Hier befasste der Prinz sich vor allem mit Fragen der Justiz. Sein Rechtsempfinden war von der Ethik der Gerechtigkeit und Harmonie geprägt. Die Ordnung der Rechtsverhältnisse war für „Johann den Gerechten" ein Wert an sich, und er war weder willens noch fähig, Ausnahmen zu machen. So scheiterte das Amnestiegesuch Richard Wagners, der als Revolutionär von 1849 in Verbannung stand, zunächst an Johanns Festhalten am bestehenden Recht. Erst 1862 begnadigte er den Komponisten.

Der Wettiner, seit 1854 König, geriet in eine tragische Position, als er vom machtbewussten Fürsten Otto von Bismarck beiseite gedrängt wurde. In Johanns Glauben an die alte Ordnung war kein Platz für die Machtbezogenheit des Fürsten aus der Altmark, der neue Methoden der Politik anwandte. Der König von Sachsen und der preußische Ministerpräsident hatten unterschiedliche Vorstellungen davon, wie der deutsche Bundesstaat zu errichten sei - der sächsische König wollte auf jeden Fall den Ausschluss Österreichs vermeiden.

Da Johann seit seiner Vermählung mit Amalie Augusta, Prinzessin von Bayern und Zwillingsschwester von Friedrich Wilhelms IV. Gemahlin Elisabeth, ein persönliches und freundschaftliches Verhältnis mit den Hohenzollern verband, versuchte der sächsische König im Jahr 1863 persönlich, Wilhelm I. von Preußen zur Teilnahme am Fürstentag in Frankfurt am Main zu bewegen. Der Einfluss Bismarcks auf den preußischen König erwies sich jedoch als stärker: Wilhelm fuhr nicht zum Fürstentag, und die Pläne Sachsens zur Gestaltung des deutschen Bundesstaates waren zum Scheitern verurteilt. Nach dem preußischen Sieg im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866, in dem die sächsischen Truppen auf der Seite Österreichs kämpften, trat Sachsen dem Norddeutschen Bund bei. König Johann beteiligte sich hier an der Erarbeitung der neuen Verfassung.

Am 29. Oktober 1873 ist der König von Sachsen auf Schloss Pillnitz bei Dresden gestorben.

Der Dresdner Stadtteil Johannstadt ist nach ihm benannt.
Denkmal auf dem Dresdner Theaterplatz von Johannes Schilling
Denkmal auf der Festung Königstein in der Sächsischen Schweiz
König-Johann-Turm auf dem Valtenberg (Oberlausitz)
Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Künste im Jahre 1869
Gedenkstein neben der Trinitatis-Kirche in Carlsfeld

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Re: Sachsens Könige

Beitragvon pentium » 19. Juni 2015, 19:49

Albert

* 23.04.1828 Dresden; gestorben19.06.1902 Sibyllenort / Schlesien
Albert.jpg

Albert war der ältere Sohn des Königs von Sachsen Johann (1801-1873) und dessen Gemahlin Amalie Auguste (1801-1877), Prinzessin von Bayern.

Am 18.06.1853 heiratete Albert in Dresden Prinzessin Carola von Wasa (1833-1907). Seine Ehe mit Carola blieb kinderlos.

Im Jahr 1866 wurde Kron­prinz Albert Ober­befehls­haber der sächsischen Armee. Albert führte im Deutschen Krieg die sächsischen Truppen gegen Preußen an und kämpfte unter anderem bei Münchengrätz und Gitschin. Nach der Niederlage von Königgrätz an der Seite Österreichs trat Sachsen noch 1866 dem Norddeutschen Bund bei. Als Kronprinz übernahm Albert mit dem Friedensschluss 1866 das Kommando über das XII. (I. Königlich Sächsische) Armee-Korps
Im deutsch-französischen Krieg 1870/1871 wurde er nach der gewonnenen Schlacht bei St. Privat und Gravelotte (18.08.1870) am 19.08.1870 zum Heer­führer der neuen IV. Armee ernannt. In der Schlacht bei Brie und Villiers am 30.11./02.12.1870 ver­hinderte die sächsische Armee den Aus­fall der französischen Truppen aus Paris. Nach dem Sieg über Frank­reich nahm Kron­prinz Albert gemein­sam mit seinem Bruder Prinz Georg (1832-1904) an der Krönung des Königs von Preußen Wilhelm (1797-1888) zum deutschen Kaiser am 18.01.1871 in Versailles teil. Im Sommer 1871 wurde er zum General­feldmarschall des Deutschen Reichs ernannt.

Nach dem Tode seines Vaters Johann am 29.10.1873 wurde Albert König von Sachsen.
Am 19.06.1902 starb König Albert in seinem schlesischen Sommer­schloss. Da er keine Nachkommen hinter­ließ, folgte ihm sein Bruder Georg auf dem Thron.

Ehrungen
Im Jahr 1877 weihte König Albert eine Dresdner Vorstadt ein, die Albertstadt. Sie war damals die größte zusammenhängende Kasernenanlage Deutschlands.
Neben der ehemaligen Garnisonsvorstadt sind noch weitere Bauwerke und Plätze nach ihm bis in die Gegenwart benannt, so die Albertbrücke, der Alberthafen, der Albertplatz und die Albertstraße sowie das Albertinum.
Der 1891 eröffnete Neubau der Universitätsbibliothek Leipzig heißt Bibliotheca Albertina.
Anlässlich des 70. Geburtstages König Alberts und seines 25-jährigen Regierungsjubiläums stiftete die Stadt Dresden 1898 zudem den Albertpark, der als Teil der Dresdner Heide zur Gemarkung Neustadt gehört.

König-Albert-Park in Leipzig
Albertinum der Universität Leipzig
König-Albert-Gymnasium in Leipzig
König-Albert-Museum (Chemnitz)
König-Albert-Museum (Zwickau)

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