Sirius hat geschrieben: Dennoch stellt sich die Frage, ob es nicht einen Teil der Flüchtlinge gab, die aus rein ökonomischen Gründen geflohen sind?
Ja, die gab es auch, ohne Zweifel. Und der Anteil hing sicher auch vom Zeitpunkt ab. Je mehr Leute erkannten, dass es mit der DDR nichts mehr werden konnte, umso mehr davon gab es.
Die Nichte von Stoph, die über Prag floh, hatte ganz sicher keine politischen Restriktionen zu erdulden.
Andererseits, konnte man denn in der DDR ökonomische Wünsche von politischen trennen? Betrachtete das MfS nicht die ökonomischen "Rebellen" nicht schon als feindliche Elemente und politisierte sie damit?
Wie will man rein ökonomische Gründe festmachen, wo dies nicht die Intentionen für die Demos '89 waren? Ökonomie spielte immer nur eine Nebenrolle, man konnte ja lesen, was die Massen forderten. Und wenn man sieht, dass die Stasi extrem allergisch auf Forderungen und Plakate reagierte, dann weiß man auch, was sie am meisten reizte. Das Wort Freiheit reizte sie mehr als Ökonomie. Wusste man doch, dass das eine ihr Ende bedeutete. Gab es überhaupt nur ein Plakat mit ökonomischen Forderungen?
Welcher Jugendliche denkt im Alter von 19-25 groß an ökonomische Verbesserungen? Erstens hatte man in dem Alter nichts oder wenig. Man musste ja erst mal etwas werden....dürfen! Und wenn man hier erkannte, dass das ohne politische Ergebenheit nichts wurde, dann spielte das die Hauptrolle.
AZ