Vor 56 Jahren brachte Klaus-Günter Jacobi mit dem Mini-Auto einen Freund über die Grenze.
Wer in einer BMW Isetta rübermachte, musste sich ganz schön dünne machen! Wie ein Embryo kauerten DDR-Flüchtlinge in einem kleinen Hohlraum hinter der Sitzbank des Kabinenrollers. Und hofften, dass sie niemand findet in ihrem engen Versteck.
1963 hat Klaus-Günter Jacobi aus West-Berlin die Idee, seinen nur 2,30 Meter langen und 1,40 Meter breiten Zweisitzer zum Fluchtauto umzubauen. Sein bester Kumpel Manfred will weg aus Ost-Berlin. Also schafft der Freund im Westen Platz im Liliput-BMW, schweißt aus einer Öldose einen kleinen Tank, versetzt die Hutablage um wenige Zentimeter nach oben, entfernt Ersatzrad, Heizung und Luftfilter, baut das Auspuffrohr um.
„Ob es passt, hatte ich mit einem Freund getestet, der etwa die gleiche Statur wie Manfred hatte“, so Jacobi. Auch das damals obligatorische Umkurven der Barrieren am Grenzübergang Bornholmer Straße probt er: „Eine Isetta hat keine Benzinpumpe und ich befürchtete, dass der Kraftstoff wegen der vom Zickzack-Kurs verursachten Fliehkräfte nicht zum Motor fließen kann“, sagt der gelernte Kfz-Mechaniker, der 32 Jahre als Fahrlehrer gearbeitet hat. Als er das Schlangenlinienfahren gerade ausprobiert, kontrollieren ihn West-Berliner Polizisten – auf Alkohol. „Die dachten, ich wäre betrunken“, erzählt der heute 79-Jährige.
Klaus-Günter Jacobi gönnt sich keine Pause, legt Nachtschichten ein, schraubt, sägt, schweißt und bohrt. Die Zeit drängt. Sein Kumpel soll zur Nationalen Volksarmee (NVA) eingezogen werden.
Weil Jacobi als West-Berliner nicht in den Osten der Stadt darf, soll eine Stuttgarter Medizin-Studentin die heikle Mission übernehmen. Doch sie sagt die gefährliche Fahrt kurz vorher ab – aus Angst vor dem brutalen DDR-Regime. Zwei andere Studenten springen ein, nehmen zur Sicherheit noch einen VW Käfer mit. Als ihr Passagier in Ost-Berlin durch eine geheime Öffnung hinter dem Reserverad an Bord kriecht, reißt versehentlich das Starter-
relais ab. Nichts geht mehr! Also zieht der Käfer die Knutschkugel am Abschleppseil zur Bornholmer Straße. Ein Grenzer schaut zwar in die Seitenklappe des Motors, bemerkt aber nichts. Niemand vermutet einen Menschen in dem Schleppverband. „Die Polizisten dachten wohl, die haben andere Sorgen“, erzählt der couragierte Fluchthelfer. Weil der TÜV abgelaufen ist, verkauft er das Fluchtfahrzeug kurz nach dem Abenteuer.
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