Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon steffen52-1 » 1. Mai 2015, 20:36

bbf hat geschrieben:Ok, also gab es auch welche, die erst ganz wonders hin sollten und sich dann auf einmal unversehens in einem Grensaubildungsregiment wieder fanden. Diese Leute wurden nie gefragt of sie bereit seien, von der Schußwaffe auf Grenzverletzer Gebrauch zu machen?

bbf, was heißt gefragt! Denkst doch nicht das es die Genossen so einfach in den Raum gestellt haben! Es wurde durch die Blume gesagt! Bei der Vergatterung z.B.! Es ist mit allem Mitteln zu verhindern das jegliche Art des Grenzdurchbruchs zu verhindern ist! Betonung lag auf jeden Mittel und das ist nun mal die Waffe gewesen! Nun kannst Du Dir ja denken, wie sie es gemeint haben! Mit Worten oder so, wohl kaum! [frown]
Grüsse steffen52-1
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Jago » 1. Mai 2015, 20:57

wenn ich schon sehr vieles vergessen habe in der langen Zeit aber nicht den Wortlaut bei der Vergatterung die jedes mal stattfand bevor man raus zum 8 Std Dienst durfte . Diese Vergatterung fast jeden Tag ein ganzes Jahr lang . Da hies es , sie sind eingesetzt im Abschnitt der ....Kompanie mit der Aufgabe ..... Grenzverletzer sind fest zu nehmen beziehungsweise zu vernichten . Was das heist ist doch wohl klar ( Gift ) hatten wir auch nicht mit bekommen aber unsere Balalaika

das war 1970

gruß Jago
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Nov65 » 2. Mai 2015, 07:19

bbf hat geschrieben:Ok, also gab es auch welche, die erst ganz wonders hin sollten und sich dann auf einmal unversehens in einem Grensaubildungsregiment wieder fanden. Diese Leute wurden nie gefragt of sie bereit seien, von der Schußwaffe auf Grenzverletzer Gebrauch zu machen?


Bei mir war es in der Tat so. Ich hatte keinen Funken Ahnung, zu welcher Waffengattung ich mit der Einberufung befohlen wurde. Beförderungsschein nach Berlin. An der Uniform des Postens am Garnisonstor sah ich, dass es ein Grenzregiment war. Auch diese Frage, ob ich schießen würde, wurde mir nie gestellt.
Andreas
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon bbf » 2. Mai 2015, 14:20

ok.... es gab also mehrere Varianten (Umstände), unter denen Wehrpflichtige zu den Grentruppen kamen.
Als es dann bemerkbar war, wo es hin geht, was wusste man über die Grenztruppen und was man da machen sollte?
bbf
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Spartacus » 2. Mai 2015, 14:41

bbf hat geschrieben:Ok, also gab es auch welche, die erst ganz wonders hin sollten und sich dann auf einmal unversehens in einem Grensaubildungsregiment wieder fanden.


Anscheinend war das die Regel was einfache Soldaten betraf, denn auch meinen Bruder hat es so erwischt.
Gemustert für irgend ein Mot. Schützen Regiment, gelandet an der grünen Grenze. Gefragt hat ihn niemand,
ob er das wollte, oder nicht. Das nimmt er dem Regime auch heute noch übel, dass sie ihn in diese
beschissene Lage gebracht haben, ohne das er eine Wahl hatte, es sei denn, er wäre in den Widerstand gegangen.

Das aber bedeutete, Verlust des guten Arbeitsplatzes und natürlich Schwedt.

LG

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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Edelknabe » 2. Mai 2015, 14:56

Siehe bbf mit:

"Als es dann bemerkbar war, wo es hin geht, was wusste man über die Grenztruppen und was man da machen sollte?"
Textauszug ende

Was man da machen sollte? Dazu gab es eine ordentliche Grundausbildung, war pro Mann unterschiedlich lang da unterschiedliche Einsatzgebiete so Kompanien, Stäbe, Regiment.Über das Wusste wurde hier schon getextet also ....vorher so gut wie nix, erst am Kanten(letzter Zaun zum Westen)registrierte Jeder seinen Teil.Denn erst dort bekam man von der recht umfangreichen Befestigung /tiefe Staffelung der Grenzanlagen ein ordentliches Bild.

