Hitler, DDR-Erbe und die Religion spalten Potsdam

Alles was in den Zeitraum nach der Wende gehört. Das Zusammenwachsen von zwei grundverschiedenen Systemen, Probleme, Erwartungen, Empfindungen usw.

Hitler, DDR-Erbe und die Religion spalten Potsdam

Beitragvon Sirius » 1. August 2014, 11:19

Garnisonkirche

Hitler, DDR-Erbe und die Religion spalten Potsdam

Der Streit über den Wiederaufbau der Garnisonkirche, wo die Nazis Preußen vereinnahmten, zeigt die Zerrissenheit der Stadt zwischen SED-Nostalgikern und zugezogenen Westlern. Die Politik kapituliert.


Dies ist keine Posse. Auch wenn es nach Posse aussah, was am Mittwoch in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung passierte. Aber der Streit über den Wiederaufbau der Garnisonkirche ist eine Auseinandersetzung über Grundsatzfragen, die sowohl Brandenburg als auch die Gesamtgesellschaft betreffen. Deshalb sei die Stadtverordnetenversammlung der brandenburgischen Landeshauptstadt erst einmal zurückgestellt.

Die erste Grundsatzfrage ist die nach der Sichtbarkeit von Religion. Fast 90 Meter hoch war der Turm der barocken Garnisonkirche, die 1735 auf Befehl des preußischen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. errichtet wurde und die Potsdamer Silhouette gut 200 Jahre lang religiös prägte. Bis 1968 die Überreste der im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Kirche vom SED-Regime der DDR gesprengt wurden.

Ganz neu sichtbar gemacht würde das Christentum durch die Wiedererrichtung der Kirche. Dafür setzt sich seit 2008 die kirchliche Stiftung Garnisonkirche Potsdam ein. In ihrem Kuratorium sind unter anderem die Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg und die EKD vertreten, genauso die Stadt Potsdam und das Land Brandenburg.

Potsdam ist weithin religionslos

Kuratoriumsvorsitzender ist der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Altbischof Wolfgang Huber, zu den Unterstützern zählen Altbundespräsident Richard von Weizsäcker und der frühere brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Neben dem Einsatz für Kunst und Kultur, Toleranz und Völkerverständigung hat sich die Stiftung auch die Förderung von Religion zum Ziel gesetzt.

Doch hiergegen hat sich in Potsdam, einer in DDR-Zeit weithin entkirchlichten Stadt mit einem Protestantenanteil von heute 15 Prozent, eine Initiative "Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche" gebildet. Die Initiative sieht an diesem Ort keinen Bedarf für einen Sakralraum. Sie sammelte bei einem Bürgerbegehren in der 160.000-Einwohner-Stadt 14.285 Stimmen, die eine Auflösung jener Stiftung fordern.

Hitler vereinnahmte hier Preußen

Noch mehr aber als um die Sichtbarkeit von Religion geht es um den Umgang mit vergifteter deutscher Geschichte. Denn in der Garnisonkirche, die im 19. Jahrhundert zu einem Zentralsymbol des preußischen Staates wurde, vereinnahmten die Nationalsozialisten eben dieses Preußen.

Am "Tag von Potsdam", dem 21. März 1933, reichten Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg hier einander feierlich die Hände. Hochsymbolisch wurde damit ein Bündnis geschlossen, mit dem die Nazis die preußische Militärtradition in den Dienst an Vernichtungskriegen zwangen.

Die Stiftung für die Wiedererrichtung will diese Geschichte durch Ausstellungen, Diskussionen und eine Versöhnungskapelle im Turm kritisch aufarbeiten und zum Frieden in Freiheit beitragen. Das aber, so meinen die Gegner, könne durch den Wiederaufbau gerade nicht erreicht werden. Vielmehr solle ein "Symbol von Macht-, Kriegs- und Herrschaftsromantik" entstehen.

