Leben und wohnen an der Grenze

Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Luchs » 29. April 2010, 10:09

Die kürzeste Entfernung zwischen meinem Elternhaus und der Grenze war ca. 2,7 km. Dort lebte ich knapp 22 Jahre. Meine erste Frau und ich hatten dann eine Wohnung mit einer Entfernung zur Grenze von 500 m. Auf Westseite wohlgemerkt. Ich denke, ich kann sagen, dass ich doch ziemlich grenznah gewohnt habe.

Da ich es nicht anders kannte, belastete mich die Grenze wenig, ich machte das Beste daraus und ging oft an der Grenze spazieren und versuchte, vom Leben "düben" etwas mitzubekommen. Viel war ja nicht zu sehen, in der Regel nur Grenzsoldaten. Aber es gab in meiner Region auch einige Punkte, von denen man auch Zivilisten sehen konnte.

Ein Punkt war ein Aussichtspunkt der Braunschweigischen Kohlen Bergwerke am Tagebau Helmstedt. Hier eine Ansicht aus Google Maps dazu:
http://maps.google.de/?ie=UTF8&t=f&ecpo ... 16544&z=16
Von dort aus konnte man sehr gut die Arbeiten im Tagebau Harbke beobachten.
Viele Grüße [hallo]
Micha
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Heldrasteiner » 29. April 2010, 10:43

Die Grenze war von meinem Wohnort aus nur 6 km entfernt und verlief hauptsächlich auf Bergkämmen bzw. am Fluß entlang.
Sie war für mich, der ich nichts anderes kannte, Normalität.
Man hatte sich an nächtliche Leuchtraketen und auch Schüsse gewöhnt. Über Arbeiten an den Grenzanlagen und Fluchtversuche wurde man über die Tagespresse unterrichtet.

Umso interessierter lauschte ich den Erzählungen meiner Oma, die von Wanderungen auf den Hülfensberg und den Heldrastein schwärmte. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß ich eines Tages auch mal dorthin laufen oder fahren könnte.

Meine Ausflüge führten mich oft in die Nähe der Grenze - dabei sah ich überwiegend Grenztruppen und auch mal einige Landwirte, die unter Aufsicht Felder umpflügten.
Menschen in den Orten "gleich hinterm Zaun" waren nur selten zu sehen - ab und zu mal ein Trabi oder Wartburg.
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon karl143 » 29. April 2010, 11:27

Ich habe nie in direkter Nähe der Grenze gewohnt, immer so um die 30 km weit weg. Ich kann nur erzählen, was für ein Gefühl ich hatte, als ich das
erste mal im Dienst an die Grenze kam. Ich hatte sie nur einmal vorher in der Realität geshen, wir waren von der Schule aus da, und ich meine sogar,
das wir in Hötensleben waren. Als ich dann dienstlich dort stand, war es ein ganz komisches Gefühl. Es war so etwas unnatürliches, komisches. Später mit
der Zeit relativierte sich das und die Gegend an der Grenze war Normalität geworden. Man tat seinen Dienst, wenn der beendet war, gings wieder zur Familie und man machte sich eigentlich keine weiteren Gedanke über diese Linie, die eigentlich doch so dicht an einem vorbeilief.
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon peterB » 29. April 2010, 14:20

ichwohnte damals unterhalb unserer dienststelle,ca 10 m von der grenze weg.der zoll hatte da ein wohnheim,in dem wir auch wohnen konnten.
was für uns normal war( zoll,bgs streife oder selten auch mal die engländer ) schien für spaziergänger sehr interessant zu sein.
nur einmal waren wir selber überrascht.wir sassen gemütlich im garten und waren am grillen,als plötzlich 2 uniformierte ein paar meter von uns entfernt auf ddr gebiet standen.
ein kollege stand dann auf und brachte den zwei würstchen und cola.die zwei bedankten sich und zogen sich wieder zurück.
selbst die zöllner,die jeden tag auf grenzstreife waren,hatten so etwas noch nicht erlebt. [hallo]
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon exgakl » 29. April 2010, 18:43

Hallo zusammen,

offensichtlich habe ich hier auf Alle ausser Susanne "aufgepasst", das Ihr auch schön "drüben" bleibt [flash]
[katze] nee nee Luchs..... auch Dich hätte ich am Großem See nicht durchgelassen [laugh]

VG exgakl
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Heldrasteiner » 29. April 2010, 19:51

Auf mich hättest Du auch nicht aufpassen müssen, Karsten. [grins]
Ich war von Kindheit an so gedrillt, daß ich nie auch nur einen Fuß auf DDR-Gebiet gesetzt hätte. Für mich war definitiv am Schild "Halt" Hier Grenze" Schluß.
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon karl143 » 30. April 2010, 07:13

