Jugendliche in Ost und West leben grundverschieden

Alles was in den Zeitraum nach der Wende gehört. Das Zusammenwachsen von zwei grundverschiedenen Systemen, Probleme, Erwartungen, Empfindungen usw.

Jugendliche in Ost und West leben grundverschieden

Beitragvon Interessierter » 7. Oktober 2019, 10:15

Die einen haben Angst vor „dem Islam“, die anderen vor dem Klimawandel: 30 Jahre nach dem Mauerfall bestimmt die Herkunft aus Ost- oder Westdeutschland das Weltbild junger Menschen stärker als gedacht. Dies zeigt die Studie „Kinder der Einheit – same, same but (still) different“.

Ost versus West: Chancen und Weltbilder

Die Studie zeigt interessanterweise 30 Jahre nach dem Mauerfall eine immer noch bestehende Kluft zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Die jungen Leute sind fast einstimmig (83%) der Meinung dass es im Westen Deutschlands weit mehr Karrieremöglichkeiten gibt als im Osten (33%). Die Mobilitätsbereitschaft von Osten nach Westen ist sogar doppelt so ausgeprägt wie umgekehrt, was daran liegen könnte, dass eben doppelt so viele Ostdeutsche die Zukunftschancen ihrer Region als weniger gut bewerten als Westdeutsche. Es gibt darüber hinaus einen festen Konsens über die höhere Lebensqualität und die besseren Verdienstmöglichkeiten in den westlichen Regionen Deutschlands.

Nicht nur in wirtschaftlichen Fragen gehen Ost und West auseinander. Die politischen und gesellschaftlichen Sorgen haben bemerkenswerte Unterschiede. So sind junge Ostdeutsche überdurchschnittlich (40%) besorgt über den Einfluss des Islams in Deutschland, sie befürchten, dass Gewalt und Kriminalität zunehmen könnten, und sie sorgen sich über Asylpolitik und die Integration von Geflüchteten. Außerdem haben 40% von ihnen Angst davor, dass Deutschland in einen Krieg involviert werden könnte. Sie fühlen sich zudem unwohl über den demographischen Wandel, der in ostdeutschen Regionen sehr stark ausgeprägt ist. Interessant ist auch das Misstrauen in den Staat und seine Institutionen, das im Osten mit 65% stärker vorherrscht, aber auch im Westen mit 57%, die für „wenig Vertrauen in die Politik“ gestimmt haben, einen wichtigen Faktor darstellt. Im Westen dagegen werden ganz andere Themen in Gewichtung gesetzt: die unter 25-Jährigen sorgen sich vor allem um den Klimawandel, haben Angst vor einem möglichen wirtschaftlichen Abschwung oder den zunehmenden nationalistischen und fremdenfeindlichen Strömungen.

No Future oder endloser Optimismus?

Die Frage nach der Zukunft beschäftigt junge Leute Tag und Nacht. Die Studie befragte sie über ihre Aussichten und Hoffnungen ihres Zukunftsbildes. Und die Ergebnisse waren erstaunlich: 73% der Befragten sehen ihrer beruflichen Zukunft mit Hoffnung entgegen, 64% bewerten die Aufstiegschancen in Deutschland als gut bis sehr gut. Die Generation Z scheint außerordentlich optimistisch, ist überzeugt davon, dass sich Leistung lohnt. Es finden sogar fast doppelt so viele, dass ihre Chancen besser sind als die ihrer Eltern, als vom Gegenteil überzeugt sind.

Die Digitalisierung – kaum eine Bedrohung

Ähnlich positiv wie ihre Aussicht auf die berufliche Zukunft sehen die jungen Menschen die Digitalisierung: 62% von ihnen sind der Meinung, dass die Entwicklung sich positiv auf ihr Leben auswirken wird und das sie insgesamt mehr Vorteile mit sich bringt. Die meisten glauben darüber hinaus aber nicht, dass die Digitalisierung einen sonderlichen Einfluss auf ihr Berufsleben ausüben wird.

Trotz dieses grundsätzlich positiven Fazits über die digitalen Entwicklungen im direkten Umfeld werden einige Aspekte der Digitalisierung auch kritisch bewertet. Die ständige Erreichbarkeit vor allem im Berufsalltag, wenn Arbeitende auch außerhalb ihrer Berufszeiten abrufbar bleiben müssen, wird von 50% der Befragten als kritisch angesehen. Als ebenfalls problematisch empfinden junge Leute, dass sie viel zu viel Zeit mit Medien verbringen, die sie oft auch mit echten sozialen Kontakten verbringen könnten. Oftmals schalten sie dann ihr Smartphone stumm/aus. Außerdem wünscht sich eine Mehrheit junger Leute mehr Vorbereitung auf die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt.

Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern

Die Chancengleichheit im Beruf war schon immer ein kompliziertes Thema. obwohl sich in den letzten Jahren viel gebessert hat und die Frauen ihre beruflichen Entwicklungs- und Aufstiegschancen überwiegend positiv beurteilen, spiegeln sich in dem Ergebnis durchaus schlechte Karriereerfahrungen junger Frauen wieder. Nur jede fünfte glaubt, dass Männer und Frauen gleiche Chancen bei einem Bewerbungsgespräch hätten, während fast die Hälfte der Ansicht ist, das Männer bevorzugt werden würden. Die Meinung der Männer ist ganz ähnlich, wobei sie doch eher etwas weniger mit der Diskriminierung von Frauen rechnen. Gespalten sind dagegen die Meinungen der Männer und Frauen bei der Einführung einer Frauenquote. Während die jungen Männer eher skeptisch sind – nur 27 % sprechen sich dafür aus – , unterstützen Frauen die Idee einer Frauenquote bis zur Erreichung von mehr Geschlechtergerechtigkeit mit 55%.

https://www.belltower.news/jugendstudie ... den-91273/
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Re: Jugendliche in Ost und West leben grundverschieden

Beitragvon Zicke » 7. Oktober 2019, 11:12

Jugendliche in Ost und West leben grundverschieden

von Interessierter
18. September 2019, 12:55
J.S.


„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“
Neben Einstein auch David Hilbert und Leonhard Euler zugeschrieben
Meine Rechtschreibfehler könnt Ihr Samstags ab 17 Uhr bei Rewe gegen eine lecker Senfgurke tauschen.
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Re: Jugendliche in Ost und West leben grundverschieden

Beitragvon Interessierter » 7. Oktober 2019, 13:40

Die DDR, das unbekannte Wesen

Im 30. Jahr des Mauerfalls haben Jugendliche kaum eine Vorstellung vom Leben im anderen deutschen Staat. Lehrerin Tilly Rolle will das ändern.

https://taz.de/Deutsch-deutsche-Geschic ... /!5628341/
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Re: Jugendliche in Ost und West leben grundverschieden

Beitragvon Volker Zottmann » 7. Oktober 2019, 14:01

Schon zu tiefsten DDR-Zeiten habe ich erleben müssen, dass Schulkinder des Westens über uns gar nichts wussten. Denen war nicht mal bewusst, dass wir auch ein Teil Deutschlands waren und sind
Ihr Schulunterricht vermittelte eben nichts und in dem Fall, den ich erlebte, haben deren Eltern im Vorfeld auch versagt. Die Kinder wussten wohin sie kutschiert werden, auch dass wir irgendwie Verwandte sind, aber geschichtliches Wissen, wieso eine Grenze Deutschland teilte, war nicht vorhanden.

Und das ist 30 Jahre nach Mauerfall eher noch drastischer geworden. Heute wissen viele hier lebende Kinder nicht mal die genauen Umstände, weshalb es keine DDR mehr gibt. Wissen auch nur verklärt über die damaligen Lebensumstände. Dem kann man eigentlich nur mit dem Wiedergeben erlebter Geschichten diese Zeit näherbringen.

Gruß Volker
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Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
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Re: Jugendliche in Ost und West leben grundverschieden

Beitragvon Klaus B. » 7. Oktober 2019, 18:28

Ich würde noch weiter gehen und drastisch behaupten, dass den meisten Jüngeren, also Schulkindern und Jugendlichen, die jüngere deutsche Geschichte völlig unbekannt ist. Es wäre müßig, nach dem warum? zu fragen, ich nehme an, diese Vorgehensweise ist den Deutschen immanent, weil es seit vielen Jahren nach dem Gusto der Welt unschicklich ist, sich als Deutscher stolz erkennen zu geben...

VG Klaus B. [hallo]
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Re: Jugendliche in Ost und West leben grundverschieden

Beitragvon Interessierter » 8. Oktober 2019, 06:56

Das war auch während meiner Schulzeit kurze Zeit nach dem 2. Weltkrieg so. Obwohl wir auch von 2 Lehrkräften unterrichtet wurden, die in der Wehrmacht gedient hatten, erfuhren wir während der ganzen Jahre nichts über diese Zeit.

Grund stolz zu sein, hatten die Deutschen ohnehin nicht.
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