Strassen, Staedte, Orte...die nach der Wende umbenannt wurden

Alles was in den Zeitraum nach der Wende gehört. Das Zusammenwachsen von zwei grundverschiedenen Systemen, Probleme, Erwartungen, Empfindungen usw.

Re: Historiker fordert Umbenennung: Viele Oststraßen immer noch mit DDR-Namen

Beitragvon Sirius » 22. Oktober 2017, 17:27

Volker Zottmann hat geschrieben:Grundsätzlich sollte man Straßen nie nach Personen benennen.

Dann wäre uns Ostdeutschen auch so manche Umbenennung erspart geblieben.
In QLB wurde gleich nach der Wende aus der August-Bebel-Straße wieder die Kaiser-Otto-Straße.
Da jammerten viele Sozialdemokraten so laut, dass postwendend eine Neubaustraße Namens Koenen in August-Bebel-Ring umbenannt wurde. Der "arme" Namensgeber Koenen hatte jedoch Pech, weil er Bergmann und Kommunist war.
Der Harzweg in QLB wurde feierlich die Adolf-Hitler-Straße. Das Volk hat damals gejubelt! Dann war der Krieg vorbei und Lenin gab der Hitlerstraße seinen Namen. Das Volk hat gejubelt! Nach der Wende nun jubilierten alle ein drittes Mal, denn heute ist es wieder der Harzweg.
Verdient haben sicher jedesmal die Gebühreneintreiber beim Meldeamt und der jeweilige Schildermacher.

Gruß Volker


100 % Zustimmung. In Frankfurt/M. gab es einen Theaterplatz, weil dort das Theater ist. Vor ca. 20 Jahren wurde er in Willy-Brandt-Platz umbenannt. Es nervt, wie Machthaber ihre Macht missbrauchen, um Orte, Flughäfen und Straßen nach irgendwelchen Gesinnungsgenossen zu benennen. Und irgendwann kommen neue Machthaber und benennen wieder alles um - nach ihren Gesinnungsgenossen. Zudem ist es undemokratisch, die Bewohner der Straßen werden nie gefragt. Man kann davon ausgehen, dass in einem Teil der Fälle die Bewohner der Straßen gegen die Umbenennung wären.
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Re: Historiker fordert Umbenennung: Viele Oststraßen immer noch mit DDR-Namen

Beitragvon Volker Zottmann » 22. Oktober 2017, 18:10

Ich wohnte als Kind in QLB in der Maxim-Gorki-Straße. Diese Fliegerhäusersiedlung wurde 1936 geschaffen und hatte vornehmlich Straßennamen ostdeutscher Städte. Also damaliges wirkliches Ostdeutschland. So würde ich dann in der Thornerstraße gewohnt haben. Durfte aber so keinesfalls bleiben, denn die Ostgebiete waren verloren. Und das neue polnische Torun sollte auch nicht herhalten. Also haben es uns die Russen total besorgt. [flash] Gorki war noch zu haben.....
Mit Schriftstellern ist es meist nicht ganz so dramatisch, da werden Modewechsel doch langsamer als in der Politik vollzogen. Würde nun eine Marsstraße oder eine Siriusstraße kommen, wäre ich unbekümmerter, als wenn sie Merkurstraße hieße... Da krollten sich meine Nackenhaare, dass ich fast an Felix Krull denken müsste.

In den 1980ern war QLB jedenfalls so helle, alle Neubaugebiete mit Epochen überdauernden Namen zu versehen. So ist das Wohngebiet am Kleers ausnahmlos nach Baumarten und allerlei Gewächsen benamt worden.

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Re: Historiker fordert Umbenennung: Viele Oststraßen immer noch mit DDR-Namen

Beitragvon Sonny » 11. Dezember 2017, 20:28

"Straßburger Straße" würde ich jetzt nicht mit 1870/71 in Verbindung bringen, statt dessen "Wörthstraße/Wörther Straße" --- gibt es noch in vielen Städten.

Sirius hat geschrieben:Zudem ist es undemokratisch, die Bewohner der Straßen werden nie gefragt. Man kann davon ausgehen, dass in einem Teil der Fälle die Bewohner der Straßen gegen die Umbenennung wären.


Manchmal werden die Leute schon befragt. So gab es in Münster eine Volksabstimmung über Hindenburg, in Essen über Seeckt (letzterer durfte bleiben, ersterer nicht), und in meiner alten Heimat heißt die Lettow-Vorbeck-Straße weiterhin so, weil die Mehrheit der Anwohner es so wollte.
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Re: Historiker fordert Umbenennung: Viele Oststraßen immer noch mit DDR-Namen

Beitragvon Ari@D187 » 11. Dezember 2017, 21:04

Offenbar wurde in Holzdorf-Ost (Jessen) die mir bekannte Fritz-Schmenkel-Straße in Hans-Grade-Straße umbenannt.
Alles was auch nur entfernt nach DDR anmutet, wird wohl eliminiert.

