Tödliches Grenzdrama begleitet Aschendorfer sein ganzes Leben

Tödliches Grenzdrama begleitet Aschendorfer sein ganzes Leben

Beitragvon Interessierter » 13. August 2018, 10:12

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Hermann Broer als junger Beamter am Grenzpunkt „Wirler Spitze“. Foto: Broer


Aschendorf. Der Tag der Deutschen Einheit ist ein Tag der gemischten Gefühle für Hermann Broer. Denn der gebürtige Aschendorfer hat als junger Mann an der deutsch-deutschen Grenze ein tödliches Drama miterlebt.

Was der damals 25-jährige Zollbeamte am 28. Oktober 1963 an der Grenze in Wirl (Lüchow Dannenberg) erlebt hat, begleitet ihn bis heute. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet Broer, wie er abends gegen 8 Uhr mit seinem Kollegen nach einem Gang entlang der Grenze wieder in die Dienststelle kam.

Kurz darauf hörte er einen Knall. „Eine Mine, das wussten wir“, sagt Broer. In der Regel sei es Wild gewesen, das auf die Minen im Grenzstreifen trat und diese zur Explosion brachten. An jenem Abend wurde Broer und seinem Kollegen schnell klar, dass es diesmal kein Tier gewesen ist.

„Wir hörten Schreie aus dem Wald“, erinnert sich der Pensionär. Schnell verließen sie ihre Unterkunft und liefen der Stimme entgegen. Kurz darauf trafen sie Siegfried Simon. Der 19-Jährige war verstört und blutverschmiert. Er berichtete vom Fluchtversuch und seinem Bruder, der auf eine Mine getreten war.

Nach einer Weile – der Bruder hatte im Schockzustand nicht sofort wieder zum Unglücksort gefunden – sahen sie den 18-jährigen Bernhard Simon. „Sein rechtes Bein war bis zum Oberschenkel abgerissen, Splitter hatten sich in das linke Bein und den Unterleib gebohrt“, so Broer. Der alarmierte Krankenwagen kam eine halbe Stunde später. Während dieser Zeit hatte Broer den jungen Mann aus dem Grenzstreifen auf westdeutschen Boden gezogen. „Die DDR-Grenzer hatten schon einen großen Strahler aufgestellt und machten mobil“, so Broer. Auch heute noch erinnert er sich genau an den Wortlaut von vor 54 Jahren: „Was wird meine Mama nur sagen?“, fragte der schwer verletzte Bernhard Simon, der nur kurz darauf auf dem Weg ins Krankenhaus verblutete.

Die Erinnerung an diesen Abend im Jahr 1963 wird Broer, der zwei Jahre nach dem Vorfall seine Stelle als Zollbeamter aufgab und anschließend 38 Jahre als Justizamtsinspektor am Amtsgericht Leer tätig war, seither nicht mehr los. Ein Besuch in der Lüneburger Heide vor einigen Jahren rief ihm den Horror von damals erneut vor Augen. In Schnackenburg hatte er mit seiner Frau das Grenzland-Museum besucht. „Dort wurde in einem Schaukasten die Geschichte der Brüder gezeigt“, so Broer. Nach dem Besuch kam ihm in den Sinn, den überlebenden Bruder Siegfried ausfindig zu machen. „Ich wollte einfach wissen, was aus ihm geworden ist“, so Broer.

Fast zwei Jahre forschte er im Internet und stellte zahlreiche Anfragen an Behörden – ohne Ergebnis. „Aufgrund des Datenschutzes gab es keine Auskünfte“, so Broer. Dann wendete er sich an eine Fernsehproduktion, die sich auf die Suche nach Vermissten spezialisiert hat. Vor einigen Wochen kam eine Antwort auf seine Anfrage. Laut Schreiben ist Siegfried Simon bereits im März 2010 in Wolfsburg im Alter von 65 Jahren verstorben. Für Broer war diese Mitteilung zwar traurig, wie er sagt – aber dennoch eine gute Nachricht. „Nun habe ich Gewissheit, was mit den Brüdern geschehen ist und kann das Kapitel endlich abschließen“, sagt Broer.

https://www.noz.de/lokales/papenburg/ar ... 0&0&959684
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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