Kompaniechef an der Grenze erschossen

Kompaniechef an der Grenze erschossen

Beitragvon Interessierter » 29. Februar 2016, 10:42

Oberleutnant Georg Fleischer

Als der Kommandeur der Grenzkompanie Oebisfelde Oberleutnant Georg Fleischer am 27. März 1962 nicht zum Dienst erschien, befürchtete das Grenzkommando seine Fahnenflucht in den Westen. Das sollte mit allen Mitteln verhindert werden. Der Oberleutnant starb am folgenden Tag im Feuergefecht mit einem getarnten Postenpaar.

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geboren am 13. November 1932 in Salzwedel (OT Mahlsdorf)
erschossen am 28. März 1962
Ort des Zwischenfalls: Oebisfelde-Weferlingen (OT Buchhorst) (Sachsen-Anhalt)



Am 27. März 1962 erhielt Oberleutnant Georg Fleischer in seiner Wohnung einen Telefonanruf, der ihn stark aufwühlte. Er lief auf den Hof des Hauses und nahm sein Dienstfahrrad. Seine Ehefrau eilte ihm nach. Er hatte seine Dienstwaffe vergessen. Als sie ihm die Pistole übergab, wusste sie nicht, dass sie ihren Ehemann das letzte Mal lebend gesehen hatte.

Georg Fleischer diente fast sein ganzes Arbeitsleben zunächst bei der Grenzpolizei, dann bei den Grenztruppen. Nachdem er die Schule in der 8. Klasse abgeschlossen hatte, half er in der Landwirtschaft. 1950 entschied er sich für den Dienst in der Grenzpolizei. Er wurde zunächst in der Grenzkommandantur Jübar bei Salzwedel eingesetzt, 30 Kilometer von seinem Heimatort Mahlsdorf entfernt. Das MfS trat an den erst 17-Jährigen heran und warb um seine Mitarbeit. Georg Fleischer unterschrieb zunächst eine Verpflichtungserklärung. Der Staatssicherheitsdienst hob die Verbindung 1957 wieder auf, weil Georg Fleischer die ihm erteilten Aufträge nur nachlässig erfüllte und konspirativen Treffen aus dem Weg ging.

Bei der Grenzpolizei machte Georg Fleischer jedoch Karriere. Er wurde 1953 zum Unteroffizier befördert, absolvierte im Ausbildungsjahr 1953/54 einen Offiziers-Anwärter-Lehrgang in Sondershausen, rückte 1954 zum Unterleutnant und 1957 zum Leutnant auf. Am 7. Oktober 1959 verlieh ihm der Minister des Innern Karl Maron die Medaille „Für treue Dienste“ in Silber. Schon 15 Monate später übernahm er im Rang eines Oberleutnants die Kompanie Oebisfelde. Aus seiner Ehe gingen zwei Söhne hervor. Georg Fleischer spielte in seiner Freizeit Fußball und war aktiver Leichtathlet.

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Sportsfreunde, Georg Fleischer, unten 3. von links Foto: Privat Familie Fleischer

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Da Oberleutnant Fleischer am 27. März 1962 nicht zum Dienst in der Grenzkompanie erschien, wurde Grenzalarm ausgelöst. Man vermutete, er wolle sich in den Westen absetzen, weil er sich für ein geringfügiges Dienstvergehen verantworten sollte. Dies musste unbedingt verhindert werden, denn als Kompaniechef hätte Georg Fleischer den westdeutschen Behörden brisante Informationen liefern können. Während eine Nacht mit frostigem, unbeständigem Wetter anbrach, gingen die Soldaten der Grenzkompanie Oebisfelde zur verstärkten Grenzsicherung über, um die Fahnenflucht ihres Kommandeurs zu verhindern. Doch erst am folgenden Abend gegen 19.30 Uhr näherte sich Georg Fleischer bei Oebisfelde-Weferlingen (OT Buchhorst) den Grenzanlagen.

