Rettung aus dem Minenfeld

Rettung aus dem Minenfeld

Beitragvon Interessierter » 19. September 2020, 14:14

Am frühen Abend des 14. Dezember 1971 befand sich der Gastwirt Paul M. Auf der Rückfahrt von Fuhrbach nach Brochthausen, als er in der Höhe des Ortseingangs von der nahen Grenze die Explosion einer Mine und Hilferufe wahrnahm. Ihm und weiteren Bewohnern war sofort klar, die Mine musste durch einen Flüchtling ausgelöst worden sein.

Nachdem man das Zollkommissariat Duderstadt informiert hatte, traf gleichzeitig mit den Bewohnern auch ein Zollbeamter der Grenzaufsichtsstelle Fuhrbach ein. Und hörten eine Männerstimme um Hilfe schreien.

Drei von den Männern, ein Tischler, ein Schüler und der Zollbeamte liefen auf den ersten Zaun des Minenfeldes zu. Im Licht der Taschenlampe sahen sie drei Personen, ein Kleinkind, eine schwer verletzte Frau inmitten des Minenfeldes und einen schreienden, im Gesicht verletzten Mann am zweiten Begrenzungszaun. Die Frau bat flehentlich wenigstens ihr Kind zu retten und rief den Männern den Namen des Kindes „ Heike J. „ zu.

Inzwischen waren noch drei weitere Bewohner von Brochthausen an der Grenzlinie eingetroffen. Gemeinsam bogen sie die Metallgitterplatten an der Überlappungslinie so weit auseinander, dass eine Öffnung entstand, durch welche die zuerst eingetroffenen drei Männer hindurchklettern konnten. Dort erkannten sie, dass der Frau beide Füße abgerissen worden waren.

Der siebzehnjährige Schüler war von dem Anblick so geschockt, dass er durch die Öffnung zurückkroch und weglief.


Das kleine Kind wurde durch die Öffnung zum Pkw gebracht, mit dem der Vater und das einjährige Kind später zum Krankenhaus nach Duderstadt gefahren wurden. Der Zollbeamte und drei weitere Helfer brachten die Mutter und den Vater durch die Zaunöffnung auf das Gebiet der Bundesrepublik. Hier wurden der Frau von einem inzwischen eingetroffenen Sanitätsbeamten des BGS mit Krawatten die Beine abgebunden, bevor sie mit einem Sanka des BGS ins Krankenhaus nach Duderstadt gebracht wurde.

Dort mussten der 21jährigen Jutta Jahn das linke Bein unterhalb und das rechte Bein oberhalb des Knies amputiert werden. Die mutigen Retter waren längst wieder auf westlicher Seite, als von DDR – Seite die ersten Leuchtgeschosse abgegeben wurden.

( Erlebnisbericht von Paul Moneke, Brochthausen und Bericht des BGS )

Traurig aber leider auch wahr, wie dieses verbrecherische Regime mit seinen Bürgern umging.
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Re: Rettung aus dem Minenfeld

Beitragvon Dr. 213 » 19. September 2020, 14:34

Die SED- Diktatur verhielt sich eben wie jeder gewöhnliche Geiselnehmer.
Gefügigkeit oder bei Fluchtversuch in Richtung Freiheit droht der technisch und organisatorisch vorbereitete Tod.

Die widerlichen Äußerungen der damaligen Verantwortlichen aus der DDR- Führungsetage sind zum Glück in Bild und Ton überliefert.
Die vom Armeegeneral Hoffmann ebenso wie die menschenverachtenden Worte der Volksbildungsministerin.

Herzlichst
Dr. 213
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Re: Rettung aus dem Minenfeld

Beitragvon Olaf Sch. » 19. September 2020, 16:13

Sklavenhalterstaat.
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Re: Rettung aus dem Minenfeld

Beitragvon Thunderhorse » 20. September 2020, 07:51

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Re: Rettung aus dem Minenfeld

Beitragvon Interessierter » 21. September 2020, 09:45

Bei diesen Rettungen aus dem Minenfeld in die Bundesrepublik stellt sich mir die Frage: " Wieso konnte die Explosion einer Mine von den GT so lange unbemerkt bleiben? "
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Re: Rettung aus dem Minenfeld

Beitragvon Interessierter » 22. September 2020, 06:29

Von den Usern hat niemand eine Meinung oder Erklärung, obwohl etliche doch AGT waren?
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Re: Rettung aus dem Minenfeld

Beitragvon Interessierter » 22. September 2020, 09:09

Über die von Thunderhorse verlinkte Flucht hat damals auch der Spiegel berichtet. Interessant finde ich auch die vor Beginn der Rettungsaktion geführten Telefonate:


Diesesmal, an der bayrisch-thüringischen Grenze, lag der Zimmermann Bernd Geis, 17, schwerverletzt zwischen den Gitterzäunen der DDR-Grenze: Eine explodierende Tretmine hatte ihm den rechten Fuß zerfetzt. 50 Meter von der Bundesgrenze entfernt, am westlichen Ende des Minenfeldes, schrie er durch den Nebel um Hilfe: "Holt mich doch raus!"

Doch auch die Beamten vom Bundesgrenzschutz hatten für diesen Fall keine Dienstvorschrift. Und auch sie telephonierten erst einmal. Oberwachtmeister Romeis rannte die 200 Meter zum Dienst-Hanomag zurück und setzte über da Funkgerät (Typ: FuG 7) die Meldung ab: "Da liegt einer im Minengürtel und schreit. Was wollen wir tun?" Der wachhabende Offizier in der Abteilungszentrale in Oerlenbach bei Bad Kissingen, Hauptmann Klaus Jürgen Steinbrecht, wußte das auch nicht. Er stellte das Gespräch zum Kommandeur. Oberstleutnant Kurt Naumann. durch.