Die Bewohner von grenznahen Ortschaften machten auch den geringsten Ärger, mir wäre keiner bekannt.
Die hatten sich damit vielleicht zwar nicht abgefunden, aber sie reagierten nicht auf der Grenze. Der
Bauer, der an der Grenze sein Feld bearbeite, machte dies, als wäre die Grenze zur DDR eben sein Hof-
nachbar.
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon exgakl » 30. April 2010, 07:57

Hallo @All,

das sehe ich auch so wie Du Karl.... z.B. waren die Bewohner im ehem. Gasthaus "Grenzblick" in Offleben sehr nette und freundliche Leute.
Von denen kam immer ein lächeln und Ärger durch fremde Besucher wurde durch die immer abgewendet.

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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon oetten » 2. Mai 2010, 20:04

Hallo zusammen,

Bin ja in Thüringen geboren sprich Seebach/Kr.Eisenach . Also wir durften zum Beispiel bis nach Creuzburg und dann war Schluss. Wer weiter wollte musste einen Antrag stellen, aber 6 Wochen vorher.
Ich wollte Heiraten und zur Hochzeit mit einer Kutsche zum Standesamt fahren. Pferde hatte ich aber keine Kutsche. Durch Arbeitskollegen die im Grenzgebiet wohnten erfuhr ich, daß da eine Kutsche auf einen neuen Besitzer wartete.
Das tolle an der Geschichte ist, wer die Gegend kennt und es handelt sich um das Backsteinhaus welches auf dem Berg zwischen Creuzburg und Ifta steht. Von Creuzburg kommend kurz vor dem Haus begann das Grenzgebiet. (ca. 20m) Da steht heute noch so eine kleine Bude und da wurde alles und jeder Kontrolliert.
Nun und genau da stand meine zukünftige Kutsche. Also Antrag stellen für mich meinen Kumpel und dessen Frau einem Auto und zwei Pferde.
Nach 7 Wochen durften wir aufbrechen um das gute Stück zu holen.
Mein Kumpel und ich Ritten auf unseren Pferden zur Grenze und seine Frau fuhr mit dem Auto welches im Kofferraum die Geschirre der Pferde hatte. Denn wir wollten ja auch gleich eine schöne Landpartie daraus machen.
Als wir nun an dem Grenzposten ankamen staunten diese nicht schlecht und trauen den Frieden nicht, so wurde ein Posten abgestellt uns die 20m zu begleiten und uns nicht aus den Augen zu lassen.
Es war eine lächerliche Sache, wurde aber so gehandhabt.
Wir sind gut zu Haus angekommen, die Kutsche wurde von mir in alle Einzelteile zerlegt und wieder neu Aufgebaut unserer Hochzeit stand nichts mehr im Weg.
Habe die Kutsche dann nach ein paar Jahren Verkauft mit der Geschichte.

Gruß Eberhard
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Heldrasteiner » 2. Mai 2010, 20:10

Schöne Geschichte aus der Geschichte, oetten! [bravo]
Na, dann will ich Dir mal mitteilen, daß besagtes Haus jetzt leersteht und verfällt. Bin grad heute dran vorbeigefahren.
Und hier hab ich auch noch ein paar Bilder für Dich von dem Kontrollhäuschen bei Creuzburg:
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon oetten » 2. Mai 2010, 20:34

Danke Heldrasteiner,

Na das passt ja wie die Faust aufs Auge, super gemacht Susanne. [hallo]

Gruß Eberhard
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Heldrasteiner » 2. Mai 2010, 20:47

Bitteschön!
War ja heute grad in der Gegend - bevor der Regen anfing.
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Luchs » 3. Mai 2010, 10:18

Eine sehr schöne Geschichte Eberhard. Was ich vermisse ist ein Foto von der Kutsche, vielleicht sogar mit dem jungvermälten Paar.
Viele Grüße [hallo]
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon oetten » 3. Mai 2010, 18:47

Hallo Micha,

Möchte mal deinem Wunsch nachkommen. Damals gab es halt nur schwarz/weiß.
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Heldrasteiner » 3. Mai 2010, 19:33

Uii oetten,
das ist ja nen schönes Privatfoto.
Danke, daß Du uns ein Bild Deines schönsten Tages zeigst. [bravo]
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Luchs » 4. Mai 2010, 10:24

Toll Eberhard,

dass es schwarz/weiß ist, finde ich eher gut. So hat es einen gewissen Reiz.
Viele Grüße [hallo]
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon oetten » 4. Mai 2010, 19:32

