"Stalins Rache"

Alles was in den Zeitraum nach der Wende gehört. Das Zusammenwachsen von zwei grundverschiedenen Systemen, Probleme, Erwartungen, Empfindungen usw.

"Stalins Rache"

Beitragvon Volker Zottmann » 15. November 2017, 10:44

dpa

Halle (Saale) -

Die Zahl der Fundmeldungen von Riesenbärenklau in Sachsen-Anhalt ist im Vergleich zu 2016 um nahezu 30 Prozent gestiegen. Seit 2010, dem Jahr der ersten Datenerhebung in Sachsen-Anhalt, wurde das gefährliche Doldengewächs bereits an 1.897 Standorten identifiziert.

Besonders betroffen von „Stalins Rache“, wie der Volksmund die Kaukasus-Pflanze nennt, sind der Salzlandkreis und der Landkreis Mansfeld-Südharz. Das geht aus einer aktuellen Bilanz des Unabhängigen Institutes für Umweltfragen (UfU) in Halle hervor.
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In nächster Zeit werden vermutlich noch weitere Fundstellen hinzukommen. „Gegenwärtig erfolgt eine intensive wissenschaftliche Auswertung von Satellitendaten und Luftbildern“, sagte Katrin Schneider, Leiterin der Koordinationsstelle Invasive Neophyten (Korina). Die Aufnahmen stammen aus dem Umland von Bernburg, weitere sollen in den nächsten Jahren nach Möglichkeit hinzukommen.
Wurzelknollen des Riesenbärenklau verbleiben im Herbst im Boden

Zum Einsatz kommt dabei ein Gyrocopter, ein spezielles Fluggerät, das während der Blütezeit im Sommer mit hochauflösender Spektral-Kameratechnik ausgestattet und im Tiefflug mit Tempo 30 über Verdachtsflächen unterwegs ist. Die gewonnenen Erkenntnisse helfen bei der Rodung, auch wenn die Pflanze im Herbst abstirbt. Der Grund: Es verbleiben bis zu 40 Zentimeter große Wurzelknollen im Boden.
Sachsen-Anhalts Umweltministerium unterstützt die Ortung und Bekämpfung mit beträchtlichen finanziellen Mitteln: Fast zwei Millionen Euro sind seit 2012 geflossen. Dabei gibt es neben dem Riesenbärenklau noch weitere 17 Arten von pflanzlichen Eindringlingen, die gleichfalls großen Ärger stiften und bekämpft werden sollen. Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne): „Die Probleme invasiver Arten sind vielfältig.“ Dementsprechend müssten die Reaktionen ausfallen. Ziel beim Riesenbärenklau sei es, die größten Vorkommen mit aufeinander abgestimmten Aktionen nach und nach einzudämmen. Damit verbinde man zugleich die Hoffnung, dass weniger Menschen mit den Pflanzen in Berührung kommen, die häufig stark schmerzende allergische Hautreaktionen auslösen. Außerdem gehe es darum, die einheimische Arten vor der wuchernden Dominanz des Riesenbärenklau zu schützen.
Kampf gegen „Stalins Rache“: Sachsen-Anhalt unterstützt mit knapp zwei Millionen Euro

2018 werden sich die Anstrengungen voraussichtlich auf diese zwei Areale konzentrieren. So soll der Riesenbärenklau entlang des Bachlaufes „Böse Sieben“ von der Quelle in Richtung „Süßer See“ bei Eisleben beseitigt werden. Dafür müssen auch private Grundstücksbesitzer gewonnen werden. Nur punktuelles Eingreifen bringt nach den bisherigen Erfahrungen kaum Fortschritte. Grund ist die außerordentlich große Zahl der Samen - bis zu 50.000 aus einer Dolde. Deshalb werde das Vorgehen künftig von einer Stelle aus gesteuert, etwa durch das örtliche Umweltamt. So ist es auch im Raum Strenzfeld bei Bernburg geplant.

Dort erstreckt sich das Gelände eines ehemaligen staatlichen Lehr- und Versuchsgutes. Zeitzeugen gilt es als erster nachweislicher Ausgangspunkt der Invasion. Riesenbärenklau ist nach deren Angaben in den 1960er Jahren probeweise angebaut worden, um das Futter-Problem der DDR-Landwirtschaft in den Griff zu bekommen - ohne Erfolg. Laut Überlieferung ist der Anbauversuch gescheitert, weil den Kühen das unbekannte Grünzeug nicht geschmeckt haben soll.