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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon bbf » 2. Mai 2015, 15:03

Dass der Aufbau der Grenzanlagen nicht öffentlich gemacht wurde ist bekannt.

Was ich meinte, was wusste man über die eigene Tätigkeit die man da machen sollte?
bbf
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Edelknabe » 2. Mai 2015, 15:19

Ganz einfach bbf, jeder Wehrdienstleistende (Grenze jetzt)wurde für eine bestimmte Sache gemustert. Dann auch darauf hin ausgebildet so MKF(Militärkraftfahrer) oder Pioniere für den Grenzaufbau der Anlagen oder Posten/Postenführer für den Schichtdienst am Zaun/Kanten selber. Und warst du einmal vor Ort lernte Jungmann(erstes Halbjahr) vom Zwischenpisser(zweites Halbjahr) oder Abgänger(drittes Halbjahr).

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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon bbf » 2. Mai 2015, 15:26

So im Detail war meine Fragestellung nicht gemeint. Was wusste man ganz allgemein von den Aufgaben oder sagen wir auch von "der Aufgabe" die da auf einen zu kam wenn man erkannte, es geht zu den Grenztruppen?
bbf
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Edelknabe » 2. Mai 2015, 15:43

Irgendwo zu Anfang im Internet(war 2008) schrieb ich mal sinngemäß: "Jedes Kind in der DDR wusste(sinngemäß formuliert) , das die Staatsgrenze der DDR für den Normalo so ne Art TABU ist" Das ist der alte Indianerausdruck....wirst davon gehört haben, so nehme ich mal an? Klar das dann ein Aufschrei kam...von Usern, war mir aber ehrlich gesagt egal.

Und keine Ahnung, ob das deine Fragestellung beantwortet.? Aber jetzt setz ich mal aus, muss runter zum Rostern und Bierchen. Eventuell bis heut Abend

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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 2. Mai 2015, 15:56

Edelknabe hat geschrieben:Irgendwo zu Anfang im Internet(war 2008) schrieb ich mal sinngemäß: "Jedes Kind in der DDR wusste(sinngemäß formuliert) , das die Staatsgrenze der DDR für den Normalo so ne Art TABU ist" Das ist der alte Indianerausdruck....wirst davon gehört haben, so nehme ich mal an? Klar das dann ein Aufschrei kam...von Usern, war mir aber ehrlich gesagt egal.

Und keine Ahnung, ob das deine Fragestellung beantwortet.? Aber jetzt setz ich mal aus, muss runter zum Rostern und Bierchen. Eventuell bis heut Abend

Rainer-Maria



Ich habe noch nie vom Indianerausdruck TABU gehört. Ist das ein neu entdeckter Stamm? Gibts die nur im Muldental?
Mal ganz im Ernst Edelknabe, bin ich nur zu bekloppt, oder verstehen dass Andere auch nicht?

[ich auch] Volker
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Spartacus » 2. Mai 2015, 15:59

bbf hat geschrieben:So im Detail war meine Fragestellung nicht gemeint. Was wusste man ganz allgemein von den Aufgaben oder sagen wir auch von "der Aufgabe" die da auf einen zu kam wenn man erkannte, es geht zu den Grenztruppen?


Man konnte nur etwas wissen, wenn man zum Beispiel Verwandte hatte, die schon mal dort waren.
Ansonsten wußte man schlichtweg nichts über die Grenze, geschweige denn über die Grenzanlagen.

LG

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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Olaf Sch. » 2. Mai 2015, 16:03

genau wie Spartakus es beschreibt war es.

Tabu kommt aus dem Polynesischen.
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon bbf » 2. Mai 2015, 16:17

"....Ansonsten wußte man schlichtweg nichts über die Grenze....."

