Heinz Müller, erschossen an der Berliner Mauer: MfS-Bericht

Heinz Müller, erschossen an der Berliner Mauer: MfS-Bericht

Beitragvon Interessierter » 20. Januar 2020, 08:32

Bericht

Über die Festnahme eines Grenzverletzers Westberlin/DDR im Abschnitt des Grenzregimentes 35, Köpenickerstraße mit Anwendung der Schußwaffe.



Am 19.6.1970 um 01.52 Uhr erfolgte die Festnahme des westdeutschen Bürgers

Müller, Heinz, Udo, Gerhard
geb. 16.5.1943 in Rostock/Mecklbg.
PA Nr. (...), ausgestellt in Essen
Wohnanschriften: Essen, (...), Göttingen (...)

mit Anwendung der Schußwaffe.

M. überstieg um 01.52 Uhr Köpenickerstraße unter Ausnutzung des dort unmittelbar an der Mauer stehenden Podestes die Grenzmauer. Beim Übersteigen der Grenzmauer wurde er sofort von dem Postenführer des Postenbereiches Schillingbrücke erkannt. Der Postenturm befindet sich ca. 150 m vom Ort der Handlung entfernt.

Nach dem der Grenzverletzer die Grenzmauer überwunden hatte gab der Postenführer einen kurzen Feuerstoß (3 Schuß) als Warnschüsse der MPi ab. Der Grenzverletzer reagierte hierauf nicht und setzte seinen Weg in Richtung Signalzaun fort. Daraufhin gab der Postenführer einen gezielten Feuerstoß (3 Schuß) ab, in dessen Wirkung der Grenzverletzer seine Bewegung einstellte und zusammen brach. Der Postenführer übernahm vom Postenturm aus die Sicherung, der zweite Posten des Postenbereiches Schillingbrücke begab sich zum Ort der Handlung.

Zur gleichen Zeit näherte sich aus Richtung Engelbecken eine Kradstreife mit dem Stellvertreter des Zugführers besetzt. Durch den Posten Schillingbrücke und den Stellv. des Zugführers erfolgte die Bergung des Grenzverletzers. Dieser war auf Grund des geführten Feuers zwischen Grenzmauer und Signalzaun zusammen gebrochen. Die Bergung erfolgte zunächst in den ca. 20 m vom Ort der Handlung entfernten Splitterbunker. Dort wurde dem Grenzverletzer vom Stellv. des Zugführers erste Hilfe geleistet.

Um 02.05 Uhr erfolgte die Abfahrt des Sankra des GR 35 zum Ort der Handlung zur Bergung des Grenzverletzers, und die Überführung in das VP-Krankenhaus. Die Überführung erfolgte durch den Gen. Major Arnhold des GR 35.

Die durchgeführte ärztliche Untersuchung ergab einen Durchschuß des Beckens von links nach rechts. Unmittelbar nach Einlieferung in das VP-Krankenhaus wurde der Grenzverletzer einer Operation unterzogen. Auf Grund der erhaltenen Verletzung erlitt er einen beträchtlichen Blutverlust, so daß eine Bluttransfusion notwendig war.

Durch den Gen. Meissner der Abt. IX der Verwaltung Groß-Berlin und den Gen. Sperling der Abt. VII der Verwaltung Groß Berlin, welche sich zum Zeitpunkt des Eintreffens des unterzeichneten Mitarbeiters ebenfalls im VP-Krankenhaus wegen des Vorkommnisses befanden wurde veranlaßt, daß der Grenzverletzer nach erfolgter Operation in den Haftflügel überführt und dort von Kräfte der Abt. XIV der Verwaltung Groß-Berlin bewacht wird.

Weiter geht es hier:
http://www.chronik-der-mauer.de/todesop ... fs-bericht
Interessierter
 

Re: Heinz Müller, erschossen an der Berliner Mauer: MfS-Bericht

Beitragvon zonenhasser » 20. Januar 2020, 11:18

unter Ausnutzung des dort unmittelbar an der Mauer stehenden Podestes


Aber, aber, Genosse Oberleutnant Kirste, es muss doch "antifaschistischer Schutzwall" heißen!
Die “Rote Fahne” schrieb noch “wir werden siegen”, da hatte ich mein Geld schon in der Schweiz.
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Re: Heinz Müller, erschossen an der Berliner Mauer: MfS-Bericht

Beitragvon Interessierter » 20. Januar 2020, 13:51

Vielleicht hat ja unser Forumsfreund Nov65 während seines Dienstes dort, etwas über diesen Vorfall gehört?
Interessierter
 

Re: Heinz Müller, erschossen an der Berliner Mauer: MfS-Bericht

Beitragvon augenzeuge » 20. Januar 2020, 17:11

Die Bergung erfolgte zunächst in den ca. 20 m vom Ort der Handlung entfernten Splitterbunker. Dort wurde dem Grenzverletzer vom Stellv. des Zugführers erste Hilfe geleistet.


Immerhin! Selbstverständlich war das ja nicht.... [angst]

Bleibt die Frage, konnte er nicht normal ausreisen?

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