Laut einem Bericht des Kommandos der Grenztruppen sei er auf die getarnten Posten Gefreiter P. und Soldat N. gestoßen. Als sie ihn aufforderten, die Parole zu nennen, habe er aus seiner Dienstpistole zwei Mal auf die Posten geschossen. Diese erwiderten sofort das Feuer. Georg Fleischer sei nach dem ersten Feuerstoß zusammengebrochen. Er habe sich mit dem Oberkörper nochmals aufgerichtet, um weitere Schüsse abzugeben. Nachdem beide Posten weitere gezielte Schüsse abfeuerten, habe sich Georg Fleischer nicht mehr gerührt. Er starb noch am Tatort.

Den Vorfall untersuchte in den 1990er Jahren die Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität. Das Ermittlungsverfahren gegen die Schützen wurde jedoch wieder eingestellt, da ihre Schussabgabe aus einer Notwehrsituation erfolgt sei.

http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das- ... index.html
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Re: Kompaniechef an der Grenze erschossen

Beitragvon Edelknabe » 29. Februar 2016, 19:12

Fragen über Fragen? Ich lese Telefonanruf, wer, was und worum ging es denn da im Anruf überhaupt ? Und wo war der Mann mit Fahrrad dann einen ganzen Tag und eine Nacht? Also ne Interessierter, du kannst hier aber auch uralte Dinger hervorkramen aber den Leser dann völlig doof sterben lassen(sinngemäß bitte) Nu stell dir nur vor, hier liest ein Schüler mit null Ahnung der alten Zeiten mit, also der kommt ja noch mehr ins Grübeln wie der ältere Rainer-Maria.

Selbst ich als Exgrenzer kann mir zwar etwas zusammen reimen...aber unter Garantie war das dann nur ein Reim.

Rainer-Maria also ne Oldwessi, du bist mir schon so ein "Wecker" von dann doch wieder nur Fragen über Fragen? Hilflos lässt uns der Link zurück....völlig hilflos.....
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Re: Kompaniechef an der Grenze erschossen

Beitragvon Beethoven » 1. März 2016, 07:41

Ich sehe das ähnlich.
Hätte besagter KC die Hände gehoben und nicht das Feuer eröffnet, wäre er heute wahrscheinlich noch am Leben und würde als Uropa die Urenkel auf seinen Knien schaukeln.

Ein Offizier, der gerade dabei ist seinen Eid zu brechen, muss damit rechnen, dass man gegen ihn vor geht. Egal aus welchem Staat dieser Offizier ist. Und ein kleines Vergehen wird es nicht gewesen sein. Darum wurde in den bewaffneten Kräften der DDR kein großes Brimborium gemacht. Ich habe selber ein paar Strafen abgefasst. Danach ging das Leben normal weiter. Wenn es also einen Mann dazu treibt alles zu verraten, für das er einst stand, muss es schon ein ordentliches Vergehen ob nun dienstlich oder als Privatperson, gewesen sein.

Leider teilt uns der Schreiber nicht mit, um was es da genau ging. Aber so ist das nun mal mit Propaganda. Halbwahrheiten - Hauptsache das politische Ziel wird erreicht. [peinlich]

In diesem Sinne - Die Strafe soll nicht größer sein als die Schuld. Marcus Tullius Cicero
Die größten Vorteile im Leben überhaupt wie in der Gesellschaft hat ein gebildeter Soldat. J. W. v. Goethe

Das Gesetz ändert sich, die Gesinnung nicht.
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Re: Kompaniechef an der Grenze erschossen

Beitragvon Nostalgiker » 1. März 2016, 07:55

Erwartest Du beim Text-Einsteller etwa analytisches Denken und das er Zusammenhänge erkennen kann? Du unverbesserlicher Optimist .....
Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
Aber damit sind diese Hoffnungen nicht erledigt. Stefan Hermlin

Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, dass man nichts zu verlieren hat. Janis Joplin

Psychologen haben herausgefunden, dass Menschen, die immer bei anderen auf die Rechtschreibfehler hinweisen, eine Persönlichkeitsstörung haben und unzufrieden mit ihrem Leben sind. Netzfund
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Re: Kompaniechef an der Grenze erschossen

Beitragvon augenzeuge » 1. März 2016, 08:33

Thoth hat geschrieben:Erwartest Du beim Text-Einsteller etwa analytisches Denken und das er Zusammenhänge erkennen kann? Du unverbesserlicher Optimist .....