Wenn das so war, warum reisten dann nicht jeden Tag ein paar hundert Ausreisewillige in Richtung Grenze um in den Westen zu gelangen? Oder gab es da vlt doch bestimmte Vorstellungen "was da Sache ist", so will es es mal ganz allgemein ausdrücken?
bbf
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon SkinnyTrucky » 2. Mai 2015, 16:29

Uns hat man als Schüler bei einem Besuch im Grenzregiment auf'm Fuchsberg bei Salzwedel ein Funktionsmodell der Grenze vorgeführt....es war schon seltsam, denn es entstand Verwirrung dadrüber, wo nun Osten und Westen ist....beim Vorführen eines Grenzdurchbruches kam der Grenzverletzer natürlich vom Osten, denn nur so machte der Aufbau der Grenze ja Sinn....

....nich nur durch solche Veranstaltungen wusste man Bescheid über die Grenze, nee auch Verwandte aus dem Westen erzählten wie es dort aussah....


groetjes

Mara
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Spartacus » 2. Mai 2015, 16:30

bbf hat geschrieben:"....Ansonsten wußte man schlichtweg nichts über die Grenze....."

Wenn das so war, warum reisten dann nicht jeden Tag ein paar hundert Ausreisewillige in Richtung Grenze um in den Westen zu gelangen? Oder gab es da vlt doch bestimmte Vorstellungen "was da Sache ist", so will es es mal ganz allgemein ausdrücken?


Da es so war, beweist ja der Umstand, dass was weiß ich wie viele Republikflüchtige an der Grenze, bzw.
schon weit davor verhaftet wurden. Hätten sie nur einen blassen Schimmer davon gehabt, was sie da
erwartet, so hätten sie es doch nie versucht.

Alles klar?

Sparta


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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 2. Mai 2015, 16:40

AkkuGK1 hat geschrieben:genau wie Spartakus es beschreibt war es.

Tabu kommt aus dem Polynesischen.


Deshalb fragte ich @Edelknaben, nach seinem Denken gab es also polynesische Indianer... [super] [flash]

Gruß Volker
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 2. Mai 2015, 16:42

Spartacus hat geschrieben:
bbf hat geschrieben:"....Ansonsten wußte man schlichtweg nichts über die Grenze....."

Wenn das so war, warum reisten dann nicht jeden Tag ein paar hundert Ausreisewillige in Richtung Grenze um in den Westen zu gelangen? Oder gab es da vlt doch bestimmte Vorstellungen "was da Sache ist", so will es es mal ganz allgemein ausdrücken?


Da es so war, beweist ja der Umstand, dass was weiß ich wie viele Republikflüchtige an der Grenze, bzw.
schon weit davor verhaftet wurden. Hätten sie nur einen blassen Schimmer davon gehabt, was sie da
erwartet, so hätten sie es doch nie versucht.

Alles klar?

Sparta



Nun Sparta, das stimmt aber nur bedingt. Grenznah Wohnende wussten immer mehr, logisch. Nur gar nichts zu wissen ging nicht. Fast alle haben doch Grenznachhilfe im Westfernsehen bekommen, oder?

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon pentium » 2. Mai 2015, 16:46

Spartacus hat geschrieben:
bbf hat geschrieben:"....Ansonsten wußte man schlichtweg nichts über die Grenze....."

Wenn das so war, warum reisten dann nicht jeden Tag ein paar hundert Ausreisewillige in Richtung Grenze um in den Westen zu gelangen? Oder gab es da vlt doch bestimmte Vorstellungen "was da Sache ist", so will es es mal ganz allgemein ausdrücken?


Da es so war, beweist ja der Umstand, dass was weiß ich wie viele Republikflüchtige an der Grenze, bzw.
schon weit davor verhaftet wurden. Hätten sie nur einen blassen Schimmer davon gehabt, was sie da
erwartet, so hätten sie es doch nie versucht.

Alles klar?

Sparta


Nein Sparta, ganz so war es nicht. Ich würde mal sagen die Wahrheit liegt in der Mitte! Man brauchte doch nur einmal mit der S-Bahn durch Berlin Hauptstadt der DDR zu fahren, an manchen Stellen bekam man einen Blick auf dieses Bollwerk!
Es gab Berichte im Fernsehen (West) über die Grenze. Zusammengefasst könnte man sagen, wer mit offenen Ohren und Augen durch die DDR gewandelt ist, wusste grob von der Grenzsicherung, somindestens das es gefährlich werden könnte, sich dieser Grenze unerlaubt zu nähern. Spätestens wenn man Verwandte im Grenzgebiet besuchen wollte oder beruflich dort zu tun hatte, wusste man noch mehr oder Freunde kehrten von der GT zurück und berichteten von ihrer Zeit an der Grenze!