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Re: Historiker fordert Umbenennung: Viele Oststraßen immer noch mit DDR-Namen

Beitragvon pentium » 11. Dezember 2017, 21:11

Ari@D187 hat geschrieben:Offenbar wurde in Holzdorf-Ost (Jessen) die mir bekannte Fritz-Schmenkel-Straße in Hans-Grade-Straße umbenannt.
Alles was auch nur entfernt nach DDR anmutet, wird wohl eliminiert.

Ari


In Leipzig gibt es noch eine Fritz-Schmenkel-Straße...und in Torgau

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Re: Historiker fordert Umbenennung: Viele Oststraßen immer noch mit DDR-Namen

Beitragvon steffen52 » 11. Dezember 2017, 21:12

Ari@D187 hat geschrieben:Offenbar wurde in Holzdorf-Ost (Jessen) die mir bekannte Fritz-Schmenkel-Straße in Hans-Grade-Straße umbenannt.
Alles was auch nur entfernt nach DDR anmutet, wird wohl eliminiert.

Ari

Aber das gab es doch zu jeder Zeit, einfach mal zurück denken! Nazi-Zeit, DDR-Zeit! Zu meiner Zeit hieß meine Grundschule " Schönauer Schule"( Stadtteilname), bei meinen
Abgang "Fritz-Schmenkel-Oberschule" und heute wieder " Schönauer Schule". Ist halt so. [hallo]
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Re: Strassen, Staedte, Orte...die nach der Wende umbenannt wurden

Beitragvon pentium » 11. Dezember 2017, 21:19

Kleine Anmerkung der Moderation:
Zwei Themen mit ähnlicher Thematik zusammen geführt....

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Re: Strassen, Staedte, Orte...die nach der Wende umbenannt wurden

Beitragvon Volker Zottmann » 11. Dezember 2017, 23:02

Die ständigen Umbenennungen gehen einem schon auf den Wecker.

Erst musste ich wegen baldiger neuer Telefonnummern nach 1990 meine Firmenkopfbögen vorbeugend mit freien Feldern versehen. Dann kam raus, dass die alten Nummern doch bestehen bleiben, Bestandsschutz genießen. Danach erfolgte meinerseits verannlasst ein neuer Druck. Kaum dass die Bögen vorlagen, wurde der Straßennamen (endlich) berechtigt zurückbenannt(1992). Hier im Ort war man einer SED-Lüge aufgesessen und hat meine Straße nach einem "SPD-Märtyrer" benannt, der gar keiner war. Ich weiß was ich schreibe, denn August W. hatte am 8. März 1945 Selbstmord in der Gefängniszelle begangen. Sein Wohnhaus bewohnte nun ich.

Als die neuen Postleitzahlen kamen, war unser Nest zu klein und die Stadt Ballenstedt bekam die selbe Postleitzahl. Folglich wurden einige Straßen umbenannt, damit es in einem Postgebiet keine Dopplungen gibt. Eigentlich logisch!
Dann aber kam die Kreisreform und aus 12 Orten wurde einer. Harzgerode war fortan das Zentrum. Straßenumbenennungen kamen sofort, denn es durfte keine Dopplungen geben. Nur die Stadt Güntersberge, einst kleinste Stadt der DDR, durfte alle Straßennamen beibehalten, denn die hat eine völlig ander Postleitzahl.... und gehört nun zur Stadt Harzgerode.

Heute hat die Stadt Harzgerode dadurch zweierlei verschiedene Postleitzahlen, aber Ballenstedt, die fremde Stadt immer noch die gleiche wie Harzgerode. So ein Kuddelmuddel!

Also, Postbote möchte ich auch nicht sein. So ein Durcheinander gibt es nach "Reformen" nur in Deuitschland! (Oder doch nur im Sondergebiet Ostharz?) [flash]


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Re: Strassen, Staedte, Orte...die nach der Wende umbenannt wurden

Beitragvon Volker Zottmann » 11. Dezember 2017, 23:08

CaptnDelta hat geschrieben:Kann's sein das Brandt lieber mit der Bahn fuhr, wenn's denn moeglich war? Ist natuerlich bei einem Bundeskanzler als generelle Linie undurchfuehrbar, aber irgendwie hatte ich in Erinnerung das er nicht so gerne flog und das lieber vermied, wenn machbar.

Dafuer wird der Flughafen in Berlin jetzt nach Willy Brandt benannt....

-Th



Warum auch nicht? Der Sozialdemokrat Otto Grothewohl, der alte Niedersachse , der dem Pieck die Hand entgegenstreckte, fuhr offenbar auch gern Bahn. Nach dem hat die DDR sogar einen Express benannt. [laugh]


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