Bashing, oder wie die Mauer in Kati Witts Kopf noch lebt

Alles was in den Zeitraum nach der Wende gehört. Das Zusammenwachsen von zwei grundverschiedenen Systemen, Probleme, Erwartungen, Empfindungen usw.

Re: Bashing, oder wie die Mauer in Kati Witts Kopf noch lebt

Beitragvon zoll » 7. November 2019, 12:36

Kati Witt könnte auch aufstehen und sagen, ja, ich habe für das DDR System gestanden, habe meine besten Leistungen gebracht, habe auch die Privilegien für hervorragenden Sportler genossen und fühle mich heute für damals keineswegs schuldig.
Was sie dann aber auch sagen müsste, wäre, dass sie das System DDR damals nicht in seiner Verderbtheit erkannt hat, es ihr mit der heutigen Kenntnis klar ist, dass sie in einem menschenverachtenden Unrechtsstaat gelebt und diesem mit ihren Leistungen gedient hat und zu Anerkennung verholfen hat.
Zur Wahrheit gehört auch immer Eingeständnis, auch wenn es sich um ganz persönliche Eingeständnisse handelt.

Um denen vorzubeugen, die dann gleich wieder den Neid ins Spiel bringen. Neid spielt hier keine Rolle.

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Re: Bashing, oder wie die Mauer in Kati Witts Kopf noch lebt

Beitragvon Volker Zottmann » 7. November 2019, 12:51

Kumpel hat geschrieben:
Beethoven hat geschrieben:Auf das Video bezogen. Frau Witt vertritt dort, m.M.n. sehr gut und offensiv ihre Einstellung.
Gefällt mir.


Das glaube ich dir auf's Wort. Ein typisch DDR kleinbürgerliches Gelaber.
''Das ham wir doch alles erst danach erfahren'' und die Sonne hat in der DDR doch auch immer so schön gescheint.
Die Witt rafft null was der Jahn ihr erzählt.



Ihr beiden gebt genau die Lager derer wider, die die Sendung gesehen haben.
Dass Beethoven solche für mich haarsträubende Sicht hat, wundert mich nicht. Käseglockensicht, heute noch.
Kumpel hingegen bringt es auf den Punkt: Die hat nichts , aber auch gar nichts von Jahns Worten verinnerlichen können.
Und das sicher auch, weil sie nie eine so desolate DDR erlebte, auch nicht begreift, was ihr der Mann überhaupt sagen will.

Und der Zonenhasser brachte es zur Witt auf den Punkt:
Wie kann man nur so dumm sein als ehemalige Hochprivilegierte des SED-Regimes zu einer solchen politischen Diskussionssendung zu gehen?


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Re: Bashing, oder wie die Mauer in Kati Witts Kopf noch lebt

Beitragvon Kumpel » 7. November 2019, 13:08

Dazu fällt mir die Antwort Ramelows ein als er vor einiger Zeit auf den roten Keil an seinem Revers gefragt wurde:

Ich trage nicht das Markenzeichen der Rot-Gardisten, ich habe die russische Moderne gewählt. Das bedrückt mich aber jetzt zu hören, in welchem Kontext Sie den Keil sehen. Da muss ich sagen: Das wusste ich nicht.
Zuletzt geändert von Kumpel am 7. November 2019, 13:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bashing, oder wie die Mauer in Kati Witts Kopf noch lebt

Beitragvon Volker Zottmann » 7. November 2019, 13:08

Beethoven hat geschrieben:
Und wenn diese Frau nicht vergessen hat, aus welchem Staat sie gekommen ist, wer es ihr, wenn auch unter persönlichen Entbehrungen, ermöglicht hat, solche Leistungen zu erbringen,
dann ist das aller Ehren wert.

Freundlichst


Sie kann von Glück sagen, dass sie keine der verstümmelten Dopingopfer wurde und offenbar gesund die heutige Zeit erlebt. Hunderte Andere wollten genauso Ruhm erlangen, weil es ihre Passion war, Sport zu treiben. Dutzende sind aber auf der Strecke geblieben.
Zu einer solchen Politrunde sollte man lieber Frauen in Jahns Alter laden, die selbst durch alle Beschwernisse der damaligen Zeit gehen mussten, um ein objektives DDR-Bild zu erzeugen. Mir wäre heute auch jedes kaputtgedopte Opfer lieber als Frau Witt, weil solche Sendung auch einen Bildungsauftrag hat.

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Re: Bashing, oder wie die Mauer in Kati Witts Kopf noch lebt

Beitragvon Kumpel » 7. November 2019, 13:13

Eines sollte man auch festhalten, bei all dem Willen und ihrer Disziplin , eine Frau Witt wurde mit der ganzen Wucht des Staates in ihre Position gebracht.
Es wurden Unsummen verbraten , Körper und Seelen zerstört um das Image des Mauerstaates DDR aufzuhübschen.
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Re: Bashing, oder wie die Mauer in Kati Witts Kopf noch lebt

Beitragvon augenzeuge » 7. November 2019, 17:09

Es war aber nicht so, dass ich einen Pass hatte und fahren konnte, wohin ich wollte. Ich musste das anmelden.

Oh....was für ein Problem. DDR Bürger haben immer gern alles angemeldet. Das waren die gewöhnt. Also die ohne Beziehungen.... [angst]

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Re: Bashing, oder wie die Mauer in Kati Witts Kopf noch lebt

Beitragvon Kumpel » 7. November 2019, 17:26

Nee , der gemeine DDR ler musste beantragen , Kati brauchte nur anmelden.
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Re: Bashing, oder wie die Mauer in Kati Witts Kopf noch lebt

Beitragvon Grenzwolf62 » 7. November 2019, 18:30

Ich weiß auch nicht, aber wenn man sie wegen ihrem Sport verdammt, irgendwie ist das auch etwas zu kurz gedacht, natürlich wollte die DDR Medaillenbringer züchten, aber der Sportler als Individuum hat sicherlich auch seinen Sport gerne gemacht und sich auch gefreut das er sehr erfolgreich ist.
Wenn du halt das Pech hattest Ostelbisch geboren zu sein, könntest du halt auch nur da deinen Sport betreiben, oder es halt lassen.
Wenn man es aber nicht lassen wollte, musste man halt mitspielen.
Alles wird, vielleicht, gut.
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Re: Bashing, oder wie die Mauer in Kati Witts Kopf noch lebt

Beitragvon Volker Zottmann » 7. November 2019, 19:30

Grenzwolf,
gestern ging es ja weniger um den reinen Sport, mehr darum, dass Frau Witt eine Fehlbesetzung zu dieser Runde war. Einem Jahn war sie nicht gewachsen. Die soll doch ruhig ihren Sport auch mit Freude gemacht haben. Nur zum "Durchschnittsbürger DDR" war sie die falsche Ansprechpartnerin. Sie hat nie normales Leben kennengelernt, unter den teils widrigen Bedingungen. Wie solllte sie da jemals fundierte Aussagen treffen können?

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