Zugezogene gegen Alteingesessene


Der Begriff "Romantik" führt dabei zum nächsten Konflikt, der hinter dem Streit steckt. Der ist ein spezifisch Brandenburgischer und hat viel mit der DDR sowie den Wandlungsprozessen im Berliner Speckgürtel zu tun. Denn die Kritiker des Projekts haben den Verdacht, dass es beim Wiederaufbau um einen schönen Schein gehe, um eine romantisch-historisierende Idyllisierung, die schon beim Wiederaufbau des als Landtag genutzten Stadtschlosses betrieben worden sei und den eingesessenen Bewohnern oktroyiert werde – von Zugezogenen.

Potsdam ist eine gespaltene Stadt. Was daran liegt, dass es von allen Städten Ostdeutschlands am stärksten wächst. Binnen sechs Jahren gewann die Stadt mehr als 10.000 Einwohner hinzu. Hierzu trugen sowohl die vielen Studenten bei – insgesamt rund 24.000 – als auch viele junge Familien mit Bindung ans nahe Berlin. Diese Familien haben sich vor allem im Stadtteil Babelsberg angesiedelt, dem "Prenzlauer Berg von Potsdam".

Altbewohner halten jene Zugezogenen für Latte Macchiato trinkende Grünen-Wähler mit eigenem Haus und amerikanischem Van, die ihren Nachwuchs im kirchlichen Kindergarten anmelden. Nicht von hier ist auch die Spitze der Stadtverwaltung. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) wuchs in Niedersachsen auf und begann seine Verwaltungskarriere in Spandau, im tiefsten Westen Berlins.

DDR-Nostalgiker gegen neue Elite

Innerhalb Potsdams lässt sich von einer informellen Demarkationslinie sprechen. Die vor allem aus Westdeutschland Zugezogenen leben im Norden der Stadt, die Altbewohner meist im Süden. Im Süden ist der Anteil der Senioren hoch, genauso der von Linke-Wählern. Die Linke, die bei der Kommunalwahl mit 25 Prozent stärkste Partei in der Gesamtstadt wurde, holte im südlichen Wahlkreis sechs nicht weniger als 41 Prozent.

So stößt in Potsdam, wo einst unter anderem die Juristische Hochschule der DDR-Staatssicherheit beheimatet war, die alte Nomenklatura der Diktatur auf die neue Elite der Demokratie und der Marktwirtschaft, also auf die gut verdienenden Neubürger aus dem Westen. Die verschiedenen Milieus existieren getrennt voneinander.

In Teilen der Stadt halten alte Stasi-Leute und SED-Genossen einander die Treue, während in Babelsberg, wo nicht wenige katholische Neubürger leben, für die Fronleichnamsprozession die Straße gesperrt wird. Und jetzt wollen, so mutmaßen viele Alteingesessene, auch noch die evangelischen Zugezogenen die Garnisonkirche wiedererrichten.
....
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Re: Hitler, DDR-Erbe und die Religion spalten Potsdam

Beitragvon augenzeuge » 1. August 2014, 13:41

Sirius hat geschrieben:
So stößt in Potsdam, wo einst unter anderem die Juristische Hochschule der DDR-Staatssicherheit beheimatet war, die alte Nomenklatura der Diktatur auf die neue Elite der Demokratie und der Marktwirtschaft, also auf die gut verdienenden Neubürger aus dem Westen. Die verschiedenen Milieus existieren getrennt voneinander.

In Teilen der Stadt halten alte Stasi-Leute und SED-Genossen einander die Treue.....


Aber die alte Nomenklatura der Diktatur wird zunehmend kleiner.....während die andere größer wird.... [denken]
AZ
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Re: Hitler, DDR-Erbe und die Religion spalten Potsdam

Beitragvon karnak » 1. August 2014, 14:53

augenzeuge hat geschrieben:
Sirius hat geschrieben:
So stößt in Potsdam, wo einst unter anderem die Juristische Hochschule der DDR-Staatssicherheit beheimatet war, die alte Nomenklatura der Diktatur auf die neue Elite der Demokratie und der Marktwirtschaft, also auf die gut verdienenden Neubürger aus dem Westen. Die verschiedenen Milieus existieren getrennt voneinander.

In Teilen der Stadt halten alte Stasi-Leute und SED-Genossen einander die Treue.....