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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Spartacus » 2. Mai 2015, 17:12

Volker, Pentium [hallo]

erklärt das mal einen Dresdner und ich lebte damals in der Nähe von Zwickau. war auch öfters
in Plauen, aber hatte in meiner jugendlichen Einfalt keine Ahnung, wie das hinter Plauen wohl
aussah. Ich hatte mich auch nie mit dem Gedanken einer Flucht getragen, so das es mich damals
schlichtweg nicht interessierte.

LG

Sparta


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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Nostalgiker » 2. Mai 2015, 17:20

Es gibt die Aussage einer Zeitzeugin die im Brustton der Überzeugung mir gegenüber behauptete das kein DDR Bürger welcher nicht unmittelbar an der Westgrenze der DDR wohnte davon wußte das es zum Beispiel diesen 5 km Streifen vor der Grenze gab welcher für Ortfremde nur mit einer Sondergenehmigung betreten werden konnte wenn sie den Passierschein nach Antrag auch bekamen.
Wenn sie es persönlich damals nicht wußte, was durchaus sein kann, dann kann sie aber aus ihrem Nichtwissen von damals oder auch ihrem Desinteresse für das ganze drumherum um die Grenze nicht im Nachgang ein staatlich verortetes Geheimnis daraus machen. Und genau das machte sie! Sie hat ihr persönliches Erleben oder Nichterleben auf unbotmäßige Weise verallgemeinert und war der Auffassung das ihre persönliche Sicht eine allgemeine und DDR übergreifende Sichtweise war.


Thoth

PS.: Mir war dieser 5 km Grenzstreifen seit ungefähr 1959 bekannt weil ich damals mit meinen Eltern in solch einer Gegend im Urlaub war und wir diese Genehmigung immer mit uns führen mußten .......
Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
Aber damit sind diese Hoffnungen nicht erledigt. Stefan Hermlin

Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, dass man nichts zu verlieren hat. Janis Joplin

Psychologen haben herausgefunden, dass Menschen, die immer bei anderen auf die Rechtschreibfehler hinweisen, eine Persönlichkeitsstörung haben und unzufrieden mit ihrem Leben sind. Netzfund
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 2. Mai 2015, 17:53

Ich mag Dir Sparta diese "Sicht" nachsehen. Mir ging es da gleichwohl so wie Thoth.
Als Kind mal sehr dicht grenznah gewohnt und nach Umzug zurück nach QLB wusste auch ich von der Notwendigkeit Passierscheine zu benutzen.
Etwa als Schulanfänger wars, als ich mit meinem Vater bis an den damals noch ungeschälten Schlagbaum Richtung Hohegeiß, also direkt hinter Sorge war. Nebenan ein Holzturm, billigst gebaut, wie ein Jägerhochsitz. Wir waren faktisch bis an die geharkte, geeggte Ackerkrume gelaufen. Mein Vater schwatzte noch mit einem Grenzer und gut.
Dann waren die Passierscheine eines Tages ungültig und der Ort Tanne bis zur späteren Herauslösung aus dem 5km-Sperrkorridor tabu.

Parallel erlebte ich viele Fluchten von Bekannten, Nachbarn, Schulkameraden und Kollegen. (fast Alltag) Und wie rum die Grenze ausgerichtet war, war bekannt. Genau zum Feind! Der war allerdings der Flüchtling, welcher noch rüber wollte.