Unterschiedliche Erinnerungen kursieren inzwischen darüber, wie der Riesenbärenklau überhaupt nach Sachsen-Anhalt gelangt sei. Einer Version nach sollen Wissenschaftler des Bernburger Instituts für Pflanzenzucht die Samen aus der russischen Kuban-Region mitgebracht haben. Einem prominenten Getreide-Experte zufolge, Prof. Wilhelm Kappel aus Röbel (Müritz), ist jedoch SED-Politbüro-Mitglied Gerhard Grüneberg der Initiator des fragwürdigen Pflanzen-Experimentes. Akteure und Mitwisser sollten nicht darüber sprechen. „Das ganze Projekt war als vertrauliche Dienstsache eingestuft“, erklärt Kappel gegenüber der MZ. (mz)

– Quelle: https://www.mz-web.de/28847596 ©2017

Es war der selbe Grüneberg, der schon damals sagte, dass in der DDR keiner hungern müsse, denn "Kartoffeln gäbe es immer!".
Nun scheint der kaukasische Bärenklau auch noch sein Machwerk zu sein. Na danke schön!
Besonders im Südharz am Karstwanderweg trifft man diese aggressive Pflanze auf Schritt und Tritt.


Gruß Volker
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Re: "Stalins Rache"

Beitragvon Interessierter » 15. November 2017, 11:33

Wenn schon die Wirtschaftskraft nicht wuchs, so wuchs wenigstens der Bärenklau... [wink]
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: "Stalins Rache"

Beitragvon karnak » 15. November 2017, 14:06

[flash] Bloß gut, dass es genug solche"Zeitzeugen" gibt. Ob diese riesen Pflanzen die Kühe fressen sollten davon weiß ich letztlich nichts, ich weiß aber, dass diese, durchaus attraktive, Pflanze lange vor Stalin in westeuropäischen Parks als Zierpflanze angesiedelt wurde. Also neben dem Grüneberg werden wohl noch ein paar andere ihren Anteil daran haben, dass die Dinger jetzt hier wachsen.
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
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Re: "Stalins Rache"

Beitragvon pentium » 15. November 2017, 14:30

Der Riesen-Bärenklau ist einer der Neophyten Deutschlands, die zu einem Problem geworden sind. Er wurde vor knapp zweihundert Jahren aus dem Kaukasus nach Europa gebracht. So wuchs er im Schlosspark Königswart des Fürsten Metternich in Böhmen. In der DDR wurden Versuche unternommen, ob er als Futterpflanze geeignet sei, mit negativem Ergebnis.

https://offene-naturfuehrer.de/web/Hera ... nportraits)


Ende des letzten Jahrhunderts brachten Reisende die Herkulesstaude aus dem Kaukasus in die botanischen Gärten Westeuropas, von wo aus sich die Zierpflanze allmählich verbreitete....

Zuerst war das heraufziehende Unheil auf den Britischen Inseln bemerkt worden. Schon vor einem Vierteljahrhundert hatten sich dort Kinder vergiftet, als sie aus den hohlen Stielen des Riesenbärenklaus Blasrohre bastelten.
Von den Unglücksfällen angeregt, widmete die Rockgruppe Genesis dem "Giant Hogweed" ein Endzeit-Lied. Um sich für die Verschleppung aus der Heimat zu rächen, so sangen die Briten-Barden anno 1971, seien die Herkulesstauden aus den botanischen Gärten ausgebrochen. Die Giftgewächse eroberten nun die Städte und bedrohten die Zivilisation.
"Sie sind unbesiegbar", raunt düster-prophetisch der Rock-Refrain, "immun gegen all unsere herbiziden Schläge."

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8955390.html

Einen habe ich noch...

Er kennt die Probleme mit der auch Herkules- oder Russenkraut genannten grünen Plage. Explosionsartig war der aggressive Exot seit der Wende in einigen Ortsteilen hochgeschossen, hatte vor allem stillgelegte Brachflächen und verlassene Grundstücke binnen weniger Jahre in üppige, grüne Dschungel verwandelt. Die anspruchslose Monster-Pflanze ist sozusagen eine DDR-Altlast. In den 60er-Jahren erstmals aus der Sowjetunion eingeführt, sollte sie im Auftrag des Institutes für Acker- und Pflanzenbau in Müncheberg als Futtermittel für Zuchtvieh kultiviert werden. In Heinersdorf und Bernburg (Sachsen-Anhalt) wurden Versuchsflächen angelegt, die Experimente aufgrund von unrentablen Ergebnissen nach einigen Jahren abgebrochen, die Felder umgepflügt. Die Folgewirkungen des sich weiter verbreitenden Samens hatte jedoch niemand bedacht. Erst, als Kinder schwere Verbrennungen beim Spielen in der Natur erlitten, wurde erkannt, welche Gefahr der Bärenklau darstellt.