Das ist natürlich völliger Quatsch. Die Leute sind schlichtweg nur angepisst von irgendwelcher vermeintlicher Steuerverschwendung, sehen keinen Sinn darin für hunderte von Millionen Euro eine Kirche komplett neu aufbauen zu lassen NUR aus einem einzigen Grund, weil man die Ruine aus ideologischen Gründen gesprengt hat, will man denen nun wenigstens im Nachgang den dicken Daumen zeigen und sie aus ideologischen Gründen wieder aufbauen. Ist sie dann mal fertig, es wird mit Sicherheit ein Schmuckstück für die Stadt so wie das Stadtschloss was jetzt alle toll finden und vorher waren viele dagegen.
Was ich in dem Zusammenhang für viel bedenklicher halte ist das"taktische Abstimmungsverhalten" der Stadtverordneten mit denen sie den Bürgerwillen aushebeln wollen und auch werden. Dieses von Demokratie quatschen, wenn es aber nicht in den Kram passt nichts mehr davon zu halten, mit irgendwelchen Winkelzügen doch den eigenen politischen Willen durchsetzen, mir geht das so was von auf den Zeiger, wie konnte ihr im Westen bloß 40 Jahre lang solche Gestalten wählen, ich hatte nach 20 Jahren schon den Kanal voll von diesem Mist. In der DDR wusste man wenigstens das man EIGENTLICH sowieso nicht wählt, jetzt kommt man sich manchmal irgendwie vera.. vor, man weiß nicht was schlimmer ist, zumindest geht es mir ab und an so.
Dieser Welt-Schreiberling versteht vom Osten, in dem Fall von Potsdam soviel wie der Papst vom Doppelbett, aber eine"dicke Lippe machen", den Besserwisserwessi raushängen lassen. Dieses Gesülze ist genau das was einen Ostdeutschen gewaltig nervt, wenn uns ein Westdeutscher oder Spätgeborener unser damaliges Leben und unser damaliges und heutiges Denken erklären will.
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Re: Hitler, DDR-Erbe und die Religion spalten Potsdam

Beitragvon Sirius » 1. August 2014, 15:44

karnak hat geschrieben:Das ist natürlich völliger Quatsch. Die Leute sind schlichtweg nur angepisst von irgendwelcher vermeintlicher Steuerverschwendung, sehen keinen Sinn darin für hunderte von Millionen Euro eine Kirche komplett neu aufbauen zu lassen


In dem Artikel steht, dass der Bau des Turms aus Spenden finanziert werden soll. Was ist mit dem Rest? Steht überhaupt fest, wer den Rest der Kirche finanzieren soll?

karnak hat geschrieben:NUR aus einem einzigen Grund, weil man die Ruine aus ideologischen Gründen gesprengt hat, will man denen nun wenigstens im Nachgang den dicken Daumen zeigen und sie aus ideologischen Gründen wieder aufbauen. Ist sie dann mal fertig, es wird mit Sicherheit ein Schmuckstück für die Stadt so wie das Stadtschloss was jetzt alle toll finden und vorher waren viele dagegen.


Sind es tatsächlich ideologische Gründe oder nostalgische, weil sie über 200 Jahre dort stand? Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche hatte auch keine ideologischen Gründe, sie wurde deshalb wieder aufgebaut, weil sie im Krieg zerstört wurde. Wird das Berliner Stadtschloss (eigentlich nur die Fassade) aus ideologischen Gründen wieder aufgebaut oder weil es dort früher stand? Das einzige Schloss, das neben dem Berliner Stadtschloss in Deutschland wieder aufgebaut wurde, war das Braunschweiger Schloss (nur die Fassade). Das hatte übrigens die Stadt in den fünfziger Jahren abreissen lassen, weil das Geld für den Wiederaufbau fehlte. Wurde der Palast der Republik aus "ideologischen" Gründen abgerissen oder wegen des Asbestproblems?