Gruß Volker
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon bbf » 2. Mai 2015, 19:48

von @pentium: "......wusste grob von der Grenzsicherung, somindestens das es gefährlich werden könnte, sich dieser Grenze unerlaubt zu nähern...."

genau darum geht es mir......man wusste seitens der Bevölkerung durchgängig, dass man verhaftet wird und/oder u.U. erschossen werden kann, wenn man ohne Genehmigung versucht diese Grenze zu passieren? Völlig lösgelöst und unabhängig von irgendwelchen Detailkenntnissen über den Aufbau der Grenzanlagen und dergleichen mehr.
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon pentium » 2. Mai 2015, 19:55

bbf hat geschrieben:von @pentium: "......wusste grob von der Grenzsicherung, somindestens das es gefährlich werden könnte, sich dieser Grenze unerlaubt zu nähern...."

genau darum geht es mir......man wusste seitens der Bevölkerung durchgängig, dass man verhaftet wird und/oder u.U. erschossen werden kann, wenn man ohne Genehmigung versucht diese Grenze zu passieren? Völlig lösgelöst und unabhängig von irgendwelchen Detailkenntnissen über den Aufbau der Grenzanlagen und dergleichen mehr.


@bbf, fast hätte ich geschrieben, ich komme aus einer anderen Zeit! Einer Zeit, wo man auch an anderen Grenzen so seine Probleme bekommen könnte, gut man wurde nicht gleich erschossen, aber beim Wandern, Pilzesuchen oder in den Blaubeeren einmal kurz über den Grenzbach und man war im böhmischen und wenn man Pech hatte kamen dann unfreundliche tschechische Grenzer....
Ergo, war Grenze besser Staatsgrenze etwas besonderes...

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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Wosch » 2. Mai 2015, 20:07

Ich wußte jedenfalls schon vor meinem 16. Geburtstag, also etwa um 1958 rum, wie es an der damaligen "Grünen Grenze" (freundwärts) ausgesehen hatte. Deswegen hatte ich mich ja im Januar 1962 auch für die "Versteck mich"-Methode entschieden und habe nicht wie ein "Ahnungsloser" versucht meine Spuren auf dem geharkten Kontrollstreifen zu hinterlassen. Wer seinerzeit politisch interessiert war (selbst wenn er in einer "Gott verlassenen Gegend" wohnte, mußte in etwa wissen wie es an der Grenze ausgesehen hatte und wie es dort zu ging, es sei denn er war mal gerade im "Jungpionier-Alter", hörte und sah keine West-Nachrichten, sprach mit Nachbarn, Freunden und Bekannten nur über die Liebe zum Sozialismus und über dessen Planübererfüllung anläßlich der SED-Parteitage, oder war eventuell "freiwilliges" Mitglied der Kampfgruppen und wohlmöglich auch noch ein "Staatsbürge-Lehrer"
OK, ich war natürlich etwas dichter dran als Jemand aus dem "Tal der Ahnungslosen", wobei man aber nicht übersehen sollte daß gerade aus der Gegend reichlich als Aspiranten für die Grenztruppen in Frage kamen. Na ja, Die durften natürlich nicht erzählen wie es an der Grenze aus sah, nicht wahr und selbstverständlich blieben ihre Lippen für Jedermann geschlossen.
Erinnert mich ein bißchen an die Nachkriegszeit, damals wollten ja auch sehr Viele nichts gewußt haben.

Na dann auch noch einen schönen 2. Mai.
Wosch aus Kassel. [hallo]
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon bbf » 2. Mai 2015, 20:55

Kurzum: Es wusste niemand, dass er bei einem illegalen Grenzübertritt auch erschossen werden kann?
bbf
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Wosch » 2. Mai 2015, 21:00

bbf hat geschrieben:Kurzum: Es wusste niemand, dass er bei einem illegalen Grenzübertritt auch erschossen werden kann?



Ich sags mal ein klein wenig ironisch:
Wenn man nicht gerade aus "Dummsdorf" kam wußte es doch Jeder!!

Schönen Gruß aus Kassel.
Wosch. [hallo]
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon pentium » 2. Mai 2015, 21:01

bbf hat geschrieben:Kurzum: Es wusste niemand, dass er bei einem illegalen Grenzübertritt auch erschossen werden kann?


Wie kommst du denn auf diese Schlussfolgerung? Jeder der in der DDR in der Lage war ZDF, ARD oder einen etwas westlicher liegenden Rundfunksender zu empfangen hörte mit aller Wahrscheinlichkeit einmal von einem Toten an der Grenze...