Hast du nicht heute gefordert, dass das ständige Angepi....nervt? Dann höre doch einfach damit auf. [mad]
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Re: Kompaniechef an der Grenze erschossen

Beitragvon HPA » 1. März 2016, 08:34

Wahrscheinlich Zwangshandlungen.... [grins]
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Re: Kompaniechef an der Grenze erschossen

Beitragvon Kumpel » 1. März 2016, 08:35

Beethoven hat geschrieben:...........................Und ein kleines Vergehen wird es nicht gewesen sein. Darum wurde in den bewaffneten Kräften der DDR kein großes Brimborium gemacht.
.....................


Du mußt es ja wissen.
Da ist mal ein Koch einer Grenzkompanie über den Zaun geklettert , weil sein Bestand nicht stimmte. Einfach mal im Italo-Grenzforum suchen.
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Re: Kompaniechef an der Grenze erschossen

Beitragvon ratata » 1. März 2016, 12:20

Da wird man bei der Schilderung solcher Zwischenfälle immer wieder in die Vergangenheit zur rück versetzt .
War ich doch 1969 -70 auch in diesen Bereich Oebisfelde - Weferlingen ,damals Lockstedt an der Grenze . Solche Vorfälle waren uns nicht begannt .
Wenn ich da an an meinen KC denke , der lief immer ohne Pistole im Grenzgebiet umher . Seine hatte ich in der Waffenkammer eingeschlossen . Er gab sie mal ab zum reinigen , aber wiedergeholt . dachte er gar nicht dran .
Zum geschilderten Vorfall .
Wie oft kamen zu uns Offiziere vom Regiment zur Kontrolle . Da gab es Offizier Kurt , vom Rückwerdigendienst , der für die Bekleidung zu ständig war . Genannt bei uns Klamottenkurt . Mit dem musste ich zig mal nachts raus auf Kontrolle . die Vergatterung erfolgte für mich bei der abendlichen Verdonnerung. Während ich meine Waffe holte , holte er sich die Parole vom Führungspunkt . Beim ersten mal draußen Melden über GMN , sagte man uns den nächsten Punkt ,wo wir uns wieder melden sollte.
Jedenfalls liefen wir beide im dunkel n wie im Ar.... los . gerieten aber einen Posten in den Quere. Als dann der Ruf , Halt Grenzposten Parole erschallte , kam vom Kurt nichts . Der hatte die Parole vergessen . Das einzige was er rief , war,: Nicht schießen, ich bin Hauptmann Kurt .
Der Posten ließ uns aber zappeln , dann leuchtete er uns an . Naja , wir kannten uns ja . Aber dann bekam er aber vom Postenführer etwas zu hören .
Bekannt war Klamottenkurt in der Kompanie , weil er die Parolen vergas.
Wie gefährlich es war , sei für die geschildert, die so etwas nicht erlebten .
Diese Vorfälle wie sie alle so geschildert werden ,von den erschossenen Soldaten , an der Grenze , Die Stasi hat sie , so wie sie es für richtig hielt , ausgewertet ?????????.
Das ein KC an den Zaun geht und auf den Posten schießt . das war reiner Selbstmord - vorsätzlich . ratata
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Re: Kompaniechef an der Grenze erschossen

Beitragvon Ari@D187 » 5. März 2016, 13:19

Bis auf die etwas blumige Sprache (Feuergefecht mit getarnten Grenzposten) ist doch an dem Artikel
nichts auszusetzen. Wäre noch interessant zu wissen, was für ein geringfügiges Dienstvergehen ihn
dazu brachte Frau und zwei Söhne zu verlassen und die riskante Flucht zu versuchen.

Ari
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Re: Kompaniechef an der Grenze erschossen

Beitragvon augenzeuge » 5. März 2016, 13:34

Ari@D187 hat geschrieben:Wäre noch interessant zu wissen, was für ein geringfügiges Dienstvergehen ihn
dazu brachte Frau und zwei Söhne zu verlassen und die riskante Flucht zu versuchen.
Ari


Es war sicher nicht das Dienstvergehen selbst, eher die ständig vermittelte Angst über die besondere politische Interpretation solcher Vergehen.
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