karnak hat geschrieben:Was ich in dem Zusammenhang für viel bedenklicher halte ist das"taktische Abstimmungsverhalten" der Stadtverordneten mit denen sie den Bürgerwillen aushebeln wollen und auch werden. Dieses von Demokratie quatschen, wenn es aber nicht in den Kram passt nichts mehr davon zu halten, mit irgendwelchen Winkelzügen doch den eigenen politischen Willen durchsetzen, mir geht das so was von auf den Zeiger, wie konnte ihr im Westen bloß 40 Jahre lang solche Gestalten wählen, ich hatte nach 20 Jahren schon den Kanal voll von diesem Mist. In der DDR wusste man wenigstens das man EIGENTLICH sowieso nicht wählt, jetzt kommt man sich manchmal irgendwie vera.. vor, man weiß nicht was schlimmer ist, zumindest geht es mir ab und an so.

Ich z.B. bin z.B. kein Anhänger der sog. repräsentativen Demokratie und dem Parteiensystem, und ich befürworte die direkte Demokratie. Nur, was soll man machen? Die etablierten Parteien verhindern eine direkte Demokratie.
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Re: Hitler, DDR-Erbe und die Religion spalten Potsdam

Beitragvon karnak » 1. August 2014, 15:53

Sirius hat geschrieben:
karnak hat geschrieben:Das ist natürlich völliger Quatsch. Die Leute sind schlichtweg nur angepisst von irgendwelcher vermeintlicher Steuerverschwendung, sehen keinen Sinn darin für hunderte von Millionen Euro eine Kirche komplett neu aufbauen zu lassen


In dem Artikel steht, dass der Turm aus Spenden gebaut werden soll. Was ist mit dem Rest? Steht überhaupt fest, wer den Rest der Kirche finanzieren soll?

karnak hat geschrieben:NUR aus einem einzigen Grund, weil man die Ruine aus ideologischen Gründen gesprengt hat, will man denen nun wenigstens im Nachgang den dicken Daumen zeigen und sie aus ideologischen Gründen wieder aufbauen. Ist sie dann mal fertig, es wird mit Sicherheit ein Schmuckstück für die Stadt so wie das Stadtschloss was jetzt alle toll finden und vorher waren viele dagegen.


Sind es tatsächlich ideologische Gründe oder nostalgische, weil sie über 200 Jahre dort stand? Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche hatte auch keine ideologischen Gründe, sie wurde deshalb aufgebaut, weil sie im Krieg zerstört wurde. Wird das "Berliner Stadtschloss" (eigentlich nur die Fassade) aus ideologischen Gründen wieder aufgebaut oder weil es dort früher stand? Das einzige Schloss, das neben dem Berliner Stadtschloss in Deutschland wieder aufgebaut wurde, war das Braunschweiger Schloss (nur die Fassade). Das hatte übrigens die Stadt in den fünfziger Jahren abreissen lassen, weil das Geld für den Wiederaufbau fehlte. Wurde der Palast der Republik aus "ideologischen" Gründen abgerissen oder wegen des Asbestproblems?

karnak hat geschrieben:Was ich in dem Zusammenhang für viel bedenklicher halte ist das"taktische Abstimmungsverhalten" der Stadtverordneten mit denen sie den Bürgerwillen aushebeln wollen und auch werden. Dieses von Demokratie quatschen, wenn es aber nicht in den Kram passt nichts mehr davon zu halten, mit irgendwelchen Winkelzügen doch den eigenen politischen Willen durchsetzen, mir geht das so was von auf den Zeiger, wie konnte ihr im Westen bloß 40 Jahre lang solche Gestalten wählen, ich hatte nach 20 Jahren schon den Kanal voll von diesem Mist. In der DDR wusste man wenigstens das man EIGENTLICH sowieso nicht wählt, jetzt kommt man sich manchmal irgendwie vera.. vor, man weiß nicht was schlimmer ist, zumindest geht es mir ab und an so.

Ich z.B. bin z.B. kein Anhänger der sog. repräsentativen Demokratie und dem Parteiensystem, und ich befürworte die direkte Demokratie. Nur, was soll man machen? Die etablierten Parteien verhindern eine direkte Demokratie.