Hallo zusammen,

Ja, es war ein schöner Tag für uns. Ist nur schon 29 Jahre her. [shocked]

Gruß Eberhard
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon student » 13. Juni 2010, 21:31

@peterB: Die Geschichte erinnert mich an eine Begebenheit, die sich ziemlich genau so abgespielt hat, wie Du es beschrieben hast, allerdings am Priwall. Dort verlief die Grenze unmittelbar an einer Bungalowsiedlung, und da ist genau das passiert, was Du geschildert hast, nur daß es nicht Würstchen, sondern Steaks waren. Allerdings mit dem Unterschied, daß dem Postenführer mit großem Trara in Stendal ein Schauprozeß gemacht wurde, zu dem Leute aus dem gesamten Grenzkommando zusammengetrommelt wurden. Ich glaube, er hat eineinhalb oder sogar zweieinhalb Jahre bekommen.
student
 

Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Luchs » 14. Juni 2010, 11:06

student hat geschrieben:@peterB: Die Geschichte erinnert mich an eine Begebenheit, die sich ziemlich genau so abgespielt hat, wie Du es beschrieben hast, allerdings am Priwall. Dort verlief die Grenze unmittelbar an einer Bungalowsiedlung, und da ist genau das passiert, was Du geschildert hast, nur daß es nicht Würstchen, sondern Steaks waren. Allerdings mit dem Unterschied, daß dem Postenführer mit großem Trara in Stendal ein Schauprozeß gemacht wurde, zu dem Leute aus dem gesamten Grenzkommando zusammengetrommelt wurden. Ich glaube, er hat eineinhalb oder sogar zweieinhalb Jahre bekommen.


Weißt du vielleicht, mit welcher Begründung er verurteilt wurde oder verurteilt worden sein könnte?
Viele Grüße [hallo]
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon schwarzescho » 16. März 2011, 21:56

Ich hab an der Grenze gewohnt, aber man hat sich halt ruhig verhalten. Im Sommer wenn die Kirsch ernte war hat man immer die Leiter am selben Tag weggebracht, und nächsten Tag wieder bei geholt. Hätte ja sein können es kommt einer, und klettert mit der Leiter übern Zaun. Um ärger aus dem Weg zu gehen, hat man die Anweisungen beflogt und gut war es.
Den das Leben in der Fünf-Kilometer-Sperrzone war schon was .Da ich als Kind damit aufgewachsen bin, kannte ich es nicht anderst.
Und so hatte ich, genau wie die Erwachsenen immer mein Personalausweiß dabei, selbst beim einkaufen im Konsum, im eigenem Ort. Um ihn jeder Zeit vorzuzeigen. Jede Fam. hatte ein Hausbuch für Besucher einzutragen.

Denn sobald sich einer strafbar gemacht hat, und nicht den Anweisungen gefolgt ist, wurde aus dem Sperrgebiet ausgewiesen. Und wie viele haben sich geweigert, und haben Haus und Hof verloren, durften nie mehr wieder zurück. Manch einer ist im schmerz umgekommen, hat es nicht verkraftet.

[shocked] [peinlich]
schwarzescho
 

Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon karl143 » 16. März 2011, 22:48

Als Kind warst du es nicht anders gewohnt. Aber wenn du heute darüber nachdenkst, findest du es im nachhinein nicht schlimm. Ausweis, Leiter, Hausbuch, das ist doch alles nicht normal.
karl143
 

Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Batrachos » 2. September 2013, 01:30

Hallo,

Habe früher keine 100 Meter vom schutzstreifen weg bzw GZ 1 weg gewohnt.
war für uns völlig normal nicht weiter zu dürfen.
Und normal war auch,wenn man das Sperrgebiet verlassen hatte,seinen Ausweis am Schlagbaum vorzu zeigen.
Auch wieder bei der einreise ins Sperrgebiet.
Bei uns kannte jeder jeden,und man konnte als Kind noch unbekümmert draußen spielen,ohne das unsere Eltern Angst um uns haben mußten.
Man hatte auch die ein oder andere Bewegung "feindwärts" mitbekommen wenn man an der Richtigen Stelle war.
Und Grenzer bei uns im Ort waren auch völlig normal.
Wir kannten es nicht anders. Ich war zufrieden mit meiner Kindheit,und fühlte mich trozdem frei,auch wenn ich nicht "rüber"
durfte.