https://www.morgenpost.de/brandenburg/a ... ungel.html


...
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Re: "Stalins Rache"

Beitragvon karnak » 15. November 2017, 14:52

Da Schafe sie wohl gerne fressen ist der Gedanke sie als Futterpflanze zu nutzen vielleicht auch nicht völlig abwegig .
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Re: "Stalins Rache"

Beitragvon Kumpel » 15. November 2017, 15:04

karnak hat geschrieben:.................... Also neben dem Grüneberg werden wohl noch ein paar andere ihren Anteil daran haben, dass die Dinger jetzt hier wachsen.


Deine schützenden Schwingen über den Genossen in Ehren , aber kürzlich sah ich eine Reportage in der es um invasive Pflanzen ging.
Dabei wurde erläutert , dass es erst eine bestimmte Anzahl von Pflanzen geben muss damit sie sich über Regionen ausbreiten können.
Dafür reichten die wenigen Zierpflanzen aus den Gärten der ehemaligen Herrschaft nicht aus.
Dieses Pflanzenexperiment der DDR ist maßgeblich für diese Seuche verantwortlich.
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Re: "Stalins Rache"

Beitragvon Volker Zottmann » 15. November 2017, 15:25

karnak hat geschrieben:[flash] Bloß gut, dass es genug solche"Zeitzeugen" gibt. Ob diese riesen Pflanzen die Kühe fressen sollten davon weiß ich letztlich nichts, ich weiß aber, dass diese, durchaus attraktive, Pflanze lange vor Stalin in westeuropäischen Parks als Zierpflanze angesiedelt wurde. Also neben dem Grüneberg werden wohl noch ein paar andere ihren Anteil daran haben, dass die Dinger jetzt hier wachsen.


Was Du meinst heißt Kamille! [laugh]
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Re: "Stalins Rache"

Beitragvon karnak » 15. November 2017, 15:44

Kumpel hat geschrieben:
karnak hat geschrieben:.................... Also neben dem Grüneberg werden wohl noch ein paar andere ihren Anteil daran haben, dass die Dinger jetzt hier wachsen.


Deine schützenden Schwingen über den Genossen in Ehren , aber kürzlich sah ich eine Reportage in der es um invasive Pflanzen ging.
Dabei wurde erläutert , dass es erst eine bestimmte Anzahl von Pflanzen geben muss damit sie sich über Regionen ausbreiten können.
Dafür reichten die wenigen Zierpflanzen aus den Gärten der ehemaligen Herrschaft nicht aus.
Dieses Pflanzenexperiment der DDR ist maßgeblich für diese Seuche verantwortlich.

Unbeachtet ist es nur eine Frage der Zeit. Und die Pflanze wurde nicht nur als Zierpflanze sondern auch als Bienennahrung, was ein Irtum war, und als Wilddeckung angesiedelt. Wir hätten das Problem also auch ohne die Genossen an der Backe. Und es gibt noch dutzende andere Pflanzen und Tiere die irgendwie hier her gelangten und jetzt, außer Kontrolle, irgendwelche Probleme bereiten, meistens weil es irgend jemanden ursächlich als nützlich erschien sie hier zu haben.
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Re: "Stalins Rache"

Beitragvon Volker Zottmann » 15. November 2017, 17:57

Mit den Pflanzen ist es wie mit den Tschekisten!
Irgendwer hat sie eingeschleppt und nun haben wir sie an der Backe!
Ich weiß auch nicht wie wir die los werden.... [laugh]

Gruß in den schönen Abend, Volker
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Re: "Stalins Rache"

Beitragvon Ari@D187 » 15. November 2017, 21:54

Volker Zottmann hat geschrieben:[...]Riesenbärenklau in Sachsen-Anhalt ist im Vergleich zu 2016 um nahezu 30 Prozent gestiegen.[...]

Die osteuropäischen Banden werden auch immer dreister... [shocked]

Ari
Alles wird gut!
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Re: "Stalins Rache"

Beitragvon Volker Zottmann » 15. November 2017, 22:21

Ari@D187 hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:[...]Riesenbärenklau in Sachsen-Anhalt ist im Vergleich zu 2016 um nahezu 30 Prozent gestiegen.[...]

Die osteuropäischen Banden werden auch immer dreister... [shocked]

Ari

Damit auch Du das richtig verstehst: Die sind damit nicht an die Börse.... [laugh]

Gruß Volker
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