Auch Naumann wollte nicht entscheiden. Er rief lieber erst einmal das Bundesgrenzschutzkommando Süd in München an. Naumanns Gespräch wiederum wurde ebenfalls durchgestellt: zum Kommandeur des südlichen Grenzschutzbereichs" Brigadegeneral Rudolf Grüner, 56, der in seiner Privatwohnung in Kleinpienzenau über Thalham im Kreis Miesbach vor dem Fernsehschirm saß.

Kleinpienzenau entschied anders als damals Washington. General Grüner an seine Leute im Schnee: "Holt ihn raus! Ich nehme alles auf meine Kappe."

Romeis und Reis ließen, so Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher, "beispielhafte Umsicht" walten: Zunächst riefen sie laut, um DDR-Grenzer auf den Verletzten aufmerksam zu machen, dann schossen sie Leuchtkugeln ab, Erst als diese Bemühungen auf der anderen Seite unbeachtet blieben, deponierten sie ihre Waffen auf dem Hanomag und griffen zu Axt und Wagenheber.


https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45291977.html

Übrigens auch in diesem Fall erstaunlich, dass AGT weder die Minenexplosion, noch die die Rufe des Verletzten, des BGS und nicht einmal deren Leuchtkugeln bemerkten?
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Re: Rettung aus dem Minenfeld

Beitragvon Interessierter » 28. September 2020, 12:50

Rettung eines Schwerverletzten aus dem Minenfeld am 12. April 1971

https://books.google.de/books?id=bReMfF ... ze&f=false
Interessierter
 

Re: Rettung aus dem Minenfeld

Beitragvon augenzeuge » 28. September 2020, 15:51

Interessierter hat geschrieben:Rettung eines Schwerverletzten aus dem Minenfeld am 12. April 1971

https://books.google.de/books?id=bReMfF ... ze&f=false


Ja, manche halfen sogar Leuten aus dem Minenfeld. Andere wie im Fall Fechter waren für die Erste Hilfe zu feige.

Gleicher Link: So lief es also ab....die Gründung der LPG.... [blush]

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Re: Rettung aus dem Minenfeld

Beitragvon Ari@D187 » 28. September 2020, 18:11

Interessierter hat geschrieben:Bei diesen Rettungen aus dem Minenfeld in die Bundesrepublik stellt sich mir die Frage: " Wieso konnte die Explosion einer Mine von den GT so lange unbemerkt bleiben? "

In dem Fall würde ich auf die Topographie tippen (Haselbacher Berg, Wolfsberg, Kleeberg (-> Link). Die GT wurden vermutlich erst durch Kräfte der BRD informiert.

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Re: Rettung aus dem Minenfeld

Beitragvon Interessierter » 29. September 2020, 18:50

Edelknabe, es geht hier nicht um Fechter. Es geht hier um Rettungen aus dem Minenfeld. Hör bitte auf hier Themen zu zerschießen.
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Re: Rettung aus dem Minenfeld

Beitragvon ratata » 30. September 2020, 06:59

Interessierter hat geschrieben:Von den Usern hat niemand eine Meinung oder Erklärung, obwohl etliche doch AGT waren?


Mal dazu meine Erklärung . Wo ich an der Grenze 1969 -70 Lockstedt nahe Oebisfelde war , gab es zig mal Situationen ,wo der gesamte Grenzabschnitt ca. 12 KM nur mit einen Grenzposten besetzt war . Am Tage wenn ich in der Waffenkammer arbeitete und dazu auch noch die Waffen für die Grenzposten heraus gab , konnte ich zigmal bemerken .Wer momentan draußen am Kanten ist , Name , welcher Zug , war mir bekannt . Da mir gegenüber der Führungspunkt war , die Tür fast immer offen stand , hörte ich die Gespräche mit . War der Posten ganz rechts am Ende des Abschnittes ,brannte mal der innere Bereich zwischen den Stacheldrahtzäunen ganz links , wurde die Detonation nicht gehört . Am Allerdurchlass Seggerde ist so etwas schon mal passiert , denn dort sind schon mal Minen explodiert .
Von benachbarten Kompanien , kamen auch mal solche Meldungen .
Üblich war es auch , wenn eine wichtige FDJ Versammlung , oder eine Fahnenflucht ausgewertet wurde , dann waren auch nur Dienstgrad höhere draußen zur Absicherung . Um sicher zu sein , was der Auslöser war , wurde der Grenzposten oder Alarmgruppe zum K6 geschickt um nach Spuren zu suchen . Wen im hohen Unkraut oder Gras etwas lag , konnte nicht erkannt werden . Es gab so viele natürliche Umstände ,die aber nie geschildert werden . MfG ratata
Zuletzt geändert von ratata am 30. September 2020, 07:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rettung aus dem Minenfeld

Beitragvon Edelknabe » 30. September 2020, 07:19

Wenn ein Admin bitte einmal ab "von Edelknabe » 28. September 2020, 18:14" die Texte vom Jörg und meiner Wenigkeit in ein" Fechter-Thema" verlagern könnte. Danke im vorraus.

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Re: Rettung aus dem Minenfeld

Beitragvon Interessierter » 30. September 2020, 09:54

ratata » 30. Sep 2020, 07:59

Interessierter hat geschrieben:
Von den Usern hat niemand eine Meinung oder Erklärung, obwohl etliche doch AGT waren?


Danke für deine Antwort.

[hallo]
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