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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Volker Zottmann » 2. September 2013, 08:28

@Betrachos,
um Deine Aussage mit Deiner Kindheit einordnen zu können, wären annähernde Altersangaben hilfreich. Von welcher Zeit sprichst Du?
Auch halb oder ganz eingesperrt kann man seine Kindheit schön empfinden.
Die hatte ich auch. Das Denken setzt aber gründlicher erst etwas später ein.
Mich hat als 3-Jähriger die Grenze hinter Tanne/Harz auch noch nicht gestört.
Jahr später aber schon, da durften wir nicht mal mehr unsere alten Nachbarn besuchen, weil meine Eltern keinen Passierschein mehr hatten. Freunde mussten zwangsläufig zu uns nach Quedlinburg. Und das soll einen nicht gestört haben?

Gruß Volker
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Hausfreund » 2. September 2013, 09:06

Hallo!

In bin in einem Grenznest (Ost) aufgewachsen mit 50 oder 100 m Entfernung und ich erinnere mich, daß diese immer "dichter" wurde. In den 50igern beispielsweise konnte man noch, vom Feld aus und mit einem Auge auf die Posten, rüber. Die älteren hat es immer geschmerzt, für uns Nachgeborenen war die Grenze halt das Ende der Welt. ... Hier gäbe es sehr viel zu erzählen; vielleicht nur eine lustige Begebenheit analog Steak oder Würstchen: Wie ein Buschfeuer ging es eines tages durchs Dorf, daß an der Grenze etwas zu "holen" wäre und die ganze Kindermeute rannte los. Es flog jede Menge Schokolade zu uns rüber, und die Grenzer hatten dann (viertelstunde später?) mächtig zu rudern mit den Kindern. :-))

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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Edelknabe » 2. September 2013, 12:02

Hausfreund ich erinnere mich einiger Grenzdörfer an der Elbgrenze, also da war am Tag nix los, die Leutchen müssen alle auf Arbeit gewesen sein? War das so? Selbst Kinder soweit ich mich erinnere habe ich nicht allzuviele gesehen?
Und logisch, durch den späteren GSZ(Grenzsignalzaun) wurde die Verbindung zum Kanten sowieso gekappt, unterbrochen, mit Schokolade West war dann nix mehr außer im Dorfkonsum die weißen Süsstafeln.

Rainer-Maria und war man nicht "Priviligiert" im Grenzstreifen wohnend? He, war ein Scherz aber bissel Geld gabs schon dafür...nich?
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon dein1945 » 2. September 2013, 15:57

Edelknabe hat geschrieben:Hausfreund ich erinnere mich einiger Grenzdörfer an der Elbgrenze, also da war am Tag nix los, die Leutchen müssen alle auf Arbeit gewesen sein? War das so? Selbst Kinder soweit ich mich erinnere habe ich nicht allzuviele gesehen?
Und logisch, durch den späteren GSZ(Grenzsignalzaun) wurde die Verbindung zum Kanten sowieso gekappt, unterbrochen, mit Schokolade West war dann nix mehr außer im Dorfkonsum die weißen Süsstafeln.

Rainer-Maria und war man nicht "Priviligiert" im Grenzstreifen wohnend? He, war ein Scherz aber bissel Geld gabs schon dafür...nich?


Na klar Edelknabe 8% und die gabs NETTO, auch kleiner Scherz

Schönen Tag
Man(n) muß wissen wenn Schluß ist !
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Hausfreund » 2. September 2013, 16:21

Edelknabe hat geschrieben:Hausfreund ich erinnere mich einiger Grenzdörfer an der Elbgrenze, also da war am Tag nix los, die Leutchen müssen alle auf Arbeit gewesen sein? War das so? Selbst Kinder soweit ich mich erinnere habe ich nicht allzuviele gesehen?

Hallo Edelknabe!

Deine Elbwiesen kann ich nicht beurteilen; klingt nach MäcPomm.

Ansonsten war gerade für uns Kinder sehr viel los. Durch die weiträumige "Absperrung" hatten wir (im Vergleich zu heute) irrsinnige Freiheiten. Nach der Schule ging es in den Wald, zu Bächen / Flüssen, Höhlen, Bergen, Steinbrüchen, auf Bäume, zu verlassenen Fabriken, im Dorf durch Scheunen oder Mühlen usw., mit bestimmten Schießgeräten, Streichhölzern, robusten Messern, Eigenbau-Booten - die Eltern interessierte das schlicht nicht, da uns der Hunger abends wieder heimtrieb. Auch in den Dörfern war insgesamt einiges los, Feiern, Kirmes / Kirchenkram, Schlachten, Fasching, Tanz ... mit Wein Weib & Gesang.