Was soll mit dem Rest sein? Das ist die übergroße Masse des benötigten Geldes, von Potsdamern wird man nicht sonderlich viel davon bekommen [flash], also werden die paar, für die Geld sowieso keinen echten Wert mehr hat ein paar"großzügige" Spenden abliefern und diese von der Steuer absetzen und damit bezahlt der Steuerzahler 50% der Spenden und den verbleibenden Rest.
[flash] Genau,die "etablierten" Parteien verhindern eine direkte Demokratie, so kann man es auch definieren und so klingt es natürlich VIEL freundlicher und"was soll man dagegen machen", dass haben wir früher manchmal auch immer gesagt, dass soll aber"in Nischen einrichten" gewesen sein. [grin]
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Re: Hitler, DDR-Erbe und die Religion spalten Potsdam

Beitragvon pentium » 1. August 2014, 16:06

So so, die Leute sind also gegen eine Steuerverschwendung? Gut es soll bestimmt Verschwendung von Steuergeldern heisen. So wie ich es gelesen habe soll doch die Kirche aus Spenden errichtet werden, abgesehen von einer kleinen Summe, welche der Bund beisteuert.

Zitat:
Ähnlich wie bei der Frauenkirche in Dresden soll die Finanzierung des Wiederaufbaus mit Geldern von Kleinspendern, Großspendern und aus öffentlichen Mitteln erfolgen. Im August 2013 hat der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien die Förderung des Wiederaufbaus mit einer Summe von 12 Millionen Euro zugesagt.]

Zitat:
Worum geht es der „Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“?
Die Bürgerinitiative stellt die Frage zur Abstimmung: „Sind Sie dafür, dass die Stadt Potsdam alle rechtlich zulässigen Möglichkeiten nutzt, um auf die Auflösung der Stiftung Garnisonkirche Potsdam hinzuwirken?“ Erklärtes Ziel der Bürgerinitiative ist es, den Wiederaufbau der Garnisonkirche zu verhindern.]

Und noch ein Zitat:
Die Stadtverordnetenversammlung Potsdam hat am 7. Mai 2008 mit großer Mehrheit beschlossen, dass die Landeshauptstadt der „Stiftung Garnisonkirche Potsdam“ als Mitstifter beitritt und ein Mitglied ins Kuratorium der Stiftung entsendet. Darüber hinaus wurde beschlossen, folgende Vermögenswerte in das Stiftungsvermögen einzubringen: Den vertraglichen Anspruch auf Übertragung eines Grundstücksteils von circa 900 qm aus dem notariellen Kaufvertrag mit der ARAG Liegenschafts- und Beratungs- GmbH & Co. Immobilien KG . Dieser wurde durch den Sanierungsträger Potsdam an die Landeshauptstadt Potsdam aus dem Treuhandvermögen abgetreten; und die Grundstücksfläche, die für den Wiederaufbau der Garnisonkirche erforderlich ist und derzeit als Verkehrsfläche dient...]

Nun wird es lustig, laut „Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ soll die Stadt also alle rechtlich zulässigen Möglichkeiten nutzt, um auf die Auflösung der Stiftung Garnisonkirche Potsdam hinzuwirken, also an einer Stiftung wo sie selbst,
also die Stadt, ja Mitglied ist.
Um noch mal zu den Verschwendungen von Steuergeldern zu kommen. Wo ist eigentlich die Bürgerinitiative der Potsdamer gegen den Flughafen Berlin Brandenburg?

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Re: Hitler, DDR-Erbe und die Religion spalten Potsdam

Beitragvon karnak » 1. August 2014, 16:09

[flash] Also zu was für Bürgerinitiativen sich die Bürger zusammenfinden, dass musst Du schon den Bürgern überlassen, denke ich mal.
Übrigens würde es mir durchaus gefallen wenn die Kirche irgendwann steht, dass nur damit kein falscher Eindruck entsteht. Aber darum geht es gar nicht, ich denke das ist Dir klar.
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Re: Hitler, DDR-Erbe und die Religion spalten Potsdam

Beitragvon pentium » 1. August 2014, 17:16

Bitte jetzt keine "Palast der Republik-Abriss-Depatte"

Interessant bei der Potsdamer Garnisionskirche ist ja noch der Umstand, es gibt eine Baugenehmigung.