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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon bbf » 2. Mai 2015, 21:04

Ich komme darauf, weil ich seit etlichen Post´s hier frage was man von der Grenze und was einen da erwartet wusste und es kommen nur Antworten zum genauen Aufbau der Grenze u.s.w.......
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Edelknabe » 2. Mai 2015, 21:17

Der Rainer wieder da...vom Bier und den Rostbratwürsten. Und weil doch hier das Thema war, wie das damals so weiter gegeben wurde...über diese 18 Monate an der Grenze, eben vom Gefreiten(Heimgänger) ins Arbeitskollektiv hier ne kurze köstliche Geschichte. Dieser Auszug stammt aus unserem Forumtreffen in Boizenburg 2011, dieses WE im Mai war es wohl auch? Im Veranstaltungsfred steht noch etwas davon.

"Operation Boizenburg, der achte Teil.

Karen hatte ordnungsgemäß den neuen Bestand gemeldet. Abgänge 5, Zugänge 0, Rainhardt liebte diese Frau mit der Natürlichkeit von Wurzener Haferflocken in körniger Ausführung, denn der große Haufen hatte sich gelichtet und es war wie damals, als Rainhardt nach langen 18 Monaten wieder im zivilen Leben aufschlug, am ersten lang ersehnten Arbeitstag in seinem Baubetrieb, dem VEB…..“Staatsnah und Etwasmehrlohnzahlend“.
„Wo sind eigentlich Müller, Mayer und der Schulze…so seine laute Frage am Frühstückstisch…pssst, nicht so laut Mensch…, so der kleine Harald Krausenuckel, du, der Müller hatte vor einem Jahr einen Ausreiseantrag gestellt und ist vor zwei Wochen mit Sack und Pack nach drüben, der Mayer wollte abhauen und ist da in so eine …du, ich weiß auch nicht so genau, irgend so was an der Grenze gelaufen, was ihm da…ach, der sieht nicht gut aus…der liegt im Haftkrankenhaus in Dösen und der Schulze, der sitzt im Knast…so seine Frau.“ Ja, ja, du weißt ja gar nicht was hier los war und wo warst du denn überhaupt bei der NVA. da, der Parteisekretär meinte damals, du bist an der Grenze eingesetzt auf wacht für den Frieden und wir sollten uns ein Beispiel an dir nehmen?“
Reinhardt… ganz still und nachdenklich…“Also……Leute, so ein Quatsch, der Parteier spinnt wohl, ich war in Eggesin in der Sandwüste bei den Mot-Schützen, den Muckern,…na, ihr wisst schon, also ein paar Panzer standen auch da rum und Mensch Leute, stellt doch nicht so saudumme Fragen, ich gebe mal ne Runde Kaffee aus und ist denn die kleine Theresa noch da?“…aber da kam Theresa Orlanski schon im kürzesten Minirock in die Kantine gelaufen , beugte sich provozierend hoch über die Brötchenausgabe und das Gespräch war auf einmal schönste Nebensache, Theresas blütenweißer Schlüpfer aber auch voll interessanter. Rainhardt fiel ein Stein vom Herzen.
„Du,du…und die kleine Karin, die aus der Projektierung, die hatte den Schneider aus dem Lager geheiratet…die war auch schwanger damals…soll Einer aus der Montagetruppe von uns gewesen sein, aber der Schneider sagte, er nimmt sie trotzdem“…so jetzt der kleine Harald wieder und Rainhardt wurde auf einmal ganz blass um die Nase.
Textauszug ende

Rainer-Maria und ne bbf, hast du es noch nicht geschnallt. Das eben in dieser DDR gewisse Sachen so ne Art eben nicht so offene Geheimnisse waren? Mir fällt jetzt wirklich nichts Vernünftigeres dazu ein.Oder noch besser..."Einer erzählte was, der Nächste übernahm...verfeinerte, sponn was dazu, dann kam der Dritte, Vierte, Fünfte....und nur der Erste war Derjenige, der es wirklich und Hautnah....erlebt hatte."
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