"Sommer 1968: Ottberger Lokpersonale fahren mit ihren 44ern mehrere Durchgangsgüterzüge
der Relation Hamm - Altenbeken - Northeim - Walkenried - DDR. Der Bespannungsabschnitt
endet allerdings, nach Lokwechsel in Ottbergen, grundsätzlich in Herzberg (wo Zollabfertigung,
Leichterung und die Bespannung mit einer Goslarer 50 zwecks Weiterbeförderung bis
Ellrich stattfinden). Allein der Gag 7969, ein einmal wöchentlich verkehrender Ganzzug mit
Bauxit von Quadrath-Ichendorf nach Bitterfeld, der wegen seiner Last von 1260 t einer 50 nicht zugemutet werden kann, fährt mit Ottberger 44 und Ottberger Personal über Herzberg hinaus
bis in den DDR-Grenzbahnhof Ellrich.
Dort nun werden bestimmte Ottberger Lok und ein bestimmtes Personal - Namen tut nichts zur Sache - eines regnerischen Frühsommertages durch ein Grenzorgan von besonderer proletarischer
Wachsamkeit ausgiebigst kontrolliert. Als sich dieses Organ sich anschickt, nach Durchforsten der
Tenderschränke (mit Öffnen der Brotdosen von Lokführer und Heizer) auch noch in den
Kohlen rumzustochern, dreht der Heizer langsam den Hilfsbläser zu. Der Lokführer hingegen
öffnet, einem zuvor abgesprochenen konterrevolutionären Plan entsprechend, vorsichtig einen
Spalt breit die Feuertür. Es ist das Pech des Grenzorgans, dass es einen Regenmatel aus Dederon
oder einer ähnlichen Substanz aus der volkseigenen chemischen Industrie trägt, welcher ob
seiner Berührung mit den nach hinten austretenden Verbrennungsgasen sofort zu glimmen beginnt
und in einen Schwelbrand gerät. Daraufhin schreit der auf seine Weise ebenfalls sehr wachsame Heizer auf, verflucht den offenkundig funktionsgestörten Hilfsbläser und reißt dem vollkommen
verstörten Grenzorgan den Dederon-Mantel von den Schultern.. Da der Hilfsbläser längst wieder
auf und die Feuertür längst wieder zu ist, sieht das nun recht finster dreinblickende Grenzorgan
keinen rechten Ansatzpunkt, den beiden Ottbergern Sabotage zu unterstellen, und zwar um so
weniger, als der Heizer die Reste des Dederon-Mantels mit dem Spritzschlauch ablöscht.
Dennoch verkündet er beim Verlassen des Führerstandes mit drohendem Unterton, dass er diesen
Vorfall sofort dem Kommandanten melden werde.
In der Tat verzögert sich die Abfahrt unserer beiden Ottberger (planmäßig 9:20 Uhr, Lz Ottbergen).
Irgendwann aber werden dann doch die Schutzweiche gelegt und die Ausfahrt gezogen und ein feixendes Ottberger Lokpersonal passiert frohgemut die Staatsgrenze West.
Ein Beitrag aus "04 - Historische Bahn"
W.T.








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