Wie IM „Poskus“ den letzten Fluchttunnel scheitern ließ

Wie IM „Poskus“ den letzten Fluchttunnel scheitern ließ

Beitragvon augenzeuge » 28. September 2017, 17:59

Nach fast 45 Jahren klärt eine Zufallsentdeckung im Stasi-Archiv, warum der letzte Fluchttunnel unter der Bernauer Straße scheiterte.

Erst die Akte zu IM „Poskus“, Registriernummer MfS XV 601/71, ermöglicht jetzt, den tatsächlichen Verräter zu identifizieren. Ihr zufolge handelte der Spitzel „aus finanziellen Gründen“. Die Stasi zahlte gern: 500 Westmark pro Monat und zusätzliche Prämien bei besonders wertvollen Hinweisen.

In den folgenden Jahren verriet er noch viele weitere Fluchtaktionen; mindestens weitere 21 Menschen gerieten seinetwegen in die Fänge der Staatssicherheit. Dafür bekam er insgesamt eine mittlere fünfstellige Summe.

Strafrechtlich hat Manfred Wölfle, am 1. Juli dieses Jahres 80 Jahre alt geworden, nichts mehr zu befürchten. Dabei beweist ein Zufallsfund in der Stasi-Unterlagen-Behörde jetzt: Unter dem Decknamen IM „Poskus“ (manchmal auch „Boskus“ geschrieben) war Wölfle der Spitzel, der im Februar 1971 die letzte Fluchthilfeaktion mit einem eigens gegrabenen Tunnel unter der Bernauer Straße scheitern ließ.

Mindestens zwölf fluchtwillige DDR-Bürger und Kuriere wurden seinetwegen verhaftet; vermutlich saßen die meisten von ihnen für ein bis zwei Jahre in Haft.

Der erfolgreichste Fluchthelfer aller Zeiten, Hasso Herschel, hatte die Massenflucht geplant. IM „Poskus“ hatte ein Verhältnis mit einer Frau angefangen, deren Ehemann zum Umfeld von Herschel gehörte. So erfuhr er Einzelheiten des geplanten Tunnels.

https://www.welt.de/geschichte/article1 ... liess.html

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Re: Wie IM „Poskus“ den letzten Fluchttunnel scheitern ließ

Beitragvon Interessierter » 28. September 2017, 18:32

Wenn man gedanklich noch die nicht bekannt gewordenen Denunzianten dazu zählt, dann muss diese verabscheuungswürdige Gattung Mensch, wohl leider sehr verbreitet gewesen sein. Wobei viele ihre Mitmenschen verrieten oder anschwärzten, ohne als IM geführt worden zu sein.
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Re: Wie IM „Poskus“ den letzten Fluchttunnel scheitern ließ

Beitragvon Interessierter » 15. November 2018, 16:40

Letzter aller Fluchthelfer-Tunnel wiederentdeckt

Im Winter 1970/71 gruben Fluchthelfer um Hasso Herschel zum 3. Mal einen Stollen nach Ost-Berlin, durch den sie DDR-Bürger in die Freiheit holen wollten. Jetzt wurde der Tunnel wiederentdeckt. Unsere Video-Reporter begleiten Herschel unter die Erde.

Die Sensation ist auf den ersten Blick unspektakulär. Ein Loch im Erdreich in etwa neun Metern Tiefe, nur angeschnitten hinter dem Mergellehmgrund unter dem Hof des Hauses Brunnenstraße 142 direkt südlich an der Bernauer Straße zwischen den Berliner Ortsteilen Mitte und Wedding. Man kann erahnen und mit einer Spezialkamera auch sichtbar machen, dass dieses seltsame Loch von etwas mehr als 90 Zentimetern Durchmesser mehrere Meter lang ist – mindestens.

Doch es ist tatsächlich eine Sensation. Denn Dietmar Arnold und die Mitglieder des rührigen Vereins Berliner Unterwelten haben tatsächlich den letzten aller Fluchthelfertunnel wiederentdeckt. Und sie werden ihn vielleicht schon zum 29. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 2018 für alle interessierten Berliner und Gäste erfahrbar machen.

https://www.welt.de/geschichte/article1 ... unnel.html
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Re: Wie IM „Poskus“ den letzten Fluchttunnel scheitern ließ

Beitragvon augenzeuge » 15. November 2018, 16:49

Toller Typ, der Herschel. [super]

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Re: Wie IM „Poskus“ den letzten Fluchttunnel scheitern ließ

Beitragvon Nov65 » 15. November 2018, 17:36

Fluchthelfer damals- tolle Leute. Fluchthelfer heute-Schlepper. Wie sich die Zeiten und Sichten ändern können.
Das nur, weil sich mir der Vergleich aufdrängt. Ich sehe aber die Hilfe von Flüchtlingen aus Terror, Gewalt, Krieg als tolle Leistunge an.
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