Kapitulation einer Herrschaft - Ende der SED-Diktatur in Schwerin

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Kapitulation einer Herrschaft - Ende der SED-Diktatur in Schwerin

Beitragvon Interessierter » 26. November 2016, 10:43

Die SED-Bezirksleitung Schwerin war nach der verfehlten Gegendemonstration am 23. Oktober verzweifelt darum bemüht, die aufgeheizte politische Lage wieder zu beruhigen und die verlorene Initiative zurückzuerlangen. Noch katastrophaler stellte sich die Situation in den Kreisleitungen und Grundorganisationen dar, die den Druck der Straße unmittelbar zu spüren bekamen. In der Mitgliedschaft der SED begann sich allmählich der angestaute Frust in Aktivität zu verwandeln. Jedoch nicht, wie von der Parteiführung erhofft, im Sinne eines Aufbäumens gegen die sichtbaren Zerfallserscheinungen, sondern gegen die eigene Partei. Ein Teil wollte nicht länger der SED angehören. Allein in der Zeit vom 9. bis zum 13. November traten 1.481 Mitglieder aus. In der Regel wurde der Austritt nicht schriftlich erklärt. Sie legten ihr Parteibuch dem Parteisekretär auf den Tisch und äußerten, daß man sie lange genug belogen und betrogen habe.

Während des Umtausches der Parteidokumente, der letzten beabsichtigten »Säuberung« der Partei bis zum 17. November 1989 wurden im Bezirk 6.166 Mitglieder ausgeschlossen oder sie traten selbst aus. Darunter waren 46 Parteisekretäre und 21 Mitglieder von Kreisleitungen. Gleichzeitig wurden 1.435 Kandidaten aufgenommen, darunter 269 seit dem 1. September, die jedoch in der Mehrzahl ihren Entschluß, in die SED einzutreten, vor den Ereignissen des Herbstes gefaßt hatten und dabei blieben.

In den Betrieben wurden die Parteimitglieder mehr und mehr zur Zielscheibe offen geäußerter Kritik, die keineswegs immer sachlich war. Besonders die hauptamtlichen Parteisekretäre in den Betrieben, die bisher für die Durchsetzung der politischen Linie verantwortlich waren, hatten Rede und Antwort zu stehen. In einem Bericht an die Bezirksleitung heißt es deshalb: »Die Tendenz hält an, daß hauptamtliche Funktionäre nicht mehr dem Druck stand halten und ihre Tätigkeit ehrenamtlich fortsetzen möchten.«1 Vereinzelt gab es Angst vor den eigenen Kollegen.

Den vollständigen Beitrag findet man hier:
http://www.horch-und-guck.info/hug/arch ... 5-schwabe/

Wie in ganz Ostdeutschland/" DDR " hatten eben auch in Schwerin die Menschen endgültig die Nase voll und äußerten das auch sehr eindrucksvoll.
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: Kapitulation einer Herrschaft - Ende der SED-Diktatur in Schwerin

Beitragvon andr.k » 26. November 2016, 13:16

Interessierter hat geschrieben:Sie legten ihr Parteibuch dem Parteisekretär auf den Tisch und äußerten, daß man sie lange genug belogen und betrogen habe.


Die Genossen hatten wenigstens einen Popo inner Büx. [grin]
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Re: Kapitulation einer Herrschaft - Ende der SED-Diktatur in Schwerin

Beitragvon Wosch » 26. November 2016, 18:22

andr.k hat geschrieben:
Interessierter hat geschrieben:Sie legten ihr Parteibuch dem Parteisekretär auf den Tisch und äußerten, daß man sie lange genug belogen und betrogen habe.


Die Genossen hatten wenigstens einen Popo inner Büx. [grin]




Und hatten die davor keinen "Popo in der Büx"?
Hatten doch sicher auch ihre Gründe zum "freiwilligen" Eintritt, meinste nich auch?
Meine Mutter sollte als Lehrerin auch in die SED eingetreten werden. Sie wurde aber über den Termin des Werbegespräches informiert und trat vorher sofort in die LDPD ein. War zwar auch nicht das Gelbe vom Ei, aber was blieb ihr walter ulbricht?

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