Man hatte sich quasi in den ungeliebten Rahmenbedingungen eingerichtet.

mfG

PS 50er Jahre
Zuletzt geändert von Hausfreund am 2. September 2013, 16:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Batrachos » 2. September 2013, 16:47

Volker Zottmann hat geschrieben:@Betrachos,
um Deine Aussage mit Deiner Kindheit einordnen zu können, wären annähernde Altersangaben hilfreich. Von welcher Zeit sprichst Du?
Auch halb oder ganz eingesperrt kann man seine Kindheit schön empfinden.
Die hatte ich auch. Das Denken setzt aber gründlicher erst etwas später ein.
Mich hat als 3-Jähriger die Grenze hinter Tanne/Harz auch noch nicht gestört.
Jahr später aber schon, da durften wir nicht mal mehr unsere alten Nachbarn besuchen, weil meine Eltern keinen Passierschein mehr hatten. Freunde mussten zwangsläufig zu uns nach Quedlinburg. Und das soll einen nicht gestört haben?

Gruß Volker


Das kann ich dir genau sagen,1975 bin ich geboren,würd da noch nicht von Kindheit die man erlebt hat sprechen.
Das waren dann die 80er Jahre,wo ich meine Kindheit und später Jugend bewußt war genommen habe.
Wie gesagt für uns war es völlig normal damals das wir nicht weiter durften als bis vor dem ersten Zaun.
wir waren halt Kinder,und uns war es bestimmt damals noch nicht bewußt,was die Grenze eigentlich bedeutet.
wir wußten dort war Westen und wir durften nicht hin,für uns wie gesagt normal.

Mfg Batrachos
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Volker Zottmann » 2. September 2013, 18:53

Siehste Betrachos, das ist die Stelle, wo Menschen verschieden ticken. Wenn Dir nichts fehlte, OK!

Meinen Sohn Carlo könnte ich ins Spiel bringen, zu Dir im Vergleich. Er ist 1 Jahr älter, also im Mai 1974 geboren. Der bekam sehr wohl mit, als ich das 1. Mal seit 1955 wieder in den Westen durfte, dass er eine Geisel war!
"Wann kann ich denn mal fahren?" War seine traurige Frage nach meiner Wiederkehr. Ich sagte ihm, mit 65 Jahren etwa, denn er hätte dann keine Verwandten mehr mit brauchbaren Geburtstagen, weil die dann bestimmt schon alle verstorben wären...
Dann aber kam 1989 und eine endlich offene Grenze. Carlo konnte dann gleich mal, noch vor Schuljahresende nach seiner 10. Klasse für 3 Monate nach Kanada.
Heute ist er glücklich, in München verheiratet, freischaffend in der Computerbranche und sehr gut verdienend.
Er hat eine ganz andere Meinung ...

Gruß Volker
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Re: Leben und wohnen an der Grenze

Beitragvon Batrachos » 2. September 2013, 22:11

Volker Zottmann hat geschrieben:Siehste Betrachos, das ist die Stelle, wo Menschen verschieden ticken. Wenn Dir nichts fehlte, OK!

Meinen Sohn Carlo könnte ich ins Spiel bringen, zu Dir im Vergleich. Er ist 1 Jahr älter, also im Mai 1974 geboren. Der bekam sehr wohl mit, als ich das 1. Mal seit 1955 wieder in den Westen durfte, dass er eine Geisel war!
"Wann kann ich denn mal fahren?" War seine traurige Frage nach meiner Wiederkehr. Ich sagte ihm, mit 65 Jahren etwa, denn er hätte dann keine Verwandten mehr mit brauchbaren Geburtstagen, weil die dann bestimmt schon alle verstorben wären...
Dann aber kam 1989 und eine endlich offene Grenze. Carlo konnte dann gleich mal, noch vor Schuljahresende nach seiner 10. Klasse für 3 Monate nach Kanada.
Heute ist er glücklich, in München verheiratet, freischaffend in der Computerbranche und sehr gut verdienend.
Er hat eine ganz andere Meinung ...

Gruß Volker

Wenn es bei Euch nur gefehlt hat in den Westen zu fahren um glücklich sein dann tut es mir leid.
Mein Vater ist auch 88 das erste mal nach Köln zu seiner Tante,aber gefragt wann ich mal fahren darf hab ich nicht.
Denn ich kann mir gut vorstellen das Dein Sohn den Westen vor 89 nicht mit Freiheit sondern mit Konsum aus der Werbung
verbunden hat,Viele bunte Bilder in der Werbung und viele Westpakete.
Das die Grenze offen ist ist gut,geb ich Dir recht,sonst könnte ich heute nicht in Bayern leben und in den Alpen Motorrad fahren.

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