Die abenteuerliche Flucht über das Eis der Ostsee

Die abenteuerliche Flucht über das Eis der Ostsee

Beitragvon Interessierter » 14. März 2018, 12:23

Als im Dezember 1962 die Ostsee komplett zufror, wagten zahlreiche Menschen aus der DDR die Flucht nach Dänemark. Zwei Paare nahmen Fahrräder – und brachen ein. Dies ist ihre Geschichte.

Die Polarluft kam am 19. Dezember. Ungewöhnlich kühl war es an der Ostsee schon das ganze Jahr 1962 gewesen. Die eisige Kälte aus der Arktis kurz vor dem vierten Advent ließ sie zu einer geschlossenen Eisdecke zusammenfrieren. Was Fischern und Handelschiffern als Bedrohung ihrer beruflichen Existenz erschien, war gleichzeitig eine unerwartete Hoffnung für Hunderte DDR-Bürger.

Zum Beispiel für Musiker vom Volkstheater in Rostock, die nachts auf das Eis hinausliefen. Bei sich trugen sie Trompeten, um Schiffe in der eisfrei gehaltenen Fahrrinne 20 Kilometer vor der Küste auf sich aufmerksam zu machen. Der Plan ging auf, auch wenn die Ventile der Instrumente zeitweise einfroren: Am folgenden Tag nahm ein Eisbrecher die Flüchtlinge auf.

Einen anderen Plan hatten zwei junge Paare. Sie waren, nachdem sie die Nachricht ihrer Verwandten erreicht hatte, an die Küste gekommen und hatten sich Drahtgestelle für ihre Fahrräder gebastelt, um sie mit weißen Bettlaken zu tarnen. So radelten sie los, wahrscheinlich östlich von Rostock. Das Ziel: die Insel Falster, rund 50 Kilometer entfernt.

Wie es den Radlern erging, erfährt man hier:
https://www.welt.de/geschichte/article1 ... stsee.html
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Re: Die abenteuerliche Flucht über das Eis der Ostsee

Beitragvon augenzeuge » 23. März 2018, 16:39

Ein ungewöhnlicher Heilig Abend..... [wink]
Die vier jungen Leute mussten sich ausziehen, wurden abgerubbelt, in Wechselbäder gesetzt und bekamen Tee mit Rum eingeflößt. Vibeke Rohrbeck und ihre Mutter kümmerten sich um die beiden Frauen, Dietrich Rohrbeck um die Männer – am Heiligen Abend war die ganze Familie mit Wiederbelebung beschäftigt.


Andererseits waren Stasi und Nationale Volksarmee in den ersten Monaten1963 auch mit anderen Dinge beschäftigt, denn insgesamt flohen über die vereiste Ostsee in jenen Wochen nicht nur die beiden Pärchen und die Musiker aus dem Volkstheater Rostock, sondern mindestens weitere rund 40 meist junge Leute. Eher übertrieben sein dürften andere Berichte von bis zu 200 gelungenen Fluchten in jenem Winter.

Angeblich soll sogar eine 18 Mann starke Gruppe der DDR-Grenztruppen mit einem Unteroffizier an der Spitze diesen Weg gewählt haben.

Das müsste man doch wissen..... [denken]
AZ
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