Zitat:
Der geplante Wiederaufbau der in der DDR als Kriegsruine gesprengten Potsdamer Garnisonkirche hat eine entscheidende Hürde genommen. Die Baugenehmigung der Stadt Potsdam sei am Montag erteilt und am Dienstag übergeben worden, sagte der Vorsitzende des Kuratoriums der Garnisonkirchen-Stiftung, der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Berliner Altbischof, Wolfgang Huber, am Dienstag in Potsdam...]

http://www.ekd.de/aktuell_presse/news_2 ... tsdam.html

Übrigens seit 2013!
Es gibt also ein Bauprojekt, mit einer gültigen Baugenehmigung. Also ein privates Projekt einer Stiftung, ja blöd formuliert. Dagegen kann es eigentlich juristisch gesehen keinen Bürgerentscheid geben, weil dann theoretisch auch gegen jedes Einfamilienhaus, das irgendjemandem irgendwo nicht passt einen Bürgerentscheid geben könnte.
Hat nicht die Stadt Podsdam das Grundstück für den Wiederaufbau der Stiftung übertragen?

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Re: Hitler, DDR-Erbe und die Religion spalten Potsdam

Beitragvon karnak » 1. August 2014, 17:30

pentium hat geschrieben:
Übrigens seit 2013!
Es gibt also ein Bauprojekt, mit einer gültigen Baugenehmigung. Also ein privates Projekt einer Stiftung, ja blöd formuliert. Dagegen kann es eigentlich juristisch gesehen keinen Bürgerentscheid geben, weil dann theoretisch auch gegen jedes Einfamilienhaus, das irgendjemandem irgendwo nicht passt einen Bürgerentscheid geben könnte.
Hat nicht die Stadt Podsdam das Grundstück für den Wiederaufbau der Stiftung übertragen?

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[flash] Dann ist doch alles in Ordnung, dann soll sich der Privatmann mit seinem Bau befassen und ihn bauen und die Potsdamer nicht mit seiner"Bettelei" zur Finanzierung seines Privatgebäudes"belästigen". Wäre das so, ich glaube nicht,dass eine Bürgerinitiative großen Zulauf hätte, von den paar Spinnern zum Thema Hitlerbesuch mal abgesehen. Aber natürlich wissen wir beide, dass das Quatsch und nicht so ist.
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Re: Hitler, DDR-Erbe und die Religion spalten Potsdam

Beitragvon pentium » 1. August 2014, 17:50

Mal aus der Ferne gesehen, Karnak ist es mir eigentlich Wurst ob in Potsdam eine Kirche gebaut wird oder nicht! Mit Dresden kann man es sowieso nicht vergleichen. Den in Dresden fand sich eine Mehrheit der Bewohner für den Wiederaufbau der Frauenkirche. Die Dresdener, wobei nicht nur die Dresdener wollten den Wiederaufbau.
Wobei mir das Letztere das Problem in Potsdam scheint. Erst den Wiederaufbau beschliesen, ja sogar einen Grundstein legen und dann einige Jahre nach diesem Beschluss und der Grundsteinlegung darüber zu diskutieren ob man denn nun die Kirche wieder oder nicht baut!
Falsche Reihenfolge.

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Re: Hitler, DDR-Erbe und die Religion spalten Potsdam

Beitragvon augenzeuge » 1. August 2014, 18:47

Volker Zottmann hat geschrieben:
Thoth hat geschrieben:sirius, der Palast der Republik wurde eindeutig und unwiderlegbar aus politisch-ideologischen Gründen abgerissen. Die Asbestproblematik war ein vorgeschobener und willkommener Grund aber nicht ursächlich.
Eine gleichartige Asbestproblematik hat auch seit Jahrzehnten das ICC in Berlin (West) befallen. Es entstand ungefähr zur gleichen Zeit wie der Palast und auch in ihm wurde tonnenweise Spritzasbest verarbeitet, im Steglitzer Kreisel ebenso; das nur mal nebenbei. In allen drei Fällen handelte es sich um den "guten" West-Spritzasbest, nur der im Osten muß eine Metamorphose durchgemacht haben das er auf einmal so gefährlich wurde.


Thoth


So ist es garantiert. Das ist ganz ernst gemeint. Wir haben über den Palastabriss schon mal gesprochen.... Der Abriss war ein Politikum!
Irrsinn war es und genau so, wie Thoth schreibt. Wir sind diesbezüglich heute einer Meinung. Der technisch raffiniertere Bau ist nun mal in Berlin der Palast gewesen. Man brauchte nur die Bühnentechnik betrachten. Ähnliches gibt es in Europa nicht noch einmal. Dennoch musste der Bau geschleift werden.
Asbest wurde in den 70er Jahren weltweit als Allheilmittel auf dem Bau, besonders im Brandschutz betrachtet und verbaut. Stellt Euch vor, man hätte all diese Gebäude niedergewalzt..

Gruß Volker


Zunächst, entschuldige ich mich vorsorglich....weil ich zur Asbestdebatte etwas schreiben muss.... [flash]

Thoth und Volker, der Abriss des PdR war kein Politikum! Der PdR war mit Spritzasbest verseucht, das ICC mit Plattenasbest. Fachleute kennen den Unterschied. Darüberhinaus waren die Kosten der Instandsetzung des PdR viel höher als erwartet. Die gesamte Klimaanlage hätte ausgetauscht werden müssen. Insgesamt errechneten Spezialisten, dass diese Arbeiten nahezu die Kosten des Neubaus erreicht hätten. Zusätzlich bestand eine klar definierte Gefährdung des Doms aufgrund der bautechnischen Beeinflussung des Grundwasserspiegels.

Die Entscheidung des Abrisses trafen zuerst Fachleute, keine Politiker. Kein Politiker hätte diese Abrissdebatte angeschoben, wenn die Abrißalternative nicht schon vorgelegen hätte.
Wer immer noch glaubt, dass das alles nicht stimmt, der muss die Frage beantworten, wer den PdR sperrte und warum. Das war die frei gewählte VK der DDR! De Maziere war im besitz streng vertraulicher Unterlagen, dass die Asbestverseuchung schon lange zuvor bekannt war und Honecker hielt diese Info zurück. Normalerweise hätte er schon viel früher geschlossen werden müssen, von der DDR. Das passierte nicht, man setzte die Menschen absichtlich dieser Gefährdung aus. Warum muss ich wohl nicht erklären....
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Re: Hitler, DDR-Erbe und die Religion spalten Potsdam

Beitragvon pentium » 1. August 2014, 21:04

Um wieder zur Garnisonskirche und Potsdam zu kommen. Die Thematik "Preußen" ist für Brandenburg ein wichtiger Tourismusfaktor geworden.
Der Beitrag aus der Berliner Zeitung ist zwar aus 2012 aber bestimmt noch aktuell.

Potsdam –

Das Thema Preußen ist ein wahrer Besuchermagnet für Brandenburg. Das hat die Bilanz des Friedrich-Jubiläumsjahres ergeben. Die historischen Themen locken nicht nur zahlreiche Touristen nach Potsdam sondern auch in die entlegeneren Regionen des Landes.

Brandenburg will mit Preußen zurück in die Zukunft. Eine vorläufige Bilanz des Friedrich-Jubiläumsjahres hat ergeben, dass historische Themen Besucher in Scharen anlocken – nicht nur nach Potsdam, sondern auch in entlegenere Regionen des Landes, in denen der Preußenkönig Spuren hinterlassen hat. Tourismusbranche und Kulturinstitutionen, die zum 300. Geburtstag Friedrichs II. eng zusammengearbeitet haben, hoffen nun darauf, dass der Erfolg von Dauer sein wird...]

http://www.berliner-zeitung.de/brandenb ... 40848.html

Ach ja und dann habe ich mal im architektur Forum nachgeschaut, ja dort wird dieses Thema schon seit 2003 diskutiert. Wer Lust hat die Beiträge zu lesen.
http://www.deutsches-architektur-forum. ... php?t=4104
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