Als Zäune und Mauern Deutsche trennten

Als Zäune und Mauern Deutsche trennten

Beitragvon Werner Thal » 22. März 2016, 21:54

Aus: Unser Harz 11/2014 - Todesstreifen, Stacheldraht und Selbstschussanlagen

Demarkationslinie wird Zonengrenze

Im Zuge der politischen Entwicklung wird diese zunächst als Verwaltungsgrenze gedachte
Demarkationslinie rasch zu einer der am stärksten bewachte Grenze der Welt.
Gekennzeichnet ist ihr Verlauf durch Warnschilder mit der Aufschrift:
"Zonengrenze, nicht weitergehen!", "Zonengrenze" oder "Halt - Zonengrenze!".
Die Sicherung der Grenze wird auf beiden Seiten zunächst nur von Angehörigen der
Besatzungsarmeen vorgenommen. Ab dem Jahr 1946 werden sie zunächst im Westen von der Zonengrenzpolizei und im Osten von der Deutschen Grenzpolizei unterstützt. In der
sowjetisch besetzten Zone übernimmt ab 1946 die Deutsche Grenzpolizei die Verantwortung.
Im Auftrag der britischen Militärregierung ist die Zonengrenzpolizei nur kurze Zeit später an
der Demarkationslinie in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zuständig. In Jahrbüchern
der niedersächsischen Polizei aus dieser Zeit wird über zahlreiche Fluchten, Schusswaffen-
gebrauch, Festnahmen und Verschleppungen durch sowjetische Armeeangehörige sowie
Schmuggel, insbesondere Lebensmittel, Zigaretten und Alkohol, an de damaligen
Zonengrenze im Harz berichtet.
Bei solchen und ähnlichen Zwischenfällen entscheiden nach wie vor die jeweiligen
Besatzungsoffiziere.
Im Januar 1948 ergeht ein Geheimbefehl der britischen Militärregierung, "die Grenz-
aufsicht durch den Zollgrenzdienst an der Zonengrenze zur sowjetisch besetzten Zone
nach Maßgabe ihres an den Auslandsgrenzen bewährten Systems zu organisieren."
Somit ist das Verbringen von Vermögenswerten nur noch an offiziellen Grenzübergängen
möglich.
Im Frühjahr 1949 wird die Überwachungstätigkeit der Zonengrenzpolizei in Niedersachsen
und Schleswig-Holstein eingestellt und es folgt die völlige Übernahme des Schutzes der
Demarkationslinie durch den Zollgrenzdienst. Ein Gesetz mit fest umrissenem Aufgabenkatalog
sowie eine Befugnisregelung zur Durchsetzung von klassischen polizeilichen Maßnahmen fehlen.
Dieser Zustand verbessert die unangenehme Situation für die Grenzbevölkerung nicht gerade.
Bewohner der im Westharz gelegenen Grenzorte berichteten bei späteren Begegnungen mit dem
Bundesgrenzschutz und dem Zollgrenzdienst häufig darüber, dass sie große Angst davor hatten,
von sowjetischen Besatzungssoldaten festgenommen, verhört oder gar verschleppt zu werden.
Es gilt daher, solchen Grenzzwischenfällen künftig Einhalt zu gebieten.

...und weiter geht es hier im link:

http://www.geschichtsvereingoslar.de/me ... semann.pdf

W.T.
Werner Thal
 

Re: Als Zäune und Mauern Deutsche trennten

Beitragvon Volker Zottmann » 22. März 2016, 22:28

Gerade die Demarkationslinie, die Andere später Staatsgrenze nannten, hat sich bei mir als Kind schon ins Gehirn gefressen und ist immer nur eine Demarkationslinie geblieben.
Denn ich habe sie als Kleinkind erlebt, auch später als Schüler in den Ferien. Damals schien sie, noch nicht so militärisch ausgebaut, weniger bedrohlich. War sie aber nie!
Erst als die 5km- Sperrzone verschmälert wurde, konnte auch ich wieder dichter ran. Durch viele Gespräche mit meinem Vater und ebenso vielen mit verwandtschaftlichen West- Besuchern in den hauptsächlich 1960er Jahren, wurde mir schon der wirkliche Sinn der Anlagen klar vermittelt.
So klar, dass ich überzeugt war, dass es Unrecht ist, ein ganzes Volk einzukasteln.

Mir sind einige Fälle bekannt, wo bereits im Vorfeld Menschen als vermeintliche Flüchtlinge festgesetzt wurden, ohne je den Beweis zu erbringen. Ihr Verbrechen, sich dem Grenzgebiet nur zu nähern, reichte oftmals. Einen Fall weiß ich, wo ein Jugendlicher festgesetzt wurde und angeblch wieder zu seinen Eltern geschickt wurde.
Über dessen Umwege dorthin..... [mundzu]

Schade und als verpasste Gelegenheit betrachte ich, dass die meisten Verantwortlichen nie eingesperrt wurden.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 


Zurück zu Die innerdeutsche Grenze

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast