Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 5. Oktober 2014, 10:47

augenzeuge hat geschrieben:
vs1400 hat geschrieben:es war eine PN an den user pentium und ich bat ihn, sie auch als solche zu betrachten.

Du wirst es nicht glauben, aber das Team hatte die Info über deine vermutliche PN schon von mir, bevor er sie gelesen hatte...
Ich hatte es vermutet und mein Vorgehen nur begründet.
AZ


lass gut sein AZ,
du brauchst dich für nix zu rechtfertigen.

bleib beim thema und alles wird gut.

vs
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon SkinnyTrucky » 5. Oktober 2014, 10:49

vs1400 hat geschrieben:doch wie hätte es der kleine muchel denn damals erkennen sollen?


Ja stimmt Torsten....das hat halt nicht jeder erkannt.... [denken]


groetjes

Mara
Wenn es heute noch Menschen gibt, die die DDR verklären wollen, kann das nur damit zusammenhängen, dass träumen schöner ist als denken.... (Burkhart Veigel) Bild
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 5. Oktober 2014, 10:55

Mara,
erkannt haben es viele, möchte ich behaupten, doch wie hätten sie real anders handeln können?
damals!

gruß vom Torsten [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon SkinnyTrucky » 5. Oktober 2014, 11:06

vs1400 hat geschrieben:erkannt haben es viele, möchte ich behaupten, doch wie hätten sie real anders handeln können?
damals!


Wie die Geschichte gezeigt hat, haben die Menschen in der DDR äusserst unterschiedlich gehandelt....


groetjes

Mara
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Interessierter » 5. Oktober 2014, 11:49

Hallo Mara,
kein Gesetz, keine Verordnung und keine Vergatterung der Welt, schließt aus zu erkennen, dass man Menschenrechte verletzt. Ist es eigentlich zu viel verlangt, dass ein zivilierter Mensch erkennt, dass man einem von der Grenze wegfahrenden Motorradfahrer, der nicht einmal einen Grenzdurchbruch versucht hat, nicht feige in den Rücken schießt ?

Man hätte real die Möglichkeit gehabt anhand des Kennzeichens den Halter zu ermitteln. Daher war es damals und ist es auch heute für mich brutaler Mord.

" Der Interessierte "
Interessierter
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Ernest » 5. Oktober 2014, 16:30

eigentlich wollte ich mich in dieses Thema nicht reinhängen und habe auch lange überlegt, ob ich überhaupt etwas schreibe, obwohl es mir ständig in den Fingern kribbelt.......auch speziell zu dem Fall mit dem Motorrad.
Nur ich habe ein Erlebnis, wo es doch gewisse Parallelen gibt.

Ok, die Voraussetzungen waren bei mir etwas anders...........
Hier war ein Posten auf dem Turm, in Sichtweite ein Posten am Tor....Berlin.
Bei mir, die grüne Grenze (Döhren), Tagschicht, ich war mit meinem Posten alleine, rechts und links kilometerweit kein anderer Posten. So wie es halt ist, wenn man 14-15km Grenze mit 4-6 Posten sichert.

Nur zur Übersicht.......
Im Rücken hatten wir einen ganz schmalen Waldstreifen, an dem sich gleich die Grenzanlagen (Kolonnenweg, Sperrgraben, Minensperre) anschlossen. Landeinwärts, da wo wir saßen, war leicht abschüssiges Gelände mit einem etwas größeren Feld-Wiesengelände, also das Gebiet, was wir einsehen konnten. Daran schloß sich dann wieder ein Waldgebiet an.
Nachdem im Sept. 1972 der Verlauf des Schutzstreifens abgeändert wurde, verlief der jetzige Schutzstreifen entlang eines Waldweges, bis zu einer Gabelung, wo auch auf der gesamten Strecke zwei Warnschilder standen. Ab dieser Gabelung lief der Weg dann leicht in Richtung Grenze, bis er am Waldausgang dann 90 Grad zur Grenze weiterführte. Bis zum Waldausgang , warum auch immer, standen jedenfalls keine Schilder mehr.

Nur nebenbei, daran sieht man schon, dass es ein Witz ist, wenn jemand sagt: """" na es standen doch überall Warnschilder"""".
Man sollte das nie verallgemeinern.

Nach der Verlegung des Schutzstreifens sprachen wir oft darüber, dass man ja nun rein theoretisch sogar mit Spaziergänger rechnen muß, die bis zum Waldrand dürfen. Die uns, mit etwas Geschick auch ausmachen könnten, egal warum auch immer.
Aber selbst ein Jahr danach, war es nie der Fall. Auch im Waldgebiet hat man nie jemanden getroffen, wodurch das Thema dann auch eingeschlafen ist.
Ja, bis zu besagten Tag.....................

Sonderlich aufgepaßt haben wir nie. Meist haben wir uns anderweitig die Zeit vertrieben. Darum waren wir auch ganz erstaunt, als wir zwei Personen (sogar mit einem Hund), auf direkten Weg Richtung Grenze, sahen.
Mein erster Gedanke war auch""""""........Spaziergänger ????....weil auch der Hund von rechts nach links zwischen Acker und Wiese wechselte. Vielleicht wollten sie nur den Hund mal laufen lassen, Schilder konnten sie ja nicht sehen, waren keine in dem Bereich, vielleicht drehen sie auch gleich wieder um und gehen zurück, womit sich dann alles erledigt hat"""""".

Aber neeeee, die gingen weiter.

Ich sagte zu meinem Posten, denen müssen wir jetzt diagonal entgegen laufen. Also ging es quer über den Acker, im Sturmschritt. Die ganzen Geschehnisse haben sich eingebrannt, da weiß ich noch heute jeden Gedankengang.
Als wir auf freiem Feld waren, sah ich, wie sie den Hund zu sich holten, ihn anleinten und zum Wald zurück gingen. Nicht schnell oder hastig, aber zielgerichtet. Rennen wollte ich nicht, weil ich dachte, nur keine Hektik aufkommen lassen, es sollte ruhig ablaufen. Nervös war ich ohnehin.
Als ich dann sah, dass wir sie wohl vor dem Waldrand doch nicht mehr erwischen, sagte ich, wenn sie im Wald verschwinden, hat sich das für uns erledigt. Auf Suche gehen wir nicht, wir drehen um und gehen zurück.
Kurz bevor sie am Waldrand waren, rufen fand ich Quatsch, wer weiß ob sie das hören, habe ich dann einfach gepfiffen.
Und tatsächlich, direkt am Rand blieben sie dann stehen und haben gewartet.

Es war gar nicht so einfach, jetzt einen auf "ruhig" zu machen. Wir waren außer Puste, auch wenn wir den Sturmschritt gewohnt waren, denn wenn wir unsere 15km K6 abliefen, hatten wir einen internen Wettstreit, wer die Kilometer am schnellsten schafft. Aber hier spielte die Aufregung ja auch noch eine Rolle. Was mich so richtig erwartet, wußte ich ebenfalls nicht. Auch wenn ich mir immer wieder einredete, das sind doch nur Spaziergänger.

Und so war es dann auch. Schon als wir rankamen, entschuldigten sie sich, weil sie wohl bemerkt hatten, hier läuft jetzt etwas schief....und das sie Angst hatten, sie setzen jetzt etwas in Gange, was so nicht gewollt war.
Sie waren in Weferlingen zu Besuch, hatten auch die zwei Warnschilder gesehen. Nur da zuletzt keine Schilder mehr zu sehen waren, dachte sie, es wäre alles ok. Im Wald haben sie den Hund nicht losgemacht, aus Angst, er könnte ins Sperrgebiet laufen. Aber hier auf freiem Feld sahen sie kein Problem..................ja, bis sie, oh Schreck, uns sahen.
Mir fiel jedenfalls ein Stein vom Herzen. Nach einer Beruhigungszigarette und ein paar guten Ratschläge haben wir sie dann laufen lassen.
Aber alle Gedankengänge, alle Abwägungen von damals, habe ich bis heute nicht aus meinen Kopf herausbekommen.
Das hat mich danach beschäftigt..........
Na und hier im Forum, je nach Thema, kommt die Erinnerung auch immer zurück, zumal ich dann ständig die Meinungen hier, mit meinen ganzen Erlebnissen von damals abgleiche.

Ob ich das Vorkommnis gemeldet habe ???????
Nein, habe ich nicht, denn regulär hätten wir sie festnehmen müssen, da sie ja ins Sperrgebiet eingedrungen sind und schon in Grenznähe waren.. Wir haben keinem davon erzählt.

Als wir denen hinterher gestiefelt sind und ich abschätzen konnte, die sind gleich weg, kam natürlich auch der Gedanke an die Dienstvorschrift auf................
Zum Rufen waren sie zu weit, also müßte regulär ein Warnschuß kommen, um auf uns aufmerksam zu machen.
Nur das fiel bei mir gleich flach. Warum ??????????...............
Hätte ich das gemacht, würden es andere Posten melden und aus dieser ganzen Sache wäre ein wahrer Grenzzwischenfall entstanden, den ich auch zu verantworten hätte.
Denn es kann sich ja jeder ausmalen, was man mir vorgeworfen hätte, wenn sie nach dem Warnschuß nicht stehen geblieben wären und ich sie hätte ziehen lassen.
Darum habe ich gleich zu meinen Posten gesagt, wenn sie im Wald verschwinden, hat sich die Sache für uns erledigt.

Rein theoretisch hätte der Fall in Berlin auch so unspektakulär enden können.

Kann schon sein, dass bei Vielen nach meinen Schilderungen automatisch Fragen aufkommen.
Z.B. konntest du denn deinem Posten vertrauen ???
Zumindest im letzten Halbjahr und zu dem Zeitpunkt ein klares "Ja"
Wir hatten, wie man in unserer Kompanie sagte ( 72/73 ), Zugsicherung, also die reguläre Kompaniesicherung. Mit meinen Leuten war ich 24 Stunden zusammen, also nicht nur in der Kompanie hingen wir ständig zusammen, auch draußen im Grenzdienst.........Tag für Tag, Woche für Woche.
Wir haben draußen "Sachen gedreht", dafür hätte man uns wohl eingesperrt.
Das fängt relativ klein an, baut sich auf und irgendwann ist es wie ein Selbstlauf, wo alles möglich ist. Da ist meine Schilderung nur Pillepalle.
Im Grenzdienst schlafen, ist nicht mal der Rede wert. Das war schon normal, als ich nach 3 Monaten Ausbildung wegen der Olympischen Spiele eher an die Grenze kam und somit noch 1. Diensthalbjahr war.
Aber zuletzt.........einer nahm ständig seine Penti mit in den Grenzdienst und dann wurde fleißig der gesamte Grenzabschnitt dokumentiert....alle Postenplätze, Grenzanlagen und, und, und..... auch in der Hoffnung, später mal Bilder davon zu bekommen.
Mit anderen Posten sind wir kilometerweit auf Achse gewesen, weit ab von unserem Postenplatz. War im Waldbad Disco, dann saßen wir nicht am Postenplatz, sondern fernab im Gebüsch und haben gelauscht und, und, und........
Gesprochen, auch abgesprochen, wurde irgendwann alles, da gab es keine Hemmnisse mehr. So hat sich das langsam aufgebaut und wie gesagt, das ergibt irgendwann einen Selbstlauf, wo alles möglich ist.
Das läßt sich jedoch nicht mit zwei, drei Worten erklären.
Auch kann man das alles nicht verallgemeinern, weil es die Meisten wohl auch anders erlebt haben. Nicht nur von Kompanie zu Kompanie....nein auch schon innerhalb unserer Kompanie.
Das mit dem Schlafen war allgemein in unserer Kompanie üblich. Man war ja auch mal, auch wenn es die Ausnahme war, mit anderen Zügen draußen. Zum anderen war man mit Leuten aus den anderen Zügen in den Halbjahren zuvor zusammen im Zug.
Aber alles andere was passiert ist, war so gesehen das Geheimnis unserer 14 Leute aus meinem Zug.
Es mag naiv klingen, aber den 14 Leuten habe ich vertraut. Zum anderen sage ich mir, wäre es nicht so, dann hätte man uns schon längst damals auffliegen lassen, denn dann wäre einiges rausgekommen.

Gruß
Ernest
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Spartacus » 5. Oktober 2014, 16:46

Danke für deinen Bericht Ernest

und schön das es auch Grenzer mit Köpfchen gab, die des logischen Denkens noch mächtig waren.

Deine Überlegungen und die deines Kameraden waren goldrichtig, denn mit einer unbedachten Meldung
hättest du die Leute schwer in die Bredouille bringen können, gar ihr Leben zerstören.

Daher gebührt dir und deinem Kameraden heute ein herzliches Dankeschön [hallo]

Sparta


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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon augenzeuge » 5. Oktober 2014, 16:48

Danke, Ernest. Ich würde mir noch mehr solche Berichte wünschen. [wink]
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Nov65 » 5. Oktober 2014, 17:02

Danke, @Ernest, für deine Schilderung des damaligen "Vorfalls" und des Zusammenlebens von Grenzern.
Ja, auf den Postentürmen an der Berliner Mauer wurde zu meiner Zeit, 65-67, regelmäßig in den Nachtdiensten geschlafen. Als dann durch Schlafen Grenzvorfälle passierten, wurden die Sitzbänke von den B-Türmen entfernt. Später, als klar wurde, dass bei Diensten von 8 Stunden die Postenbesatzungen nicht mehr stehen konnten und sich deshalb auf den Betonboden legten und auch schliefen, wurden die Sitzbretter wieder eingebaut.
Dem anderen Grenzer vertrauen zu können, war eine Überlebensnotwendigkeit. Meist kannte man sich aus dem Zug/ der Kompanie. Nicht intensiv und nicht lange, aber man sprach miteinander. Man lieferte sich im Vertrauen auf den anderen einfach aus. Dazu kam, dass Grenzer auch von den WKKs ausgewählt wurden. Vielleicht siebte sich das auch hinsichtlich des Charakters so hin.
Wir sprachen uns ab, wer sich zuerst hinlegte. Der andere sollte wachen. Es kam aber oft vor, dass auch der andere einschlief. So friedlich hätte die Grenze sein können. War sie leider nicht, wir wissen das.

Ich jedenfalls kann nicht verstehen, wie man einem Kradfahrer, dazu noch aus ziemlicher Nähe, in den Rücken schießen kann. Dazu gibt es keine akzeptable Erklärung.
Ein Verweis auf das Grenzgesetz, wie es @VS hier vornahm, ist total daneben und soll unmenschliches Handeln rechtfertigen.
Grüße von Andreas
Nov65
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 5. Oktober 2014, 21:52

augenzeuge hat geschrieben:Danke, Ernest. Ich würde mir noch mehr solche Berichte wünschen. [wink]
AZ


wir sind kein grenzerforum AZ
und wünscht du dir mehr berichte von nicht mehr anwesenden ex- agt ... [flash]

gruß vs [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 5. Oktober 2014, 22:51

hallo Ernest,
danke auch von mir für deinen beitrag,
denn genau dass gab es auch in meinem damaligen abschnitt und zwar ca. 200 meter vor der letzten querung der brockenbahn mit der brockenstraße.
dieser postenbereich ging bis zur rechten trennungslinie und nach links bis zum goethebahnhof.

der user @ Volker Zottmann kennt sich jedoch viel besser aus
und kann uns darüber berichten. er macht ja auch den erklärbär für touris.

gruß vs [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 5. Oktober 2014, 23:25

Spartacus hat geschrieben:Danke für deinen Bericht Ernest

und schön das es auch Grenzer mit Köpfchen gab, die des logischen Denkens noch mächtig waren.

Deine Überlegungen und die deines Kameraden waren goldrichtig, denn mit einer unbedachten Meldung
hättest du die Leute schwer in die Bredouille bringen können, gar ihr Leben zerstören.

Daher gebührt dir und deinem Kameraden heute ein herzliches Dankeschön [hallo]

Sparta


hi Spartacus,
beachte bitte was Ernest schreibt und beschreibt.
er was ein erfahrener postenführer, im letzten halbjahr.

der schütze war im ersten diensthalbjahr am kanten ,
... " ... seit Oktober im GR-34 ..." und gerade mal nen monat in diesem abschnitt. darum stand er auch unten und sein postenführer saß dann wohl auf dem bt-10.
was sich mir nicht ganz erklärt, denn ein postenpaar trennt sich nicht.
der unerfahrene posten zielt aufs hinterrad und verreist die waffe, was ein manko der regelmäßigen schusswaffenausbildung war.

gruß vom Torsten [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon augenzeuge » 6. Oktober 2014, 07:36

vs1400 hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:Danke, Ernest. Ich würde mir noch mehr solche Berichte wünschen. [wink]
AZ


wir sind kein grenzerforum AZ
und wünscht du dir mehr berichte von nicht mehr anwesenden ex- agt ... [flash]

gruß vs [hallo]


Bin ich froh, dass andere besser differenzieren können als du. [flash] Aber wir wissen ja, dass du das alles mal ganz anders gesehen hast.
Leider machen zig Grenzer automatisch keinen guten Bericht. Oder darf man nur im Bäckerforum schreiben, das einem die Brötchen schmecken? [grin]
AZ
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Nov65 » 6. Oktober 2014, 08:33

@VS, du hast für jede Handlung von Grenzern mit Totschlag/Mord als Folge eine Erklärung. Immer sind es das Grenzgesetz, Vorschriften oder örtliche Gegebenheiten. Dabei blendest du eigenes Denken vor der Handlung als Möglichkeit aus.
Du hast nach eigenen Angaben ja nie im Dienst geschlafen. Ernest, ich und viele andere aber ja. Kann es sein, dass du deinen Kameraden damals misstrautest, im Ernstfall anders zu handeln als du, nämlich nicht auf Fliehende zu schießen?
Gruß, Andreas
Nov65
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 6. Oktober 2014, 11:09

vs1400 hat geschrieben:hallo Ernest,
danke auch von mir für deinen beitrag,
denn genau dass gab es auch in meinem damaligen abschnitt und zwar ca. 200 meter vor der letzten querung der brockenbahn mit der brockenstraße.
dieser postenbereich ging bis zur rechten trennungslinie und nach links bis zum goethebahnhof.

der user @ Volker Zottmann kennt sich jedoch viel besser aus
und kann uns darüber berichten. er macht ja auch den erklärbär für touris.

gruß vs [hallo]


Der User @vs1400 hatte hatte letzte Nacht offenbar keinen anderen, den er anfeinden konnte... Gute Besserung!!!

Hätte @vs1400 noch den Überblick, wüsste er, dass er Unsinn vermittelt.
Ich habe keinerlei Kenntnis über den Schierker Abschnitt im Detail, wie denn auch.
Im Gegensatz dazu, bin ich aber über den Sorger Abschnitt, also Sorge, Benneckenstein und gegenüber Hohegeiß, bestens informiert.
Ich habe niemals anderes behauptet.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 6. Oktober 2014, 21:03

augenzeuge hat geschrieben:
vs1400 hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:Danke, Ernest. Ich würde mir noch mehr solche Berichte wünschen. [wink]
AZ


wir sind kein grenzerforum AZ
und wünscht du dir mehr berichte von nicht mehr anwesenden ex- agt ... [flash]

gruß vs [hallo]


Bin ich froh, dass andere besser differenzieren können als du. [flash] Aber wir wissen ja, dass du das alles mal ganz anders gesehen hast.
Leider machen zig Grenzer automatisch keinen guten Bericht. Oder darf man nur im Bäckerforum schreiben, das einem die Brötchen schmecken? [grin]
AZ


AZ,
du wirst nicht automatisch nen guter koch, wenn du nur bücher darüber gelesen hast.

gruß vs [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 6. Oktober 2014, 21:09

Volker Zottmann hat geschrieben:
vs1400 hat geschrieben:hallo Ernest,
danke auch von mir für deinen beitrag,
denn genau dass gab es auch in meinem damaligen abschnitt und zwar ca. 200 meter vor der letzten querung der brockenbahn mit der brockenstraße.
dieser postenbereich ging bis zur rechten trennungslinie und nach links bis zum goethebahnhof.

der user @ Volker Zottmann kennt sich jedoch viel besser aus
und kann uns darüber berichten. er macht ja auch den erklärbär für touris.

gruß vs [hallo]


Der User @vs1400 hatte hatte letzte Nacht offenbar keinen anderen, den er anfeinden konnte... Gute Besserung!!!

Hätte @vs1400 noch den Überblick, wüsste er, dass er Unsinn vermittelt.
Ich habe keinerlei Kenntnis über den Schierker Abschnitt im Detail, wie denn auch.
Im Gegensatz dazu, bin ich aber über den Sorger Abschnitt, also Sorge, Benneckenstein und gegenüber Hohegeiß, bestens informiert.
Ich habe niemals anderes behauptet.

Gruß Volker


es schrieb dir heute bereits ein user sehr deutlich, was er von dir hält ... [wink]

du lauerst eben heutzutage den touris auf und erzählst ihnen etwas von einem dir unbekannten abschnitt,
denn diesen kanntest du zur damaligen zeit auch nicht. weil du dort nicht hingekommen bist. deine wandertouren, begannen dort erst nach der wende.

gruß vs [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon augenzeuge » 6. Oktober 2014, 21:11

vs1400 hat geschrieben: AZ,
du wirst nicht automatisch nen guter koch, wenn du nur bücher darüber gelesen hast.

gruß vs [hallo]


Automatisch wird keiner etwas. Alle Studien beginnen mit dem Lesen von Büchern. Und sehr viele Menschen haben gerade durch Kochbücher erst kochen gelernt. [wink]
Dein Hinweis hinkt.
AZ
"Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist."
„Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war“.
"Es ist manchmal gefährlich, Recht zu haben, wenn die Regierung Unrecht hat. (Voltaire)"
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 6. Oktober 2014, 23:12

augenzeuge hat geschrieben:
vs1400 hat geschrieben: AZ,
du wirst nicht automatisch nen guter koch, wenn du nur bücher darüber gelesen hast.

gruß vs [hallo]


Automatisch wird keiner etwas. Alle Studien beginnen mit dem Lesen von Büchern. Und sehr viele Menschen haben gerade durch Kochbücher erst kochen gelernt. [wink]
Dein Hinweis hinkt.
AZ


AZ,
immer entscheidend bleibt jedoch die anwendung in der praxis.Bild

gruß vs [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 6. Oktober 2014, 23:29

Nov65 hat geschrieben:@VS, du hast für jede Handlung von Grenzern mit Totschlag/Mord als Folge eine Erklärung. Immer sind es das Grenzgesetz, Vorschriften oder örtliche Gegebenheiten. Dabei blendest du eigenes Denken vor der Handlung als Möglichkeit aus.
Du hast nach eigenen Angaben ja nie im Dienst geschlafen. Ernest, ich und viele andere aber ja. Kann es sein, dass du deinen Kameraden damals misstrautest, im Ernstfall anders zu handeln als du, nämlich nicht auf Fliehende zu schießen?
Gruß, Andreas


@"Nov65",
jetzt bringst du mich fast in die bredouille.
doch für mein leben war ich selbst verantwortlich
und geschlafen habe ich immer im bett.
doch ja, in gewisser weise hatte ich immer nen gesundes "misstrauen". denn ich war als postenführer + uffz. für das handeln meines posten verantwortlich.
wenn er auf dauerfeuer geschalten hätte, dann hätte man mich dafür zur sau machen dürfen.
verantwortung und misstrauen @"Nov65",
darüber hast du dir wohl eher im heute ne angepasste meinung gebildet.

was jedoch nur ein offener gedanke von mir ist.

gruß vs [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Nov65 » 7. Oktober 2014, 05:43

vs1400 hat geschrieben:
Nov65 hat geschrieben:@VS, du hast für jede Handlung von Grenzern mit Totschlag/Mord als Folge eine Erklärung. Immer sind es das Grenzgesetz, Vorschriften oder örtliche Gegebenheiten. Dabei blendest du eigenes Denken vor der Handlung als Möglichkeit aus.
Du hast nach eigenen Angaben ja nie im Dienst geschlafen. Ernest, ich und viele andere aber ja. Kann es sein, dass du deinen Kameraden damals misstrautest, im Ernstfall anders zu handeln als du, nämlich nicht auf Fliehende zu schießen?
Gruß, Andreas


@"Nov65",
jetzt bringst du mich fast in die bredouille.
doch für mein leben war ich selbst verantwortlich
und geschlafen habe ich immer im bett.
doch ja, in gewisser weise hatte ich immer nen gesundes "misstrauen". denn ich war als postenführer + uffz. für das handeln meines posten verantwortlich.
wenn er auf dauerfeuer geschalten hätte, dann hätte man mich dafür zur sau machen dürfen.
verantwortung und misstrauen @"Nov65",
darüber hast du dir wohl eher im heute ne angepasste meinung gebildet.



was jedoch nur ein offener gedanke von mir ist.

gruß vs [hallo]


Die beiden Wörter und Verhaltensweisen gab es nicht erst nach der Wende, @VS. Und eine eigene Meinung auch!
Andreas
Nov65
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Ernest » 7. Oktober 2014, 12:39

vs1400 hat geschrieben:@"Nov65",
doch ja, in gewisser weise hatte ich immer nen gesundes "misstrauen". denn ich war als postenführer + uffz. für das handeln meines posten verantwortlich.
wenn er auf dauerfeuer geschalten hätte, dann hätte man mich dafür zur sau machen dürfen.


na ok., als Postenführer war ich auch für das Handeln meines Postens verantwortlich, eigentlich für alles, was innerhalb meines Postenbereiches geschah, egal in welcher Hinsicht.
Aber um das jetzt mit dem "gesunden Misstrauen" in Verbindung zu bringen.................worauf bezog es sich jetzt speziell bei dir ?
----- Auf die Angst, er könnte im Extremfall nicht so handeln, wie du es als Postenführer möchtest, er könnte eine gewisse Eigendynamik entwickeln, die nicht von dir gewünscht ist ????
----- Oder war es die Angst, er könnte doch irgendwann und irgendwie den Versuch unternehmen, abzuhauen, vielleicht sogar mit Waffengewalt ??
Das Letztere könnte ich nachvollziehen, denn das hatte ich selbst gehört, als die Neuen an die Grenze kamen. """" Also die ersten Schichten bin ich erst einmal vorsichtig"""..............so oder so ähnlich klang das dann.
Obwohl ich das in meiner allerersten Grenzdienstschicht, kurz nach der Ankunft, ganz anders erlebt hatte.
Aber die Angst vor Fehlverhalten deines Postens ??? Ich weiß nicht, wie oft du draußen warst, aber diese Angst hat dich ständig begleitet ??? Ich sehe da eigentlich kein Misstrauen in dem Fall...........eher Zweifel und Bedenken.
Wenn du wirklich diese Bedenken hattest, warum hast du deinem Posten nicht nahe gelegt, wie er sich, nach deiner Ansicht, in diesen oder jenen Situationen zu verhalten hat. Als Postenführer warst du der Lehrmeister des Postens...........nur von dir konnte und auch sollte er es lernen. Dazu waren auch 8 Stunden Zeit.
Das, vielleicht, hätte dir die innere Ruhe gegeben und vor allem auch deinem Posten, der sich so gesehen etwas abgesichert fühlt, weil er weiß, ich brauch nicht durchzudrehen, wenn etwas passiert, nein, der Postenführer hat das Halfter in der Hand, der entscheidet.
Und diese Erkenntnis kam nicht erst später bei mir. Das war nämlich das, was meine ersten Postenführer mir als Posten in den ersten Schichten vermittelten.....egal was kommt, ruhig bleiben, ich mach das schon, du hälst dich erst einmal aus allem heraus.

Nun sehe ich aber auch deine spezielle Lage.........
Berichtige mich bitte, wenn ich falsch liegen sollte.
Du hattest doch die Waffenkammer unter dich, warst also Waffen-Uffz. Also nehme ich an, Grenzdienstschichten waren eher die Ausnahme, nur wenn Not am Mann war und dann vielleicht auch des öfteren als Kontrollstreife. Du warst also nicht täglich und immer mit den gleichen Leuten draußen.
Das ist die eine Sache. Als nächstes kommt dann das Verhältnis Uffz. zu Gefreiten/Soldaten. Wobei ich sagen muß, dass zwischen einem Uffz, als "Waffenspitz" und einem Uffz als Gruppenführer, noch ein himmelweiter Unterschied bestand. Schon alleine aus der direkten Verbindung zum Zug, zur Gruppe, dem täglichen Umgang miteinander.

Die Gruppenführer (Uffz.) waren für uns eigentlich keine Befehlsgeber, sie standen eher auf unserer Stufe...so rein gefühlsmäßig. Obwohl wir gut mit ihnen auskamen, es im Grunde genommen auch "Kumpels" waren, haben wir sie doch nur bis auf eine gewisse Distanz an uns heran gelassen. Den direkten Einblick in die Gruppe, geschweige denn in dem was draußen an der Grenze innerhalb eines Postenpaares geschah, bekamen sie nie. In der Hinsicht saßen sie zwischen den Stühlen.........nach unten die Gruppe, der Zug....nach oben die Offiziere.
Ein Uffz. hatte auch keine "Freunde"........wie auch. Wenn, dann höchsten auf seiner Ebene.

Das soll jetzt nicht negativ klingen und ist auch nicht so gemeint.........aber schon dadurch, solltest du Grenzdienstschichten geschoben haben, mit festem Postenplatz, so wie wir, dann kann man es insgesamt nie mit unseren Schichten vergleichen........immer die gleichen Postenplätze innerhalb der Kompanie und immer die gleichen Leute.
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass dadurch nie die Routine und auch Abgeklärtheit im Umgang mit einem Posten eingetreten ist, was auch verständlich ist.



vs1400 hat geschrieben:verantwortung und misstrauen @"Nov65",
darüber hast du dir wohl eher im heute ne angepasste meinung gebildet.
gruß vs [hallo]


Nein, das sehe ich nicht so, denn genau diese Wortverbindung gab es bereits zu meiner Zeit an der Grenze und die kam von ganz oben..........
Nicht in der Kompanie , aber beim Politunterricht, wo wir alle paar Monate für einige Stunden ins Bataillon gefahren wurden.

Verantwortung und Misstrauen...............
Unsere Verantwortung sollte darin bestehen, die Staatsgrenze unter allen Lagebedingungen und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln sauber zu halten.........den Rest schenke ich mir.
Misstrauen sollten wir jeden, unzwar ausnahmslos, selbst dem eigenen Posten. Unser Grenzdienst sollte immer so aufgebaut sein, dass man den Abschnitt, aber auch gleichzeitig seinen Posten im Blick hat. Als Postenführer sollte sich der Posten, egal ob man geht, liegt oder steht, immer mit Abstand vor einem befinden.

So war die Direktive von ganz oben. Freundschaften, gar Kumpanei haßte man da oben wie die Pest. Ich hab noch im Ohr, wie man sagte......Grenzdienst beginnt nicht erst im Postenbereich........überall und immer sollte man aufmerksam und misstrauisch sein.

Ich mache drei große Kreuze, dass ich es anders erlebt habe.
Ich rechne es den Verantwortlichen in unserer Kompanie hoch an, dass sie uns nie in der Hinsicht trimmen wollten. Man wollte uns weder etwas einpeitschen, noch irgendwie heiß machen. Polit oder Rotlicht, war in unserer Kompanie nur das sogenannte API, die Aktuell Politische Information. Vergleichbar, na sagen wir mal, so eine Art "Karl-Eduard von Schnitzler", damit wir immer wissen, wo stehen die Guten und wo die Bösen. Mit unserem Grenzdienst speziell hatte das nie etwas zu tun.
So war es halt bei uns, denn "nebenan" kann es schon anders ausgesehen haben.
Wie gesagt, dafür ging es dann alle paar Monate nach Oebisfelde. Vielleicht auch gerade deswegen, denn von oben hatte keiner Einblick, wie es wirklich in einer Kompanie läuft. Die bekamen doch auch nur das mit, was man ihnen freiwillig preisgab.
Tja, das Misstrauen fing eben ganz oben an......................erst dort wurde es geboren.

Gruß
Ernest
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 7. Oktober 2014, 23:45

Ernest hat geschrieben:
vs1400 hat geschrieben:@"Nov65",
doch ja, in gewisser weise hatte ich immer nen gesundes "misstrauen". denn ich war als postenführer + uffz. für das handeln meines posten verantwortlich.
wenn er auf dauerfeuer geschalten hätte, dann hätte man mich dafür zur sau machen dürfen.


na ok., als Postenführer war ich auch für das Handeln meines Postens verantwortlich, eigentlich für alles, was innerhalb meines Postenbereiches geschah, egal in welcher Hinsicht.
Aber um das jetzt mit dem "gesunden Misstrauen" in Verbindung zu bringen.................worauf bezog es sich jetzt speziell bei dir ?
----- Auf die Angst, er könnte im Extremfall nicht so handeln, wie du es als Postenführer möchtest, er könnte eine gewisse Eigendynamik entwickeln, die nicht von dir gewünscht ist ????
----- Oder war es die Angst, er könnte doch irgendwann und irgendwie den Versuch unternehmen, abzuhauen, vielleicht sogar mit Waffengewalt ??
Das Letztere könnte ich nachvollziehen, denn das hatte ich selbst gehört, als die Neuen an die Grenze kamen. """" Also die ersten Schichten bin ich erst einmal vorsichtig"""..............so oder so ähnlich klang das dann.
Obwohl ich das in meiner allerersten Grenzdienstschicht, kurz nach der Ankunft, ganz anders erlebt hatte.
Aber die Angst vor Fehlverhalten deines Postens ??? Ich weiß nicht, wie oft du draußen warst, aber diese Angst hat dich ständig begleitet ??? Ich sehe da eigentlich kein Misstrauen in dem Fall...........eher Zweifel und Bedenken.
Wenn du wirklich diese Bedenken hattest, warum hast du deinem Posten nicht nahe gelegt, wie er sich, nach deiner Ansicht, in diesen oder jenen Situationen zu verhalten hat. Als Postenführer warst du der Lehrmeister des Postens...........nur von dir konnte und auch sollte er es lernen. Dazu waren auch 8 Stunden Zeit.
Das, vielleicht, hätte dir die innere Ruhe gegeben und vor allem auch deinem Posten, der sich so gesehen etwas abgesichert fühlt, weil er weiß, ich brauch nicht durchzudrehen, wenn etwas passiert, nein, der Postenführer hat das Halfter in der Hand, der entscheidet.
Und diese Erkenntnis kam nicht erst später bei mir. Das war nämlich das, was meine ersten Postenführer mir als Posten in den ersten Schichten vermittelten.....egal was kommt, ruhig bleiben, ich mach das schon, du hälst dich erst einmal aus allem heraus.

Nun sehe ich aber auch deine spezielle Lage.........
Berichtige mich bitte, wenn ich falsch liegen sollte.
Du hattest doch die Waffenkammer unter dich, warst also Waffen-Uffz. Also nehme ich an, Grenzdienstschichten waren eher die Ausnahme, nur wenn Not am Mann war und dann vielleicht auch des öfteren als Kontrollstreife. Du warst also nicht täglich und immer mit den gleichen Leuten draußen.

Das ist die eine Sache. Als nächstes kommt dann das Verhältnis Uffz. zu Gefreiten/Soldaten. Wobei ich sagen muß, dass zwischen einem Uffz, als "Waffenspitz" und einem Uffz als Gruppenführer, noch ein himmelweiter Unterschied bestand. Schon alleine aus der direkten Verbindung zum Zug, zur Gruppe, dem täglichen Umgang miteinander.

Die Gruppenführer (Uffz.) waren für uns eigentlich keine Befehlsgeber, sie standen eher auf unserer Stufe...so rein gefühlsmäßig. Obwohl wir gut mit ihnen auskamen, es im Grunde genommen auch "Kumpels" waren, haben wir sie doch nur bis auf eine gewisse Distanz an uns heran gelassen. Den direkten Einblick in die Gruppe, geschweige denn in dem was draußen an der Grenze innerhalb eines Postenpaares geschah, bekamen sie nie. In der Hinsicht saßen sie zwischen den Stühlen.........nach unten die Gruppe, der Zug....nach oben die Offiziere.
Ein Uffz. hatte auch keine "Freunde"........wie auch. Wenn, dann höchsten auf seiner Ebene.

Das soll jetzt nicht negativ klingen und ist auch nicht so gemeint.........aber schon dadurch, solltest du Grenzdienstschichten geschoben haben, mit festem Postenplatz, so wie wir, dann kann man es insgesamt nie mit unseren Schichten vergleichen........immer die gleichen Postenplätze innerhalb der Kompanie und immer die gleichen Leute.
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass dadurch nie die Routine und auch Abgeklärtheit im Umgang mit einem Posten eingetreten ist, was auch verständlich ist.



vs1400 hat geschrieben:verantwortung und misstrauen @"Nov65",
darüber hast du dir wohl eher im heute ne angepasste meinung gebildet.
gruß vs [hallo]


Nein, das sehe ich nicht so, denn genau diese Wortverbindung gab es bereits zu meiner Zeit an der Grenze und die kam von ganz oben..........
Nicht in der Kompanie , aber beim Politunterricht, wo wir alle paar Monate für einige Stunden ins Bataillon gefahren wurden.

Verantwortung und Misstrauen...............
Unsere Verantwortung sollte darin bestehen, die Staatsgrenze unter allen Lagebedingungen und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln sauber zu halten.........den Rest schenke ich mir.
Misstrauen sollten wir jeden, unzwar ausnahmslos, selbst dem eigenen Posten. Unser Grenzdienst sollte immer so aufgebaut sein, dass man den Abschnitt, aber auch gleichzeitig seinen Posten im Blick hat. Als Postenführer sollte sich der Posten, egal ob man geht, liegt oder steht, immer mit Abstand vor einem befinden.

So war die Direktive von ganz oben. Freundschaften, gar Kumpanei haßte man da oben wie die Pest. Ich hab noch im Ohr, wie man sagte......Grenzdienst beginnt nicht erst im Postenbereich........überall und immer sollte man aufmerksam und misstrauisch sein.

Ich mache drei große Kreuze, dass ich es anders erlebt habe.
Ich rechne es den Verantwortlichen in unserer Kompanie hoch an, dass sie uns nie in der Hinsicht trimmen wollten. Man wollte uns weder etwas einpeitschen, noch irgendwie heiß machen. Polit oder Rotlicht, war in unserer Kompanie nur das sogenannte API, die Aktuell Politische Information. Vergleichbar, na sagen wir mal, so eine Art "Karl-Eduard von Schnitzler", damit wir immer wissen, wo stehen die Guten und wo die Bösen. Mit unserem Grenzdienst speziell hatte das nie etwas zu tun.
So war es halt bei uns, denn "nebenan" kann es schon anders ausgesehen haben.
Wie gesagt, dafür ging es dann alle paar Monate nach Oebisfelde. Vielleicht auch gerade deswegen, denn von oben hatte keiner Einblick, wie es wirklich in einer Kompanie läuft. Die bekamen doch auch nur das mit, was man ihnen freiwillig preisgab.
Tja, das Misstrauen fing eben ganz oben an......................erst dort wurde es geboren.

Gruß
Ernest


hallo Ernest,
ich war gruppenführer und wollte schlichtweg keine verantwortung für nen kompletten abschnitt auf der füst übernehmen. auch weil ich bemerkte, dass man dann den kontakt zur gruppe verliert, was jedoch nicht vordergründig war.
daher "durfte" ich stellv. des waffenuffz werden, jeder zug war ja auch immer im wettbewerb mit den anderen und jeder zugführer wollte, nach möglichkeit, auch immer kgsi zur verfügung stellen.
man entlastete somit berufskader und ich war halt keiner, noch weniger ein kommandeur.

was all dem voraus geht, ich wollte mal bu werden, bei der marine und dort auch nur im bereich maschine. was man mir im bewerberkollektiv zusagte und kurz vor der einberufung nicht mehr zusagen "konnte". adäquat dazu bot man mir die grenzbrigade- küste an, was man an der uffz.- schule nicht halten konnte und ich mich dann dazu entschied abzukohlen. von 10 auf drei und es war nicht einfach.
warum auf drei?
ich wollte nicht erst mit 27 nochmal gezogen werden und dann vielleicht mit familie und kind herausgerissen werden.

nachdem ich in schierke aufschlug, bezog ich das obere bett im uffz. zimmer und ein gefreiter, in der dienststellung eines dhf (diensthundeführeres) schlief auch mit bei uns,
nur aufgrund seiner dienststellung. er war, weil eben kein uffz., verantwortlich für die reinigung der uffz.- hütte, was ich absolut daneben fand. ich wischte und bohnerte unsere hütte dann eben selber
und machte mir keine freunde unter den älteren uffz'en.

klar, man konnte nie so richtig teil der truppe werden, zumal man ja räumlich getrennt war, doch man konnte sich beweisen.
ich habe es nie einem posten verboten zu schlafen, doch es lag an ihm mir zu vertrauen.
am tag jedoch gab es bei mir keinen schlaf,
dann ging es sehr oft ab in den busch.

gruß vs [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Ernest » 8. Oktober 2014, 11:20

vs1400 hat geschrieben:ich wollte nicht erst mit 27 nochmal gezogen werden und dann vielleicht mit familie und kind herausgerissen werden.

Hallo vs,

ja, dieses ""dann werden sie eben erst mit 27 gezogen""" war ein bekanntes Druckmittel von denen. Ich habe es kurz vor Ende der Lehre zu hören bekommen, als man uns wegen 3 Jahre werben wollte.
Als nach großen und langen Dialogen das "Nein" von mir kam, wollten sie mich damit auch einschüchtern und wurden so langsam ungehalten. Letztendlich warf man mir an den Kopf, dass ich eigentlich nur ein Schmarotzer bin, der immer nur vom Staat genommen hat (Bildung = Schule, Lehre, Beruf), der aber nicht bereit ist, auch nur ein Stück davon zurückzugeben.
Beim Rausgehen kam dann noch ein höhnisches........""Na dann bis in 8-9 Jahren"".
Im Endresultat war ich jedoch gut 2 Monate nach Abschluß bei der Fahne. ( Ende Febr. ausgelernt, 2./3. Mai gezogen)
vs1400 hat geschrieben:adäquat dazu bot man mir die grenzbrigade- küste an, was man an der uffz.- schule nicht halten konnte und ich mich dann dazu entschied abzukohlen. von 10 auf drei und es war nicht einfach.

Nicht einfach ???....das glaube ich gern. Mein Zugführer im letzten Halbjahr, er kam kurz vor mir nach Döhren, strafversetzt von Rotheshütte. Hatte sich vor Ablauf von 10 auf (ich glaube) 15 Jahre verpflichtet. Kam nie über den Feldwebel hinaus. Als ihm die Probleme bis zum Hals standen, wollte er davon wieder runter, bzw. er wollte eigentlich ganz raus aus der Truppe, weil er ja die reguläre Zeit schon abgedient hat. Viel Gezeter, aber dann doch abgeschmettert. Letztendlich ist er nach drüben abgehauen. Nur wie gesagt, es gab noch andere Probleme bei ihm.
Aber hätte man ihn gehen lassen, wäre er wahrscheinlich nie diesen Schritt gegangen.....also selbst Schuld.
vs1400 hat geschrieben:nachdem ich in schierke aufschlug, bezog ich das obere bett im uffz. zimmer und ein gefreiter, in der dienststellung eines dhf (diensthundeführeres) schlief auch mit bei uns,
nur aufgrund seiner dienststellung. er war, weil eben kein uffz., verantwortlich für die reinigung der uffz.- hütte, was ich absolut daneben fand. ich wischte und bohnerte unsere hütte dann eben selber
und machte mir keine freunde unter den älteren uffz'en.

Um oben anzuknüpfen...........
Zugführer ist er nur geworden, weil man bei uns im letzten Halbjahr einen 4. Zug einführte. Vorher hatte unsere Kompanie nur 3 Züge. Es ging wahrscheinlich um eine später mal angedachte Bataillonssicherung.
Weil man ja keine extra Leute hatte, wurde er Zugführer. Ich wurde dann im letzten Halbjahr als Gruppenführer eingesetzt.
Als ich das hörte, hat es mich bald aus den Socken gehoben. Den EK`s in meinem Zug hat es jedoch gefreut............Ernest unser Gruppenführer.
Ich hatte ein Dreibett-Zimmer....Einzelbett ein Ufw. (stellv. Zugführer), der seit Anbeginn in meinem Zug war. Doppelstockbett....ich unten, oben ein neuer Uffz.
Tagsüber war ich meist bei meiner Truppe, hab mich bei denen auf den Betten herumgelümmelt. Nur wenn ich meine Ruhe haben wollte, schlafen, lesen oder so, ging ich aufs Zimmer, was ja gleich nebenan war.


Dienst habe ich normal weiter geschoben, auch wenn desöfteren Kontrollstreifen oder Schichten auf dem BT11 anlagen ( unser Führungspunkt wurde mit Beginn des letzten Diensthalbjahres von der Kompanie in den BT11 verlagert).
A-Gruppenführer oder UvD bei der Objektwache lag auch ab und zu an, ansonsten lief jedoch alles wie zuvor.
Das mit der Zimmereinigung kenne ich auch. Nur schon als ich nach Döhren kam, hatte man die Uffze so erzogen, dass sie ihre Zimmer selbst machen mußten. Wir hatten da einen Gruppenführer im Zug, den hatte man den Spitznamen "Knecht" verpaßt. Dem haben sie oft angedroht ( aber aus Spaß) """wenn du nicht spurst, dann ziehen wir dich am Koppel durch Zimmer und dann wird gebohnert"". Na gut, ansatzweise gemacht haben sie es auch ein paar Mal, unzwar kurz vorm Dienst, mit Tragegestell.
Als jedoch unser Zugführer weg war und wir über Wochen einen höheren (fremden) Offizier als Aufpasser in der Kompanie hatten, fiel ihm das auf und es sollte dann so sein, dass die Gruppen beim Revierreinigen die Uffz.Buden mitmachen. Unserem neuen Uffz, der über mir lag, hat`s gefreut. Da habe ich gleich gesagt..........das kannste abschwitzen, du machst deinen Scheiß alleine. Im Endresultat blieb alles wie bisher.

Da gäbe es ja viel zu schreiben, aber so in etwa sah es bei mir aus.

Gruß Ernest
Ernest
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Nov65 » 8. Oktober 2014, 11:53

Hallo @Ernest,
alle Gedienten in der NVA lesen Deine Berichte bestimmt gern. Daraus kann man entnehmen, dass es Kameradschaft gab unter dem Befehl der Grenzsicherung(will das nicht weiter ausführen). Jeder wollte da heil heraus. Nur die Allerdümmsten oder Verleiteten erkannten nicht, dass Grenzer für eine Sache einstehen sollten, die nichts mit Nächstenliebe, Humanismus usw. zu tun hatte. Aus einem vorgegebenen Trott kam man nicht heraus. Also ließ man das über sich ergehen. Heute staune ich auch über meinen damalig fehlenden Mut. Heute...Aber immer hatte man seinen eigenen Kopf oben drauf. Und erst direkt an der Grenze. Darum geht es ja hier im Forum inbesondere. Deshalb muss jeder ehemalige Grenzer über Brutalitäten bei der Behandlung von Fliehenden entsetzt sein.
Keiner von uns ging in eine Schicht ohne zu bedenken, was da von ihm eventuell verlangt wird und ob er dazu bereit ist.
Wer das einfach auf sich zukommen ließ, wurde meist völlig überrascht und in seinen Handlungen unkontrolliert.
Ich meine, dass ehemalige Westdeutsche nur mit größtem Wohlwollen einen Grenzer verstehen können. Wir waren eingesperrt und Zwängen unterworfen, sie gottlob nicht. Deshalb kommt es gerade in einem Forum wie dem unseren zu soviel konträren Dialogen.
Ich gehe in solche Dialoge gern und ohne das Gefühl einer Schuld. Heute ist es mir möglich und gestattet, völlig anders zu denken, alles offen auszusprechen.
Ich verteidige keine Diktatur, will aber fair zu den in einer Diktatur Lebenden sein. Sie haben die Diktatur nicht errichtet, sind nur als Körnchen zu deren Erhaltung gebraucht worden. Gestern wie heute.
Ich grüße Dich, Andreas
Nov65
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Ernest » 8. Oktober 2014, 15:54

Hallo @Nov65,

da stimme ich dir voll zu....................
Nov65 hat geschrieben:Heute staune ich auch über meinen damalig fehlenden Mut.

Ach, was heißt schon fehlender Mut. So lange nichts passiert ist, was du heute bereuen müßtest, ist doch alles ok. Erst wenn man gehandelt hat, obwohl der Kopf etwas anderes sagte, müßte man sich darüber Gedanken machen....weil erst dann hat der Mut gefehlt.
Es ist so, wie du sagtest, man mußte es über sich ergehen lassen. Am Großen und Ganzen konnte man doch nichts ändern.

Jetzt mal aus heutiger Sicht................
Ich hatte nie den Vorsatz wirklich das zu machen, was man von uns im Ernstfall verlangt.
Nun hört man aber oft: """ja wenn du nicht schießen wolltest, warum hast du nicht verweigert , warum bist du trotzdem an die Grenze gegangen, hast da eine Waffe in die Hand genommen ???? """"
Die Leute, die das sagen, plappern auch nur etwas nach, ohne wirklich zu überlegen.
Wie würde es denn aussehen, wenn ich, nein, sogar alle die so dachten, verweigert hätten ???
Die Grenze hätte man nicht abgeschafft.............Blödsinn. Nein, man hätte wirklich richtig gesiebt, um im Endresultat Leute zu ziehen, die in der Hinsicht keine Hemmungen haben, die keine Skrupel hätten, die Befehle durchzusetzen.
Wäre das im Endergebnis nicht vielleicht noch schlimmer ausgegangen ?????
Das, was man heute zu beklagen hat ist doch schon zu viel.........warum dann noch so eine Forderung, wo es noch krasser ausfallen würde.
Also unüberlegt geplappert.....Hauptsache man sagt was.
Dann müßte es schon wirklich nach dem Prinzip gehen........."""es ist "Krieg" und keiner geht hin""", erst dann wäre es eine nackte Grenze gewesen, wo kein Gewehrlauf mehr auf Menschen zielt.
Ich bin der Meinung, dass jeder Einzelne, der Zweifel an dem hatte, was er tun soll, 1000mal besser war, als ein total Linientreuer.

Naja, Gedankengänge...........
Ich weiß nicht, ob ich da so verkehrt liege.

Viele Grüße
Ernest
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Nov65 » 8. Oktober 2014, 16:45

@Ernest, da liegst du richtig. Wenn doch alle so überlegt hätten, dann gäbe es nicht die vielen Mauer/Grenz-Toten.

Bei allem war der Einsatz von jungen Männern ohne überwiegend polizeiliche Ausbildung und mit diffusen Scheinbefehlen ein Missbrauch eines Regimes. Wie Jahre zuvor ein anderes Regime.
Grüße von Andreas
Nov65
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Edelknabe » 8. Oktober 2014, 17:30

Unser Nov. mit :

"Keiner von uns ging in eine Schicht ohne zu bedenken, was da von ihm eventuell verlangt wird und ob er dazu bereit ist."

Also Nov der Rainer will ja nicht Krümel kacken aber warst du nicht nach eigener Aussage Schreiber? Wars damals in Berlin Kompanie oder Stab...ich erinnere mich leider nicht mehr genau?

Der Rainer war im Stab,war Pionier,auch 501, es war somit ganz normaler Arbeitsalltag wie im normalen Leben so 8.75 Stunden, Sonnabend ab 12.00 Uhr, Sonntag frei (das schrieb ich schon öfters)und ja, es ging natürlich auch außer der Reihe an den Kanten. Sollte nur heißen, über fast Alles was Kompanie betrifft versuche ich mich in der heutigen Bewertung immer heraus zu halten.

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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 8. Oktober 2014, 23:13

Ernest hat geschrieben:Hallo @Nov65,

da stimme ich dir voll zu....................
Nov65 hat geschrieben:Heute staune ich auch über meinen damalig fehlenden Mut.

Ach, was heißt schon fehlender Mut. So lange nichts passiert ist, was du heute bereuen müßtest, ist doch alles ok. Erst wenn man gehandelt hat, obwohl der Kopf etwas anderes sagte, müßte man sich darüber Gedanken machen....weil erst dann hat der Mut gefehlt.
Es ist so, wie du sagtest, man mußte es über sich ergehen lassen. Am Großen und Ganzen konnte man doch nichts ändern.

Jetzt mal aus heutiger Sicht................
Ich hatte nie den Vorsatz wirklich das zu machen, was man von uns im Ernstfall verlangt.
Nun hört man aber oft: """ja wenn du nicht schießen wolltest, warum hast du nicht verweigert , warum bist du trotzdem an die Grenze gegangen, hast da eine Waffe in die Hand genommen ???? """"
Die Leute, die das sagen, plappern auch nur etwas nach, ohne wirklich zu überlegen.
Wie würde es denn aussehen, wenn ich, nein, sogar alle die so dachten, verweigert hätten ???

Die Grenze hätte man nicht abgeschafft.............Blödsinn. Nein, man hätte wirklich richtig gesiebt, um im Endresultat Leute zu ziehen, die in der Hinsicht keine Hemmungen haben, die keine Skrupel hätten, die Befehle durchzusetzen.
Wäre das im Endergebnis nicht vielleicht noch schlimmer ausgegangen ?????
Das, was man heute zu beklagen hat ist doch schon zu viel.........warum dann noch so eine Forderung, wo es noch krasser ausfallen würde.
Also unüberlegt geplappert.....Hauptsache man sagt was.
Dann müßte es schon wirklich nach dem Prinzip gehen........."""es ist "Krieg" und keiner geht hin""", erst dann wäre es eine nackte Grenze gewesen, wo kein Gewehrlauf mehr auf Menschen zielt.
Ich bin der Meinung, dass jeder Einzelne, der Zweifel an dem hatte, was er tun soll, 1000mal besser war, als ein total Linientreuer.

Naja, Gedankengänge...........
Ich weiß nicht, ob ich da so verkehrt liege.

Viele Grüße
Ernest


hallo Ernest,
ist es nicht der vorsatz, den man heute gerne unterstellt?
nur weil man das gesamte nicht erfasst, erfassen möchte.

gruß vs [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 8. Oktober 2014, 23:19

Ernest hat geschrieben:
vs1400 hat geschrieben:ich wollte nicht erst mit 27 nochmal gezogen werden und dann vielleicht mit familie und kind herausgerissen werden.

Hallo vs,

ja, dieses ""dann werden sie eben erst mit 27 gezogen""" war ein bekanntes Druckmittel von denen. Ich habe es kurz vor Ende der Lehre zu hören bekommen, als man uns wegen 3 Jahre werben wollte.
Als nach großen und langen Dialogen das "Nein" von mir kam, wollten sie mich damit auch einschüchtern und wurden so langsam ungehalten. Letztendlich warf man mir an den Kopf, dass ich eigentlich nur ein Schmarotzer bin, der immer nur vom Staat genommen hat (Bildung = Schule, Lehre, Beruf), der aber nicht bereit ist, auch nur ein Stück davon zurückzugeben.
Beim Rausgehen kam dann noch ein höhnisches........""Na dann bis in 8-9 Jahren"".
Im Endresultat war ich jedoch gut 2 Monate nach Abschluß bei der Fahne. ( Ende Febr. ausgelernt, 2./3. Mai gezogen)
vs1400 hat geschrieben:adäquat dazu bot man mir die grenzbrigade- küste an, was man an der uffz.- schule nicht halten konnte und ich mich dann dazu entschied abzukohlen. von 10 auf drei und es war nicht einfach.

Nicht einfach ???....das glaube ich gern. Mein Zugführer im letzten Halbjahr, er kam kurz vor mir nach Döhren, strafversetzt von Rotheshütte. Hatte sich vor Ablauf von 10 auf (ich glaube) 15 Jahre verpflichtet. Kam nie über den Feldwebel hinaus. Als ihm die Probleme bis zum Hals standen, wollte er davon wieder runter, bzw. er wollte eigentlich ganz raus aus der Truppe, weil er ja die reguläre Zeit schon abgedient hat. Viel Gezeter, aber dann doch abgeschmettert. Letztendlich ist er nach drüben abgehauen. Nur wie gesagt, es gab noch andere Probleme bei ihm.
Aber hätte man ihn gehen lassen, wäre er wahrscheinlich nie diesen Schritt gegangen.....also selbst Schuld.
vs1400 hat geschrieben:nachdem ich in schierke aufschlug, bezog ich das obere bett im uffz. zimmer und ein gefreiter, in der dienststellung eines dhf (diensthundeführeres) schlief auch mit bei uns,
nur aufgrund seiner dienststellung. er war, weil eben kein uffz., verantwortlich für die reinigung der uffz.- hütte, was ich absolut daneben fand. ich wischte und bohnerte unsere hütte dann eben selber
und machte mir keine freunde unter den älteren uffz'en.

Um oben anzuknüpfen...........
Zugführer ist er nur geworden, weil man bei uns im letzten Halbjahr einen 4. Zug einführte. Vorher hatte unsere Kompanie nur 3 Züge. Es ging wahrscheinlich um eine später mal angedachte Bataillonssicherung.
Weil man ja keine extra Leute hatte, wurde er Zugführer. Ich wurde dann im letzten Halbjahr als Gruppenführer eingesetzt.
Als ich das hörte, hat es mich bald aus den Socken gehoben. Den EK`s in meinem Zug hat es jedoch gefreut............Ernest unser Gruppenführer.
Ich hatte ein Dreibett-Zimmer....Einzelbett ein Ufw. (stellv. Zugführer), der seit Anbeginn in meinem Zug war. Doppelstockbett....ich unten, oben ein neuer Uffz.
Tagsüber war ich meist bei meiner Truppe, hab mich bei denen auf den Betten herumgelümmelt. Nur wenn ich meine Ruhe haben wollte, schlafen, lesen oder so, ging ich aufs Zimmer, was ja gleich nebenan war.


Dienst habe ich normal weiter geschoben, auch wenn desöfteren Kontrollstreifen oder Schichten auf dem BT11 anlagen ( unser Führungspunkt wurde mit Beginn des letzten Diensthalbjahres von der Kompanie in den BT11 verlagert).
A-Gruppenführer oder UvD bei der Objektwache lag auch ab und zu an, ansonsten lief jedoch alles wie zuvor.
Das mit der Zimmereinigung kenne ich auch. Nur schon als ich nach Döhren kam, hatte man die Uffze so erzogen, dass sie ihre Zimmer selbst machen mußten. Wir hatten da einen Gruppenführer im Zug, den hatte man den Spitznamen "Knecht" verpaßt. Dem haben sie oft angedroht ( aber aus Spaß) """wenn du nicht spurst, dann ziehen wir dich am Koppel durch Zimmer und dann wird gebohnert"". Na gut, ansatzweise gemacht haben sie es auch ein paar Mal, unzwar kurz vorm Dienst, mit Tragegestell.
Als jedoch unser Zugführer weg war und wir über Wochen einen höheren (fremden) Offizier als Aufpasser in der Kompanie hatten, fiel ihm das auf und es sollte dann so sein, dass die Gruppen beim Revierreinigen die Uffz.Buden mitmachen. Unserem neuen Uffz, der über mir lag, hat`s gefreut. Da habe ich gleich gesagt..........das kannste abschwitzen, du machst deinen Scheiß alleine. Im Endresultat blieb alles wie bisher.

Da gäbe es ja viel zu schreiben, aber so in etwa sah es bei mir aus.

Gruß Ernest


Ernest,
danke für die nachvollziehbaren schilderungen deiner zeit.

es fällt mir jedoch schwer, hier perlen vor die s..e zu werfen ...

gruß vs [hallo]
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